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Eva Faßbinder, Ulrich Schweiger u.a.: Schematherapie

Cover Eva Faßbinder, Ulrich Schweiger, Gitta Jacob: Schematherapie. Mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2011. 258 Seiten. ISBN 978-3-621-27819-5. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 47,90 sFr.

Reihe: Therapie-Tools.
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Thema

Die Schematherapie als Weiterentwicklung der Kognitiven Verhaltenstherapie hat sich als wirksamer Therapieansatz in den letzten Jahren auch in der Bundesrepublik etabliert; es liegen gute Lehrbücher hierzu vor. Für die Praxis bringt dieser Ansatz es mit sich, das zwischen Therapeut und Klient psychoedukativ und in Form von Hausaufgaben Informationen und Aufgabenstellungen ausgetauscht werden – hier schließt das vorliegende Buch eine Lücke: es stellt für Patienten und Therapeuten Materialien zusammen, die unmittelbar oder online als Kopiervorlagen benutzt werden können. Darüber hinaus wird die Methode selbst insb. in ihrem sog. Modus-Konzept vorgestellt und erläutert – s.u.

Autorinnen und Autor

Eva Fassbinder ist Ärztin und Therapeutin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lübeck – Ulrich Schweiger ist dort in gleicher Profession tätig; Gitta Jacob arbeitet an der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Uni Freiburg. Alle drei sind mit der Schematherapie in Theorie und Praxis seit längerem vertraut.

Aufbau

Das Buch im Din A 4 Format ist klar gegliedert: es beginnt mit einem kurzen Einstieg in die Theorie der Schematherapie, geht dann auf den Aspekt der Psychoedukation ein und verdeutlicht im 3.Kapitel , wie und warum es wichtig ist, „Modi“ im eigenen Handeln wahrzunehmen. Weil gerade bei Veränderungsarbeit Sicherheit wesentlich ist, widmen sich die Autoren diesem Hintergrundaspekt im 4. Kapitel, bevor dann in den folgenden Kapiteln die wichtigen Modi selbst vorgestellt werden (s.u.) Übersichten zu den im Text vorgestellten Arbeits- und Informationsblätter, sowie Hinweise zu den Online- Materialien und Literaturhinweise schließen das Buch an. Für einen ausführlichen Einblick in das Inhaltsverzeichnis siehe www.beltz.de).

Inhalt

Im einleitenden Kapitel legen die Autoren in knapper und klarer Sprache die Grundlagen der Schematherapie dar. Ein Schema wird in der (frühen) Kindheit erworben und stellt eine „…mentale Struktur dar, die der automatischen Informationsverarbeitung dient und die sowohl Kognitionen, Emotionen, Erinnerungen, Wahrnehmungen als auch Verhaltensweisen und interpersonelle Muster beinhaltet.“ (S. 11) Die Schematherapie unterscheidet 18 maladaptive Schemata- die, wenn hinreichend stark ausgebildet, mit psychischen Störungen in Verbindung gebracht werden. Schemata stehen sozusagen hinter den Modi, denn ja nachdem, wie ein Schemata bewältigt wird, ergeben sich zustandsabhängig unterschiedliche Reaktionsweisen; die Autoren nennen deshalb Modi auch „schemaassoziierte States“ und stellen die vier Hauptgruppen vor. Anschließend gehen sie mit erläuternden Fallbeispielen auf die Fallkonzeption nach dem Moduskonzept ein und die hieraus entwickelten therapeutischen Interventionen- graphische Darstellungen erleichtern zusätzlich das Verständnis.

Kapitel 2 des Buches widmet sich dem Thema Psychoedukation- es ist den Autoren wichtig, die Beteiligung und Aktivität des Klienten frühzeitig einzubeziehen, denn dieser ist schließlich Agent der (Selbst-)Veränderung. Gerade hierzu gibt es deshalb auch reichlich Arbeits-/ Übungs- und Informationsblätter – diese sind unterteilt als solche für Patienten (P) und Therapeuten (T) und beziehen sich ausführlich auf die Persönlichkeitsstörungen lt. DSM IV.

Modi bewusst wahrzunehmen (Kapitel 3) ist ein wesentliches Ziel, was unter anderen durch Information ( „meine Modus-Analyse“) und Achtsamkeit sich selbst gegenüber angeleitet wird.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Frage, ob im gegenwärtigen Leben des Klienten Bedrohung vorhanden ist und der Notwendigkeit, diese vordringlich (Notfallpläne) zu behandeln. Hierbei wird das Konzept des „limited reparenting“ erläutert und der Therapeut zur alltagsnahen Unterstützung seiner Patienten ermutigt.

Kapitel 5 beschäftigt sich mit den problematischen Kindmodi (verletzlich, traurig; ärgerlich, wütend; impulsiv, undiszipliniert;). Auch hierzu werden dem Klienten reichlich Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt, um immer besser und differenzierter die Aktivität der Modi bei sich selbst festzustellen und sich auch mit den frustrierten Bedürfnissen von Kindern (S. 125) auseinanderzusetzen.

Kapitel 6 thematisiert die problematischen Elternmodi (strafend; leistungsfordernd; emotional fordernd)

und bietet auch hierzu Informations-, Beobachtungs- und Übungsblätter an.

Kapitel 7 schließlich beschäftigt sich mit den problematischen Bewältigungsmodi (Unterwerfung, Vermeidung, Überkompensation), erläutert diese, bringt Beispiele und Differenzierungen hierzu, sowie natürlich auch hier Übungsblätter.

Kapitel 8 stellt den Modus des fröhlichen Kindes vor- einem wesentlich gesunden Anteil des Menschen, der bei Patienten mit psychischen Störungen oft unterentwickelt ist. Als Ziel einer gelungen Therapie ( und begleitender Selbstbehandlung) gilt der gesunde Erwachsenen-Modus, der in Kapitel 9 erläutert und angeleitet (z. B. durch Imaginationsübungen und Verhaltensexperimente, S. 238 f) wird.

Es folgen noch Übersichten zu den Arbeitsmaterialien und Hinweise auf und zu den Online-Materialien. Ein Literaturverzeichnis schließt das Buch ab.

Diskussion und Fazit

Das Buch ist eine wesentliche Hilfestellung gerade in der Umsetzung der Schematherapie auch in der ambulanten Praxis- anhand der Materialien kann der Therapeut sich von schriftlichem Material entlasten und dem Klienten vielfältige Hinweise und Informationen geben, die zur Folge haben können, dass der Selbstveränderungsprozess zwischen den Sitzungen anhält und vertieft wird. Das Buch wird vom Verlag in der Reihe der sog. „Therapie-Tools“ veröffentlicht – wie ich meine ein verdienstvolles Unternehmen, die Umsetzung von Therapieansätzen in die Praxis zu unterstützen. Hierdurch wird auch manche Theorie „geläutert“, denn in deren Umsetzung und Vermittlung an Klienten schleift sich manches ab und glatt. Überaus empfehlenswert für Praktiker.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 18.07.2012 zu: Eva Faßbinder, Ulrich Schweiger, Gitta Jacob: Schematherapie. Mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2011. ISBN 978-3-621-27819-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13459.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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