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Margarete Jooß-Weinbach: Erzieherinnen in der Krippe

Cover Margarete Jooß-Weinbach: Erzieherinnen in der Krippe. Modi, Motive und Konstitutionen professionellen Handelns. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 222 Seiten. ISBN 978-3-7799-2551-4. 29,95 EUR.

Reihe: Kindheitspädagogische Beiträge.
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Thema und Entstehungshintergrund

Diese Studie befasst sich mit den "Modi, Motiven und Konstitutionen professionellen Handelns" im Bereich der Kleinkinderziehung. Die Forscherin möchte mit diesem Werk eine Forschungslücke schließen, da es im Bereich der empirischen Krippenforschung an Studien mangelt, dieser aber an Relevanz zunimmt. Aufgezeigt werden soll, was professionelles Handeln im Kleinkindbereich bedeutet und worauf der Fokus im professionellen pädagogischen Handeln in eben diesem Bereich liegt. Anhand videographierter und anschließend ausgewerteter Erzieherin-Kind-Interaktionen sollen die bedeutendsten Handlungsmodi herausgearbeitet werden. Ein weiteres Ziel der Studie ist, bestehende Handlungsformen begründen und verändern zu können (vgl. S. 208).

Autorin

Dr. phil. Margarete Jooß-Weinbach ist Referentin am Deutschen Jugendinstitut München und beschäftigt sich mit der Forschung im Bereich der Pädagogik der frühen Kindheit sowie mit der Professionalisierung von Pädagogen.

Aufbau

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine empirische Studie. Diese besteht aus vier Teilen mit dazugehörigen Kapiteln sowie Unterkapiteln.

  • Teil A befasst sich mit den theoretischen Grundlagen dieser Arbeit (S. 11ff). Begonnen wird mit einleitenden Worten der Autorin (S. 11f). Aufgezeigt werden "(d)ie Frühpädagogik im erziehungswissenschaftlichen Diskurs" (S. 12ff), der "Professionstheoretische Zugang" (S. 15f), die "Fragestellung und Gliederung der vorliegenden Untersuchung" (S. 16ff), die "Dimensionen professionellen Handelns" (S. 18ff), "(d)ie Strukturlogik professionellen Handelns" (S. 20f), der "Zugang aus dem Symbolischen Interaktionismus" (S. 32ff), das "Professionelle(…) Handeln in Ungewissheitsstrukturen" (S. 37ff) und "(d)er Prozess stellvertretender Deutung" (S. 41ff).
  • Teil B umfasst den methodischen Teil dieser Arbeit. Beschrieben werden der "Forschungsmethodische(…) Zugang" (S. 50ff), das "Eingesetzte Erhebungsverfahren und (deren) Auswertung" (S. 59ff) sowie die "Methodische Reflexion" (S. 68f).
  • In Teil C erfolgt die "Empirische Rekonstruktion der vier Fälle" (S. 70ff).
  • Die "Ergebnisse" der Studie werden in Teil D vorgestellt (S. 152ff).

Den Abschluss des Buches bilden ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis (S. 209ff) und ein Anhang bestehend aus den "Transkriptionsregeln" (nach Nohl und Bohnsack) (S. 221) und dem "Leitfaden für das Experteninterview (Interview I) mit Hauptfragen und eventuellen Nachfragen" (S.221f).

Teil A – Theoretischer Teil

Teil A beginnt mit einer "Einleitung" der Autorin (S. 11f).

Im zweiten Kapitel beschreibt die Autorin die Entwicklung der Relevanz sowie der zunehmenden Anerkennung der Frühpädagogik in der Gesellschaft (vgl. S. 12ff). Vorgestellt werden einige Studien u. Theorien, die sich mit der Bindung, der sozialen, kognitiven und psychischen Entwicklung im Zusammenhang mit der Fremdbetreuung beschäftigen (vgl. S. 13f). Des Weiteren folgt eine Zusammenfassung über die Qualifizierung sowie die Ausbildung von ErzieherInnen (vgl. S. 13f).

Im dritten Kapitel wird aufgezeigt, dass diese Studie sowohl in die Forschungsarbeiten zur Krippe als auch in die Professionsforschung einzuordnen ist (vgl. S.15). Dabei erfolgt eine "Integration verschiedener Einflussebenen und Dimensionen", die wiederum "empirisch-rekonstruktiv erweitert werden muss" (S. 15).

