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Friedrich M. Wurst, Natasha Thon et al. (Hrsg.): Glücksspielsucht

Rezensiert von Thomas Hax-Schoppenhorst, 26.07.2013

Cover Friedrich M. Wurst, Natasha Thon et al. (Hrsg.): Glücksspielsucht ISBN 978-3-456-85104-4

Friedrich M. Wurst, Natasha Thon, Karl Mann (Hrsg.): Glücksspielsucht. Ursachen – Prävention – Therapie. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2012. 250 Seiten. ISBN 978-3-456-85104-4. 39,95 EUR. CH: 53,90 sFr.

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Thema

Glücksspielsucht ist eine Krankheit und bestimmt das Alltagsleben süchtig spielender Menschen. Sie nehmen fast jede Gelegenheit wahr zu spielen und vernachlässigen Familie, Berufsleben und soziale Kontakte. Normalen Alltagsproblemen und negativen Gefühlen weichen sie aus, indem sie spielen.

Grundsätzlich ist keiner gegen Spielsucht immun. Die Zahl der Spielsüchtigen wird in Deutschland auf ca. 150.000 geschätzt. und ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Die meisten Spielsüchtigen sind Männer (etwa 90%).

Herausgeber

Prof. Dr. Martin Wurst und Mag. Natasha Mann kommen von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Christian-Doppler-Klinik in Salzburg; Prof. Dr. Karl Mann ist vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim. Es ist folglich davon auszugehen, dass ein sehr breites (klinisches) Erfahrungswissen die Grundlage für dieses Werk bot und damit Praxisnähe gegeben ist.

Entstehungshintergrund

Die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) lud im Jahre 2010 alle interessierten Wissenschaftler zur Schaffung einer gemeinsamen „Forschungsplattform Spielsucht“ (www.dg.-sucht.de) ein, da sich bei kritischer Würdigung der Datenlage u. a. die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung des Studiendesigns herauskristallisierte. Im April 2010 fand in Salzburg eine groß angelegte Tagung zu dem Thema statt. Die Vorträge dienten als Grundlage für das Buch.

Aufbau

Unter den Kapitelüberschriften

  • „Epidemiologie“,
  • „Ätiopathogenese“,
  • „Diagnostik und Therapie“,
  • „Prävention“ und
  • „Sozialkonzepte und politische Aspekte“

ist das Buch klar strukturiert und ermöglicht ein gezieltes Suchen nach Informationen zu Teilaspekten. Die Literaturlisten am Ende der einzelnen Kapitel und am Ende sind umfangreich und lassen keine Wünsche offen, was eine weitergehende Recherche anbelangt. Ein Register fehlt – was angesichts der voraus beschriebenen Merkmale in keiner Weise als Mangel angesehen werden muss.

Inhalt

Mit dem 1. Kapitel „Problematisches und pathologisches Glücksspielen in der Allgemeinbevölkerung“ und unter Bezug auf Studien in Deutschland wird die Brisanz des Themas auf der Basis überzeugender und zugleich ernüchternder Zahlen und Fakten in den Fokus gerückt.

Das 2. Kapitel „Glücksspielsucht – ein Risiko für Mann und Frau“ vertieft Erkenntnisse der genderspezifischen Suchtforschung, liefert Details zu den Aspekten „Genetik versus Umwelt“ sowie „Komorbidität und Gender“; das erhöhte Risiko pathologischen Spielverhaltens bei Männern wird hervorgehoben.

„Komorbide psychische Störungen beim pathologischen Glücksspiel“ sind Gegenstand des 3. Kapitels; insbesondere alkoholbezogene Störungen, affektive Störungen, Angststörungen, Zwangsstörungen und Persönlichkeitsstörungen finden vertiefende Berücksichtigung.

„Glücksspiel im Gehirn: Neurobiologische Grundlagen pathologischen Glücksspielens“ sowie „Lerntheoretische Erklärungsmodelle folgen in den Kapiteln 4 bzw. 5.

