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Heinz-Jürgen Herzlieb: Konflikte lösen

Cover Heinz-Jürgen Herzlieb: Konflikte lösen. Konfliktpotenzial erkennen – in Konfliktsituationen souverän agieren. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2012. 4. Auflage. 127 Seiten. ISBN 978-3-411-87003-5. D: 6,99 EUR, A: 7,20 EUR, CH: 12,50 sFr.

Reihe: Pocket business.
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Thema

Konflikte im beruflichen und privaten Bereich stellen für viele Menschen eine Belastung und persönliche Herausforderung dar. Wie bin ich da hineingeraten? Wie soll ich reagieren? Was mache ich mit meinen Gefühlen (Ärger, Wut, Enttäuschung u.a.)? Wie vermeide ich eine Niederlage bzw. einen Gesichtsverlust? Was denken (dann) andere von mir? Dies sind nur einige Fragen, die sich dem Einzelnen im Verlauf eines Konfliktes stellen.

In dieser Situation wünscht sich manche/r ein Buch, das Anregungen und konkrete Handlungsempfehlungen zur Problembewältigung liefert. Diesem Wunsch entspricht das vorliegende Pocket-Buch. Darüber hinaus geht es Heinz-Jürgen Herzlieb – langjährig als Führungskraft in einer Großbank tätig und heute selbständiger Trainer, Coach und Strategieberater - darum Rüstzeug für das tiefere Verständnis psychologischer Hintergründe von Konflikten und das Bewusstsein für die eigenen Anteile am Konfliktgeschehen zu vermitteln.

Entstehungshintergrund

Der Autor wirbt für sein Buch mit seiner Person, seiner beruflichen – und Lebenserfahrung in Kombination mit einer Ausbildung in Psychotherapie. Schaut man daneben in das Literaturverzeichnis, so bezieht sich Heinz-Jürgen Herzlieb auf drei Bücher, zwei aus dem Bereich der Transaktionsanalyse (einem psychoanalytisch begründeten Ansatz in Psychotherapie und pädagogischer Praxis) und einem Ratgeber zum Umgang mit eigenen Gefühlen.

Das Buch in seiner nunmehr vierten Auflage spricht im Vorwort sehr persönlich an, nimmt Bezug auf Alltagserfahrungen und verspricht Rüstzeug für Konfliktgespräche und erfolgreiches Konfliktmanagement. Damit will es Ratgeber im konkreten Handeln sein, der Rückbezug zu theoretischen Grundlagen soll der Vermittlung von Grundwissen dienen.

Aufbau und Inhalt

Heinz-Jürgen Herzlieb gliedert sein Buch in acht Abschnitte.

Die Einleitung will zur Begriffsklärung beitragen und dazu die Normalität von Konflikten anzuerkennen. Als alltagsplausibles Argument für Letzteres zieht er heran, dass es bereits im Paradies zu Konflikten kam. Bei der Erläuterung von intrapsychischen und interpersonellen Konflikten (anhand von Alltagsbeispielen) lässt der Autor einen Bezug zur wissenschaftlichen Literatur – wie auch sonst durchgängig in seinem Buch – vermissen. Mit der Überschrift „Auf den Punkt gebracht“ fasst er die wichtigsten Thesen des zurückliegenden Teilkapitels und seine Handlungsempfehlungen zusammen.

Im zweiten Abschnitt wird die Leserin bzw. der Leser persönlich angesprochen, auf seine Ziele im Konfliktfall befragt und hingeführt zum Begriff der Konfliktfähigkeit mit den dazugehörigen (Teil-)Kompetenzen. Der Abschnitt endet mit Fragen zur Situationsanalyse eines potentiellen Konflikts und Aussagen zur Konfliktfähigkeit. Diese Kompetenz charakterisiert der Autor auf der Verhaltensebene u.a. dadurch „unnötige Konflikte zu vermeiden“.

Der dritte Abschnitt dient der Sensibilität für die eigenen Anteile am Konfliktverlauf. Mit Anregungen zur Selbstanalyse der Einstellungen zu Konflikten und eigenen Konflikterfahrungen (in den Beispielen zu Konflikt und Kooperation werden speziell berufliche Situationen angesprochen) bezieht der Autor die Leserin bzw. den Leser ein und fragt anschließend nach den „roten Knöpfen“. Diese Metapher dient ihm zur Charakterisierung von beinahe reflexartigen Auslösern heftiger emotionaler Reaktionen. Hier bringt Herzlieb die Transaktionsanalyse als „anschauliches Erklärungsmodell für menschliches Verhalten“ ins Spiel, ohne dass dies weiter begründet wird. Es folgt eine anschauliche und durch berufliche Praxisbeispiele illustrierte Beschreibung von Konfliktsituationen und eine alltagsplausible Anwendung zentraler Begriffe der Transaktionsanalyse (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich). Der Leserin bzw. dem Leser wird nun eine Selbstanalyse eigener Eigenschaften und Verhaltenstendenzen in Form eines Fragebogens mit 18 Einzelfragen angeboten. Über die Herkunft und die Qualität dieses Befragungsinstruments erfährt man leider an dieser Stelle nichts. Auch fehlen verlässliche Aussagen zur Auswertung. Im Abschluss des Kapitels betont der Autor nochmals seine Botschaft, dass die Leserin bzw. der Leser aus Konfliktgegnern Konfliktpartner machen soll.

