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Ulrike Theilen: [...] Rhythmische und musikalische Angebote (Behinderung)

Rezensiert von Prof. Dr. Hubert Minkenberg, 21.09.2004

Cover Ulrike Theilen: [...] Rhythmische und musikalische Angebote (Behinderung) ISBN 978-3-497-01699-0

Ulrike Theilen: Mach Musik! Rhythmische und musikalische Angebote für Menschen mit schweren Behinderungen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2004. 181 Seiten. ISBN 978-3-497-01699-0. 24,90 EUR. CH: 43,70 sFr.
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Das Thema

Nicht zuletzt durch die besonders intensive Diskussion der Situation von behinderten  Menschen im Umfeld der gesellschaftlichen Reformen der 1970er Jahre hat sich in den letzten drei Jahrzehnten die Lebenslage vieler behinderter Menschen merklich verbessert.  Wurden in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schwer behinderte Menschen noch regelrecht versteckt und weggesperrt, wird heute in vielen Lebensbereichen an einer Normalisierung der Lebenssituation und an der Integration behinderter Menschen gearbeitet. Hilfreich war in diesem Zusammenhang insbesondere das gesamte Feld der künstlerisch-pädagogischen  und therapeutischen Maßnahmen. Dennoch ist die Anzahl der ausführlichen und seriösen musikalisch-therapeutischen Konzepte sehr gering. Umso erfreulicher ist es, nun  mit dem Buch von Ulrike Theilen  ein weiteres Angebot in diesem wichtigen Bereich vorliegen zu haben.

Die Autorin

Ulrike Theilen arbeitet seit vielen Jahren als Sonderschullehrerin mit Zusatzqualifikation "Rhythmische Erziehung" mit schwer behinderten Schülern. Sie war Lehrbeauftragte an der Universität Würzburg und arbeitet darüber hinaus als Lehrgangsleiterin und in der Fortbildung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus 5 Kapiteln und einem Glossar. Die ganze Veröffentlichung ist zweispaltig gedruckt und mit einigen künstlerischen Illustrationen und mehreren Notenbeispielen versehen. In den meisten Kapiteln werden die vielen praktischen Beispiele dergestalt realisiert, dass in der linken Spalte das musikalische Angebot beschrieben wird, und in der rechten Spalte die für den Schüler möglichen Gestaltungs- und Erlebensmöglichkeiten aufgeführt werden.

  • Die Autorin  beginnt in dem ersten Kapitel mit der Beschreibung des musikalischen Miteinanders und der unterschiedlichen Kommunikations- und Reaktionsformen zwischen Schüler und Lehrer. Sehr detailliert beschreibt sie potentielle Verhaltensweisen von Schülern in musikalischen Interaktionssituationen.
  • Im zweiten Kapitel beginnt die konkrete Beschreibung musikalische Angebote an Hand des Beispiels Bewegung. Hier folgt die Autorin einer festen Struktur, in dem sie vor dem Schildern der eigentlichen Beispiele Hinweise für die Lehrkraft bezüglich der Lehr-Lernsituation gibt, Weiterhin rät sie, immer die eigenen Erfahrungen zu berücksichtigen  und den Schüler zu Neuem einzuladen. Schließlich gibt sie Empfehlungen zur Musikauswahl bevor sie dann zur Beschreibung der Praxis kommt.
  • Die nächsten zwei Kapitel zum Hören und Tönen sind ganz ähnlich strukturiert aufgebaut. Insgesamt orientiert sich die Autorin bei allen sehr genau und einfühlsam vorgestellten Beispielen deutlich an der Orffschen Musikpädagogik und an dessen Instrumentarium.
  • Nach den auf die musikalischen Funktionsfelder bezogenen Kapitel folgt ein Abschnitt zu musikalischen Grunderfahrungen, in dem ganzheitliche Methoden der musikalischen Elementarpädagogik beschreiben werden.
  • Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel zum Thema Lied und Singen, in dem die Autorin selbst komponierte Lieder für die Arbeit mit behinderten Menschen vorstellt.

Zielgruppe

Diese Veröffentlichung richtet sich vor allem an musikalische Laien, der mit behinderten Menschen und Musik arbeiten wollen. Angesprochen sind vor allem Erzieherinnen und Pädagoginnen sowie Sozialpädagoginnen.

Diskussion und Fazit

Das Buch stellt eine hervorragende Sammlung von Möglichkeiten der musikalischen Arbeit mit behinderten Menschen dar. Die jahrelange Praxiserfahrung der Autorin macht sich in der Auswahl und Plastizität der Beispiele sowie der guten Darstellung von methodisch-didaktischen Schritten bemerkbar. Gerade die im Bereich der Behindertenarbeit häufig anzutreffenden musikalischen Laien werden für eine solche Anleitung dankbar sein.

Auf einige kleine Unstimmigkeiten sei an dieser Stelle noch hingewiesen:

  • Nicht einsichtig ist zunächst, wieso Rhythmus kein musikalisches Angebot sein soll, wie es der Untertitel des Buches suggeriert. 
  • Die Autorin hat einen deutlichen Bezug zur Musikpädagogik Carl Orffs. Dieser an sich nicht zu kritisierende  Hintergrund führt allerdings dazu, dass an vielen Stellen Popularmusikangebote nur sehr sporadisch vorkommen und Traditionelles in den Beispielen des Buchs vorherrscht, wo doch gerade ungeradtaktige Musiken und ungewöhnliche harmonische Wendungen besonders förderlich für Antrieb und Aufmerksamkeit sein können.
  • Weitergin halte ich an manchen Stellen den Ambitus und die Intervallsprünge der vorgestellten Lieder für zu schwer.

Diese eher marginalen Kritikpunkte tun jedoch dem ausgezeichneten Gesamteindruck des Buches keinen Abbruch.

Rezension von
Prof. Dr. Hubert Minkenberg
Professor für Medienpädagogik/Musikpädagogik
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 31 Rezensionen von Hubert Minkenberg.

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Zitiervorschlag
Hubert Minkenberg. Rezension vom 21.09.2004 zu: Ulrike Theilen: Mach Musik! Rhythmische und musikalische Angebote für Menschen mit schweren Behinderungen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2004. ISBN 978-3-497-01699-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1370.php, Datum des Zugriffs 19.05.2022.


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