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Michael Muhammad Knight: Taqwacore

Cover Michael Muhammad Knight: Taqwacore. Roman. Verlag Rogner & Bernhard (Berlin) 2012. 304 Seiten. ISBN 978-3-9540300-0-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

In seinem Roman Taqwacore beschreibt Michael Muhammad Knight eine fiktive muslimische Punk-WG in Buffalo.

Autor

Michael Muhammad Knight ist 1977 geboren. Sein Vater war ein christianistischer Prediger einer Pfingstlergemeinde, vor dem die Mutter mit Michael floh. Michael Knight wuchs in einer irisch-katholischen Familie auf. Bereits mit 12 lernte er durch die Texte von Puplic Enemy Malcolm X kennen, dessen Biographie ihn mit 15 dazu brachte Moslem zu werden. Eine Zeitlang studierte der junge Mann Islamkunde in Pakistan, spielte kurz mit dem Gedanken islamischer Befreiungskämpfer zu werden, kehrte aber in die USA zurück, wo er heute verheiratet als Doktorand und Autor lebt.

Entstehungshintergrund

In allererster Version 2004 in den USA geschrieben hat Taqwacore vor seiner Übersetzung ins Deutsche bereits Geschichte gemacht: In seinem Roman beschreibt Knight eine Szene, die es damals noch nicht gab: Punk- und Hardcore-Bands, deren Mitglieder Moslems sind und die muslimische Punk-Musik machen. Durch das Buch und weitergehend durch die spätere Verfilmung bildete sich dann tatsächlich eine solche Szene aus.

Inhalt

Taqwacore – das setzt sich zusammen aus „Taqwa“ – demütige Gottesliebe und „Core“ was wohl für Hardcore als Punkrichtung steht. Der Ich-Erzähler in Michael Muhammad Knights Roman ist nicht wie Knight selbst erst als junger Mann Moslem geworden, sondern stammt aus einer muslimischen Familie und kommt zum Studium nach Buffalo, wo er in die Punk-WG einzieht.

Die Bewohner sind alle fasziniert und begeistert von einem unkonventionellen amerikanischen Islam. Als Punk-WG brechen die meisten der Bewohner aber immer wieder mit orthodoxen Vorschriften und engen Auslegungen. Unter den strengen Augen eines einzigen Bewohners, der den Islam eng auslegt, leben Knights ProtagonistInnen laut und unkonventionell. Sie trinken Alkohol, kiffen, feiern wilde Parties, lassen ihre Gebete von Frauen und Nicht-Moslems leiten und provozieren ihre städtische Umgebung, wo immer es geht. Sie diskutieren Punkmusik, den Koran, die Gesellschaft, Feminismus und Malcolm X. Das einzige Mädchen in der WG trägt stets eine Burka mit Punk-Sprüchen und verfolgt kritisch und konsequent einen feministischen Islam.

Aber Knights Roman ist auch ein Punkroman: Wann immer die Leserin sich mit den Figuren und der WG angefreundet hat, bricht der Roman wieder neue Tabus und schockiert. Der Roman hat wenig Handlung und begleitet die jungen ProtagonistInnen eher durch ihre Woche und ihren Alltag. Nur der letzte Teil des Romans bringt eine rasante Entwicklung, die in einem orgiastischen Punk-Konzert endet, zu dem der charismatische Jehangir alle muslimischen Punk-Gruppen nach Buffalo holt und schließlich zu seinem tragischen Tod führt, der zugleich das Ende der WG bedeutet.

Zielgruppe und Fazit

Michael Muhammad Knights Buch hat lange gebraucht um einen deutschen Verleger zu finden. Dabei kann das Buch gerade in der von Islam-Furcht geschüttelten deutschen Gesellschaft einen wichtigen und unterhaltsamen Beitrag zur Entkrampfung leisten. Für mich einer der wichtigsten deutschsprachigen Neuerscheinungen dieses Jahres. Unbedingt lesen!


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 19.09.2012 zu: Michael Muhammad Knight: Taqwacore. Roman. Verlag Rogner & Bernhard (Berlin) 2012. ISBN 978-3-9540300-0-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13758.php, Datum des Zugriffs 16.09.2019.


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