Im vierten Kapitel mit dem Titel „Konflikte erkennen“ wird der Blick auf die Warnsignale und Hinweise auf Konfliktpotentiale gelegt. Die nun aufgezeigten und kommentierten Abwehrmechanismen (z.B. Projektion, Rationalisierung, Rationalisierung u.a., aus der psychoanalytischen Theoriebildung stammend) beschreibt Herzlieb anschaulich und alltagsnah. Auch zeigt er Verhaltensstrategien zur Entschärfung von Konfliktpotentialen, die Bedeutung von Körpersignalen zur Konflikterkennung und alternativen Herangehensweisen an Konflikte auf.

Abschnitt fünf behandelt Fragen der Konfliktprävention. Ausführlich geht der Autor auf das Thema Feedback-Kultur und die konstruktive Gestaltung von Feedback ein.

Im Abschnitt 6 wird die Konfliktklärung thematisiert. Das Aufzeigen potentieller Konfliktstrategien erfolgt in einer übersichtlichen Graphik, die mögliche Handlungsstrategien integriert (S. 94). Diese erstmalig bei Thomas (1976) zu findende Graphik wird ohne Bezug zum Originalautoren verwendet. In gleicher Weise erfolgt dies bei dem auf Glasl (1997) zurückgehenden Modell der Eskalationsstufen von Konflikten (S. 100). Heinz-Jürgen Herzlieb stellt nun Phasen für ein Konfliktklärungsgespräch vor. Der bewussten Gestaltung der Kommunikation räumt er dabei einen breiten Raum ein.

Mit Abschnitt 7 erfolgt der Hinweis auf die Konfliktvermittlerfunktion. In diesen sehr knapp gehaltenen Passagen finden sich Aussagen zur Funktion und zum Verhalten externer Schlichter.

Im Abschnitt 8 führt der Autor den Begriff der SOS-Konflikte ein. Die Abkürzung steht für „same old story“ und beschreibt wiederkehrende Muster, die dann neben dem Primärkonflikt (d.h. Ursprungskonflikt) zumeist dann auch einen Sekundär-, d.h. abgeleiteten Folgekonflikt zur Folge haben. In seinem kurzen Schlusswort weist Herzlieb den Lesern nochmals auf die verschiedenen Strategien im konstruktiven Umgang mit Konflikten zur Erlangung eines zufriedenstellenden Lebens hin.

Mit einem Stichwortverzeichnis gibt das Pocket-Buch leserfreundlich Hinweise zum schnelleren Finden von Themenaspekten.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Menschen, die sich intensiver mit Konflikten, ihren Ursachen und der Suche nach alternativen Verhaltensstrategien beschäftigen. Der Klappentext bzw. das Vorwort benennt keine spezielle Adressatengruppe. Insofern reiht es sich in die Ratgeberliteratur ein. In erster Linie werden berufliche Situationen angesprochen und Fallbeispiele aus diesem Bereich beruflicher Bildung zur Illustration herangezogen.

Diskussion

Heinz-Jürgen Herzlieb – langjährig als Führungskraft im Bankbereich und selbständiger Trainer, Coach und Strategieberater tätig – bringt sein breites Praxiswissen um die Entstehung, den Verlauf und die Handlungsstrategien im Umgang mit Konflikten ein. Trotz der absolvierten Therapieweiterbildung, sind die im Buch verwendeten Praxisbezüge insbesondere beruflicher Natur. Es lässt sich insofern wohl in erster Linie für Personen empfehlen, die sich eine Reflexion von Konflikten im Berufskontext wünschen. Als Ratgeber bei familiären Konflikten (Partnerschaft, Eltern-Kind-Konflikte u.a.) wäre eine zusätzliche Hinführung zu Fragen der familiären Lebensgestaltung hilfreich.

Im Buch hebt sich m.E. das Kapitel sechs durch seine ausführlichere und informative Gestaltung des präsentierten Grundlagen- und Anwendungswissen hervor.

Der Autor formuliert Empfehlungen häufig in einem normativ geprägten „Soll-Modus“ und gibt der Leserin bzw. dem Leser damit eine klare Orientierung. Womit diese Empfehlungen begründet sind – Erfahrungswissen des Autors, gesunder Menschenverstand u.a. – ist nicht immer abgeleitet bzw. nachvollziehbar. Auch würde ich mir als Leser gelegentlich mehr kleinschrittige Anleitung zur Veränderung von Konfliktsituationen als normative Zielvorgaben wünschen.

Fazit

Das vorgelegte Buch wendet sich als Ratgeber an eine breite Leserschaft. Mit einer Eingrenzung als Ratgeber für berufliche Kontexte und dort zu findende Konflikte (entsprechend der im Buch eingebundenen zahlreichen Beispiele aus diesem Bereich) hätte das Pocket-Buch ein klareres Profil.

Als Fachbuch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im psychosozialen Bereich und als Studienbuch ist es nicht zu empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 21.01.2013 zu: Heinz-Jürgen Herzlieb: Konflikte lösen. Konfliktpotenzial erkennen – in Konfliktsituationen souverän agieren. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2012. 4. Auflage. ISBN 978-3-411-87003-5. Reihe: Pocket business. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13347.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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