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Regine Schallenberg-Diekmann (Hrsg.): Kita nach Bedarf

Rezensiert von Andrea Fuß, 25.03.2013

Cover Regine Schallenberg-Diekmann (Hrsg.): Kita nach Bedarf ISBN 978-3-427-50537-2

Regine Schallenberg-Diekmann (Hrsg.): Kita nach Bedarf. Qualität in Kitas mit familienfreundlichen Öffnungszeiten. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2012. 146 Seiten. ISBN 978-3-427-50537-2. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR.
Reihe: Bildung von Anfang an: Organisationsstärkung. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.

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Thema

In diesem Werk setzen sich die Autorinnen mit den Qualitätsanforderungen von Kitas bei bedarfsgerechten Öffnungszeiten auseinander. Der Inhalt dieses Buches benennt Aufgaben für die handelnden Personen in Kitas, die gleichzeitig als Handlungsorientierung in Bezug auf Qualitätskriterien dienen. Damit soll erreicht werden, dass bedarfsgerechte Öffnungszeiten erhalten bzw. neu eingeführt werden können.

Autorinnen

INA.KINDER.GARTEN ist Träger von 18 Kitas in Berlin und einer Kita im Saarland.

  • Regine Schallenberg-Diekmann ist Erziehungswissenschaftlerin und Expertin für Qualität im Situationsansatz. Sie arbeitet als Fachberaterin für die kommunalen Kitas im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der gemeinnützigen INA.KINDER.GARTEN GmbH.
  • Katrin Macha ist Erziehungswissenschaftlerin und Fachberaterin bei dem Berliner Kita-Träger INA.KINDER.GARTEN.
  • Stefani Boldaz-Hahn ist Erziehungswissenschaftlerin, Expertin für Qualität im Situationsansatz und Evaluatorin für Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen. Sie leitete im letzten Projektjahr das Projekt „Kita rund um die Uhr“ bei INA.KINDER.GARTEN.

Entstehungshintergrund

Das Programm „Unternehmen Familie“ der Robert Bosch Stiftung animierte den Träger der INA.KINDER.GARTEN Augustenburger Platz auf dem Campus Virchow der Charité in Berlin dazu, die bereits bestehenden Öffnungszeiten auf das Wochenende und die Nacht auszudehnen, um dem Betreuungsbedarf von Eltern im Schichtdienst entgegenzukommen bzw. diesen zu decken und gleichzeitig den Fokus auf die Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern zu legen.

Aufbau

Die 145 Seiten des Buches verteilen sich auf neun Kapitel.

  1. Im ersten Kapitel stellen die Autorinnen das Projekt der Kita rund um die Uhr sowie dessen Folgen vor.
  2. In Kapitel zwei wird ein gesellschaftspolitisch aktuelles Thema, nämlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgegriffen.
  3. Im dritten Kapitel wird der konzeptionelle Ansatz vorgestellt.
  4. Kapitel vier stellt die Qualitätsansprüche an die Arbeit von Trägern in den Vordergrund, während
  5. sich Kapitel fünf auf die Qualitätsansprüche an die Arbeit von Leitungskräften bezieht und
  6. Kapitel sechs die Arbeit der ErzieherInnen fokussiert.
  7. Im nachfolgenden Kapitel wird die eigene Arbeit im Prozess der internen Evaluation reflektiert.
  8. In Kapitel acht wird von Christa Preissing und Karin Macha eine wissenschaftliche Expertise zum Thema Kita rund um die Uhr vorgestellt.
  9. Abschließend beinhaltet Kapitel neun das Literaturverzeichnis.

Inhalt

Im ersten Kapitel stellen die Autorinnen das Projekt der „Kita Rund um die Uhr“ am Beispiel des INA.KINDER.GARTEN, auf dem Campus Virchow der Charité, vor.

Im zweiten Kapitel wird das Thema bedarfsgerechte Öffnungszeiten, als Auftrag von Kindertagesstätten, thematisiert. Die Forderung nach einer Anpassung der Öffnungszeit wird durch unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen und fundamentale Veränderungen beeinflusst. Dazu gehört z.B. eine veränderte Arbeitswelt, die das Arbeiten von Eltern am Samstag, in Wechselschicht oder in der Nacht, erfordert. Des Weiteren ist der Anteil von Frauen im Beruf gestiegen und steigt auch weiterhin stetig an. Alleinerziehende Mütter und Väter sind zur Deckung des Familienunterhalts angewiesen, in Vollzeit zu arbeiten. In diesem Kapitel wird deutlich, dass Eltern unterschiedliche Öffnungszeiten bei gleichzeitig überzeugender Qualität benötigen, um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf realisieren zu können.

Im dritten Kapitel werden sechs konzeptionelle Schwerpunkte der Projektkita vorgestellt. Die Arbeit der Kita steht stets im direkten Lebensweltbezug der Kinder. Dabei wird eine systemische Sichtweise verfolgt, die die Kinder nie losgelöst von der jeweiligen Familie sieht. Ein weiteres Prinzip der konzeptionellen Arbeit stellt die Partizipation von Kindern, Eltern und dem Erzieherteam dar. Eltern wird dabei z.B. die Möglichkeit gegeben, sich an konzeptionellen Überlegungen zu beteiligen. Der pädagogischen Arbeit liegt ein Bildungsbegriff zugrunde, der Kinder als Akteure ihre Entwicklung und Bildung versteht und damit Bildung in Form von Selbstbildung definiert. „Bildung findet – unabhängig von Raum und Zeit – immer und überall statt“. Kinder lernen in Sinnzusammenhängen im gemeinsam gestalteten Alltag. Die Kinder erleben offene Strukturen, indem sie sich autonom in einem größeren Verbund von Kindern bewegen können und viele der Räume kennen. Gleichzeitig greift das Bezugserzieherinnensystem, das für die Kinder und deren Eltern Verlässlichkeit und Sicherheit darstellt. Um die Vision einer bedarfsgerecht geöffneten Kita nachhaltig verfolgen zu können, ist ein Leitungsteam notwendig, dass in Bezug auf Kooperation Vorbild ist.

Kapitel vier beleuchtet die Qualitätsansprüche, denen sich Träger stellen müssen, um eine bedarfsgerechte Öffnungszeit in der Kita zu implementieren. Gleichzeitig werden handlungsleitende Qualitätskriterien formuliert. Zunächst sehen die Autorinnen es als wichtig an, von Trägerseite sensibel wahrzunehmen, dass Handlungsbedarf besteht. Darauf müssen Träger entsprechend reagieren. Im nächsten Schritt gilt es die die Voraussetzungen für die Veränderung der Öffnungszeit zu klären. Zu den Aufgaben des Trägers gehören dabei unter anderem, das Werben für Verständnis und Bereitschaft für die Erweiterung auf Seiten der Leitung und des Teams, das Erfragen der Vorschriften für den Betrieb einer Kita mit erweiterten Öffnungszeiten bei den zuständigen Behörden sowie das Erfüllen der Auflagen, die für den Betrieb notwendig sind. Ein weiterer Qualitätsanspruch ist, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um dem Bedarf der Familien gerecht zu werden. Qualität zu entwickeln und zu sichern, stellt eine weitere Aufgabe an den Träger. Dabei sollte er unter anderem die Weiterqualifizierung der Leitung und des Erzieherteams, rund um bedarfsgerechte Öffnungszeiten gewährleisten, die Erfahrungen mit den bedarfsgerechten Öffnungszeiten mit der Leitung reflektieren und das Ziel der Weiterentwicklung verfolgen.

Die Verantwortungsbereiche der Leitungskräfte, im Entwicklungsprozess zur bedarfsgerechten Kita, werden in Kapitel fünf dargestellt. Das Kapitel ist ähnlich wie Kapitel vier aufgebaut. Allerdings werden der Bedarf, die strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen, die Personalführung sowie die Qualitätssicherung und -entwicklung, in diesem Kapitel aus der Perspektive der Leitung betrachtet. Die Leitung nimmt an dieser Stelle eine Schlüsselposition ein. Zum einen muss sie eng mit dem Träger zusammenarbeiten und die Interessen und Vorstellungen des Trägers umsetzen. Gleichzeitig übernimmt sie die Personalführung, in der sie das Konzept der bedarfsgerechten Öffnungszeiten vertreten muss. Sie trägt die Verantwortung für die Qualitätssicherung und -entwicklung und entwickelt Visionen für die pädagogische Ausrichtung. Gemeinsam mit Team und Träger erarbeitet sie ein Konzept, das sie in ihrer Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit aktiv vertritt. Als Aufgabe der Leitung wird ebenso beschrieben, dass sie als Ansprechpartnerin für Eltern mit erweitertem Betreuungsbedarf fungiert und den Dialog über die erweiterten Öffnungszeiten mit allen Eltern initiiert.

