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Barbara Messing: Das Studium. Vom Start zum Ziel: Lei(d)tfaden für Studierende

Cover Barbara Messing: Das Studium. Vom Start zum Ziel: Lei(d)tfaden für Studierende. Springer (Berlin) 2012. 2. Auflage. 359 Seiten. ISBN 978-3-642-20650-4. 16,95 EUR, CH: 23,00 sFr.
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Autorin und Entstehungshintergrund

Barbara Messing hat Mathematik und Informatik in Bonn studiert und in Karlsruhe promoviert (Informatik). Ebenfalls dort war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Seit 1999 arbeitete die Autorin in verschiedener Funktion an der FernUniversität Hagen. Unter anderem als Lehrbeauftragte. Darüber hinaus hatte Barbara Messing Lehraufträge an verschiedenen Fachhochschulen. Seit fünf Jahren unterrichtet sie an einem Berufskollege die Fächer Mathematik und Informatik; 2010 legte sie ihr zweites Staatsexamen ab. Ihr erstes Buch „Die Doktorarbeit: Vom Start zum Ziel.“ erschien erstmals 1998. Seitdem sind vier Auflagen veröffentlicht worden. „Das Studium: Vom Start zum Ziel“, das hier in der zweiten und vor dem Hintergrund neuer Erfahrungen aus dem Schulbereich komplett überarbeiteten Fassung diskutiert wird, erschien erstmals 2005.

Aufbau

Neben Vorwort, Inhalts-, Literatur- und Sachverzeichnis gliedert die Autorin ihr Buch in 21 stark unterschiedlich umfangreiche Kapitel. Die ersten vier Abschnitte lassen sich als Überblick über das Entscheidungs- und Orientierungsangebot vor dem Studium auffassen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt, dem vor allem mit den Kapiteln 5, 9 und 17 Rechnung getragen wird, ist die Frage nach Motivation und Krisen im Studienverlauf. Eher praktische Tipps hingegen vermitteln die Abschnitte 6 – 8 und 11 – 15. Primär geht es dabei um die Arbeitsweisen in einer Hochschule und wie man sich eine persönliche Organisation schaffen kann. Eine Sonderrolle nehmen Kapitel 10 („Tipps zum Umgang mit Mathematik im Studium“) und Kapitel 16 („Gleichstellung und Frauenspezifisches“) ein. Mit den letzten vier Kapiteln entlässt Barbara Messing den Leser mit einem Ausblick in das Berufsleben, einer Übersicht über hochschulspezifisches Vokabular und weiterführenden Informationsangeboten.

Inhalt

Mit dem Übergang ins Studium ändert sich nicht einfach nur die Bildungseinrichtung; vielmehr beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Didaktisch klug begleitet Barbara Messing den Leser vom letzten Oberstufenjahr durch alle Facetten des Studiums, bis zum Berufseinstieg. Thematisch lässt sich ihr Buch folgendermaßen untergliedern:

Die Kapitel 1 („Studieren – was und wo?“), Kapitel 2 („Geld im Studium“), Kapitel 3 („Die Uni von außen und innen“) und Kapitel 4 („Lebensabschnitt Studium“) thematisieren wichtige Orientierungsfragen vor und Hilfestellungen zu Beginn des Studiums. Es geht, unter anderem, um die Fragen, wer studieren darf, wann sich ein Studium lohnt und was, wo, wie studiert werden kann und soll. Ferner darum, wie Eltern, BAFöG, Stipendien und Nebenjobs das Vorhaben Hochschule finanzieren können oder müssen, welche Versicherungen ratsam sind (oder auch nicht) und wie man mit seinen (traditionell begrenzten) finanziellen Ressourcen haushalten lernt. Im Anschluss wird dem Leser eine detaillierte Übersicht über die studentische Selbstorganisation und typische Veranstaltungen (Worin unterscheiden sich Seminare von Vorlesungen oder Übungen?) angeboten. Besonders an dieser Stelle fällt Barbara Messing?s positiver praktischer Bezug zum Hochschulalltag auf. Er findet sich an vielen Stellen des Leit(d)fadens wieder. Letzte Fragen beschäftigen sich mit den Veränderungen beim Umzug in eine fremde Stadt, die besten Wohnmöglichkeiten (Wohnheim, Studentenbude oder WG?) und der individuellen Persönlichkeitsentwicklung. Mit 92 Seiten und damit fast einem Drittel des Gesamtumfangs bildet dieser thematische Bereich den eigentlichen Schwerpunkt des Buches.

Ein persönliches Anliegen scheint Barbara Messing der positive Umgang mit den Anforderungen und möglichen Belastungen im Studium zu sein. Ebenfalls sehr umfangreich beschreibt sie in drei Kapiteln, 5 („Motivation erhalten – Unlust besiegen“), 9 („Verstehen und Entwickeln“) und 17 („Abbrechen oder durchhalten?“) warum Stimmungseinbrüche normal sind oder wie man mit Leistungsblockaden umzugehen lernt. Ferner warum Dozenten auch nur Menschen sind, wie man ihnen am besten begegnet und warum kein Ende das endgültige Aus bedeutet. Obwohl einige Passagen stark an einen Ratgeber der positiven Psychologie erinnern, leistet die Autorin hervorragende Motivationsarbeit. Ein echter Mutmacher.

