Bettina Rühm: Kindergärten, Krippen, Horte
Rezensiert von Dipl.Soz-Päd. Martin Walz, 01.10.2012
Bettina Rühm: Kindergärten, Krippen, Horte. Neue Architektur - aktuelle Konzepte. Deutsche Verlagsanstalt (München) 2011. 174 Seiten. ISBN 978-3-421-03744-2.
Thema
Das Buch beschäftigt sich mit der Architektur und Raumgestaltung von Kindergärten, Krippen und Horten. Ab August 2013 werden auch unter dreijährige Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. In vielen Kommunen werden daher neue Betreuungseinrichtung gebaut oder bestehende Häuser aus- und umgebaut. Anhand von 28 Einrichtungen zeigt die Autorin wichtige Entwurfskriterien für den Neu- und Umbau auf. Sie betont dabei den „Zusammenhang zwischen pädagogischen Konzepten und architektonischer Gestaltung“ (Buchrückseite).
Autorin
Bettina Rühm ist Diplom-Ingenieurin und studierte Architektur an der TU München. Nach ihrem Studium war sie in verschiedenen Architektenbüros tätig. Heute arbeitet sie als Autorin, Lektorin und Übersetzerin von Architekturbüchern in München. (Vgl. Informationsschreiben der Presseabteilung des DVA)
Aufbau
Nach Inhaltsverzeichnis (3 Seiten) und Vorwort (1,5 Seiten) gliedert sich das Buch in drei Abschnitte:
- Einführung (11 Seiten)
- Projektbeispiele (144 Seiten)
- Interviews (8 Seiten)
Der Anhang beinhaltet Architekten- und Projektverzeichnis mit Bildnachweis (2 Seiten), Dank (0,5 Seiten) und Literaturverzeichnis (0,5 Seiten).
Inhalt
Im Vorwort geht Bettina Rühm auf die Bedeutung von Architektur und Raumgestaltung ein. Zur Umsetzung des neuen Bildungsauftrags sei es notwendig, über „ausreichende und auf das pädagogische Konzept abgestimmte Räumlichkeiten“ (S. 9) zu verfügen. Die Autorin erklärt, dass sie alle 29 im Buch besprochenen Kindertagesstätten besucht, und mit Pädagogen, Architekten und Politikern über die Anlagen gesprochen habe.
Theoretische Überlegungen und Gedanken findet der Leser in der Einleitung. Hier geht die Autorin auf die Planung und den Zusammenhang zwischen pädagogischen Konzepten und Architektur ein. Bettina Rühm betrachtet im nächsten Abschnitt folgende – für Kindertagesstätten relevante – Entwurfskriterien: Grundriss-Gestaltung, Eingangsbereich, Garderoben, Verkehrsflächen und Foyers, Gruppenräume, Besonderheiten in der Krippe und Besonderheiten im Hort. Der Abschnitt über Funktions- und Themenräume untergliedert sich in Essräume, Schlaf- und Ruheräume, Sanitärräume, Mehrzweckräume, Kinderküchen, Küchen, Werkstätten, Büros und Personalräume. Bei den technischen Aspekten findet der Leser Überlegungen zu eingesetzten Materialien, Beleuchtung und Farbgestaltung, Sonnenschutz und Akustik. Zum Abschluss der theoretischen Einleitung geht Bettina Rühm auf die Besonderheiten bei einer Umnutzung und auf den Aspekt der Außenanlagen ein. Die Konzeption und die geplante Arbeitsweise (Feste Gruppen, Teilöffnung, Offene Systeme, …) sollte, so die Empfehlung der Autorin, schon vor Planungsbeginn feststehen, um eine optimale Raumanordnung und -gestaltung zu ermöglichen. Hierfür sollten sich Einrichtungen und Träger ausreichend Zeit einplanen.
Das Kapitel „Projektbeispiele“ macht den größten Teil der Publikation aus. Hier werden 29 Kinderbetreuungseinrichtungen unterschiedlicher Trägerschaft und Ausrichtung im deutschsprachigen Raum einschließlich Südtirol vorgestellt. Die Architektin Bettina Rühm strukturiert die Darstellung in „Rechtwinklige Gebäude“ (10 Projekte), „Baukörper-Ensembles“ (6 Projekte), „Organisch geformte Gebäude“ (4 Projekte), „Im räumlichen oder nachbarschaftlichen Verbund mit einer Schule“ (5 Projekte) und „Umbauten“ (4 Projekte). Die einzelnen Architekturbeispiele verfügen über Lageplan, Schnitt, Grundriss und Zimmerbezeichnungen. Im Text geht die Autorin auf die jeweilige Situation, den Baukörper und die Konstruktion, den Grundriss, die Innenraumgestaltung, die Freiflächen und auf den Zusammenhang zwischen pädagogischem Konzept und Architektur ein. Separat zusammengefasst findet der Leser Angaben zu: Architekt, Freiflächengestaltung, Bauherr, Träger, Struktur, Flächen- und Raumangaben, Raumklima und Energie, Baukosten und Fertigstellung.
Die Protokolle zweier Leitfadeninterviews im letzten Teil des Buches runden die Publikation ab. Bettina Rühm sprach mit der Architektin, Erzieherin und Sozialpädagogin Klaudia Burger-Neu über den Zusammenhang von pädagogischer Arbeit und Raumgestaltung. Das Interview mit Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hausladen, Inhaber des Lehrstuhls für Bauklimatik und Haustechnik an der TU München, thematisiert unter anderem die Aspekte Energieeffizienz, Sonnenschutz, Akustik und Raumluft.
Diskussion
Das vorliegende Buch ermöglicht dem Leser einen gelungenen Überblick über die Möglichkeiten der architektonischen Gestaltung von Kinderbetreuungseinrichtungen. Das Buch richtet sich zwar in erster Linie an Bauplaner und Architekten, jedoch finden auch alle anderen Leser in der Einleitung Hinweise zu den bedeutsamen Aspekten bei der Planung von Kindertagesstätten. Bettina Rühm betont, dass möglichst alle Betroffenen (Architekten, Bauträger, pädagogisches Personal, …) zusammenarbeiten sollten, um für die vorliegenden Gegebenheiten eine optimale Lösung zu erarbeiten. (Vgl. S. 11) Bei einer solchen multidisziplinären Zusammenarbeit können alle relevanten Fragen und Erfahrungen Beachtung finden. Die Projektbeschreibungen sind fundiert recherchiert. Eine übersichtliche und einheitliche Gliederung sowie zahlreiche Skizzen und Bilder vermitteln einen anschaulichen Eindruck und eine gute Vergleichbarkeit der Bauvorhaben in den vorgestellten Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Grundrisse und Raumbezeichnungen veranschaulichen die Umsetzung der pädagogischen Konzeptionen optimal. Leider scheinen die Bilder zum Teil vor der Inbetriebnahme entstanden zu sein und wirken daher teilweise etwas „leblos“. Die beiden Interviews mit ihren unterschiedlichen Perspektiven auf Architektur von Kindergärten, Krippen und Horten runden die Publikation ab.
Fazit
Das vorliegende Buch ist eine empfehlenswerte Lektüre für jeden, der in ein Bauvorhaben einer Kindertagesstätte involviert ist. Es bietet eine wertvolle Ideen- und Informationssammlung und ist eine optimale Vorbereitung auf eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften, Bauherren und Architekten.
Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH)
Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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