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Silke Schönrade: Kinderräume - Kinderträume ... (Raumgestaltung im Kindergarten)

Cover Silke Schönrade: Kinderräume - Kinderträume ... oder wie Raumgestaltung im Kindergarten sinnvoll ist. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2012. 3., verb. Auflage. 222 Seiten. ISBN 978-3-86145-338-3. 19,95 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Thema

Der Raum und dessen Gestaltung sowie Einrichtung sind wichtige Faktoren in der Erziehung und Bildung; das gilt auch für die Elementarpädagogik. Silke Schönrade hat im Verlag Borgmann die Publikation „Kinderräume Kinderträume“ in 3. Auflage vorgelegt – für alle „Berufsdisziplinen, die sich mit den Themen rund um die Kindergartenplanung und Raumgestaltung beschäftigen und neue zeitgemäße Anregungen in Wort und Bild suchen“ (Klappentext und Vorwort). Wer eine Veröffentlichung zum Thema „Raum in der Pädagogik“ macht, läuft Gefahr, missverstanden zu werden, und zwar dahingehend, als wäre der Raum nun der allerwichtigste Faktor, vor dem alle anderen verblassen. Ist das bei dieser Autorin und dem Buch der Fall? Beinahe ja, wenn man im Vorwort liest: „Der Raum im Kindergarten wird häufig als der dritte Erzieher für die pädagogische Arbeit gesehen.“ Wird der Raum nicht zu sehr personifiziert, wenn es heißt: „Darüber hinaus kann dem Raum bzw. der Raumgestaltung heute eine viel umfassendere Bedeutung beigemessen werden. Die Raumgestaltung bietet vielfältige Möglichkeiten, Kinder in ihrer Entwicklung … zu unterstützen und zu begleiten.“ (S. 8) Aber gemach! Es scheint schon recht gemeint zu sein, wenn man den Sinn des ganzen Buches wohlwollend verstehen möchte; denn da wird von der Autorin doch eine breit angelegte Bildung, Erziehung dun Betreuung vertreten.

Allerdings muss bei der Betonung der Bedeutung des Raumes immer auch gesagt werden, dass er nicht nur nicht der „dritte Erzieher“ ist (davor wären ja zwei andere Erzieher), sondern dass er im strengen Sinne gar kein „Erzieher“ ist, sondern dass im Kindergarten die Erzieherin die Erzieherin ist und bleibt, und zwar mit Verantwortung und vielen vielen wichtigen Aufgaben. Alles Räumliche und dessen Qualität hilft ihr dabei. Sie ist mit ihrer Person und Persönlichkeit am allerwichtigsten für das gelingende Leben des Kindes; alles andere ist Beiwerk.

Aufbau

In dem Buch kann man sich gemäß dem Inhaltsverzeichnis informieren über

  • Einleitung,
  • Kinderleben,
  • Raumwelt des Kindes,
  • Lebensraum Kindergarten,
  • Farben,
  • Licht,
  • Fenster,
  • Möbel,
  • Spielmaterial/Gegenstände,
  • Malen,
  • Bauen,
  • Rollenspiel,
  • Entspannung/Nischen-Höhlen,
  • Bewegen,
  • Kinder träumen in Wort und Bild,
  • einige Gedanken zur Raumgestaltung für den U3 Bereich,
  • Danksagung,
  • Literatur,
  • Register.“ (S. 6 und 7)

Ausgewählte Inhalte

((bitte hier noch exemplarisch ein paar Kapitel vorstellen, damit sich die NutzerInnen ein Bild machen können, was das Buch bietet. Bei dieser Vorstellung bitte noch keine diskutierenden Anteile vorsehen, die ich in den folgenden Abschnitt „Diskussion“ verschoben habe.))

Diskussion

Die Erzieherin kann Informationen und Anregungen zu diesem Thema gut gebrauchen, wenn sie eine Raumqualitätsprüfung vornehmen möchte; dafür gibt es gute Anregungen, z.B. mit den 10 Tipps auf Seite 69, wo es u.a. heißt:

  • „Alte Poster, Tesafilmstreifen, Fäden, Nägel etc. von Decken und Wänden entfernen.“
  • Oder die „Checkliste Raum“ auf Seite 70.

Meine Anregung: Diese Checkliste sollte die Autorin allerdings besser operationalisieren und in eine echte Skala umwandeln. Hier zeigt sich eine Schwäche des Buches: in der erziehungswissenschaftlichen Komponente.

