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Christa Böhme, Christa Kliemke u.a. (Hrsg.): Handbuch Stadtplanung und Gesundheit

Cover Christa Böhme, Christa Kliemke, Bettina Reimann, Waldemar Süß (Hrsg.): Handbuch Stadtplanung und Gesundheit. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2012. 250 Seiten. ISBN 978-3-456-85044-3. 49,95 EUR, CH: 66,90 sFr.
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Thema

Wir wissen immer mehr über die Zusammenhänge von Wohnsituation, Lebensbedingungen, Lebensstilführung und Gesundheit. Dabei geht es nicht nur um einen geeigneten Zugang zu gesundheitsfördernden Maßnahmen und Einrichtungen. Vielmehr hängt die Frage einer gesundheitsfördernden Lebensweise zunehmend von Wohlbefinden, Anerkennung und sozialer Verortung in Wohnquartieren ab, also vom Wohnumfeld, in dem sich Menschen zuhause fühlen, anerkannt sind, relevant sind für andere und sich auf diese Weise zugehörig fühlen können. Die Frage wird dabei immer wichtiger, welche objektiven baulichen Strukturen, städtebaulichen Gestaltungsmomente auf das Wohlbefinden und andere Faktoren Einfluss nehmen und welche Zugänge zur Innenstadt die Quartiersbewohner haben und welchen Ruf des Quartiers in der übrigen Bevölkerung hat.

Der Stadtplanung wird in diesem Begründungszusammenhang eine Schlüsselrolle zugewiesen. Ihre Bedeutung wird dort relevant, wo es um sogenannte Quartierseffekte geht, also um Wirkungen auf das Verhalten und das Bewusstsein von Menschen, weil sie in dem Quartier wohnen.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Dipl.-Ing. Christa Böhme ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin im Bereich Stadtentwicklung Recht und Soziales im Deutschen Institut für Urbanistik Berlin.

Dr.-Ing. Christa Kliemke ist Leiterin des Kompetenzzentrums barrierefrei Planen und Bauen und wissenschaftliche Leiterin und Dozentin an der TU Berlin.

Dr. Bettina Reimann ist Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Urbanistik Berlin.

Dipl. Soz. Waldemar Süß ist Leiter der AG Gesundheitsförderung und Prävention am Institut für Medizinische Soziologie, Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Autorinnen und Autoren

Die weiteren Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen der Stadtentwicklung und -planung, der Gesundheitsförderung sowie der Stadt-, Regional- und Gemeindeforschung und der Gemeinwesenarbeit.

Aufbau und Einleitung

Nach einer Einführung durch das Herausgeberteam gliedert sich das Buch in drei große Teile:

  • Teil I Grundlagen
  • Teil II Handlungsfelder und Themenschwerpunkte
  • Teil III Strategien und Instrumente

In ihrer Einleitung fragen die Herausgeber, welchen konkreten Einfluss Stadtplanung und Stadtentwicklung auf die Gesundheit der Bürger haben und wie gesundheitliche Belange und Ansätze von Gesundheitsförderung und Prävention stärker in die Konzepte und Verfahren von Stadtplanung und -entwicklung integriert werden können. Dabei verwenden sie die Begriffe Stadtentwicklung und -planung synonym und meinen die Steuerung der Gesamtentwicklung von Stadt, was neben der baulich-räumlichen Entwicklung auch die gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle, soziale und ökologische Entwicklung meint.

