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Sebastian Niekrens: Sucht im Alter

Cover Sebastian Niekrens: Sucht im Alter. Möglichkeiten der Intervention aus sozialarbeiterischer Perspektive. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2012. 100 Seiten. ISBN 978-3-86226-141-3. D: 18,80 EUR, A: 18,80 EUR, CH: 21,40 sFr.

Reihe: Soziologische Studien - 40.
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Thema

Mit älteren Süchtigen hat es Soziale Arbeit sowohl in ambulanten als auch stationären Arbeitsfeldern zu tun. Dass viele Klienten und Klientinnen ihre Abhängigkeiten vertuschen, macht die Sache nicht einfacher. In einem kleinen, 98seitigen Abriss gibt Sebastian Niekrens Hilfestellung zu Beratung und Therapie mit alten Suchtabhängigen.

Autor

Suchttherapeut Dipl.-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Sebastian Niekrens arbeitet nach einer Ausbildung zum Altenpfleger als Drogenberater in einer frei getragenen ambulanten Suchthilfeeinrichtung in Iserlohn.

Inhalte

Die Monografie „Sucht im Alter“ baut sich aus drei Bausteinen auf.

Einleitend legt der Verfasser die gerontologischen Grundlagen mit der drohenden Pflegelücke und den Kennzeichen des Altersstrukturwandels nach Hans Peter Tews: Verjüngung, Entberuflichung, Verweiblichung und Hochaltrigkeit. Über die Lebenslage alter Menschen in den Bereichen Einkommen, Wohnen, Bildung und Gesundheit werden defizitäre Situationen der Altenpopulation festgestellt. Die Spannungslösung durch Suchtmittelgebrauch wird gemutmaßt.

Im zweiten Teil wird Sucht als somatopsychische Gefügestörung herausgearbeitet. Lebenslange werden von altersbedingten Verursachungen unterschieden, wobei vor allem die Alkohol- und die Medikamenten-Abhängigkeit betrachtet werden. Auch der Co-Abhängigkeit von Angehörigen und Nahstehenden wird Aufmerksamkeit geschenkt. Angaben zur Verbreitung des Suchtverhaltens im Alter werden unter den Vorbehalten von Dunkelziffern mitgeteilt: Danach liegt die Alkoholabhängigkeit bei drei Prozent der über 60jährigen, die Medikamenten-Abhängigkeit zwischen acht und dreizehn Prozent mit einer Steigerung bis zu 40 Prozent in der Heimsituation.

Schließlich werden Interventionen gegen den Suchtkonsum reflektiert. Dabei wird ein zwischen Beratung und Therapie angesiedeltes Setting befürwortet. In der therapeutischen Ausrichtung bevorzugt der Autor eine verhaltenstherapeutische vor einer psychoanalytischen Grundlegung. Er präferiert gerade im Hinblick auf die geringere Mobilität Älterer eine aufsuchende und eine ambulante Suchtintervention. An in Rechnung zu stellenden Variablen zählt er auf die Scham, die Motivation, den Selbstwert aus der Biografie, die Transparenz und mögliche Störungen der Beratungsbeziehung durch die Altersdifferenz zwischen Klient und Therapeut.

Diskussion

Die Schrift „Sucht im Alter“ eignet sich als erster Einstieg in das vielfach verdeckte Problem der Suchtabhängigkeit im Alter. Zur tiefer gehenden Ätiologie und Intervention bräuchte es ausführlicherer Herleitungen. So wird zu wenig differenziert nach lebenslangem Suchtverhalten auf der einen und nach Süchten als Kompensation von Altersdefiziten auf der anderen Seite. Die mitgeteilten Verbreitungsraten stehen zu sehr unter dem Vorbehalt der Dunkelziffern. Die Motivation zur Klienten-Mitarbeit bei der Intervention über ein beschwerdefreieres Leben und über die Steigerung der Autonomie gehörte noch stärker heraus gestellt. Auch wird wenig ausgesagt zu Gegenmaßnahmen bei den Berufsträgern in der stationären Altenhilfe gegen das medikamentöse Sedieren zur Arbeitserleichterung.

Fazit

Eine Problembeschreibung von Alkohol- und Medikamenten-Sucht im Alter mit den neuralgischen Punkten, die bei Interventionen zu beachten sind, wird vorgelegt.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 15.04.2012 zu: Sebastian Niekrens: Sucht im Alter. Möglichkeiten der Intervention aus sozialarbeiterischer Perspektive. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2012. ISBN 978-3-86226-141-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13239.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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