Die Autorin könnte die Checklisten, wissenschaftlich gesehen, viel besser gestalten, damit Erzieherinnen wirklich auch selber ihre Raumqualität evaluieren können (Frau Schönrade und P.I.T. könnten ja trotzdem dabei helfen).

Nicht nur aus der empirischen Pädagogik, sondern auch aus der geisteswissenschaftlichen kann das Buch Anregung vertragen, z.B.: Als Marginalie steht auf Seite 39 „Literatur Steiner“. Frage: Ist das eine Empfehlung zur Vertiefung oder eine Quelle, aus der Schönrade schöpft? (In Zeiten von Autoren wie von und zu Guttenberg und anderen (!) wüsste man das gerne.)

Die historischen wie auch die systematischen elementarpädagogischen Aussagen wären ebenfalls hier und da etwas anders zu sehen, z.B. entwickelte sich der sogenannte „offene Kindergarten“ nicht als „Antwort auf die veränderten Lebensbedingungen der Kinder“ (S. 41), sondern weil in Niedersachsen die Räume zu eng wurden und man die Türen öffnen musste. Das lag daran, dass man von politischer Seite her zu wenig für die frühe Kindheit übrig hatte.

Ich will das Buch nicht schlecht machen und schreibe auch keinen Verriss, aber Fehler bleiben Fehler.

Es gibt auch Fehler der Unklugheit. Ist es eigentlich klug, wenn andauernd Malaguzzi zitiert wird (S. 18), wenn dieser z.B. sagt: „Die Schule und die Umwelt trennen ihm (dem Kind) den Kopf vom Körper. Sie bringen ihm bei … ohne sprechen zuzuhören. “

Ist es klug, wenn immer wieder die Kindheit heute bejammert wird, z.B. wenn es auch im Buch (S. 21) heißt: „… das draußen Spielen gehört schon lange der Vergangenheit an.“ Stattdessen oder wenigstens dabei sollte die Autorin Alternativen anbieten, z.B. für den Kindergarten Waldtage, Waldwochen oder gar den Wald- und Naturkindergarten.

Die Autorin scheint gegen das alles nicht zu sein, wie z.B. ihre „schönen Fotos“ zeigen, sie sollte es jedoch pointierter sagen, u.a. auch mit Blick auf das Außengelände des Kindergartens.

Wenn wir noch einen Augenblick bei Kritik und Anregung bleiben: Auf S. 190 wird mit einem Foto indirekt geworben für Bälle – „made in China“. Brauchen wir diese hier, und sind sie fair gehandelt und produziert? Die Frage gilt auch für die fotografierten Minibälle des DFB. Ein Fair-Trade-Zeichen ist nicht zu sehen. Wer heute ein Buch über Raumausstattung in der Pädagogik schreibt, muss auch ein Kapitel (wenigstens Hinweise) über Nachhaltigkeit und fairen Handel bringen.

Die Kapitelüberschriften bestehen fast nur aus Einwortsätzen und sind insofern wenig informativ. Das würde ich bei einer Neuauflage ändern.

Fazit

Wertung des Buches: für erste Anregungen und für solche, die noch nicht viel wissen zu den genannten Themen, ist die Publikation anregend. Für Vertiefung und Fundierung muss man zu anderen (wissenschaftlichen) Werken greifen. Ein paar Bilder weniger hätten es auch getan, dafür bessere Checklisten und etwas mehr Theorie und Konzeption. Der eine oder andere Exkurs zu Nachhaltigkeit, Ökologie, ja überhaupt zur Lebensbezogenen Pädagogik, wie ich sie seit langem vertrete, hätten gut getan. Dieses und mehr als Anregungen für die nächste Auflage, die ich der engagierten Autorin wünsche.

Ich empfehle das Buch – zum Blättern, Schauen – einfach sich anregen lassen.


Rezension von
Prof. Dr. Norbert Huppertz
Homepage www.wibeor-baden.de/huppertz/
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Zitiervorschlag
Norbert Huppertz. Rezension vom 25.03.2013 zu: Silke Schönrade: Kinderräume - Kinderträume ... oder wie Raumgestaltung im Kindergarten sinnvoll ist. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2012. 3., verb. Auflage. ISBN 978-3-86145-338-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13268.php, Datum des Zugriffs 31.03.2020.


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