Teil I Grundlagen

Marianne Rodenstein leitet diesen Teil mit ihrem Beitrag „Stadtplanung und Gesundheit – ein Rückblick auf Theorie und Praxis“ ein. Dabei entfaltet sie einen Spannungsbogen vom Einfluss der griechischen Medizin auf die Stadtplanung bis zur Stadt in der neusten Geschichte – die Stadt für den „gesunden Volkskörper“ in der Zeit des Nationalsozialismus und die Stadtentwicklung nach 1945, deren Probleme im Traktat von Alexander Mitscherlich „Die Unwirtlichkeit unserer Städte“ auf eine besondere Weise zugespitzt wurden. Sie weist nach, dass zu allen Zeiten – entsprechend dem jeweiligen Verständnis von Gesundheit und vom Wohnen in der Stadt – die Stadtentwicklung den Aspekt eines gesunden Lebens in der Stadt mit berücksichtigt hat. Es waren nicht erst die Städtebaureformer der Wende zum 20. Jahrhundert, die wie E. Howard die Gartenstadt propagierten oder die gegen die Mietskasernenkultur agierende Bewegung des Neuen Bauens, die auf die besonderen Probleme der Gesundheitsgefährdung durch Mietskasernen und engen Geschosswohnungsbau hinwiesen. Auch die mittelalterliche Stadtplanung war sich der Gefahren bewusst, die aus der Bauweise für die Entwicklung bestimmter Krankheiten entstanden.

Elena Sterdt und Ulla Walter nennen ihren Beitrag „Ansätze und Strategien der Prävention im Kontext von Stadtplanung“. Nach einer ausführlichen Diskussion der Dimensionen von Gesundheit und der Konzepte der Prävention und Gesundheitsförderung stellen sie die Ottawa-Charta vor und kommen dann zu einem zentralen Ansatz, der Gesundheitsförderung mit sozialräumlichen Aspekten verbindet: dem Setting-Ansatz. Zu Settings gehören Städte, Schulen und Kindertagestätten, Betriebe, Krankenhäuser, Regionen, Hochschulen, aber auch Gefängnisse. Der Kommune und dem Stadtteil wird eine besondere Bedeutung beigemessen, zumal hier konkrete Lebensverhältnisse, sozialökologische Kontexte gestaltet werden, die für das Wohlbefinden und die Gesundheit der dort lebenden Menschen von zentraler Bedeutung sind. Dabei werden ältere Menschen und Kinder und Jugendliche besonders berücksichtigt.

Auf das „Recht der kommunalen Bauleitplanung und gesundheitliche Belange“ geht der Beitrag von Rolf-Peter Löhr ein. Dabei befasst sich der Autor zunächst mit den rechtlichen Grundlagen von Planen und Bauen, geht auf die Aufgabe und den Rahmen der Bauleitplanung ein und diskutiert gesundheitsrelevante Planungsgrundsätze des Baugesetzbuches wie die nachhaltige städtebauliche Entwicklung oder die Sicherung einer als menschenwürdig anerkannten Umwelt. Daraufhin stellt Löhr Planungsleitlinien vor, die sich aus den gesetzlichen Vorgaben ableiten lassen. An oberster Stelle stehen gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und der Umweltschutz. Im Folgenden werden dann weitere Planungsschritte vorgestellt und diskutiert, wie der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan und die jeweils damit verbundenen gesundheitsrelevanten Aspekte.

„Internationale Leitlinien und Konzepte für Gesundheit und Stadtentwicklung“ stellt Eberhard Göpel vor. Es geht um die Frage einer vernetzten, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Stadtgestaltung als Rahmenbedingung für das Überleben in urbanen Ballungszentren der modernen Gesellschaft. Der Autor beschreibt dabei einen Prozess von der „funktionellen Stadt“ zur „vernetzten Stadt“. Die Charta von Athen (1933) bildet dabei den Anfang der Diskussion um eine Veränderung; der Prozess geht über das Städtebauförderungsgesetz von 1971, das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ (1999), Urban 21, die Charta von Athen (2003), die Leipzig-Charta (2007) und die Dunkerque-Declaration on Local Sustainability. Dies wird in einer Übersicht anschaulich entwickelt und mit den Gesundheitsförderungsprogrammen der WHO in Verbindung gebracht. Weiter geht der Autor auf die integrierte nachhaltige Stadtentwicklung ein (Lokale Agenda 21), auf die Rolle bürgerschaftlicher Beteiligung und auf eine settingorientierte kommunale Gesundheitsförderung. Daraus erwachsen einige Herausforderungen für die Städte, die dann vorgestellt werden.

