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Anja Sophie Meyer: Das Jugendstrafrecht in Deutschland

Rezensiert von Prof. Dr. jur. Dr. phil. Christoph Nix, 13.03.2013

Cover Anja Sophie Meyer: Das Jugendstrafrecht in Deutschland ISBN 978-3-86226-139-0

Anja Sophie Meyer: Das Jugendstrafrecht in Deutschland. Eine Betrachtung der Angemessenheit bestehender und der Notwendigkeit neuer Reaktionsweise auf straffälliges Verhalten Jugendlicher. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2012. 290 Seiten. ISBN 978-3-86226-139-0. D: 27,80 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 32,00 sFr.

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Thema

Im Grunde geht diese Arbeit einer alten und oft gestellten Frage nach. Nimmt die Jugendkriminalität zu oder ab und reichen die Reaktionsmöglichkeiten des JGG aus, um adäquat auf jugendliches Fehlverhalten zu reagieren.

Autorin

Die Autorin ist Richterin am Landgericht in Potsdam. Die vorliegenden Arbeit entstand an der Universität in Bern zum Erwerb LL.M. im Fach Kriminologie.

Entstehungshintergrund

Die junge Autorin beschäftigt sich im Studium mit Fragen der Jugendkriminalität, insbesondere aber findet sie die Überreaktionen der Politik nach einem strengeren Jugendstrafrecht überzogen und will sich vor allem empirisch üben in der Interpretation der Polizeilichen Kriminalstatistik und der Erhebung von Daten über die Einstellung der Bevölkerung zu delinquenten Kindern und Jugendlichen.

Ihr Erkenntnisinteresse ist honorig, sucht sie doch auch als junge Richterin danach nicht zu heftige strafrechtliche Reaktionen zu verhängen.

Aufbau

Die knapp 180 Seiten umfassende Arbeit gliedert sich übersichtlich in einen das Hellfeld interpretierenden Teil (B. Entwicklung der Jugendkriminalität in Deutschland S.6-35), die Referierung der empirischen Untersuchung über die Einstellung der Bevölkerung zur Delinquenz (C. S.37-99) und einen Teil D der sich mit den sogenannten Boot Camps beschäftigt. Im Teil E referiert die Autorin noch einmal Ihre Betrachtungen über Prävention und Bildung (S.164-178)

Inhalt

Anja Meyer kommt in der Interpretation der Polizeilichen Kriminalstatistik zu keinem anderen Ergebnis, als es schon x Mal referiert wurde. Die Jugendkriminalität ist rückläufig. Insbesondere die Arbeiten von Wolfgang Heinz und Gerhard Spiess im Konstanzer Inventar belegen dies kontinuierlich und übersichtlich aufbereitet.

So findet sich nichts Neues auch nicht im empirischen Teil, was man als interessierter Zeitbürger oder in Jugendstrafsachen tätiger Jurist nicht bereits wissen sollte.

Die gefühlte Kriminalität ist größer, als die tatsächliche und jedes Boot Camp ist schlimmer, als mancher Knast.

Diskussion

Jede Generation hat das Recht die Verhältnisse mit denen sie sich beschäftigen müssen noch einmal neu erfahrbar zu machen und darin liegt der Verdienst der Autorin, dem einen oder anderen autoritären Richter in Bayern oder Brandenburg könnte diese Schrift noch einmal belegen, dass harte Strafen zu nichts nutze sind.

Ihre Lösungsansätze (S.170 ff.) sich mit Bildung, Sprache und Prävention zu beschäftigen, sind sicherlich ein gutes Fundament, als junge Richterin nicht abzustumpfen, sondern festzuhalten daran, dass das eigentliche Elend immer wieder die soziale Armut ist.

Fazit

Die Studie über „ Das Jugendstrafrecht in Deutschland“ hat eher einen didaktischen Wert, als dass sie einen wissenschaftlichen Fortschritt dienen mag, den inhaltlich enthält sie nicht neues: die Strafe hat den Zweck den zu bessern welcher straft, wie Nietzsche es einmal formuliert hat.

Rezension von
Prof. Dr. jur. Dr. phil. Christoph Nix
Intendant Theater Konstanz
Professor an der Universität Bremen
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Es gibt 8 Rezensionen von Christoph Nix.

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Zitiervorschlag
Christoph Nix. Rezension vom 13.03.2013 zu: Anja Sophie Meyer: Das Jugendstrafrecht in Deutschland. Eine Betrachtung der Angemessenheit bestehender und der Notwendigkeit neuer Reaktionsweise auf straffälliges Verhalten Jugendlicher. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2012. ISBN 978-3-86226-139-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13522.php, Datum des Zugriffs 02.12.2022.


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