In Kapitel vier wird der Fokus dieser Untersuchung verdeutlicht. Dieser liegt auf dem "Prozess professionellen Handelns zwischen Erzieherin und Kind" (S.16).

Die Untersuchung basiert auf verschiedenen theoretischen Grundlagen – den handlungsorientierten professionstheoretischen Ansätzen. In empirischen Untersuchungen sollen diese Ansätze auf die Pädagogik in Krippen übertragen werden (vgl. S.16). Die empirischen Untersuchungen erfolgen als genaue Beobachtungen von Interaktionen zwischen Erzieherin und Kind (vgl. S.17).

Zur Analyse der Beobachtungen verwendet die Autorin Videobeobachtungen sowie Leitfadeninterviews, die m.H. der dokumentarischen Methode (ein praxeologisch ausgerichtetes Auswertungsverfahren) ausgewertet werden (vgl. S.17).

Vorgestellt wird die zentrale Untersuchungsfrage: "(W)ie Erzieherinnen in der Krippe vor dem Hintergrund bestimmter Bedingungen das Arbeitsbündnis mit den jungen Kindern gestalten, wie sie handeln und wie es dazu kommt, dass sie auf eine bestimmte Art und Weise handeln" (S.17).

Als Ziel der Untersuchung benennt die Autorin das "(H)erausfinden, welche Orientierungsmuster, Sinnzusammenhänge und handlungsleitende Motive bei diesen Krippenerzieherinnen vorliegen, die ihre Arbeit beeinflussen, welche Herausforderungen sie benennen, auf welchem expliziten und impliziten Wissen ihr Handeln gründet, welche professionellen Handlungsformen sich darstellen und wie diese rekonstruiert werden können" (S.17f). Das Augenmerk liegt dabei auf der Analyse sowie auf der Diskussion des Handelns (S. 18).

Im fünften Kapitel beschreibt die Autorin, was unter "Professionellem Handeln" zu verstehen ist sowie die "Dimensionen (des) professionellen Handelns" (S. 18ff). Als professionstheoretische Grundlage benennt die Autorin die "Strukturlogik professionellen Handelns und (die) Frage nach der Ausgestaltung des Arbeitsbündnisses zwischen den Erzieherinnen und den jungen Kindern (…)" (S.20).

Im sechsten Kapitel wird die "Strukturlogik professionellen Handelns" nach Oevermann, deren Grundlage die Psychoanalyse ist, näher erläutert (S. 20f). Hervorgehoben wird, dass bestimmte Charakteristika dieser Theorie ("Professionelles Handeln als Krisenbewältigung", "Wissensformen für Krisenbewältigung", "Das Arbeitsbündnis mit den 0- bis 3-Jährigen") auf die Krippenarbeit übertragen werden, die in den folgenden Kapiteln näher beschrieben werden (S. 21ff).

In Kapitel 6.1 wird das zweistufig stattfindende "Professionelle(…) Handeln als Krisenbewältigung" beschrieben. Voraussetzung hierfür ist eine außerfamiliäre Sozialisationsinstanz, in diesem Falle der/die ErzieherIn in der Krippe (vgl. S. 22f).

In Kapitel 6.2 werden zwei Formen des notwendigen Wissens eines jeden Professionellen vorgestellt – das "standardisierte nomologisch-deduktive" und das "nicht-standardisierte interventionspraktische Wissen" (S.24f).

In Kapitel 6.3 befasst sich die Autorin mit dem Arbeitsbündnis zwischen Professionellem und den Kindern im Krippenalter, mit der Struktur dieses Bündnisses, der Voraussetzung – hier der Wissensdrang des Kindes – sowie mit der Autonomieleistung, die dieses Bündnis an das Kind stellt (vgl. S.25ff).

Des Weiteren folgt die "Kritische Auseinandersetzung mit der Strukturlogik" in Kapitel 6.4 (S. 30ff).

