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Christian Kittner: Angst im Job

Rezensiert von Dr. Jeanne Rademacher, 23.03.2004

Cover Christian Kittner: Angst im Job ISBN 978-3-87988-784-2

Christian Kittner: Angst im Job. Rainer Hampp Verlag (Mering) 2003. 64 Seiten. ISBN 978-3-87988-784-2. 17,80 EUR.
Praxisorientierte Personal- und Organisationsforschung, Band 2.

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Thema und Hintergrund des Buches

Wie aufeinander abgestimmt bereiten Christian Kittner mit seinem Buch "Angst im Job" und der sog. Glücksforscher M. Csikszentmihalyi mit seiner Neuerscheinung über Freude und Erfüllung am Arbeitsplatz ("Flow im Beruf") den Boden für ein mehr denn je bedeutsames Thema. Kittner fokussiert dabei eher auf die Gefahren sowie negativen Auswirkungen der Angst im Job. Befriedigende Arbeit kann dann nicht geleistet werden, wenn sich der überwiegende Teil der Aufmerksamkeit auf die eigene Angst konzentriert. Angst schränkt zudem persönliches Wachstum ein. Schaut man sich aktuelle Zahlen an, nach denen nur 12% aller deutschen Arbeitnehmer mit ganzem Herzen bei der Arbeit sind, dann drängt sich die Frage nach den Ursachen auf. Der Verweis Kittners auf das bisweilen noch eher wenig ausgeprägte Interesse der Unternehmen am Thema Angst gegenüber dem offensichtlichen Vorherrschen dieser Emotion in der gegenwärtigen Arbeitswelt ist gleichsam als Begründung zu sehen, sich diesem Phänomen intensiver zu widmen.

Mit seinem Buch betont der Autor, selbst Diplomkaufmann und Führungskraft in einem großen Handelsunternehmen, die notwendige Verantwortlichkeit jedes Unternehmens für das psychische Wohlergehen der Mitarbeiter. Basierend auf der Beschreibung von Angst und deren Auswirkungen für die betriebliche Praxis gibt Kittner neben einer theoretischen Verständnisgrundlage eine praktische Zukunftsvision.

Aufbau und Inhalt

Einleitend werden dem Leser eine übersichtliche Begriffsklärung von Angst sowie die Diskussion ihrer Funktionalität geboten (Kapitel 1 und 2). Hierbei wird eingangs auf unterschiedliche Formulierungen zur Angstbeschreibung (Stress, Furcht und Schrecken) verwiesen und im Anschluss der (begrenzte) persönliche und wirtschaftliche Nutzen dieser Reaktionsformen herausgestellt. Mit Rekurs auf stresstheoretische Konzepte werden in Kapitel 3 die Entstehungsbedingungen von Angst dargelegt sowie individuelle Erlebnis- und Erfahrungsmuster differenziert und inhaltlich begründet (Kapitel 4). Hierbei werden potentiell angstauslösende Bedingungen kurz und sehr allgemein gehalten angeführt (permanenter Stress und Zeitdruck, Konkurrenzdruck, Konflikte im Team, organisatorische Umstrukturierung, rasanter technischer Fortschritt). Deutlich wird, dass Personen sich in der Art und Weise des Stresserlebens unterscheiden sprich dass ein und derselbe Angstauslöser in ganz unterschiedlichem Maße zu tatsächlichen Stresserleben und in der Folge zu Angst führt. Die verschiedenen Dimensionen des individuellen Angstempfindens (körperliche, gedanklich-emotionale und Verhaltensebene) werden kurz skizziert.

Nach dieser eher allgemeinen Darstellung benennt und beschreibt der Autor in Kapitel 5 die Vielzahl typischer Angstfelder (Existenzängste, Soziale Ängste, Leistungs- und Versagensängste) sowie spezieller Ängste im Beruf und betont dabei insbesondere das Zusammenspiel betrieblich relevanter Angstarten. Kittner konzentriert sich bei der Darstellung von Ängsten bestimmter Personengruppen auf Ängste, die aufgrund einer bestimmten Position im Unternehmen (hier Manager) oder aber ausschließlich beim Zusammentreffen der beiden Geschlechter entstehen (von ihm als Konflikte menschlicher Art bezeichnet). Auswirkungen von Angst und die damit verbundenen Probleme für den Einzelnen (Angst macht krank, Privatleben ist betroffen) und das Unternehmen (Zusammenhang zwischen Angst und Leistung, Beteiligung der Unbeteiligten) sind Inhalt des 6. Kapitels, in dessen Anschluss verschiedene Abwehrstrategien zur Beseitigung oder Minderung von Angst (Angriff, Flucht, Unterwürfigkeit, Verdrängung) vorgestellt und in ihrer oftmals nur sehr kurzfristigen Nützlichkeit hinterfragt werden (Kapitel 7).

Abschließend diskutiert der Autor vor dem Hintergrund der Darstellung betriebswirtschaftlich relevanter Folgen von Angst (Kosten für das Unternehmen) wirkungsvolle Hilfestrategien und bietet für Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Idee eines Angstmanagements (Kapitel 8). Hierbei werden neben Vorschlägen zur (persönlichen) Angstvorbeugung (Anti-Angst-Training) und generellen Situationsverbesserung (z. B. Betriebsklima) auch Hinweise auf Rechtsgrundlagen sowie professionelle Hilfeangebote gegeben. Abschließend wird in Form eines Ausblicks (Kapitel 9) resümiert, dass, "will die Betriebswirtschaftslehre auch in Zukunft der Praxis helfen, die unternehmerischen Ziele zu erreichen ... sie den Menschen in seiner Gesamtheit, das heißt auch in seiner Emotionalität, in ihr Kalkül einbeziehen (muss)".

Zielgruppe

Geeignet erscheint das Buch durchaus nicht nur für Führungskräfte; es passt für all jene, die im Berufsleben stehen und interessiert sind an gutem Arbeitsklima, zu optimierenden Bedingungen gemeinsamer Arbeit und einem wachen Blick für die eigenen Bedürfnisse sowie die von Kollegen und Kolleginnen.

Fazit

Kittners Versuch, neben der Sensibilisierung für das Thema Angst in der beruflichen Praxis auch Interesse zu wecken für das Phänomen Angst und darüber hinaus sehr handlungsbezogen auch eine Art Angstmanagement zu entwerfen, ist ein außerordentlich lobenswertes Unterfangen. Ihm ist ein kurzweiliger, gut lesbarer und vor allem praktisch relevanter Abriss zum Thema Angst im Job gelungen. Ohne den Anspruch einer tiefgreifenden und allumfassenden Abhandlung zum Thema zielt Kittner vielmehr auf eine kompakte und einführende Darstellung. Es bleibt zu wünschen, dass dieses Buch in viele Hände fällt, in denen sich vor allem seine Botschaft entfalten kann.

Rezension von
Dr. Jeanne Rademacher
Institut für Psychologie der Universität Magdeburg
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Es gibt 5 Rezensionen von Jeanne Rademacher.

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ISSN 2190-9245