socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Edith Kellnhauser: Eine außergewöhnliche Pflegekarriere. Autobiographie

Cover Edith Kellnhauser: Eine außergewöhnliche Pflegekarriere. Autobiographie. hpsmedia GmbH (Nidda) 2012. 276 Seiten. ISBN 978-3-9814259-8-7. 29,80 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Unter der Überschrift „Eine außergewöhnliche Pflegekarriere“ hat Edith Kellnhauser im Alter von 79 Jahren mit dem vorliegenden Buch ihre Autobiographie vorgelegt.

Autorin

Edith Kellnhauser (Jahrgang 1933) arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland, Großbritannien, Ägypten und den USA. Neben vielen Jahren in der direkten Pflege war sie auch in verschiedenen Positionen des Pflegemanagements tätig, bevor sie – durch ein nebenberufliches Studium an der Florida International University in Miami (Florida) – den Bachelor of Arts in Philosophie und den Master of Science in Pädagogik erwarb. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitete sie zunächst im Deutschen Krankenhausinstitut in Düsseldorf; 1992 wurde sie als Professorin für die neu zu errichteten Studiengänge Pflegemanagement und Pflegepädagogik – deren Entwicklung sie als Gründungsdekanin maßgeblich mit beeinflusste – an der Katholischen Fachhochschule in Mainz berufen.

Edith Kellnhauser, die 1993 mit einer Dissertation zum Thema „Krankenpflegekammern und Professionalisierung der Pflege: ein internationaler Vergleich mit Prüfung der Übertragbarkeit auf die Bundesrepublik Deutschland“ (Melsungen 1994) an der Universität Osnabrück zum Dr. phil. promovierte, wurde 1999 emeritiert, blieb jedoch weiterhin in verschiedenen Gebieten der Pflege tätig. Sie ist Autorin beziehungsweise Herausgeberin zahlreicher pflegefachlicher Publikationen. Neben Beiträgen in Fachzeitschriften, darunter in „Deutsche Krankenpflegezeitschrift“, „Die Schwester / Der Pfleger“, „Häusliche Pflege“, „Pflegeimpuls“, „Pflege aktuell“ und „Krankenhaus-Umschau“, veröffentlichte sie beispielsweise „Die Pflegestudiengänge an der Katholischen Fachhochschule Mainz. Implementierung und Entwicklung von 1992 bis 1999“ (Mainz 1999), „Berufskompetenzen professionell Pflegender. Bericht über eine Delphi-Studie zur Ermittlung von Anhaltspunkten für eine Pflegeausbildung, durchgeführt im Auftrag des Deutschen Bildungsrates“ (Mainz 2002) und „Fachenglisch für Pflegekräfte: die Nutzung englischer Fachtermini am Beispiel der Pflege in den USA“ (Hannover 2003).

Unter den von Edith Kellnhauser (mit-)herausgegebenen Schriften sind etwa „Pflegeplanung und Dokumentation in der ambulanten Pflege: Dokumentation, Pflegeplanung, Standartpflegepläne“ (Düsseldorf 1994), „Pflegestandards und Pflegeprozeß: Grundlagen pflegerischer Qualitätssicherung“ (Berlin 1995), Der diagnoseorientierte Pflegeprozeß. exemplarische Pflegepläne auf der Grundlage ausgewählter Pflegetheorien“ (Melsungen 1998), „Ausländische Patienten besser verstehen. Tabellarische Übersichten in mehreren Sprachen“ (Stuttgart 1999), „Thiemes Pflege. Professionalität erleben“ (Stuttgart 2004) zu nennen.

Die Autorin, die Mitglied in verschiedenen beruflichen Kommissionen und Gremien ist, referierte auf vielen Fachkongressen zu pflegerischen Themen in Deutschland sowie anderen Ländern (Polen, Schweiz, Großbritannien, USA).