In Kapitel 7 erfolgt der " Zugang aus dem Symbolischen Interaktionismus" von Schütze, der es ermöglicht, "(…) die Entwicklung von interaktionsbezogenem Denken und Handeln zu analysieren und zu verstehen" (S. 32ff). Aufgezeigt werden ebenfalls die "Paradoxien professionellen Handelns in der Krippe" (S. 33ff), diese sind: "Das Mehrwissen der Erzieherin" - Professionelles Handeln zeigt sich hier im Auflösen der "Asymmetrie der Abhängigkeit"; "Zuwarten versus Intervention" - Professionelles Handeln zeigt sich hier im "Vorausschauen, Abwägen und Aushalten können in bestimmten Situationen"; "Unklare Datengrundlage für Handlungskonsequenzen" - Voraussetzung für Professionelles Handeln zeigt sich hier als die "Anwendung von Erfahrungswissen, (sowie) das Wissen von Entwicklungsvorgängen, Verlaufskurvenabläufen und Handlungsentfaltungen (Schütze 1992, 149)". Weiterhin erfolgt die Nennung der "Fehlentwicklungspotentiale professionellen Handelns" (S. 35ff).

Kapitel 8 befasst sich mit dem "Professionelle(n) Handeln in Ungewissheitsstrukturen" (S. 37ff). Bezug genommen wird auf die "(…) unsichere Wissensbasis", die "(u)ngeklärte Zuständigkeit" und die "(u)ngewisse Wirkung pädagogischen Handelns" (S. 37ff). Von größter Bedeutung hierbei ist das "Wahrnehmen und die Überwindung dieser Ungewissheit und das daraus resultierende verantwortliche Handeln" (vgl. S. 40).

Im neunten Kapitel wird "(d)er Prozess stellvertretender Deutung" vorgestellt (S. 41ff). In Kapitel 9.1 erfolgt die Erklärung des Sinnbegriffs nach Weber (S. 41f), der wiederum in Kapitel 9.2 kritisch durch Schütz beleuchtet wird (S. 42ff).

In Kapitel 9.3 werden "(d)ie Teile des Deutungsprozesses" – "Diagnose (Situations- und Kontextanalyse), Inference (stellvertretende Deutung), Treatment (situations- und kontextspezifische Bearbeitung)" (S. 46) – nach Abbott vorgestellt und anhand einer Abbildung veranschaulicht (S. 45ff).

Teil B - Methodenteil

In Teil B der vorliegenden Arbeit erfolgt die Beschreibung der von der Autorin verwendeten Methoden (S. 50ff). Die Autorin wählte "eine (…) Kombination von qualitativen Erhebungsverfahren (…): teilnehmende Beobachtung, Videographie, Experteninterview und fokussiertes Interview (, sowie das) Analyseverfahren der dokumentarischen Methode", um "(die) Elemente professionellen Handelns erfassen und rekonstruieren (zu können)" (S. 50). Des Weiteren stellt die Autorin das "Theoretische(…) Sampling" sowie den "Zugang zum Feld" der Studie vor (S. 51f). Daraufhin folgt die Begründung für die "Wahl der dokumentarischen Methode" und die "Theoretische Herleitung der Methode" (S. 51ff). Anschließend folgen die Beschreibung der "Datenauswertung", der "Komparative(n) Analyse" sowie der "Methodentriangulation" (S. 56ff).

Im zweiten Kapitel erfolgt die Beschreibung der "Eingesetzte(n) Verfahren und (deren) Auswertung" (S. 59ff). Vorgestellt werden "(d)as Experteninterview", dessen Fokus sowohl in "unstrukturierten (als auch in) strukturierten Fragen" (S. 60) vor allem auf "das Betriebswissen über den Tagesablauf und die Raumgestaltung, (…) das Deutungswissen darüber, was die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder sind und (…) das Kontextwissen in Form von Zusatzinformationen über andere mit der Einrichtung verbundenen Personen wie z.B. die Eltern" gelegt (S. 59) wurde; "(d)as fokussierte Interview", in dem über zuvor aufgenommene Videosequenzen der Studienteilnehmer gesprochen wurde (vgl. S. 60); die "Arbeitsschritte bei der Interviewauswertung" – hierbei handelt es sich um die "Formulierende (sowie) um die Reflektierende Interpretation" (S. 61f); die "Videographie in der Krippe" – als Vorteil werden hier die genaue Aufnahme der "Interaktion zwischen Erzieherin und Kind" sowie deren "Reproduzierbarkeit" genannt (S. 62f) und der "Umgang mit dem ethnographischen Material in der Untersuchung", in dem es zum Einsatz verschiedener ethnographischer Protokolle kam, die zum Kennenlernen der Einrichtung und der Tagesabläufe in diesen dienten (vgl. S. 67). Abschließend folgt eine Reflexion hinsichtlich der verwendeten Methoden (S. 68f).