Teil II Handlungsfelder und Themenschwerpunkte

Rotraut Weebers Beitrag „Wohnen und Gesundheit“ beschäftigt sich mit der Frage nach der Bedeutung der Wohnung und des Wohnens für die Gesundheit. Dabei ist Wohnen „mehr als die Summe der Tätigkeiten im und rund um das Haus“ (61). Es geht um das zu Hause sein, darum, dass man eine Adresse hat, dass man sich zugehörig und wohl fühlt und geborgen ist. Das hat für die Autorin auch etwas mit Gesundheit zu tun. Es geht ihr deshalb auch um die Frage, ob Wohnungslosigkeit nicht auch krank macht. Weiter geht es dann auch um einige technische Aspekte, um barrierefreies Bauen, Kontakt der Wohnung zum Grünen, Energiesparen, Lüftung, Wärme und Kühle, Lärm und Lärmschutz. Zum Schluss geht es R. Weeber um den Zusammenhang von Wohnen und Stadtquartier, also um das Wohnumfeld und seine städtebauliche Qualität; es geht um gute Nachbarschaft und Stadtteilleiben, aber auch um gesundheitsfördernde Maßnahmen im engeren Sinne im Quartier

Heinz Baumgarten nennt seinen Beitrag „Gesundheit und Freiraumplanung am Beispiel von Hamburg“. Der Autor argumentiert, dass bei der Planung großer Parkanlagen in der Stadt Gesundheitsaspekte immer schon eine Rolle gespielt haben. Am Beispiel von Hamburg weist er nach, dass öffentliche Freiräume auch immer schon einer altersspezifischen Nutzung zugeführt wurden, Sport- und Spielräume waren und damit auch zu einer Gesundheitsförderung beitrugen.

Den „Stadtverkehr und seine gesundheitlichen Folgen“ beschreibt Wulf-Holger Arndt in seinem Beitrag „Verkehrsplanung und Gesundheit“. Dabei beschreibt er zunächst direkte und indirekte Wirkungsdimensionen des Stadtverkehrs, geht auf die Verkehrsentwicklung ein, diskutiert ausführlich die Folgen des Verkehrs wie z. B. Verkehrsunfälle, Luftschadstoffemissionen oder Flächeninanspruchnahme u. a. m. und geht dann folgerichtig auf die Gestaltungsmöglichkeiten ein, die sich im Rahmen der Ottawa-Charta ergeben.

Christa Kliemke diskutiert „Barrierefreiheit in der Stadtplanung“. Nach der definitorischen Klarstellung geht sie auf die Geschichte behindertengerechten barrierefreien Bauens ein und diskutiert allgemeine Begriffe, Rechtsgrundlagen und Aufgabenfelder der Stadtplanung. Zum Schluss plädiert die Autorin für mehr Wissen über Barrierefreiheit.

„Medizinische Versorgung als Teil der Infrastrukturplanung“ nennt Jens Libbe seinen Beitrag. Nach einer Diskussion der institutionellen und organisatorischen Strukturen medizinischer Versorgung in Deutschland, wozu auch der Raumbezug gehört, geht der Autor auf die Herausforderungen ein, wie das Ausfüllen kleinräumiger Versorgungslücken oder die Abnahme und Spezialisierung von Krankenhausstandorten. Daraus erben sich Konsequenzen für die Infrastrukturplanung, die dann von Libbe abschließend dargestellt werden.

Der „Sozialen Ungleichheit in der umweltbezogenen Gesundheit als Herausforderung für Stadtplanung“ widmen sich Claudia Hornberg und Andrea Pauli. Im Kontext von public health wird umweltbezogene Gesundheitsförderung immer bedeutsamer – und Wohnstandorte sind nicht alle gleichermaßen privilegiert. Für die Frage der Erforschung von Wirkungszusammenhängen wird dabei eine integrierte Berichterstattung immer bedeutsamer.

