socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Margit Stein, Martin Stummbaum: Kindheit und Jugend im Fokus aktueller Studien

Cover Margit Stein, Martin Stummbaum: Kindheit und Jugend im Fokus aktueller Studien. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2011. 240 Seiten. ISBN 978-3-7815-1820-9. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Forschungen und Publikationen bezüglich der sozialen Lage und Situationen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben in den letzten drei Jahrzehnten deutlich zugenommen. Den meisten dieser Untersuchungen gemein ist, dass sie einen ausgewählten Bereich, z.B. die Armutslage oder eine ausgewählte Gruppe, z.B. Kinder mit Migrationserfahrung, fokussieren. Eine zusammenführende und vergleichende Betrachtung und der „Determinanten kindlichen und jugendlichen Lebens aus empirischer Sicht“ (18), existiert jedoch nicht. Diese Lücke möchten Margit Stein und Martin Stummbaum mit ihrem Buch schließen und „im Sinne eines Reviews Ergebnisse aktueller (repräsentativer) Studien und Surveys“ (18) zusammentragen.

Angesichts der Quantität des möglichen Datenmaterials ist dieses Vorhaben als ein Wagnis zu betrachten, welches ausschließlich durch Begrenzung und Systematik zu bewältigen ist. Diesen beiden Aspekten sind die Autoren konsequent gefolgt und verweisen gleich mehrfach darauf, dass ihr Buch „nur einen ersten Eindruck in die subjektiven Lagen und Welten der Kinder und Jugendlichen geben kann und zwangsläufig fragmentarisch bleibt“ (10). Zudem erfasst es nur die aktuelle Realität und „muss deshalb laufend fortgeschrieben werden“ (18). Den vertieften Focus richten die Autoren explizit auf Kinder und Jugendliche in sozialen Randlagen und auf junge Menschen mit Migrationserfahrung, den allgemeinen Blick auf die strukturellen Bedingungen des Aufwachsens und die damit verbundenen multiplen Befindlichkeiten. Damit diese Zusammenführung empirischer Daten gelingt, gehen die Stein und Stummbaum in ihrem Buch übersichtlich und systematisch vor.

Inhalt

Einführend gibt das erste Kapitel auf acht Seiten einen knappen Einblick in das Thema. Hierzu erfolgt ein Vergleich der definitorischen und der subjektiven Zuschreibung der Begriffe von Kindheit und Jugend, sowie der historischen Entwicklung von Kindheits- und Jugendbildern und der daraus gewachsenen Kindheits- und Jugendforschung.

Das zweite Kapitel befasst sich auf knapp 200 Seiten in sieben Unterkapiteln mit der Zusammenführung empirischer Ergebnisse zu den Themen

  • „Kinder und Jugendliche als marginalisierte Gruppen“,
  • „Soziale Situation“,
  • „Schul- und Bildungssituation“,
  • „Religiosität, Werte, Engagement, Freizeitverhalten und Zukunftsvorstellungen“,
  • „Gesundheit und Krankheit“ ,
  • „Kinder und Jugendliche in Armutslagen“ und
  • „Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“.

Die einzelnen Themenbereiche werden weiter operationalisiert, so dass insgesamt 33 Themensegmente entstehen, denen sich ein Leser gezielt zuwenden kann. In jedem Segment erfolgt eine deskriptive und statistische Darstellung der Ergebnisse relevanter quantitativer und qualitativer Untersuchungen (die kurz vorgestellt werden) und deren Bewertungen. In der Einführung des zweiten Kapitels geben die beiden Autoren zudem zahlreiche Literaturhinweise zur Lebenswelt Heranwachsender (21), die weiterführende Informationen zu den einzelnen Themen bieten.

Das dritte Kapitel besteht ausschließlich aus dem zweiseitigen Ausblick der Autoren, in welchem sie auf einen geplanten zweiten Band verweisen, der „sich mit der Gestaltung von Settings und Institutionen sowie Lebenswelten des Aufwachsens“ (219) befasst. Diese zwei Themenbereiche erachten die Stein und Stummbaum als „Lösungskorridore“ (219), die nach ihrer Auffassung durch dieses Buch- ihrem ersten Band- eruiert wurden.

Diskussion

Ist das Wagnis des gewünschten “fragmentarischen Überblicks“ im Grundsatz geglückt, so ist der Ausblick dennoch als äußerst wagemutig zu betrachten. Die Stärke des Buches ist sicherlich die Zusammenführung der diversen Publikationen und eine handliche und schnelle Nutzbarkeit für all diejenigen die sich einen Überblick in einem der dargestellten Segmente wünschen. Es bedarf mitunter etwas Ruhe und Zeit, um sich den einzelnen Themen zu widmen, quantitative und qualitative Forschungsdesiderata zu erschließen und mit den reichhaltigen Literaturempfehlungen zu vertiefen. Die von den beiden Autoren ausgewiesene Zielgruppe der „in der Praxis beschäftigten Pädagoginnen und Pädagogen“ (8) wird indes nicht zwingend zur Lesergruppe gehören, denn die deskriptive Darstellung, mit wenig Praxisbeispielen, ist nur bedingt im zumeist strapazierten Berufsalltag dieser Berufsgruppe zu bewältigen. Insofern ist das vorliegende Buch sicherlich eine Bereicherung für Studierende dieser Professionen.

Der von Stein und Stummbaum angekündigte fragmentarische Überblick erweist sich unweigerlich an manchen Stellen als rudimentär, wenn z.B. einem Segment weniger als eine Seite gewidmet wird (56). Zudem bedeutet die Fokussierung auf bestimmte Themensegmente (z.B. Informelle Bildungsprozesse ausschließlich hinsichtlich des Medienzugangs und -nutzung zu betrachten) (77ff.), dass andere ebenfalls bedeutende Aspekte außen vor bleiben. Hinsichtlich des (wissenschaftlichen) Anspruchs der beiden Autoren, die in diesem Buch dargestellten Ergebnisse für „Lösungskorridore“ zu nutzen, erweisen sich diese beiden Verfahrensweisen als fragwürdig. Bei einer Neuauflage sollte gleichfalls ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis hinzugefügt werden.

In den Teilen des Buches in denen sich der „fragmentarische Überblick“ vertieft wird, entpuppt sich das Buch hingegen als kleine Fundgrube. Dies gelingt den Autoren Stein und Stummbaum insbesondere in ihren ausgewiesenen Schwerpunkten der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (202ff) und in Armutslagen (175ff).

Fazit

Das anvisierte Ziel, einen zusammenführenden Überblick über gegenwärtige (repräsentative) Kinder- und Jugendstudien zu geben, wird mit diesem Buch erreicht. Notwendig hierfür sind eine systematische Vorgehensweise und (Themen-)Begrenzungen, die mitunter zu Lasten der Fundiertheit gehen.


Rezensentin
Astrid Boll
M.A. Doktorandin und Lehrkraft Hochschule Koblenz, in frühpädagogischer Fort- und Weiterbildung aktiv
Homepage www.hs-koblenz.de/profile/boll-1/?sword_list[]=astr ...
E-Mail Mailformular


Alle 5 Rezensionen von Astrid Boll anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Astrid Boll. Rezension vom 07.12.2012 zu: Margit Stein, Martin Stummbaum: Kindheit und Jugend im Fokus aktueller Studien. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2011. ISBN 978-3-7815-1820-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13405.php, Datum des Zugriffs 24.10.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung