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Michaela Maier, Frank M. Schneider u.a.: Psychologie der internen Organisationskommunikation

Cover Michaela Maier, Frank M. Schneider, Andrea Retzbach: Psychologie der internen Organisationskommunikation. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2012. 7., ergänzte Auflage. 232 Seiten. ISBN 978-3-8017-2359-0. 39,95 EUR, CH: 53,90 sFr.
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Thema

„Vieles, was in Organisationen stattfindet, ist Kommunikation“, schreibt Heinz Schuler im Geleitwort. Die Herausgeber stellen im Vorwort fest, dass die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema interne Organisationskommunikation vorrangig praxisorientiert sind oder eher aus betriebswirtschaftlicher oder PR-Perspektive geschrieben sind und dabei die psychologische Perspektive vernachlässigt haben.

Ziel der Beiträge dieses Buches ist es, aus psychologischer Perspektive aufzuzeigen, welche komplexen Wirkzusammenhänge sowie Effekte der Organisationskommunikation auf psychologische Prozesse und Messgrößen vor dem Hintergrund etablierter Theorien angenommen werden können und welche empirischen Befunde heute dazu vorliegen.

Herausgeber und Autoren

Das Buch ist Teil der Reihe „Wirtschaftspsychologie“, herausgegeben von Heinz Schuler, der auch das Geleitwort verfasste. Heinz Schuler ist Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität Hohenheim, sowie Wissenschaftlicher Leiter von „S&F Personalpsychologie und HR Diagnostics“. Michaela Maier ist Juniorprofessorin an der Universität Koblenz-Landau und Professorin für angewandte Kommunikationspsychologie am dortigen Institut für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft (IKMS). Frank Schneider und Andrea Retzbach sind Diplompsychologen und wissenschaftliche Mitarbeiter von Michaela Maier. Die anderen Autoren sind ebenfalls großenteils gegenwärtige oder ehemalige Doktoranden der Universität Koblenz-Landau. Manfred Schmitt hat dort den Lehrstuhl für Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie inne, und Sabine Einwiller ist Professorin für Publizistik mit Schwerpunkt Unternehmenskommunikation am Institut für Publizistik an der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz

Aufbau

Die Beiträge dieses Bandes gliedern sich in vier Teile und eine Schlussbetrachtung:

  • Teil 1 legt die Grundlagen mit Gegenstand, Bedeutung und Zielen der internen Organisationskommunikation.
  • Teil 2 beleuchtet die interne Organisationskommunikation aus der Perspektive psychologischer Grundlagen- und Anwendungsdisziplinen und stellt Zusammenhänge mit Persönlichkeitspsychologie, Allgemeiner Psychologie, Pädagogischer Psychologie, Sozial- und Organisationspsychologie sowie Kommunikations- und Medienpsychologie her.
  • Teil 3 nimmt die Perspektive der verwandten Disziplinen Kommunikationswissenschaft, Betriebswirtschaft, Soziologie und Recht ein.
  • Teil 4 beschäftigt sich mit der internen Organisationskommunikation als Forschungs- und Anwendungsfeld und diskutiert Diagnostik, empirische Befunde und Berufsfelder.
  • Teil 5 ist eine zusammenfassende Schlussbetrachtung.

Jedes Kapitel enthält eine Literaturliste sowie Literaturempfehlungen der Autoren zur weiteren Vertiefung des Kapitelschwerpunktes. Das Buch endet mit einer Kurzbiographie der Autoren, einem Personen- und einem Sachverzeichnis.

Teil I. Grundlagen

Kapitel 1 beschreibt den Gegenstand und die Bedeutung der internen Unternehmenskommunikation als Wettbewerbsfaktor und plädiert für ihre Etablierung als eigenständige psychologische Anwendungsdisziplin.

Kapitel 2 geht auf Ziele und Einflussfaktoren der internen Organisationskommunikation ein und entwickelt ein Wirkmodell, das theoretische Annahmen zu verschiedenen Wechselwirkungen zwischen interner Kommunikation und organisations- und mitarbeiterbezogenen Zielen aufzeigt. Die Wirkungen werden vermittelt und beeinflusst durch den Menschen mit seiner Persönlichkeit, Kognitionen, Emotionen, Wissen, Absichten, Normen, Einstellungen und Motivationen, aber auch durch situationsbedingte Faktoren.

Teil II. Psychologische Disziplinen

Kapitel 3 untersucht zunächst Einflüsse der Persönlichkeit, wie z.B. Fähigkeiten, Temperament, Motive und Einstellungen auf die interne Kommunikation, um dann umgekehrt den Einfluss der internen Organisationskommunikation auf die Persönlichkeitseigenschaften der Mitarbeiter zu betrachten.

Kapitel 4 beschäftigt sich auf der Grundlage von Kognition und Emotion mit der Frage, wie Menschen ihre organisationale Umgebung wahrnehmen, verarbeiten und empfinden.

In Kapitel 5 erfahren wir anhand der Lerntheorien der klassischen und operanten Konditionierung, des Modelllernens, des Medienlernens sowie des selbstgesteuerten und organisationalen Lernens, wie Menschen in Organisationen lernen.

Die in Kapitel 6 beschriebene Sozial- und Organisationspsychologie untersucht, wie Menschen sich in Organisationen verhalten und wie sie ihre Arbeit wahrnehmen. Hier werden individuelle Einstellungen (Commitment, Identifikation, Motivation und Zufriedenheit) sowie soziale Interaktionen untersucht.

