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Brigitta Gerber, Miryam Eser Davolio: Interkulturell Bilden. 10 Module für den Unterricht [...]

Cover Brigitta Gerber, Miryam Eser Davolio: Interkulturell Bilden. 10 Module für den Unterricht mit Erwachsenen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich. Interact Verlag Hochschule Luzern (Luzern) 2012. 196 Seiten. ISBN 978-3-906413-86-0. 31,00 EUR, CH: 38,00 sFr.
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Thema

Thema der Handreichung sind Bildungsprozesse in einer multikulturellen Gesellschaft wie der Schweiz.

Autorinnen

Die beiden Autorinnen sind Dozentinnen der renommierten Hochschule Luzern, die in Seminaren und Fortbildungskursen für soziale Berufe die vorgestellten Module erprobt haben.

Aufbau

Die Handreichung besteht aus einer Anleitung, wie die zehn Module aufgebaut sind und in der Lehre umgesetzt werden können, und den zehn Modulen selbst: Diese beginnen jeweils mit einer theoretischen Einführung und Bericht zum Stand der Forschung sowie einzelnen Übungen einschließlich methodischer Erläuterungen.

Inhalt

Die Autorinnen stellen zehn Module vor, die folgende Themen aufbereiten:

  1. Interkulturelle Kompetenz und Heterogenität
  2. Ethnozentrismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus
  3. Aufklärende Bildungsarbeit - Konflikte
  4. Von interkulturellen Konflikten zum Empowerment von Minderheiten
  5. Globalisierung und Migration in der Schweiz
  6. Integrationspolitik und Diskriminierung
  7. Minderheitensprachen und Mehrsprachigkeit
  8. Jugendliche zwischen Patriotismus und Rechtsextremismus
  9. Ethik, Religion und Wertekonflikte
  10. Aktuelle Bezüge (u.a. Kopftuchstreit, Genitalbeschneidung).

Die Autorinnen gehen von einem weiten Kulturbegriff aus, wenn sie praktisch für jede Situation Mehrheiten und Minderheiten annehmen, deren Macht, sich durchzusetzen, ungleich ist. Wiewohl diese gesellschaftliche Heterogenität an vielen Merkmalen festgemacht, d.h. immer auch konstruiert werden könnte, konzentrieren sie sich im Wesentlichen auf Herkunft und Status, d.h. die bekannte Problematik, dass Einwanderer weder die Definitionsmacht noch die gleichen Handlungsmöglichkeit wie die Eingeborenen haben. Da kulturelle Unterschiede auf Zugehörigkeitsgefühl und Attribuierung, ob nun durch die eigene Gruppe oder von außerhalb, zurückzuführen sind, warnen sie zu Recht vor Kulturalisierung, also Konstrukte, die Homogenität herstellen sollen. Transkulturalität, so deuten sie verschiedentlich an, besteht eben genau darin, dass in einer gegebenen gesellschaftlichen oder unmittelbar erlebbaren Situation Menschen unterschiedlichen Regeln, aber auch jeder Menge gleicher Regeln folgen.

Diskussion

Der Lernprozess beginnt beim deutschen Leser schon damit, sich auf die gesellschaftliche Wirklichkeit der mehrsprachigen Schweiz und typisch schweizerische Begriffe wie „Ausschaffung“ (Abschiebung) oder „Kurzbeschrieb“ einzulassen. Die theoretischen Einführungen auf jeweils vier oder fünf Seiten sind durchaus anspruchsvoll und überzeugend. Beispielsweise wird das Potential von Mehrsprachigkeit gut ausgebreitet. Die Lernziele sind nicht gut formuliert (z.B. nur „Umgang mit Konflikten“). Die einzelnen Übungen, mit denen die Lernziele erreicht werden sollen, sind von höchst unterschiedlicher Qualität, manche führen nur zu einer „Reflexion“ offener Fragen, manche zu einem Aha-Erlebnis, manche sind banal (etwa die Gegenüberstellung von Kommunismus und Kapitalismus im 9. Modul).Gut ist z.B. die bekannte Empathie-Übung, die aufzeigt, wie vergleichsweise wenige Handlungsoptionen Einwanderer haben. Gerade da, wo es um Handlungsrelevanz geht, also das Empowerment von Minderheiten, bleibt es bei unverbindlichen Appellen. In den letzten Modulen scheint den Autorinnen etwas die Luft auszugehen, bikulturelle Ehen und multikulturelle Klassenzimmer bieten mehr Potential, als hier kurz vorgestellt wird.

Fazit

Die Autorinnen breiten eine Fülle von Material aus und bereiten es systematisch auf. Für meinen Geschmack ist das Handbuch zu breit angelegt und lässt doch manche Lücke. Ein Gewinn ist es allemal: eine Fundgrube an Wissen und Anregungen für Lehrende. Man kann es ja auch in Auszügen für die Lehre nutzen.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 03.08.2012 zu: Brigitta Gerber, Miryam Eser Davolio: Interkulturell Bilden. 10 Module für den Unterricht mit Erwachsenen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich. Interact Verlag Hochschule Luzern (Luzern) 2012. ISBN 978-3-906413-86-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13305.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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