Tipps zu Arbeitsorganisation und Orientierung im universitären Arbeitsumfeld finden sich in den Kapiteln 6 („Zeitmanagement im Studium“), 7 („Internet und Bücherei: Recherchieren und Lesen“), 8 („Teamarbeit im Studium“), 11 („Schreiben“), 12 („Computernutzung im Studium“), 13 („Seminarvorträge“), 14 („Die Abschlussarbeit“)und 15 („Prüfungen bestehen“). Der Abschnitt überzeugt vor allem durch Detailreichtum und zahlreiche praktische Hilfen. Zuweilen fallen Ausführungen jedoch zu umfangreich aus oder schweifen ab. Hier darf man den Mut haben weiter zum nächsten Punkt ein paar Seiten weiter zu springen.

Weniger klar einordnen lassen sich die Kapitel 10 („Mathematik im Studium“) und 16 („Gleichstellung, Frauenrechte & Co“). Das zuerst genannte ist speziell für angehende Studentinnen und Studenten konzipiert, die den Mathematikunterricht tatsächlich als Martyrium erlebt haben. Für alle, denen es ganz gut ging mit der flexiblen Hilfswissenschaft: Finger weg, behalten sie ihren positiven Bezug zur Mathematik! Letzteres führt grundlegend in die Gleichstellungsdebatte im universitären Kontext ein. Für Männer und Frauen gleichermaßen empfehlenswert.

Den Abschluss des Buches bildet die Kapitel 18 („Abschied von der Uni – Start ins Berufsleben“), 19 („Ein Wort zum Schluss“), 20 („Begriffe und Abkürzungen im Hochschulbereich“) und 21 („Internet“). Dabei kann „Ein Wort zum Schluss“ tatsächlich als Schlusswort verstanden werden; „Begriffe und Abkürzungen im Hochschulbereich“ ist eine übersichtliche Sammlung zum Thema, wobei auf weitere Ausführungen verzichtet wird.

Diskussion

Neben der didaktisch geschickten Ausgestaltung punktet der Leit(d)faden zum Studium vor allem durch praxisnahe Hilfen und einen persönlichen Stil, der sich in Wortwahl und Sprachniveau bewusst an angehende Studentinnen und Studenten richtet. Im Zweifel werden Fremdwörter erklärt. Dabei gelingt es Barbara Messing in den meisten Fällen die Aufmerksamkeit des Lesers durch Anekdoten (zum Beispiel John R. Searles „Gleichnis vom chinesischen Zimmer“) oder einprägsame Schlussworte („Dem Schreiben geht das Denken zwingend voraus“) über lange Passagen zu binden. Zuweilen sind die Inhalte (vor allem für den erfahreneren Rezipienten) jedoch redundant und wenig informativ. Studentinnen und Studenten in höheren Fachsemestern dürften von dem Buch folglich weniger profitieren. Ein weiterer Punkt, an dem sich manche Leserinnen und Leser stören könnten, ist ein leichter Hang zur Überspitzung und Stereotypisierung, der einerseits einprägsame Grundaussagen transportiert, andererseits kaum einen Anspruch auf Übertragbarkeit haben kann. Vor allem die Kapitel 8 („Teamarbeit im Studium“), 10 („Mathematik im Studium“) und 16 („Gleichstellung, Frauenrechte & Co“) sind betroffen.

Fazit

Zusammenfassend gelingt es der Autorin ein klug organisiertes und reflektiertes Buch zu entwerfen, dessen Struktur sich auch unerfahrenen Leserinnen und Lesern leicht erschließt. Barbara Messing füllt mit ihrem Buch eine Lücke, die straffe Bildungsetats und Massenuniversitäten hinterlassen: empathische persönliche Unterstützung. Die ideale Informations- und Motivationslektüre, speziell für junge Erwachsene, die gerade ein Studium beginnen oder es vorhaben.

Weiterführende Literatur

Für die interessierte Leserin bzw. den interessierten Leser empfiehlt sich folgender Artikel aus der „ZEIT“: Spiewak, M. (2012). Die neue Fürsorge. Nur die Hälfte der Erstsemester fühlt sich auf das Studium vorbereitet. Nun stellen sich die Hochschulen dem Problem. DIE ZEIT Nr. 19/2012 vom 3.5.2012, S. 81. Daraus interessant:

  1. Nach bislang unveröffentlichten Daten des Hochschul-Informations-Systems fühlt sich noch nicht einmal die Hälfte der Erstsemester von der Schule inhaltlich gut auf ihr Studium vorbereitet; das Abi bedeutet also keineswegs schon „Studierfähigkeit".
  2. Die Hochschulen bieten alle möglichen "Überbrückungshilfen" an: Von Online-Self-Assessments (zur Selbsteinschätzung der Eignung für eine bestimmte Studienrichtung) über „Sommercamps" und „September-Akademien" bis zu Orientierungsstudien (wie dem zweisemestrigen Studium Naturale der TU München).

Rezensent
Johannes Heekerens
Masterstudent der Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Freien Universität Berlin, leitet ein Tutorium zu „Kommunikation und Präsentation für Wissenschaft und Studium“ an der Universität Potsdam


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Zitiervorschlag
Johannes Heekerens. Rezension vom 01.06.2012 zu: Barbara Messing: Das Studium. Vom Start zum Ziel: Lei(d)tfaden für Studierende. Springer (Berlin) 2012. 2. Auflage. ISBN 978-3-642-20650-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13267.php, Datum des Zugriffs 19.01.2018.


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