Hendrik Merbitz und Christoph Schneider nennen ihren Beitrag „Stadtplanung und Luftreinhaltung“. Es geht um lufthygienisch wirksame Besonderheiten der urbanen Atmosphäre, um die Abhängigkeit der Luftqualität von meteorologischen Einflussfaktoren, um das rechtliche Instrumentarium, um die räumliche Verteilung von Schadstoffen und um die Luftqualität im Kontext der Stadtplanung.

Um „Lärmminderung in der Stadtplanung“ geht es Brigitte Schulte-Fortkamp. Dabei stellt sie den Ansatz der Soundscape-Forschung vor und diskutiert ausgewählte lärmbelästigungsbezogene empirische Forschungen.

Cornelia Rösler diskutiert „Klimaschutz und Stadtplanung“. Es geht um die Bedeutung des Klimaschutzes und der Klimaanpassung für die Gesundheit, dann aber auch um Potentiale der Stadtplanung und Instrumente und Maßnahmen.

Teil III Strategien und Instrumente

Waldemar Süß und Karin Wolf diskutieren die „Gesundheitsberichterstattung“ und kommen zu dem Ergebnis, dass die Stadtentwicklung und -planung noch zu wenig auf die Daten zurückgreift, die für eine Gesundheitsförderung durch Stadtplanung auch schon vorhanden sind. Aber auch fehlende Grundlagen rationaler Entscheidungsprozesse werden eingeklagt. Es geht ihnen um zentrale Aspekte einer Berichterstattung, die handlungsorientiert, integriert bzw. integrierend und kleinräumig orientiert ist. Die Autorin und der Autor stellen ein Ideal-Modell eines Planungsprozesses vor und benennen Datenquellen für eine kleinräumige Gesundheitsberichterstattung.

Rainer Fehrs Beitrag beschäftigt sich mit „Gesundheitliche(n) Wirkungsbilanzen (Health Impact Assessment, HIA)“. Hauptanliegen solcher Wirkungsbilanzen ist es, Entscheidungsträger über Strategien, Programme und Projekte zu informieren. Die Aufgaben, das Verfahren und das methodische Vorgehen werden ausführlich dargestellt, Einsatzfelder und Bilanzierungsbeispiele in der Stadt- und Regionalplanung werden diskutiert und Wirkungsbilanzen im Kontext der Umweltverträglichkeitsprüfungen werden vorgestellt.

Christina Böhme und Bettina Reimann plädieren in ihrem Beitrag „Gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung“ für mehr Gesundheit im Quartier. Die negativen Folgen sozialräumlicher Segregationsprozesse und die damit einhergehenden Quartierseffekte benachteiligter Wohnviertel führen auch zu gesundheitsbelastenden Wirkungen. Dabei könnte der Stadtteil ein Setting bieten, das Anlass ist für gesundheitsfördernde Maßnahmen und Einrichtungen. Dazu bedarf es auch als Basis des Handelns einer stadtteilbezogenen Gesundheitsberichterstattung, integrierter Handlungskonzepte und Akteure, die durch Kooperation und Beteiligung mit verantwortlich werden. Die Autorinnen fordern eine lokale Koordinierungsstelle Gesundheit, die den Überblick behält. Und es geht um eine angemessene Finanzierung und um die Entwicklung eines Monitorings mit Evaluationsansätzen in der Stadtteilentwicklung.

„‘Health-Governance‘ in der Stadtentwicklung – Partizipation und Kooperation als Instrumente zur Gesundheitsförderung in der Stadt“ heißt der Beitrag von Patricia Berndt und Heidi Sinning. Es geht in der Tat um die Frage, wie im Rahmen der Stadtentwicklung Gesundheitsthemen in Aushandlungsprozesse mit Beteiligten diskutiert und entschieden werden können. Wie lässt sich urban governance gestalten, wer sind die Kooperationspartner und die beteiligten Akteure und wie könnte ein Verfahren aussehen, in dem alle Beteiligten zum Zuge kommen? Die Autorinnen diskutieren diese Fragen, stellen ein Modell vor und unterlegen es mit Beispielen. Dabei wird auch über Public-Private-Partnership nachgedacht.