Entstehungshintergrund

Zur Entstehungsgeschichte beziehungsweise den Einflussfaktoren, die zur Veröffentlichung der Autobiographie führten, liegen keine weitergehenden Informationen vor. „Für die anspornende Anregung“ zum Schreiben dieses Buches dankt Edith Kellnhauser aber Gisela Kapp-Stehen, ebenso wie Uta und Dietmar Hüttner für „ihre interessierte Anteilnahme und vielseitige tatkräftige Unterstützung“.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in die folgenden 12 Kapitel, die ihrerseits jeweils mehrere Unterkapitel enthalten:

  1. Die Kindheit
  2. Die Ausbildung zur Krankenschwester
  3. Das West Middlesex Hospital, London
  4. Das Little Company of Mary Hospital, Chicago
  5. Die Städte New York City and Washington DC
  6. Das Florida State Hospital, Chattahoochee
  7. Das Universitäts-Hospital, Alexandrien
  8. Das Cedars Medical Center, Miami
  9. Das Doctors Hospital, Miami
  10. Die South Dade Home Health Agency, Miami
  11. Das Deutsche Krankenhausinstitut, Düsseldorf
  12. Die Katholische Fachhochschule, Mainz.

Eingebunden ist die Darstellung in ein Vorwort und Epilog.

Inhalt

Aufgewachsen mit zwei jüngeren Schwestern in einem kleinen oberpfälzischen Dorf (zwölf Kilometer südlich von Regensburg) während des Zweiten Weltkriegs, umgeben von den typisch bayerischen Traditionen und Gepflogenheiten, macht die Autorin 1954 ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland (München) und – wenig später ebenso – in England (1957) und den USA (1960). In ihrer anschließenden (1962) dreijährigen Pflegetätigkeit am Universitäts-Hospital in Alexandrien in Ägypten erfährt sie ungewöhnliche berufliche Herausforderungen, erlebt die sozio-kulturelle arabische Lebensweise der Ägypter und lernt arabisch. Sie nutzt die Zeit, die pharaonischen Monumentalbauten zu besichtigen, ebenso wie unzählige höchst wertvoller Kunstgegenstände aus dieser Zeit.

Im Frühjahr 1966 wieder in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt nimmt Edith Kellnhauser im Verlauf ihrer knapp zwanzigjährigen professionellen Tätigkeit sukzessive sämtliche Positionen in der Pflegehierarchie ein, wobei sie ein facettenreiches Aufgaben- und Verantwortungsspektrum in einem modernen Krankenhaus bewältigt. Über ihre dortigen Tätigkeiten hält sie zusammenfassend fest: „Sie waren vielseitig, abwechslungsreich und interessant und ließen viel Raum für Kreativität. Deshalb habe ich die Erfüllung meiner Aufgaben nicht als Bürde sondern als Herausforderung und Ansporn gesehen und dabei auch ein gewisses Maß an beruflicher Erfüllung und persönlicher Befriedigung erlebt“ (S. 207).

In Hinblick auf die Patienten hält die Autorin fest: „Generell nehmen amerikanische Patienten, anders als Patienten in manchen anderen Ländern, eine aktive Rolle bei ihrem Krankenhausaufenthalt ein. Sie sind nicht autoritätshörig und deshalb auch nicht ‚arzthörig‘. Beispielsweise haben sie keine Bedenken die Aussagen ihres Arztes zu hinterfragen oder eine Konsultation (Meinung / Bewertung eines zweiten Arztes) einzuholen“ (S. 218).

Ihre nebenberuflichen Studien der Philosophie und der Erwachsenenbildung an der Florida International University mit dem Erwerb des Bachelor-Grads 1980 und des Master-Grads (1985) bilden die Grundlage ihrer späteren Promotion in Deutschland (1993). Ihre großen Soloreisen durch Mexiko, Südamerika und Japan, bei denen sie gelegentlich berufliche Verbindungen herstellt und einen kollegialen Austausch pflegt, bescheren der Autorin interessante historische Einblicke, ebenso wie manches kuriose menschliche Erlebnis.

1986 wieder zurück in Deutschland wird Edith Kellnhauser nach einer Tätigkeit im Deutschen Krankenhausinstitut in Düsseldorf schließlich 1992 Gründungsdekanin der neu eingerichteten Pflegestudiengänge (Pflegemanagement und Pflegepädagogik) an der Katholischen Fachhochschule (KFH) in Mainz. Über ihr dortiges Wirken hält sie im Rückblick fest: „Rückblickend waren meine sieben Jahre an der KFH für mich eine aufregende und stimulierende Zeit, und zwar dahingehend, dass ich in meiner Position alle meine studiumsfördernde Ideen – auch unkonventionelle – einbringen und realisieren konnte“ (S. 267).