Teil C – Empirische Rekonstruktion der vier Fälle

Den größten Teils des Buches umfasst Teil C. Hier werden die vier Beispielfälle und deren Auswertung vorgestellt, wobei zwei der Fälle ausführlich, die anderen zwei lediglich zusammenfassend dargestellt werden (S. 70ff). Begonnen werden die Fallbeschreibungen mit der "Beschreibung der Einrichtung" (S. 70f, S. 107f). Daraufhin erfolgen die "Beschreibung und Interpretation der Videoszenen". In Fall 1 handelt es sich um eine Videoszene (S. 71), in Fall 2 hingegen um zwei Videoszenen (S. 108ff, S. 111ff). Des Weiteren werden die "Elemente des Orientierungsrahmens" aufgezeigt (S. 75ff, S. 114ff). In Fall 1 folgt "Die Sicht von Kolleginnen auf die Arbeit in der Krippe" (S. 79ff). In beiden Fällen werden nun die "Paradoxien des Handlungsfeldes (und ihr Umgang damit) benannt" (S. 81ff, S. 127ff). Im weiteren Verlauf unterscheiden sich Fall 1 und 2 folgendermaßen: In Fall 1 folgen das "Handeln im Team" (S. 98f) und die "Wissensdomänen bei der Arbeit mit den 0- bis 3- Jährigen" (S. 99ff). Im zweiten Fall wird das "Eigene(…) Rollenverständnis" (S. 138ff) vorgestellt. Beiden Fällen folgen die "Stellvertretende Deutung von Kindeshandeln" (S. 101ff, S.141ff) und eine "Zusammenfassung" (S. 104ff, S. 143ff).

Teil D – Ergebnisse

In Teil D, dem letzten Teil des Buches, werden die Ergebnisse vorgestellt und auf die theoretischen Grundlagen bezogen, um eine "Generalisierung" ausarbeiten zu können (vgl. S. 152ff). Die Autorin beginnt noch einmal mit der Nennung des Ziels ihrer Studie (S. 152).

Zunächst wendet sich die Autorin den Ergebnissen in puncto "Vertrauen" zu (S. 152ff). Benannt werden die theoretischen Grundlagen von "Vertrauen und Misstrauen im Arbeitsbündnis (…)" (S. 153f). Daraufhin folgen die "Elemente von Vertrauen" (S. 154ff) – genannt werden das "Vertrauen durch Machtverzicht (und somit die "Partizipation" und "Demokratisierung" der Kinder im Krippenbereich)" (S. 154f), das "Vertrauen als riskante Vorleistung (nach Luhmann)" (S. 155ff) und das " Vertrauen des Kindes", das mit der "Zuversicht (nach Luhmann)" und dem "Grundvertrauen (und der) Vertrautheit (nach Endreß)" (S. 158f) gleichzusetzen ist - und die "Elemente von Misstrauen", in dem Sinne das "fehlende Vertrauen" bzw. das "bewusste Misstrauen (nach Luhmann)" – (S. 159ff). Des Weiteren folgen die "Empirische(n) Rekonstruktionen von Vertrauen und Misstrauen". Hier werden die "(…) verschiedenen Strategien der Bewältigung von Unsicherheit bei der Reduktion komplexer Situationen aufgezeigt (…)", des Weiteren werden "drei verschiedene Modi von professionellem Fehlerhandeln auf der Basis von Misstrauen heraus(ge)arbeite(t)" (S. 161ff). Abschließend werden die Ergebnisse anhand eines Schaubildes zusammenfassend dargestellt (Abb. 2, S. 171).

Im zweiten Kapitel werden die Ergebnisse in puncto "Pädagogische Ordnungsstrukturen" vorgestellt (S. 172ff). Zunächst benennt die Autorin die theoretischen Grundlagen der "Pädagogische(n) Ordnungsstrukturen und Fallspezifizität der Kinder" – hier werden die "Herstellung pädagogischer Normen in der Krippe" und die "Agency des Kindes und die Struktur der Einrichtung" vorgestellt – (S. 172ff). Demnach folgen die "Empirische Rekonstruktion regulativer Ordnungsstrukturen" – hier erfolgen die Beschreibungen des "(…) Tagesablaufs als normierte Ordnungsstruktur", der "(…) Inszenierungen von Arbeitsbündnissen" und des "(…) Erziehungsziels Selbstständigkeit" – (S. 176ff) und die "Empirische Rekonstruktionen konstitutiver Ordnungsstrukturen" – hier werden "(d)er Tagesablauf als flexible Ordnungsstruktur" und das "Zeit lassen für individuelle Entwicklung" beschrieben - (S. 187ff). Abschließend folgt eine Zusammenfassung in der anhand eines Schaubildes gezeigt wird, "(…) welche Bedeutung Ordnungsstrukturen für die Alltagsgestaltung in der Krippe haben" (Abb. 3, S. 189f).

