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Klaus Aichele (Hrsg.): Adoleszente Zusammenbrüche und Suizidalität

Cover Klaus Aichele (Hrsg.): Adoleszente Zusammenbrüche und Suizidalität. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2003. ISBN 978-3-86099-839-7. 13,00 EUR.

Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (AKJP) – Zeitschrift für Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, Heft 119.
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Einführung in die Themenstellung

In keinem anderen Altersabschnitt ist die Suizidversuchsrate so hoch wie in der Adoleszenz. Aus psychotherapeutischer Sicht ist dieser Umstand nicht als quasi natürliche Gegebenheit hinzunehmen, sondern als eine soziale Tatsache zu betrachten, die prinzipiell verstehbar und veränderbar ist. Im Verhältnis zu der Größe und Permanenz des Problems könnte die fachliche Auseinandersetzung mit jugendlicher Suizidalität noch sehr viel stärker erfolgen. Der Titel des 119. Heftes der Zeitschrift Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie weckt deshalb sofort Interesse. Allerdings ist bei der Lektüre die "Sprachbarriere" zum teilweise recht orthodox wirkenden psychoanalytischen Vokabular der Beiträge zu überwinden, was nicht immer leicht fällt.

Aufbau und Inhalte

Die Zeitschrift enthält sieben Artikel, von denen sich drei mit dem Thema Suizidalität befassen. Alle Autoren sind psychoanalytisch oder tiefenpsychologisch ausgerichtet.

  • Prof. Dr. Heinz Weiß, Chefarzt an der Abteilung für psychosomatische Medizin am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, setzt sich mit Suizidalität als einer Form psychischen Rückzugs auseinander. Der Autor illustriert verschiedene Konstellationen suizidalen Rückzugs durch kurze klinische Beispiele und geht auf typische Behandlungsprobleme ein.
  • Über eine rein psychoanalytische Betrachtung hinaus geht der Beitrag von Rolf Klüwer, promovierter Psychologe und emeritierter Professor des Sigmund-Freud-Institutes Frankfurt. Der Autor geht der Frage nach, wo die Grenzen der psychoanalytischen Grundhaltung im Kontakt mit suizidalen Patienten liegen. Klüwer leistet eine detaillierte Begründung, warum es im Therapieprozess erforderlich sein kann, suizidalen Impulsen als reale Therapeuten-Person gegenüberzutreten. Allerdings fällt an dem Artikel auch auf, wieviel Begründungsaufwand erforderlich ist, um eine entsprechende authentische Interaktionshaltung des Therapeuten an die psychoanalytische Methode zu vermitteln.
  • Monika Schnell, Diplom-Psychologin und Leiterin der Berliner Beratungsstelle "neuhland", beschreibt ein psychoanalytisch-systemisches Interventionskonzept für Jugendliche in suizidalen Krisen. Vorgehalten werden durch "neuhland" stationäre Kriseninterventionsplätze im Rahmen der Jugendhilfe verbunden mit dem Angebot einer Krisenberatungsstelle. Der Artikel zeigt sehr konkret auf, wie eine stationäre Krisenintervention auch außerhalb eines Klinikrahmens erfolgen kann. Aus klinischer Sicht wäre allerdings wünschenswert gewesen, auf die Grenzen dieses prinzipiell sinnvollen Versorgungsangebotes etwas genauer einzugehen.

Zweiter Schwerpunkt des Heftes sind Fallberichte zur analytischen Behandlung psychotischer Psychopathologien. Abgedruckt werden eine 1995 erstmals erschienene Kasuistik des belgischen Psychoanalytikers Lut de Rijdt und eine Fallgeschichte der polnischen Analytikerin Dr. Katarzyna Schier. Beide Beiträge schildern tief beunruhigte Erlebenswelten Jugendlicher, schwebend zwischen Traum und Wirklichkeit.

Zielgruppe und Fazit

Zielgruppe der Zeitschrift sind Psychoanalytiker und tiefenpsychologisch ausgerichtete Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Die Qualität der Beiträge ist für einen Außenstehenden nur schwer beurteilbar. Stellenweise wirkt die Denkweise so streng in die analytische Begriffswelt eingebunden, dass wenig Kontakt zu einem integrierten Psychotherapieverständnis möglich ist, teilweise sind die Beiträge gut nachvollziehbar und gut zu verstehen. Die geschilderten Psychosebehandlungen werden vermutlich auch für analytisch tätige Kolleginnen und Kollegen eher außergewöhnlich sein. Von besonderem Interesse ist sicher der Beitrag von Rolf Klüwer.


Rezension von
Dr. Christian Brandt
Psychologischer Psychotherapeut, Diplom Soziologe,
Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie Weinsberg
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Zitiervorschlag
Christian Brandt. Rezension vom 25.05.2004 zu: Klaus Aichele (Hrsg.): Adoleszente Zusammenbrüche und Suizidalität. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2003. ISBN 978-3-86099-839-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1331.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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