In einem kurzen Epilog am Ende ihrer Autobiografie schreibt die Autorin: „Den Beruf der Krankenschwester würde ich wieder wählen. Der Beruf bietet zum einen zahllose Möglichkeiten bedürftigen und leidenden Menschen effektiv zu helfen und dadurch große persönliche Befriedigung zu erleben. Zum anderen birgt der Pflegeberuf eine solide materielle Lebensgrundlage und damit die persönliche Selbständigkeit, worauf sich sowohl berufliche als auch persönliche Wünsche erfüllen lassen“ (S. 271).

In ihrem Vorwort macht Edith Kellnhauser darauf aufmerksam, dass sie die Erinnerungen an ihre Kindheit als „ein sozio-politisches Zeugnis“ für eine Lebenswelt verstanden wissen möchte, wie es sie so heute nicht mehr gäbe. Ähnliches gelte für ihre Berufsausbildung, die geprägt gewesen sei „von beruflicher Disziplin und einer der Ernsthaftigkeit des Berufes angemessenen Verhaltensweise“. Überdies möchte sie „jungen Menschen aufzeigen, dass der Pflegeberuf eine interessante, herausfordernde und befriedigende Profession ist, die lebenslang immer wieder neue Tätigkeitsvarianten bietet“ (S. 14) Zudem sei es in dieser Profession relativ leicht international zu arbeiten und nebenbei die Welt zu sehen und zu erkunden.

Diskussion

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Produktion autobiographischer Literatur stetig vermehrt und ist heute Teil des boomenden Sachbuchmarktes geworden. Politiker, Künstler und andere Prominente, aber auch immer mehr der sogenannten „einfachen“ und „kleinen“ Leute verfassen heutzutage – häufig mithilfe von Ghostwritern – Autobiografien. Berufsgruppen aus dem Pflegesektor sind darunter freilich nur selten zu finden. Insofern ist das Buch von Edith Kellnhauser sehr zu begrüßen, zumal die Autorin mit ihrer Veröffentlichung nicht nur tiefe Einblicke in eine außergewöhnliche Pflegekarriere gewährt, sondern ihrer Leserschaft auch spannende Impulse für die eigene berufliche (Weiter-)Entwicklung gibt.

Anstelle der zum Teil ausführlichen Beschreibung allgemeiner Sachverhalte oder Begebenheiten (wie beispielsweise die Erbauung des Empire State Building oder die Gründung von Washington), die stellenweise an einen Reiseführer erinnern, hätte man sich freilich eine ausführlichere und genauere Beschreibung des Pflegealltags in den verschiedenen Ländern gewünscht, ebenso wie ein paar nähere Angaben zu den verschiedenen Kliniken, in denen sie im Laufe der Zeit arbeitete. Der Wert der Autobiografie wird auch dadurch etwas geschmälert, weil die Autorin, sieht man von ihren Eltern und Geschwister einmal ab, nahezu keine Personen namentlich benennt oder gar näher beschreibt, mit denen sie im Verlauf ihres (beruflichen) Lebens zu tun hatte. In diesem Zusammenhang ist auch unverständlich, weshalb sie den Namen ihres Doktorvaters („Prof. Dr. Dirk A.“) – bei dem es sich vermutlich um den leider viel zu früh verstorbenen Politologen, Soziologen und kritischen Ökonomen Prof. Dr. Dirk Axmacher (1944-1992) handelt – nur abgekürzt angibt. Gewünscht hätte man sich darüber hinaus schließlich die Ausstattung des Buches mit einigen Fotos, die die jeweiligen Einrichtungen, in denen die Autorin wirkte, und insbesondere ihren dortigen Arbeitsalltag dokumentieren.

Fazit

„Eine außergewöhnliche Pflegekarriere“ lautet der zutreffende Titel, unter dem die Krankenschwester und ehemalige Hochschullehrerin Edith Kellnhauser ihre Autobiografie veröffentlicht hat. Das kurzweilig verfasste Buch kann besonders jungen Pflegenden empfohlen werden, die auf der Suche nach beruflicher Erfüllung und Zufriedenheit sind.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
E-Mail Mailformular


Alle 175 Rezensionen von Hubert Kolling anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 21.05.2012 zu: Edith Kellnhauser: Eine außergewöhnliche Pflegekarriere. Autobiographie. hpsmedia GmbH (Nidda) 2012. ISBN 978-3-9814259-8-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13260.php, Datum des Zugriffs 11.12.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung