Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Dorothee von Moreau (Hrsg.): Musiktherapie in der präventiven Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Rosemarie Tüpker, 27.08.2012

Cover Dorothee von Moreau (Hrsg.): Musiktherapie in der präventiven Arbeit ISBN 978-3-89500-868-9

Dorothee von Moreau (Hrsg.):Musiktherapie in der präventiven Arbeit. Dr. Ludwig Reichert Verlag (Wiesbaden) 2012. 110 Seiten. ISBN 978-3-89500-868-9. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR.
Reihe: Institut für Musiktherapie : Schriften aus dem Institut für Musiktherapie am Freien Musikzentrum München e.V. - Band 14. Zeitpunkt Musik.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Herausgeberin

Die Herausgeberin, Dr. rer. medic. Dorothee von Moreau, ist sowohl Leiterin der privaten musiktherapeutischen Ausbildung am Freien Musikzentrum München als auch Leiterin der musiktherapeutischen Lehrambulanz an der Fakultät für Therapiewissenschaften der privaten Fachhochschule Heidelberg, zu der die bekannte musiktherapeutische Ausbildung in Heidelberg gehört. Sie ist Musiktherapeutin und Lehrmusiktherapeutin der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft (DMtG) und Psychologische Psychotherapeutin. Ihr Vorwort leitet dieses Buch – wie (vermutlich) auch die Tagung – ein und stellt es in den Kontext bekannter Filme, die die präventive Wirkung musikalischer Arbeit in den letzten Jahren in den Blick der Öffentlichkeit rückten.

Entstehungshintergrund

Das Freie Musikzentrum München veranstaltet jährlich eine Fachtagung zur Musiktherapie mit wechselnden Themenschwerpunkten. Der vorliegende Band umfasst die Vorträge der 19. Tagung, die vom 5. Bis 6. März 2011 stattfand.

Aufbau

Das inhaltliche Zentrum der Tagungsdokumentation bilden drei Projekte, in denen Beispiele der musiktherapeutischen Arbeit in der Prävention dargestellt werden (Weyand, Wölfl und Zimmer). Diese werden umrahmt und eingebunden durch die Explikation zweier (nicht nur) für diesen Bereich bedeutsamer theoretischer Konzepte: zur Bindung in der frühkindlichen Entwicklung (Nöcker-Ribaupierre) und zum transgenerativen Übertragung von Erfahrungen und den daraus gebildeten psychischen Strukturen (Timmermann).

Inhalt und Diskussion der einzelnen Beiträge

Der diesjährige Eröffnungsbeitrag kommt von Monika Nöcker-Ribaupierre mit ihren Ausführungen zu dem Thema „Bindung als präventiver Faktor bei Entwicklungsstörungen.“ Mit dieser ebenso belesenen wie erfahrungsfundierten Darstellung der Bindungstheorie bietet er eine der möglichen theoretischen Fundierungen für die musiktherapeutische Arbeit zur Integration von Kindern und Jugendlichen und stellt somit eine wesentliche Rahmung dessen dar, worum es auch in den nachfolgenden Beiträgen immer auch geht.

Mit dem Referat „Das Märchen der Königskinder. Potentiale der Musiktherapie zur Förderung und Integration von sozial benachteiligten Kindern mit und ohne Migrationshintergrund“ stellt Michaela Weyand ihre Masterarbeit vor, mit der sie ihr Masterstudium im Aufbaustudiengang Musiktherapie Frankfurt abgeschlossen hat. (Die gesamte Arbeit ist 2010 in der Reihe „Frankfurter Texte zur Musiktherapie“, ebenfalls im Reichert-Verlag, erschienen.) Engagiert berichtet sie über ihre Erfahrungen als angehende Musiktherapeutin mit Grundschulkindern in einem Interkulturellen Begegnungszentrum und setzt sich dafür ein, auch in dieser präventiven Arbeit den Kindern mit einer psychotherapeutischen Haltung zu begegnen. Über die Musik und das szenische Verstehen kann so ein Weg des Ausdrucks und der Integration (im doppelten Sinne) für Kinder gefunden werden, die ihre Erfahrungen (noch) nicht verbalisieren können. Eine Erfahrung, die wir an der Uni Münster im Projekt „Durch Musik zur Sprache“ ganz ähnlich machen konnten. Hier könnte sich ein neues wichtiges Arbeitsfeld der Musiktherapie auftun, welches gesellschaftliche und subjektbezogene Aufgaben gut miteinander verbinden kann.

Mit seinem Beitrag „Trommelpower – Gewaltprävention mit Musik“ stellt Andreas Wölfl ein Projekt und ein Konzept vor, welches sich der oft ungeliebten musiktherapeutischen Arbeit mit eher gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen stellt. Vor einem umfassenden Erfahrungshintergrund werden in aller Kürze Spiel- bzw. Arbeitsformen und Erfahrungen aus der Arbeit im Klassenverbund dargestellt, in deren Mittelpunkt die Trommelimprovisation steht. Sie bezieht aber ebenso den stimmlichen Ausdruck, das musiktherapeutische Rollenspiel und die Klangwahrnehmung mit ein und schließt mit einer gemeinsamen Performance ab. Auch in diesem – auch variierbaren – Konzept bildet die therapeutische Haltung das Besondere. Wölfl kann überzeugend deutlich machen, wie dies auch im schulischen Alltag gelingen kann.

Marie Luise Zimmerstellt in ihrem Beitrag:„Sonne für die Schattenkinder“ eindrucksvoll die besondere Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen vor, deren Eltern oder Geschwister an Krebs oder einer anderen schweren und langfristigen Krankheit erkrankt sind. Sie beruft sich dabei auf zahlreiche Studien, die in letzter Zeit zu diesem Thema erstellt wurden, wie auf die eigenen langjährigen Erfahrungen mit betroffenen Familien durch ihre Tätigkeiten in der Kinderonkologie und auf einer Palliativstation. Konkret stellt sie das Projekt „Pegasus“ vor, welches sie in Bremen in Kooperation mit der Bremer Krebsgesellschaft initiiert hat. Die Integration dieser Arbeit in eine musiktherapeutische Privatpraxis hat sicherlich Vorbildcharakter und könnte auch andernorts mit dazu beitragen, den betroffenen Kindern und Jugendlichen einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem es einmal nur um sie geht und in dem sie emotionale Entlastung ebenso erfahren können wie das gegenseitige Verständnis unter gleich betroffenen Anderen.

Den Band abschließend macht Tonius Timmermann auf die transgenerationalen Aspekte in der musiktherapeutische Prävention aufmerksam. Ausgehend von der Arbeit des israelischen Psychologen Dan Bar-On hat sich in der Psychotherapie das Weiterwirken von Traumatisierung über Generationen hinweg sowohl in familiären Strukturen als auch im Kollektiv von Gesellschaften als ein Phänomen herausgestellt, welches neben der individuellen Geschichte in der Behandlung zu berücksichtigen ist, will man dem Leiden der davon Betroffenen gerecht werden. Dass dieses Phänomen auch in den hier angesprochenen Bereichen der Integration von Kindern und Jugendlichen eine Rolle spielt, wie sie in den Beträgen von Weynand und Wölfl beschrieben sind, ist evident, so dass diese Ausführungen den Band um einen bedeutsamen Aspekt ergänzen und abrunden. Timmermann selbst konkretisiert die Bedeutung dieses Gedankens anhand von zwei Fallvignetten aus seinem Buch „Klingende Systeme“.

Fazit

Insgesamt bietet der Band einen anregende Beiträge zur Musiktherapie im Bereich der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Eine Tagungsdokumentation in der von diesem Verlag gewohnt guten Qualität: Für die Tagungsgäste zum Nachlesen und für diejenigen, die die Tagung nicht besuchen konnten, die Möglichkeit der nachträglichen inhaltlichen Teilhabe.

Rezension von
Prof. Dr. phil. Rosemarie Tüpker
Westfälische Wilhelms-Universität Münster Institut für Musikwissenschaft und -pädagogik
Website
Mailformular

Es gibt 3 Rezensionen von Rosemarie Tüpker.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245