Welche Rolle der Gemeinwesenarbeit im Rahmen der Gesundheitsförderung zukommt, diskutieren Uwe Lummitsch und Daniel Wölfle in ihrem Beitrag „Partizipative Ansätze in der Gesundheitsförderung am Bespiel der Gemeinwesenarbeit“. Den Autoren geht es um die Frage, der Sozialraumorientierung und der Quartiersbestimmtheit von Gesundheit und um die Frage, wie man im Zuge der Gemeinwesenarbeit Gesundheitsförderung in Quartieren implementieren kann. Dabei gehen sie auf Ansätze der Gemeinwesenarbeit ein und diskutieren das Quartiersmanagement im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“. Sie unterlegen ihre Argumentation mit Beispielen und benennen Instrumente einer partizipativen Gesundheitsförderung wie die Aktivierende Befragung, Stadtteilrundgänge, Bewegungspfade, Werkstätten, lokale Netzwerke oder Wettbewerbe.

Am Beispiel der Gesundheitsförderung in Hamburg diskutiert Klaus-Peter Stender „Ressortübergreifende Kooperation“. Gesundheit ist das Ergebnis der Kooperation und Vernetzung verschiedenster Akteure. Als Leitprinzipien dienen sie der Aktivierung der Bewohnerschaft eines Quartiers, die sich als Teil einer res publica verstehen kann. Die theoretische Fundierung und die praktische Umsetzung sind zweierlei und der Autor benennt die Probleme der Umsetzung vor allem der ressortübergreifenden Zusammenarbeit, hat doch jedes Ressort seine eigene Logik des Handelns und Entscheidens. Der Autor beschreibt in diesem Zusammenhang Koordinierungsbausteine der Gesundheitsförderung und fordert verbindliche Beschlüsse und stabile Strukturen.

Am Schluss des Buches befindet sich ein umfangreiches Sachregister mit einschlägigen Begriffen, das einem bei der Suche nach spezifischen Aspekten hilft.

Diskussion

Bei allem, was uns einleuchtet, wenn es um den Zusammenhang von Stadtplanung, Stadt(teil)entwicklung und Gesundheit geht; bei allem, was uns deutlich wird, wenn wir Zusammenhänge von sozialräumlicher Segregation, benachteiligten Quartiere und den Rahmenbedingungen eines gesunden Lebens problematisieren – viele kleine und auch bedeutendere Facetten dieses Themas gehen einem erst auf, wenn man die einzelnen Beiträge liest.

Dabei ist das Thema nicht sehr, welche Auswirkungen die sozialräumlichen Bedingungen des Quartiers auf die Gesundheit haben. Vielmehr ist das Thema, warum diese Auswirkungen zu wenig in der Stadtplanungspolitik und in der Politik der Gestaltung des Sozialen in einer Stadt berücksichtigt werden. Noch immer wird Gesundheit und ihre Gefährdung als Thema von Individuen diskutiert und nicht als Thema struktureller Bedingungen des Lebens, Handelns und Aufwachsens. Vor allem die indirekten Wirkungen sind es, die nicht so sehr medizinisch identifizierbar sind und sich auch nicht so behandeln lassen, weil sie in den sozialen Bedingungen der Lebensstilführung begründet sind – das wird in ganz vielen Beiträgen immer wieder verdeutlicht.

Fazit

Das Handbuch ist in seinem Facettenreichtum und seinen Begründungszusammenhängen eine Bereicherung der Diskussion vor allem in der Stadtentwicklungspolitik und sollte vor allem den dort verantwortlich Handelnden anempfohlen werden.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 17.04.2012 zu: Christa Böhme, Christa Kliemke, Bettina Reimann, Waldemar Süß (Hrsg.): Handbuch Stadtplanung und Gesundheit. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2012. ISBN 978-3-456-85044-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13146.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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