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Dirk Bachem, Bernd P. Pietschmann: Das duale Studium

Cover Dirk Bachem, Bernd P. Pietschmann: Das duale Studium. Eine Möglichkeit, sich vor dem kommenden Fach- und Führungskräftemangel wirkungsvoll zu wappnen ; Informationen für Unternehmen, Studieneinrichtungen und zukünftige Studenten. VAWW – Verlag für angewandte Wirtschaftswissenschaften UG (Köln) 2011. 194 Seiten. ISBN 978-3-942845-04-5. 39,90 EUR.

Reihe: Human resource management.
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Autor

Dirk Bachem arbeitet im textilen Einzelhandel und hat an der Fachhochschule Aachen Beschaffungs-, Produktions- und Logistikmanagement studiert. Prof. Dr. Bernd P. Pietschmann ist seit 1998 Professor für Personalmanagement an der FH Aachen.

Entstehungshintergrund

Alle derzeit breit diskutierten Ursachen von der Globalisierung über die Deregulierung der Märkte bis hin zur demographischen Entwicklung werden als Herausforderungen bezeichnet, die durch das duale Studium erfolgreich angenommen werden können – so lautet die Einführung auf dem Klappentext. Und der Anspruch wird gleich zu Beginn noch gesteigert: »Die … fundierte, strukturierte Beschreibung des Dualen Studiums, ist die derzeit wohl ausführlichste und umfangreichste Darstellung dieser Studien- und Ausbildungsform, die insbesondere nach dem Bologna-Prozess, das Modell der Zukunft sein kann.«

Aufbau

Das Buch besteht aus einer knappen Einleitung, die auch so betitelt ist, sogenannten Definitionen in Kapitel 2 und Das Duale Studium in Kapitel 3. Dem folgt eine umfängliche Darstellung des dualen Studiengangs Betriebswirtschaft PLuS an der FH Aachen in Kapitel 4, das Duale Studium im Einzelhandel in Kapitel 5 sowie ein Fazit in Kapitel 6. Zwischendurch gibt es Zwischenfazits und Kurzfazits.

Inhalte

Die knappe Einleitung (2 Seiten) ist eine Aneinanderreihung von Aussagen zu den derzeitigen Herausforderungen. Kapitel 2 „Definitionen“ nimmt den Begriff wörtlich und definiert 11 Tatbestände von 2.1 „Das „klassische“ deutsche Bildungssystem“ bis 2.11 „Definition: Personalentwicklung“.

Kapitel 3 „Das duale Studium“ beginnt mit der Definition desselben, wobei anzumerken ist, dass als Quelle lediglich ein Wirtschaftslexikon zugrunde gelegt wird. Es ist rein deskriptiv und beschreibt ausschließlich, welche Formen es gibt bis hin zu den Voraussetzungen, die Studierende, Betriebe und Hochschulen erfüllen müssen. Die Darstellungen verbleiben an der Oberfläche und können nur ein erster Hinweis darauf sein, wie duale Studiengänge eingerichtet werden könnten.

Kapitel 4 ist ausschließlich dem dualen Studiengangs „Betriebswirtschaft PLuS“ der FH Aachen gewidmet, der ausführlich präsentiert wird. Ähnlich ist Kapitel 5 gestaltet, nur dass jetzt eine exemplarische Darstellung der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der ANSON´S Herrenhaus KG erfolgt.

Das Fazit ist im eigentlichen Sinne kein Fazit, sondern eher eine Zusammenfassung. Nicht immer sind die Ausführungen nachvollziehbar, beispielsweise wenn von einer „Dualen Fachhochschule Baden-Württemberg“ und gleichzeitig von der Berufsakademie dort die Rede ist (S. 184). Zum einen ist es die „Duale Hochschule Baden-Württemberg“, die eine eigene Hochschul- und Rechtsform ist, zum anderen hat diese die Berufsakademien in diesem Bundesland abgelöst, was nicht deutlich wird. Auch die übrigen Darstellungen sind zumindest mehrdeutig: so handelt es sich beim Ausbildungsabschluss um einen eigenständigen, vom Hochschulabschluss unabhängigen Bildungsabschluss und nicht um ein Anhängsel des Bachelor-Titels. An vielen Stellen werden solche Ungenauigkeiten sichtbar.

