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Jutta Fürst, Klaus Ottomeyer et al.: Psychodrama-Therapie. Ein Handbuch

Rezensiert von Dr. Birgit Szczyrba, 21.09.2004

Cover Jutta Fürst, Klaus Ottomeyer et al.: Psychodrama-Therapie. Ein Handbuch ISBN 978-3-85076-663-0

Jutta Fürst, Klaus Ottomeyer, Hildegard Pruckner: Psychodrama-Therapie. Ein Handbuch. Facultas Verlag (Wien) 2004. 469 Seiten. ISBN 978-3-85076-663-0. 34,80 EUR. CH: 61,00 sFr.

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Einführung

Das Handbuch zur Psychodrama-Therapie stellt eine Sammlung von Beiträgen dar, die sich in drei Teile gegliedert

  • mit theoretischen, methodischen und technischen Aspekten des Psychodramas nach Moreno im Rahmen der Therapie befassen,
  • Anwendungsgebiete des Psychodramas innerhalb des Formates Psychotherapie vorstellen und differenzieren und
  • aus der Forschung zum Psychodrama und über die Ausbildung im Verfahren Psychodrama berichten.

Zu den Herausgeber/inne/n

Dr. Jutta Fürst ist Klinische Psychologin und Psychotherapeutin für Psychodrama und Katathym Imaginative Psychotherapie in freier Praxis, Lehrtherapeutin im ÖAGG und wissenschaftliche Leiterin des Lehrgangs für Psychodrama-Theapie an der Universität Innsbruck.

Prof. Dr. Klaus Ottomeyer vom Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt ist Psychotherapeut und Leiter der Abteilung für Sozialpsychologie, Ethnopsychologie und Psychotraumatologie.

Hildegard Pruckner ist Beratungslehrerin in Wien, Psychodrama-Therapeutin und Supervisorin in freier Praxis und Lehrtherapeutin für Psychodrama, Soziometrie und Rollenspiel im ÖAGG.

Aufbau und Inhalte

Das Handbuch "Psychodrama-Therapie" enthält im ersten Teil Theorie, Methodik, Technik vierzehn Beiträge, in denen zusammengefasst folgende Aspekte zur Sprache kommen:

  • Leben und Wirken Morenos (Fürst),
  • die therapeutische Philosophie (Buer),
  • die Verortung des Psychodramas zur kritischen Gesellschaftstheorie (Ottomeyer),
  • Diagnostik (Burmeister),
  • Persönlichkeitstheorie (Hutter),
  • entwicklungstheoretische Skizzen (Schacht),
  • Ausführungen zur Rollentheorie (Hochreiter),
  • Rollenpathologie (Stelzig),
  • Soziometrie (Pruckner),
  • der Ablauf eines klassischen Psychodramas (Hollenstein-Burtscher),
  • Instrumente (Haselbacher),
  • Techniken (Lammers) und
  • Objekte (Pruckner).

Elf Beiträge im zweiten Teil unter der Überschrift Anwendungsgebiete beschreiben die therapeutischen Felder, in denen das Psychodrama Anwendung findet:

  • Einzeltherapie (Fürst),
  • Paarberatung (Trinkel),
  • Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Biegler-Vitek, Riepl, Sageder),
  • Geistigbehindertenarbeit (Denk),
  • im stationären Bereich (Jorda),
  • bei Traumata (Ottomeyer),
  • in der Arbeit mit Sexualtätern (Brem),
  • bei psychosomatischen Störungen (Stelzig),
  • im Suchtbereich (Zauner),
  • bei Essstörungen (Gänszle),
  • in der Supervision und im Coaching (Krall, Schulze).

Zwei Beträge in Teil III Forschung (Wieser) und Ausbildung (Schigutt) schließen den Band ab.