Auf „Forensisch-psychiatrische Aspekte der Spielsucht“ (hier u. a. Glücksspielkriminalität) wird im 6. Kapitel ausführlich eingegangen.

Auf die aktuelle Problematik, dass gegenwärtig kein Instrument als Standard zur Diagnostik des Glücksspielens anzusehen ist und sich für die praktische Arbeit derzeit eine Kombination störungsspezifischer wie störungsübergreifender Verfahren empfiehlt, nimmt Kapitel 7 Bezug.

„Chancen und Grenzen“ bei der stationären Therapie Spielsüchtiger stehen im Mittelpunkt des 8. Kapitels; Kapitel 9 beschäftigt sich mit Gesichtspunkten der ambulanten Behandlung pathologischen Glücksspiels.

Eine Metaanalyse in Bezug auf die „Wirksamkeit psychologischer und psychopharmakologischer Interventionen“ liefert Kapitel 10.

Auf Fragen der „Psychotherapie pathologischer Glücksspieler“ sucht das 11. Kapitel Antworten.

Die Kapitel 12 und 13 diskutieren die „Effektivität der Spielsperre als Maßnahme des Spielerschutzes“ bzw. die „Einschätzung des Gefährdungspotenzials“.

Sozialkonzepte und politische Aspekte (Spielerschutz/Kapitel 14; neuer Glücksspielstaatsvertrag/Kapitel 15; Glücksspielsucht in Österreich/Kapitel 16; Glücksspielsucht in der Schweiz/Kapitel 17) runden das Werk ab.

Diskussion

Steigende Zahlen Betroffener und Meldungen aus den Kliniken über eine Zunahme der Fälle (hier besonders die komorbiden psychischen Störungen) lassen die Schlussfolgerung zu, dass sich eine vielleicht in früheren Jahren unterschätzte Problematik mit erschreckender Heftigkeit offenbart.

Um somit eine Grundlage zu schaffen für solides konzeptionelles Arbeiten, war und ist ein Grundlagenwerk, das alle möglichen Blickwinkel ausreichend berücksichtigt, dringend erforderlich.

Fazit

Das Buch ermöglicht auf Grund seiner dargebotenen Vielfalt von Erklärungsmodellen, Behandlungskonzepten, Gedanken zur Prävention und Beiträgen zu den politischen Dimensionen einen überzeugenden Einstieg. Es eignet sich in hervorragender Weise gerade für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kliniken, die in den Abteilungen für Abhängigkeitserkrankungen Aspekte der Glücksspielsucht vertiefen wollen. Ebenso ist es allen ambulant Arbeitenden nur zu empfehlen. Besonders lobenswert ist der Einbezug des gesamtgesellschaftlichen Kontextes, da Kliniken und andere therapeutische Einrichtungen auf lange Sicht völlig überfordert (= überlaufen) wären, würde man nicht auch versuchen, die Profiteure des „Zockens“ in die Schranken zu weisen, Strukturen aufzubrechen.

Das Buch lässt keine Fragen offen und exponiert sich daher als ideale Investition für jene, die auf der Grundlage eines Titels mitreden können sollen bzw. wollen.

Rezension von
Thomas Hax-Schoppenhorst
pädagogischer Mitarbeiter der LVR-Klinik Düren, Sachbuchautor, Herausgeber, Erwachsenenbildner
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Es gibt 21 Rezensionen von Thomas Hax-Schoppenhorst.

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Zitiervorschlag
Thomas Hax-Schoppenhorst. Rezension vom 26.07.2013 zu: Friedrich M. Wurst, Natasha Thon, Karl Mann (Hrsg.): Glücksspielsucht. Ursachen – Prävention – Therapie. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2012. ISBN 978-3-456-85104-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13143.php, Datum des Zugriffs 17.07.2024.


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