Das dritte und somit letzte Kapitel des Teils D befasst sich mit den Ergebnissen in puncto "Wissen und Deutung" (S. 190ff). Zu Beginn erfolgen die "theoretische(n) Rekonstruktionen (des) Sinnverstehen(s), Wissen(s) und (der) stellvertretende(n) Deutung", aufgezeigt wird, dass das für diese Studie relevante Wissen aus dem "Erfahrungswissen, (dem) Fachwissen und (dem) (wissenschaftlich- reflexive(n)) Wissen" besteht (S. 190f). Demnach folgen die "Empirische Rekonstruktion von Wissensformen" – behandelt werden das "Wissen als Voraussetzung gelingender Deutung" (S. 191ff) und die "Rekonstruierte(n) Umgangsformen mit unsicherem Wissen" (hier erfolgt die "Transformation des Wissens über die Kindergartenkinder" auf die Krippenkinder), behandelt wird weiterhin das "Muttersein als Wissensbasis" sowie die "Geteilte(n) Wissensbestände als Absicherung" - (S. 194ff). Anschließend erfolgt die "Empirische Rekonstruktion des Deutungsprozesses" (S. 197f). Des Weiteren befasst sich die Autorin mit dem "Umgang mit Ungewissheit im Deutungsprozess" - behandelt werden die Themen: "Perspektivenübernahme", "(d)ie innere Checkliste", das "Trial-and-Error-Prinzip" und die "Situations- und Kontextanalyse und standardisierte Bearbeitung" (S. 198ff). Abschließend folgt eine "Zusammenfassung" in der anhand eines Schaubildes (Abb. 4, S. 204) verdeutlicht wird, dass "professionelle(s) Handeln (…) ein zirkulärer und nie endender Prozess ist (…)" (S. 203f).

Anschließend folgen die "Schlussfolgerungen und (der) Ausblick" der Studie (S. 204ff). Zusammenfassend werden in einem Schaubild die "Modi, Motive und Konstitutionen professionellen Handelns" vorgestellt (Abb. 5, S. 205).

Diskussion

Das Buch gibt einen Einblick in das Handlungsfeld Krippe. Vor allem der theoretische Teil dieses Buches erwies sich als sehr schwierig und langwierig zu lesen, da sehr viel Bezug auf andere Literatur genommen wird. Es entsteht der Eindruck, das Werk eines anderen Autors vor sich zu haben, es folgen Aneinanderreihungen von Zitaten an Zitate und von Vergleichen an Vergleiche (z.B. 6.3.3 u.a.).

Die Beschreibung der Videosequenzen erwies sich als detailliert und nachvollziehbar, auch ihre Interpretation ist sehr interessant. Die Autorin formuliert eine detaillierte Beschreibung der Einrichtung, beispielhafte Fotos der Einrichtungen bzw. Grundrisse zur Veranschaulichung im Anhang wären wünschenswert. Um die Szenen noch besser nachvollziehen zu können, hätte ich gern das Alter der Kinder (hinsichtlich der kindlichen Entwicklung) und der Erzieherinnen (hinsichtlich der Zeit der Ausbildung – Wandel im Fachwissen), die in den Videosequenzen vorgestellt werden, gewusst.