Diskussion

Die "Befreiung vom eingeklemmten Leben" als Ziel aller psychotherapeutischer und anderer heilerischer Tätigkeit wird im Verfahren Psychodrama als Befreiung festgehaltener, unterdrückter Spontaneität (Katalysator) und Kreativität (Substanz menschlicher Lebendigkeit) verstanden. Während Moreno selbst die Krankheit seiner Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts als "Kreativitätsneurose" bezeichnete, benennen die Herausgeber/innen das heutige Thema der Psychotherapie als Heilung postmoderner Individuen, die mit Rollenkonflikten behaftet ein Wechselbad des Selbstwertgefühls durchmachen. Die Suche nach Einzigartigkeit, menschlicher Spontaneität und Natürlichkeit, die sich heute in kommerziellen Verpackungen zeigt, war für Moreno "Psychotherapie für gefallene Götter".

Die Brauchbarkeit des Psychodramas im Format Therapie wird in diesem Band herausgestellt. Vor allem in Abgrenzung zur mehr oder weniger seriösen Verwendung von Einzelelementen des Psychodramas (Aufstellungsarbeit, Netzwerkanalyse) ohne Hinweis auf den Ursprung, werden die theoretischen Wurzeln geklärt, die methodischen Grundgedanken analysiert und sortiert und die technischen Verwendungsmöglichkeiten erläutert. Die theoretischen Beiträge sind interessant und bieten neben Altbekanntem, das schon von Autoren wie Buer und Hutter aufbereitet wurde, Sichtweisen und Detailinformationen, die sich neu zusammenfügen.

Insgesamt entsteht im ersten Teil ein fundierter Einblick in die Teil-Theorien des Psychodramas und in die praxeologischen Hintergründe der Methodik sowie der Techniken.

Der zweite Teil, der sich den Anwendungsfeldern widmet, ist ein umfassender Überblick über die Möglichkeiten des Einsatzes auch in schwierigen Feldern, die beschützend-kurativ bis ausgrenzend arbeiten. Hier gibt das Buch Hilfen zur Frage, wie das psychodramatische Menschenbild anzuwenden und im Sinne der therapeutischen Philosophie einzusetzen ist.

Der kurze dritte Teil ist interessant für Forscher/innen, die sich mit der Wirksamkeit von therapeutischen Methoden im Rahmen von quantitativen Messungen beschäftigen. Für die mit dem Psychodrama arbeitenden Therapeut/inn/en, die auf die Anerkennung ihres Verfahrens auf der Grundlage von Wirksamkeitsstudien angewiesen sind, ist das ein wichtiger Faktor.

Fazit

Das Handbuch "Psychodrama-Therapie" ist eine Sammlung von Beiträgen, die das Psychodrama als Verfahren im Format Therapie zum einen theoretisch fundieren und methodisch erläutern, zum andern Anwendungsfelder vorstellen und die psychodramatische Arbeit beschreiben. Das Buch richtet sich durch den Fokus auf die Therapie an therapeutisch arbeitende Berufsgruppen. Besonders der zweite Teil "Anwendungsfelder" bietet hier einen großen Überblick und Einblick. Allerdings sind die formatübergreifenden Hinweise auf theoretische Fundierung und methodische Klärung auch interessant für Beziehungsarbeiter/innen aus Psychologie, Pädagogik und Sozialer Arbeit, die in handelnder Auseinandersetzung (drama) mit der inneren Wirklichkeit (psyche) klientenzentrierte Arbeit leisten.

Insgesamt überzeugt der Band mit fundierter Recherche der Beiträge und bietet spannende und tiefe Einblicke in die psychotherapeutische Arbeit mit psychodramatischen Mitteln.

Rezension von
Dr. Birgit Szczyrba
Sozial-und Erziehungswissenschaftlerin, Psychodrama-Leiterin (DFP/DAGG), Leiterin der Hochschuldidaktik in der Qualitätsoffensive Exzellente Lehre der Technische Hochschule Köln, Sprecherin des Netzwerks Wissenschaftscoaching
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Es gibt 24 Rezensionen von Birgit Szczyrba.

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Zitiervorschlag
Birgit Szczyrba. Rezension vom 21.09.2004 zu: Jutta Fürst, Klaus Ottomeyer, Hildegard Pruckner: Psychodrama-Therapie. Ein Handbuch. Facultas Verlag (Wien) 2004. ISBN 978-3-85076-663-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1319.php, Datum des Zugriffs 30.05.2024.


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