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Karl-Heinz Menzen: Kunsttherapie mit altersverwirrten Menschen

Cover Karl-Heinz Menzen: Kunsttherapie mit altersverwirrten Menschen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2008. 2. Auflage. 152 Seiten. ISBN 978-3-497-01702-7. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 42,70 sFr.

Reinhardts Gerontologische Reihe, Band 30.
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Das Thema

Kunsttherapie ist eine Möglichkeit, altersverwirrte Menschen zu erreichen und zu fördern. Beim Sehen, Tasten und Riechen werden Erinnerungen an die Kindheit, an Freunde und Beruf wachgerufen. Verloren geglaubte Kenntnisse treten wieder zu Tage. So können über das künstlerische Arbeiten nicht nur Denken und Orientierung, sondern auch das Selbstwertgefühl gestärkt werden.

Der Autor

Karl-Heinz Menzen lehrt als Professor an der Katholischen Fachhochschule in Freiburg i. Br. "Pädagogik mit Schwerpunkt Altern und Behinderung unter Einbeziehung von Aspekten "ästhetischer Bildung".

Zielsetzung

Das Buch informiert ausführlich über Forschungsergebnisse aus der Neurologie. Ein Ziel ist es, Vorurteile abzubauen über die Defizite alter Menschen mit und ohne Demenz. Menzen zeigt dagegen immer wieder auf, dass auch bei Menschen mit einer Hirnleistungsstörung oft noch viele Ressourcen und Fähigkeiten vorhanden sind, und dass es Einschränkungen gibt, die rückgängig gemacht werden können. Dadurch macht er Mut für das kreative Arbeiten mit altersverwirrten Menschen.

Aufbau

Das Buch befasst sich mit körperlichen Aspekten des Alterns und mit Gedächtnisverlust im Alter. In einem Kapitel wird kurz auf die Perspektive der Angehörigen eingegangen und auf den Umzug ins Pflegeheim. Ein anderes beinhaltet psychosoziale Persönlichkeitsstörungen, und zuletzt werden noch einige Methoden gestreift, die sich in der Arbeit mit Demenzkranken schon länger bewährt haben, z.B. die 10-Minuten-Aktivierung, Erinnerungsarbeit, Backen, Singen und Tiere als Therapieangebot. Dabei sind eine nachvollziehbare Gliederung und Struktur schwer zu erkennen.

Inhalte

Das Buch enthält zahlreiche Forschungsergebnisse aus dem Bereich Neurologie, Psychologie, Psychiatrie und Heilpädagogik mit einer Fülle von Zitaten und Querverweisen zu anderen Autoren und wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei wird der Begriff "Kunsttherapie" sehr weit gefasst. Ein Praxisbeispiel beschäftigt sich mit "Riechen und Schmecken". Ähnlich wie bei Kimspielen raten die Gruppenteilnehmer mit verbundenen Augen Speisen oder verschiedene Düfte. Hier werden Therapieziele aus der Realitätsorientierung (ROT) und der Basalen Stimulation miteinander verbunden.

Obwohl der überwiegende Teil der Demenzkranken Frauen sind, beschreibt Menzen hauptsächlich Gruppenarbeiten, bei denen die männlichen Patienten einer neurologischen Klinik in der Überzahl waren: Das Kleben von Figuren aus Holzabfällen, der Bau eines Modellhauses, "Mein Lieblingsraum zu Hause"(eine innenarchitektonische Arbeit) und das Gestalten einer Landschaft aus Papiermaché. Dabei schildert der Autor auch sehr offen, wenn etwas nicht so gut geklappt hat und warum. Die nur briefmarkengroßen Schwarz-weiß-Abbildungen lassen leider nur wenig von den Arbeitsprozessen und Ergebnissen erkennen. Diese wenigen praktischen Beispiele waren einmalige Aktionen, bei denen Menzen mit seinen Studenten zu den Patienten in die Klinik kam. Inwieweit diese Projekte auch in einem Altenheim auf große Resonanz stoßen könnten, das müssen die Leser und Leserinnen selbst erst testen.

Zielgruppen

Auf der Rückseite des Buches kann man lesen: Das Buch eignet sich für Kunsttherapeuten, Sonder- und Heilpädagogen, Altenpfleger und alle Berufsgruppen, die im Bereich der stationären und ambulanten Altenpflege tätig sind. Wer großes Interesse an Theorien, Modellen, Forschungs- und Studienergebnissen hat, der wird in dem Buch eine Menge Anregungen, Quellen und weiterführende Literaturangaben finden. Wer aber gut strukturierte und leicht lesbare Texte bevorzugt und praxiserprobte Beispiele sucht, der wird bei diesem Buch eher etwas verwirrt und vielleicht enttäuscht sein.

Fazit

Das Buch enthält eine Fülle von Themen und Informationen, die alle wenig strukturiert nebeneinander stehen, eher wissenschaftlich orientiert und nicht leicht zu lesen sind. Praktiker aus der ambulanten und aus der stationären Arbeit mit Demenzkranken werden den Bezug zum "normalen Alltag" ebenso vermissen wie konkrete Anleitungen für künstlerisches Arbeiten im engeren Sinne.


Rezension von
Gisela Stoll
Fachkrankenschwester für Psychiatrie, Validationsanwenderin (VTI)
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der 1. Auflage aus dem Jahr 2004.


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Zitiervorschlag
Gisela Stoll. Rezension vom 29.03.2005 zu: Karl-Heinz Menzen: Kunsttherapie mit altersverwirrten Menschen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2008. 2. Auflage. ISBN 978-3-497-01702-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1371.php, Datum des Zugriffs 19.09.2020.


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