Kapitel 7 stellt Kommunikationsmodelle und Theorien der Medienwahl zur Kommunikation vor, um dann verschiedene in der internen Unternehmenskommunikation übliche Medien zu kategorisieren. Das Kapitel endet mit der Verwendung von Zwei-Wege-Modellen, um Einstellungsveränderungen durch Medien zu erklären.

Teil III. Nachbardisziplinen

Kapitel 8 beschreibt die interne Kommunikation aus der Sicht der Kommunikationsforschung und entwickelt einen integrierten strategischen Kommunikationsplanungsprozess. Weiterhin finden sich einige Hinweise für die Praxis und ein Appell, dass Forschung zur internen Kommunikation nur interdisziplinär gelingen kann.

In Kapitel 9 erfahren wir, wie die betriebswirtschaftliche Sicht den Nutzen der internen Kommunikation versucht messbar zu machen, zu budgetieren und über Instrumente wie die „Balanced Scorecard“ oder das „7S-Modell“ in die Unternehmensstrategie und Change Management einzubetten, unterlegt mit einem kleinen Fallbeispiel.

Kapitel 10 diskutiert anhand soziologischer Modelle auf der Mikro- (interpretative Soziologie), Meso- (Organisationssoziologie), Makro- (Systemtheorie) und Metaebene die Frage, wie soziale Strukturen und Kommunikation in Organisationen zusammenhängen. Die Autoren leiten hieraus drei Themenbereiche ab: Machtverhältnisse, Koordination und Informationsfluss, sowie Entscheidungsprozesse.

Kapitel 11 erläutert aus rechtlicher Sicht die Relevanz der gesetzlichen Regelungen (vor allem das Betriebsverfassungsgesetz), die die Mitbestimmung und Informationsrechte der Mitarbeiter bzw. Informationspflichten der Arbeitgeber regeln.

Teil IV. Forschung und Anwendung

Kapitel 12 liefert einen komprimierten Überblick über die empirischen Forschungsmethoden zur Diagnostik und Evaluation der internen Kommunikation. Es beschreibt einen Forschungsprozess mit Beispielen für Forschungsdesigns und einer Übersicht über Verfahren und deren Instrumente, Gütekriterien und Evaluationsstandards.

In Kapitel 13 werden empirische Befunde zur Nutzung und Effektivität interner Organisationskommunikation vorgestellt ebenso wie Evaluationsstudien zum Wirkmodell aus Kapitel zwei. Im ersten Teil geht es um Aussagen zur Bedeutung, Häufigkeit und Medien der internen Kommunikation, gefolgt von Studien zur Wirkung, wobei auch die Problematik der Korrelationen diskutiert wird. Der dritte Teil präsentiert Ergebnisse zur Change Kommunikation.

Kapitel 14 stellt vor, welche Arbeits- und Berufsfelder sich mit interner Kommunikation beschäftigen und illustriert deren Ziele, Herangehensweisen und Herausforderungen anhand von Interviews mit vier Praktikern aus den einzelnen Feldern.

Teil V. Schlussbetrachtungen

Kapitel 15 fasst das Buch entlang seiner einzelnen Beiträgen zusammen und endet mit dem Fazit, dass die interne Kommunikation Organisationserfolg und Wohlbefinden der Mitarbeiter positiv beeinflussen kann und Kommunikationsfachleute deshalb bei der Gestaltung der Kommunikation auf das Wissen psychologischer Grundlagen und Anwendungsfächer sowie auf aktuelle Ergebnisse der empirischen Sozialforschung zurückgreifen müssen.

Diskussion

Dieser Überblicksband richtet sich vorrangig an Studierende der Kommunikationswissenschaft, Sozialwissenschaft und der Psychologie (S. IX) mit dem darüber hinausgehenden Ziel, die interne Organisationskommunikation als eigenständige psychologische Fachdisziplin zu etablieren.

Das Verdienst des Buches liegt nicht allein in der Darstellung der für die interne Kommunikation relevanten psychologischen Grundlagen, sondern auch in der Zusammenstellung theoretischer Erklärungsmodelle zur internen Organisationskommunikation aus unterschiedlichen Teildisziplinen entlang eines Wirkmodell sowie in der Präsentation des aktuellen empirischen Forschungsstandes zur internen Organisationskommunikation. Die kurzen Einführungen in die Perspektiven der Kommunikationswissenschaft, Betriebswirtschaft, Soziologie und Recht sowie die Vorstellung einzelner Arbeits- und Berufsfelder stellen einen Bezug zur Anwendung her. Damit liefert der Band eine strukturierte Ausgangsbasis für Semesterarbeiten, für weitere Forschung sowie für die konzeptionelle Entwicklung interner Kommunikationsstrategien in Organisationen.

Fazit

Die „Psychologie der internen Organisationskommunikation“ von Maier et al. bietet Studierenden einen strukturierten Einstieg in die psychologischen Grundlangen der internen Organisationskommunikation mit einem Abriss über den aktuellen Forschungsstand und empirischen Befunden sowie einen Einblick in Arbeits- und Berufsfelder. Die Theorien, Modelle und Methoden sind auch für interessierte Praktiker verständlich dargestellt.


Rezension von
Dipl.-Kfm. Tatjana van de Kamp
Dipl. Kauffr.; MA (Arbeits- und Organisationspsychologie)
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Zitiervorschlag
Tatjana van de Kamp. Rezension vom 04.09.2012 zu: Michaela Maier, Frank M. Schneider, Andrea Retzbach: Psychologie der internen Organisationskommunikation. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2012. 7., ergänzte Auflage. ISBN 978-3-8017-2359-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13165.php, Datum des Zugriffs 30.05.2020.


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