Weiterhin ist nicht bekannt, ob sich die Einrichtungen in den neuen oder alten Bundesländern befinden, dies wäre wichtig, um das Handeln der Erzieherinnen verstehen und nachvollziehen zu können und um in Erfahrung zu bringen, ob ein Personalschlüssel von 1:9 im Krippenbereich in diesem Bundesland gerechtfertigt ist (S. 108). Sehr interessant wäre auch zu erfahren, wie die Ausbildung der Erzieherinnen verlaufen ist, was sie über das Wohl des Kindes sowie über die kindliche Entwicklung gelernt und welches "Bild vom Kind" sie haben. Einige Sequenzen der Beispielinterviews, wie bspw. das Schreien lassen des Kindes auf dem Topf (S. 109ff), grenzen meines Erachtens an Kindeswohlgefährdung. Das sogenannte "Topfen" (S. 108ff, S. 128) erachte ich als nicht mehr zeitgemäß, heutzutage geht man vom "selbstständigen" Sauber werden aus und setzt Kinder demzufolge nicht mehr auf den Topf, sondern wartet ab, bis sie signalisieren, auf den Topf oder auf die Toilette gehen zu möchten. Die Beispielsequenzen aus den Interviews lesen sich sehr schwer (Bsp. S. 75ff u.a.), dennoch erfolgt eine interessante Interpretation und Erläuterung dieser (Bsp. S. 76ff u.a.). Anhand dieser Beispielinterviews wird die große Unsicherheit der Erzieherinnen deutlich (S. 75ff u.a.).

Auffallend sind die zahlreichen Fehler in Rechtschreibung und Grammatik oder gar das Vergessen eines Wortes – "(…), sondern als eines von vielen Kinder im selben Alter (…)" (S. 77).; "(…) selbständiger (…)" (S. 78 u.a.); "(…) Selbständigkeit (…)" (S. 79, S. 186f u.a.); "(…) der älteren (…)" (S. 78); "(…) ihrem pädagogischem (…)" (S. 88).; "(…) weiterhin auf etwas am links oben vom Bildrand (…)" (S. 112).; "(…) eher zu ihr Zufriedenheit beiträgt (…)" (S. 138).; "(…) Frau Malchwo (…)" (S. 170).; "(…) die Mitgestaltung der Kind bleibt (…)" (S. 179).; "Dadurch erfahren sie kaum selbst gestaltbaren Autonomieräume (…)" (S. 182).; "(…) Hilfe zur Selbsthilfe bei beim Essen (…)" (S. 186).; "(…) in das eigenen Vermögen (…)" (S. 188).; "(…) um auf der Grundlage dieser wenig abgegrenzten Wissensbereich (…)" (S. 194).; "(…) Rolle als dominanter Erzieherin (…)" (S. 202) und "Erst dann löst sich ihre Spannung in auf" (S.75). Solche Fehler sollten vermieden werden.

Als besonders interessant erachte ich das Kapitel 3.3 "Empirische Rekonstruktion des Deutungsprozesses" in Teil D der Studie (S. 197ff). Hier wird die Relevanz dieses Prozesses deutlich und es wird zur eigenen Reflexion angeregt.

Die Fußnoten wurden sehr gut in in angemessenem Rahmen gewählt, um Begriffe näher zu erläutern bzw. auf weiterführende Literatur hinzuweisen.

Als Kernaussagen der Studie empfinde ich folgende: "Trotzdem liefert das Arbeitsbündnis – aus professionstheoretischer Sicht – die präziseste Beschreibung für die Beschaffenheit einer Erzieherin-Kind-Interaktion, die von grundlegenden Ungewissheiten oder Paradoxien unter dem Anspruch von Krisenbewältigung gekennzeichnet ist (…)" (S. 207) und "Professionell kann nur der handeln, der sich auf ein Arbeitsbündnis mit dem jungen Kind einlässt, sich zugehörige Ungewissheiten bewusst macht und mit Blick auf das Kind auflöst" (S. 208).

Verdeutlicht wird noch einmal die Relevanz des Deutungsprozesses – Deutung der Signale, der Bedürfnisse und der Wünsche der Kinder sowie das prompte und angemessene Handeln darauf.

Fazit

Auffällig an den Ergebnissen dieser empirischen Untersuchung ist das Überwiegen negativer Beispiele für das Handeln und die Anforderungen an die PädagogInnen im Bereich der Kleinkindpädagogik. Als Kindheitspädagogin im offenen Krippenbereich fällt es mir schwer, dies nachzuvollziehen. Dennoch habe ich interessante Informationen aus diesem Buch ziehen können. Als interessant empfand ich die verwendeten Erhebungsverfahren, ihre Beschreibung und die Auswertung.


Rezensentin
Katharina Dietsch
Kindheitspädagogin (B.A.)
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Zitiervorschlag
Katharina Dietsch. Rezension vom 11.09.2012 zu: Margarete Jooß-Weinbach: Erzieherinnen in der Krippe. Modi, Motive und Konstitutionen professionellen Handelns. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. ISBN 978-3-7799-2551-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13593.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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