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Ute Vanini: Risikomanagement

Rezensiert von Dr. iur. Marcus Kreutz, 28.08.2013

Cover Ute Vanini: Risikomanagement ISBN 978-3-7910-3126-2

Ute Vanini: Risikomanagement. Grundlagen, Instrumente, Unternehmenspraxis. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. 303 Seiten. ISBN 978-3-7910-3126-2. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 41,00 sFr.
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Dauerhafte Präsenz des Begriffs des Risikos

Spätestens mit dem Buch „Risikogesellschaft“ des Soziologen Ulrich Beck, welches im Jahr 1986 erschien, ist dieses Phänomen Gegenstand der allgemeinen Diskussion und wird nicht nur in wissenschaftlichen Zirkeln und universitären Elfenbeintürmen thematisiert. Hatte das Buch Becks – dem seinerzeitigen Zeitgeist entsprechend – noch einen stark bemerkbaren apokalyptischen Zug (obgleich sich der Autor darum bemühte, auch Auswege aus der Erstarrung und Angst zu zeigen, die angesichts nahezu überall ausgemachter Risiken zu machen), so veränderte sich im Lauf der letzten fast 30 Jahre die Sicht auf das Risiko. Schon Luhmann brachte es fertig – wohl auch ob seines unterkühlten Temperaments und aufgrund seiner professionellen Herkunft als Jurist –, in seinem Buch „Soziologie des Risikos“ aus dem Jahr 1991 einen sachlichen und fast schon fatalistischen Ton anzuschlagen. Seitdem ebbt die Flut der Publikationen zu den verschiedensten Aspekten der Risikoforschung nicht ab und längst ihren Weg in alle gesellschaftlichen Bereiche gefunden. Dies schlägt sich u.a. darin nieder, dass gerade der Bereich der Wirtschaft, der – wie die zahlreichen, jüngsten und weltweit sich auswirkenden Ereignisse beeindruckend zeigen – ganz besonders krisenanfällig ist, da hier in einem besonders hohen Maße mit Risiken zu rechnen und umzugehen ist. Dies führte schließlich dazu, dass auch der Gesetzgeber sich dieser Thematik angenommen hat und in § 91 Abs. 2 AktG eine enge Begriffsauffassung verwendet hat, wenn er normiert, dass der Vorstand verpflichtet ist, geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit der Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden können.

Das hier vorzustellen Buch beschäftigt sich mit dem Thema Risikomanagement in Betrieben, wirft also auf diese Thematik einen Blick aus betriebswirtschaftlicher Perspektive. Obgleich sich die Autorin auf gewerbliche Unternehmen bei ihrer Betrachtung konzentriert, ist diese Thematik und somit auch das Buch für gemeinwohlorientierte Körperschaften von immenser Bedeutung. Denn die Fortexistenz ist auch und gerade bei dieser Form von Unternehmungen bedeutsam, da sie – z.B. bei Stiftungen – ohnehin darauf angelegt sind, ewig zu existieren bzw. – z.B. bei gemeinnützigen Vereinen – gesellschaftlich relevante Hilfestellungen für marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu erbringen, so dass ihnen eine nicht zu unterschätzende Funktion beim Zusammenhalt einer Gesellschaft zukommt.

Autorin

Ute Vanini ist Professorin für Controlling und Innovationsmanagement an der Fachhochschule Kiel, Prodekanin des dortigen Wirtschaftsbereichs, Sprecherin des „Arbeitskreises der Controlling-Lehrenden an Fachhochschulen“ (AKC) und Jury-Vorsitzende des Nachwuchspreises des Internationalen Controllervereins (ICV).

Aufbau

Das Buch ist insgesamt in elf Kapitel gegliedert. Dies sind die Folgenden:

  1. Einleitung (Seite 1-6)
  2. Grundlagen des Risikomanagement (Seite 7-98)
  3. Strategisches Risikomanagement (Seite 99-124)
  4. Ansätze und Probleme der Risikoidentifikation (Seite 125-156)
  5. Ansätze und Probleme der Risikobewertung (Seite 157-208)
  6. Ansätze und Probleme der Risikoberichterstattung (Seite 209-222)
  7. Ansätze und Probleme der Risikosteuerung (Seite 223-248)
  8. Ansätze und Probleme der Risikoüberwachung (Seite 249-262)
  9. Weiterführende Fragen des Risikomanagements (Seite 263-284)
  10. Anhang (Seite 285-286)
  11. Literaturverzeichnis (Seite 287-300)

Ein Sachregister schließt das Buch ab. Insgesamt 131 graphische Abbildungen systematisieren den Gegenstand der Betrachtung und helfen dabei, die komplexen einzelnen Bereiche visuell aufzubereiten.

Ausgewählte Inhalte

Da sich das Buch an Bachelor- und Master-Studenten sowie an Praktiker aus den Bereichen Risikomanagement, Controlling, Interne Revision, Abschlussprüfung und Unternehmensführung wendet, dominiert ein didaktischer Aufbau: Zu Beginn eine jeden Kapitels wird ein Lernziel formuliert, welches durch zahlreiche Abbildungen, anschauliche Praxisbeispiele und über 100 Übungsfragen vermittelt und vertieft wird.