Diskussion

Das Buch ist keine umfassende Darstellung der dualen Studienmöglichkeiten. Die beiden Beispiele in den Kapiteln 4 und 5 stammen aus der beruflichen Tätigkeit der beiden Autoren und werden in keiner Weise reflektiert, sondern lediglich beschrieben. Ob dieses wirklich good practice Beispiele sind, mag dahin gestellt bleiben.

Zudem wird ein relativ einseitiger Ansatz verfolgt: der personalwirtschaftliche Nutzen dualer Studiengänge. Ausschließlich hierauf konzentrieren sich die beiden Autoren in ihren Analysen. Bildungspolitische Aspekte und die Herausforderungen der Lernortkooperationen, die oft weit mehr Partner als im dualen System umfassen, indem Betriebe, Hochschule, Berufsschule und ggf. Kammern koordiniert werden müssen, werden nicht angesprochen. Auch die besonderen Belastungen der Studierenden, die von deutlich höherer Arbeitsbelastung bis hin zur fehlenden Berufswertigkeit reichen, werden nicht thematisiert. Wenn die Autoren, wie von ihnen beschrieben, mit Studierenden gesprochen haben, dann hätte man sich gerne auch Antworten zum „Studium light“ gewünscht.

Zudem fehlen Bezüge zu Anrechnungs- und Anerkennungsverfahren, wie sie beispielsweise in ANKOM erprobt worden sind. Überhaupt erscheint der Diskurs zum dualen Studium nur unzureichend eingearbeitet zu sein. Auch die Bezüge zur Internationalität sind fragwürdig, da nur in Deutschland aufgrund des Berufsbildungssystems echte duale Studiengänge möglich sind. Letztlich fehlt auch der in Bundesländern wie Berlin, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vollzogene Übergang von dualen Studiengängen zu dualen Hochschulen fast vollständig und wird nur in Nebensätzen angesprocen. Dies mag auch daran liegen, dass die angeführte Literatur nicht ganz aktuell und nicht umfassend ist.

Fazit

Als ein erster Einstieg mag das vorliegende Buch geeignet sein, um Verständnis für duale Studiengänge zu bekommen. Allerdings ist die Landschaft deutlich vielfältiger als dargestellt. Und so neu sind duale Studiengänge auch nicht; sie existieren seit den frühen 1970er Jahren. Obwohl immer wieder politisch gefordert und gefördert, haben sie sich quantitativ nicht durchsetzen können. Dies dürfte der Komplexität der Administration und der fehlenden eindeutigen Berufswertigkeit geschuldet sein. Solange von „Studzubis“ in den Betrieben gesprochen wird, solange bei vielen Berufstätigkeiten und Professoren die Anerkennung externer Leistungen auf ein Studium mit „Studium light“ gleichgesetzt wird, dürfte sich hieran auch nicht viel ändern. Duale Studiengänge sind durchaus ein Instrument, um bestimmte bildungspolitische und personalwirtschaftliche Ziele zu erreichen und haben sich hier in den letzten 40 Jahren eine Nische erobert; als Allzwecklösung für alle neuen Herausforderungen, wie von den Autoren postuliert, sind sie dagegen ungeeignet.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 28.06.2012 zu: Dirk Bachem, Bernd P. Pietschmann: Das duale Studium. Eine Möglichkeit, sich vor dem kommenden Fach- und Führungskräftemangel wirkungsvoll zu wappnen ; Informationen für Unternehmen, Studieneinrichtungen und zukünftige Studenten. VAWW – Verlag für angewandte Wirtschaftswissenschaften UG (Köln) 2011. ISBN 978-3-942845-04-5. Reihe: Human resource management. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13396.php, Datum des Zugriffs 16.01.2018.


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