Das sechste Kapitel stellt die Perspektive, die Aufgaben und die Verantwortungsbereiche der Erzieherinnen, auf dem Weg zur Kita mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten, dar. Zunächst wird beschrieben wie wichtig die Anerkennung der elterlichen Bedarfe ist. Erzieherinnen nehmen damit erheblichen Einfluss auf die Verunsicherung oder Stärkung von Eltern. Ihre Aufgabe ist es, jedem einzelnen Kind eine sanfte Eingewöhnung zu ermöglichen. Durch Dokumentationen schaffen sie Transparenz und erzählen auf diese Art Eltern, Kindern und Interessenten vom Leben in der Kita. In diesem Kapitel wir des Weiteren dargestellt, dass es Aufgabe der Erzieherinnen ist, Kindern die notwendige Orientierung in den erweiterten Öffnungszeiten zu geben. An einem Beispiel wird aufgezeigt wie Übergänge, bewusst und aktiv, von den Erzieherinnen gestaltet werden können. Auch Themen wie Übernachtung, Raumgestaltung und Freundschaften werden mit Beispielen belegt und unter dem Aspekt der Qualität betrachtet.

Kapitel sieben reflektiert das bisher Erreichte im Prozess der internen Evaluation. Orientiert wird sich dabei an dem Evaluationsverfahren zum Situationsansatz. Merkmal dieses Verfahrens ist es, dass zunächst die erreichte Qualität beschrieben wird. Im nächsten Schritt geht es darum, gemeinsame Vorhaben für die Weiterentwicklung zu bestimmen.

Das abschließende Kapitel acht stellt eine Expertise von Christa Preissing und Katrin Macha dar. Es handelt sich hierbei um eine Einzelfallstudie, die zum einen eine Erfolgsgeschichte des analysierten Modells beschreibt und zum anderen ist sie „eine prinzipielle Studie über die Herausforderungen und Unwägbarkeiten innovativer Wege in der politisch vielfach bemühten Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Das Fazit dieses Kapitels belegt, dass in diesem konkreten Fall, in den veränderten Öffnungszeiten, das Kindeswohl gewährleistet werden kann.

Diskussion

Das Buch liefert einen absolut detaillierten und strukturierten Aufbau der Thematik. Die Gliederung ist uneingeschränkt schlüssig. Die Inhalte der einzelnen Kapitel sind in der Regel mit Beispielen belegt. Sie bieten Tipps und stellen im jeweiligen Fazit Aufgaben, in Form einer Checkliste, für die Entwicklung zur bedarfsgerechten Kita vor. Die Inhalte werden kritisch erarbeitet und zeigen neben dem Erfolg auch Hürden oder sogenannte mögliche Stolpersteine auf. Dem Konzept zu Grunde liegt ein hoher Qualitätsanspruch, der die Perspektive aller Beteiligten aufzeigt. Das Thema des Buches hat gesellschaftspolitisch absolute Präsenz. Nicht nur in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch in Kombination mit der Erweiterung des Rechtsanspruchs ab dem 1. Lebensjahr, müssen sich Träger und Leitungen intensiv damit auseinandersetzen, wie die Öffnungszeiten von Kitas und Krippen dem Bedarf der Eltern angepasst werden können, gleichzeitig aber die Qualität in der Bildung, Erziehung und Betreuung, gewährleistet werden kann. Deutlich wird in diesem Werk, dass eine Finanzierung solcher innovativen Öffnungszeiten-Konzepte, durch die übliche staatliche Förderung nicht möglich ist. Es bedarf einer umfangreichen räumlichen Ausstattung und einem erhöhten Personalschlüssel, den es zu finanzieren gilt.

Fazit

Das Buch ist Trägern, Leiterinnen und Fachkräften zu empfehlen. Auch politischen Gremien und Entscheidungsträgern in Bezug auf die Bedarfsplanung von Kindertagesstätten kann das Buch neue Perspektiven und Möglichkeiten aufzeigen. Das Buch hat einen einführenden und weiterführenden Charakter in die Thematik der Kita nach Bedarf.

Rezension von
Andrea Fuß
M.A., Klinische Sozialarbeiterin sowie Bildungs- und Sozialmanagerin. Leiterin einer Konsultationskita in Rheinland-Pfalz, Mentorin in der Erzieherinnenausbildung sowie Dozentin in der Fort- und Weiterbildung für Erzieherinnen

Es gibt 13 Rezensionen von Andrea Fuß.

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Zitiervorschlag
Andrea Fuß. Rezension vom 25.03.2013 zu: Regine Schallenberg-Diekmann (Hrsg.): Kita nach Bedarf. Qualität in Kitas mit familienfreundlichen Öffnungszeiten. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2012. ISBN 978-3-427-50537-2. Reihe: Bildung von Anfang an: Organisationsstärkung. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13676.php, Datum des Zugriffs 27.01.2023.


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