Obgleich es wegen dieser Ausrichtung des Buches verständlich ist, dass sich die Autorin in Kapitel 2.1 (Seite 7 ff.) lediglich mit den ökonomisch orientierten Risikodefinitionen beschäftigt und diese beleuchtet, wäre es für eine Erweiterung des Blickes von Vorteil gewesen, auch soziologische bzw. juristische Risikodefinitionen in die Betrachtung einzubeziehen. Zur Erweiterung des Horizonts und zwecks besserer Einordnung der Gesamtthematik erscheint dies gerade für Studenten angezeigt.

Von überragender Bedeutung für die Unternehmenspraxis ist es zunächst, die bestehenden Risiken zu identifizieren. Daher lohnt ein genauerer Blick auf die Ausführungen Vaninis zu diesem Einzelaspekt. Sie schildert zunächst fünf Anforderungen, die an eine erfolgreiche Risikoidentifikation zu stellen sind. Dies sind Vollständigkeit, Aktualität, Systematik und Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz (S. 126). Leider ist dann auf den folgenden Seiten in diesem Kapitel nicht näher erläutert, wie die Akzeptanz, verstanden als die Bereitschaft der Belegschaft, die Methoden der Risikoidentifikation anzunehmen und als die innere Zustimmung dazu, sich aktiv an der Risikoidentifikation zu beteiligen, erreicht werden kann. Zwar wird im weiteren Verlauf die Befragung aller Mitarbeiter nach risikorelevanten Informationen genannt (Seite 132 f.). Die insofern vorgeschlagenen Risikoworkshops (Seite 133) sind sicherlich unbedingt zu empfehlen und hilfreich. Allerdings ist die Aussage, dass den Mitarbeitern zu verdeutlichen ist, dass diese Workshops nicht nur eine lästige Pflichtübung zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen, sondern für die Unternehmenssteuerung inhaltlich notwendig sind, wenig hilfreich, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit. Schließlich sollen die Mitarbeiter ja motiviert werden, Risiken in der Unternehmensorganisation und -führung zu benennen. Da dies oft auch Mut voraussetzt, da dies zumeist mit Kritik an der bisherigen Unternehmensorganisation und -kommunikation mit sich bringt, wäre es sicherlich für die Rezipienten hilfreich zu erfahren, wie eine angst- und sanktionsfreie Workshop-Kultur erzielt werden kann. Insoweit enthält das Buch jedoch leider keine weiteren Hinweise.

Gleiches gilt für die Ausführungen in Abschnitt 6 („Ansätze und Probleme der Risikoberichterstattung“, Seite 209 ff.). Das Verhaltensmuster, den Überbringer einer schlechten Nachricht stellvertretend für deren Ursache zur Verantwortung zu ziehen, kann in der Geschichte in unzähligen Fällen beobachtet werden. Daher wäre es auch hilfreich gewesen, wenn man etwas darüber hätte lesen könne, auf welchem Wege bei den Vorgesetzten bzw. bei der direkten Unternehmensführung eine größtmögliche Offenheit und Unvoreingenommenheit dafür geschaffen wird, Risikodarstellungen als eine Form einer „schlechten Nachricht“ zu schaffen. Zwar kann man davon ausgehen, dass die Unternehmensführung bereits ein bestimmtes Maß an Offenheit und Unvoreingenommenheit für Risikomitteilungen besitzt, wenn sie sich schon dazu entschließt, ein Risikomanagementsystem einzuführen. Allerdings darf bezweifelt werden, ob die genannten Eigenschaften bei allen involvierten Führungskräften im gleichen erforderlichen Maße vorhanden sind. Auch hier wären weitere Ausführungen zur Frage, wie diese Eigenschaften geschaffen und gefördert werden, sicherlich für die Praxis hilfreich.

Fazit

Trotz der oben erwähnten Kritikpunkte, die sich auf eher „weiche“ Aspekte des Risikomanagements beziehen, ist das Lehrbuch von Vanini uneingeschränkt zu empfehlen, da es sich unter Beschränkung auf den technisch-betriebswirtschaftlichen Teil auf die wesentlichen Entscheidungsfaktoren in vorzüglicher didaktischer Form konzentriert und diese anschaulich und verständlich schildert. Bezieht man vor allem die studentische Zielgruppe zusammen mit dem sehr günstigen Preis mit in die Betrachtung ein, so ist das Buch auf dem Markt der Lehrbuchliteratur ein exzeptionelles Werk, dem viele Leser zu wünschen ist, da es unter dem Gesichtspunkt des Preis-Leistungs-Verhältnisses unschlagbar ist.

Rezension von
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Es gibt 264 Rezensionen von Marcus Kreutz.

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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 28.08.2013 zu: Ute Vanini: Risikomanagement. Grundlagen, Instrumente, Unternehmenspraxis. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-7910-3126-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13534.php, Datum des Zugriffs 27.05.2022.


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