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Ursula Stöhr: Das Seniorenspielbuch

Cover Ursula Stöhr: Das Seniorenspielbuch. 250 praktische Anregungen für die Gruppenarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 7. Auflage. 224 Seiten. ISBN 978-3-7799-2090-8. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: Edition Sozial.
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Thema

Das in 1. Auflage bereits 1993 erschienene Buch ist inzwischen eine der am weitesten verbreiteten Arbeitshilfen für die kreative Arbeit mit alten Menschen. Es basiert auf einem Begriffsverständnis des Spiels als lebenslangem und zentralem Ausdruck menschlichen Seins. Im Vorwort zur 7. Auflage bezieht H.-W. Nickel dieses Verständnis auf das berühmte Werk von J.Huizinga, Homo ludens (1938), das den Menschen schlechthin als spielendes Wesen beschreibt. Dies wird bei U.Stöhr auf die Lebenssituation alter Menschen bezogen und in Theorie und Praxis entfaltet.

Autorin

Die Pädagogin Ursula Stöhr (Jg. 1939) betreibt seit über 30 Jahren spielpädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Seit Beginn der 90er Jahre konzentriert sich ihre Arbeit auf Senioren und Seniorinnen, woraus auch das vorliegende Buch entstanden ist. Darüber hinaus bietet sie für haupt- und ehrenamtlich Tätige Fortbildungsseminare an.

Aufbau und Inhalt

Nach einem Vorwort von H.-W.Nickel, einem der Begründer der Theaterpädagogik, stellt die Autorin ihr Buch in der Einleitung (S. 9-11) vor.

Das erste Kapitel „Grundlagen und Voraussetzungen“ (S. 12-28) geht zunächst auf Zusammenhänge zwischen der erheblich gestiegenen Lebenserwartung und dem damit entstandenen Spiel-Raum alter Menschen ein. -

Im weiteren geht die Autorin dann genauer auf die „Lebenssituation älterer Menschen“ (S. 16-22) ein, die geprägt ist von den Erfahrungen des Krieges, von Wiederaufbau und Arbeitsleben, von erlittenen Verlusten sowie bereichernden Entwicklungen, nicht zuletzt auch von der Erfahrung des Ausscheidens aus dem Berufsleben und dem Eintritt in den sog. Ruhestand. -

Der Abschnitt „Senioren als Spieler und Mitspieler“ (S. 22-26) zeigt, wie das Spielen defizitären Rollenzuschreibungen des Alters entgegenwirken kann. Die mit dem Spiel verbundenen Aktivierungen lassen verborgene Stärken und Kompetenzen alter Menschen sichtbar werden. Sie zielen auf Ressourcen des Alters ab, auch da, wo Hochaltrigkeit erhebliche Einschränkungen der Lebensgestaltung bewirkt. -

Im Abschnitt „Die Bedeutung des Spiels in der Seniorenarbeit“ (S. 26-28) geht es schließlich um die geragogische Funktion des Spiels.

Im zweiten Kapitel „Spieltheoretische Grundlagen“ (S. 29-62) werden methodische Aspekte der Spielpädagogik mit alten Menschen entwickelt. Es geht im Abschnitt „Aufgaben des Spielpädagogen beim Seniorenspiel“ (S. 30-35) zunächst um Selbstverständnis und Rolle des Spielpädagogen aus dessen eigener Sicht und aus der Sicht der Beteiligten, um Aspekte der zwischen beiden entstehenden Beziehung sowie um Möglichkeiten einer gemeinsamen Evaluation. -

Der Abschnitt „Spielauswahl“ (S. 35-42) nimmt die Bedingungen in den Blick, die für die Wahl von Bedeutung sind: Art der Gruppe, situative Bedingungen, bestehende Erfahrungen u.ä. Dabei werden auch Aspekte der Planung eines Spielenachmittags entwickelt. -

Im Abschnitt „Spielmaterial“ (42-48) geht es darum, auch Gebrauchsgegenstände aller Art auf ihre Verwendbarkeit als Spielmaterial zu überprüfen. Dazu gehören neben Material aus Papier, Pappe, Holz, Textilien usw. auch Tonträger. (Cassettenrecorder)

Der Abschnitt „Teilnehmer“ (S. 49-53) nimmt unterschiedliche Altersgruppen, Fähigkeiten (Geistige Verfassung, Mobilität, Gesundheitszustand, Seh- und Hörfähigkeit) und Persönlichkeitsarten in den Blick. Dabei betont die Verfasserin ihre Auffassung, dass im Spiel gerade einschränkenden Faktoren der Alterns entgegengewirkt werden kann. -

Der Abschnitt „Spielsituationen“ (S. 53-57) entfaltet nun exemplarisch Möglichkeiten des Spielens. Dabei werden auch Situationen aufgezeigt, in denen die Teilnehmenden Ressourcen entwickelten, die sie sich am Anfang nicht zutrauten. -

„Spielort“ (S. 58-61) geht auf räumliche Bedingungen ein, etwa: Erreichbarkeit, Größe und Gestalt, Temperatur, Ausstattung usw. -

Als Abschluss des Kapitels erfolgen einige prinzipielle Überlegungen zur Planung im Abschnitt „Grundlegendes in Kürze“ (S. 61f)

Das dritte Kapitel „Spielanregungen mit Beiträgen von Senioren“ (S. 63-222) enthält nun eine Sammlung konkreter Spielanleitungen und zwar in folgender Gruppierung:

  • Kontaktspiele
  • Bewegungsspiele
  • Lied- und Tanzspiele
  • Geschicklichkeitsspiele
  • Konzentrationsspiele
  • Kimspiele (Wahrnehmungsspiele in Anspielung auf R.Kiplings Buch „Kim“)
  • Wort- und Gedächtnisspiele
  • Quizspiele - Rätsel
  • Anspiele
  • Pantomimen und Rollenspiele
  • Folgen von Spielnachmittagen (weiterentwickelte Spielanregungen)
  • Karten-, Würfel- und Streichholzspiele

Gemeinsam ist diesen von der Autorin vielfach erprobten Spielanregungen, dass sie der in den Anfangsabschnitten des Buches beschriebenen Grundfunktion des menschlichen Spiels entsprechen: Sie lösen Beziehungssituationen aus, wirken anregend und lösen Hemmungen.

Ein Literaturverzeichnis (S. 223f) gibt weiterführende Hinweise auf theoretische Hintergründe sowie weitere Spielmöglichkeiten.

Zielgruppe

Das Buch ist als Arbeitshilfe für haupt- neben- und ehrenamtlich in der Seniorenarbeit tätige Personen geeignet. Es bezieht sich auf Senioren und Seniorinnen, die in ihren geistigen Fähigkeiten nicht wesentlich eingeschränkt sind. (Zur Reaktivierung Dementer in Pflege und Betreuung hat die Autorin ein weiteres Seniorenspielbuch verfasst.)

Diskussion

In der Fülle von Spiel- und Arbeitsbüchern für die Seniorenarbeit nimmt das Buch von Ursula Stöhr eine besondere Stellung ein. Es ist einmal eines der ältesten Bücher seiner Art (Ersterscheinung 1993), was seiner Nutzbarkeit aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Die Autorin geht von einem fundierten Verständnis des Spiels im menschlichen Dasein aus, das im Grunde in jedem Lebensalters Anwendung finden kann. Dem entsprechen auch die konkreten Anregungen für die Seniorenarbeit: Es handelt sich um Spiele, die zwar methodisch auf die Situation des Alters abgestimmt sind, die im Kern aber vielfach auch Jugendliche und Erwachsene spielen könnten – wenn die sich auf Spiele überhaupt einlassen würden. So fehlt diesem Buch der sonst bisweilen zu empfindende Hauch des peinlich Betulichen. Gelegentlich veraltet wirkende Passagen des Textes beziehen sich auf Äußerlichkeiten (etwa der Cassettenrecorder als technisches Mittel), die der Nützlichkeit des Buches keinen Abbruch tun.

Fazit

Das Buch von Ursula Stöhr ist für alle, die in der Arbeit mit Senioren und Seniorinnen tätig sind, eine wirklich Hilfe. Es entfaltet ein Verständnis des Spiels, das nicht funktional verengt ist und deshalb in der Praxis auch sinnvoll anzuwenden ist.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Brömse
Fachhochschule Hannover, Fakultät V (Diakonie, Gesundheit und Soziales)


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Zitiervorschlag
Michael Brömse. Rezension vom 08.10.2012 zu: Ursula Stöhr: Das Seniorenspielbuch. 250 praktische Anregungen für die Gruppenarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 7. Auflage. ISBN 978-3-7799-2090-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13595.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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