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Marcus Damm: Schemapädagogik bei Paranoikerns, Schizoiden, [...]

Cover Marcus Damm: chemapädagogik bei Paranoikerns, Schizoiden, Sadisten und selbstverletzenden Heranwachsenden. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2012. 246 Seiten. ISBN 978-3-8382-0300-3. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.

Reihe: Schemapädagogik kompakt - 10. Persönlichkeitsstörungen verstehen in der Schule, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe II.
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Autor

Dr. Marcus Damm (Jg. 1974) ist als Erziehungswissenschaftler und Diplom-Psychologe in der Lehrerfortbildung tätig und unterrichtet an einer Fachschule für Sozialpädagogik Pädagogik, Psychologie und Ethik in Ludwigshafen.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist der zweite Band der vom Autor herausgegebenen Reihe „Persönlichkeitsstörungen verstehen in Schule, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe“ und einzuordnen in ein Dutzend an Veröffentlichungen des Verfassers rund um Schematherapie. Ihm geht es um konkrete Hilfen für den Schulalltag und die Schulkultur.

Aufbau

Das Buch gliedert sich – nach einem sorgsamen „Einstieg ins Thema“ mit vorherigen „Stimmen zur Triologie“ und Vorwort – in sechs Teile: Auf einführende Begriffsklärungen („Persönlichkeit, schwierige Persönlichkeit, Persönlichkeitsstörung“) folgt die Darstellung möglicher Ursachen von Persönlichkeitsstörungen aus neurobiologischer Sicht und auf Basis des Vulnerabilitäts-Stress-Modells (einschließlich FAQs). Ausführlich widmet sich der Autor sodann den Persönlichkeitsstilen und -störungen bei Jugendlichen mit einer eingehenden Differenzierung. Der vierte Abschnitt bringt knapp die Schemapädagogik – insbesondere deren Ablauf – ins Spiel, um dann im Konkreten auf gut neunzig Seiten vielseitige Hinweise und Hilfe zu bieten, jeweils schematisiert in Persönlichkeitsbeschreibung, Fragebogen, Stühlearbeit, Textblatt und Besinnungstext. Das Buch klingt aus mit einem Ausblick sowie einer Auflistung von Literatur und Kontaktdaten. Die Publikation enthält neben den textlichen Ausführungen mit unterschiedlichen Fallbeispielen auch eine ganze Reihe an Arbeitsmaterialien, an Graphiken sowie eine Daten-CD-ROM mit einer Reihe an Materialien, Vortragsmaterial und Video-Sequenzen.

Inhalt

Nach einer Einleitung mit Hinweisen zum Buch und zum Material (einschließlich der CD-ROM) sowie einem knappen „Einstieg ins Thema“ widmet sich das Buch zunächst auf knapp zehn Seiten in Teil 1 den „Begriffsklärungen – Persönlichkeit, schwierige Persönlichkeit, Persönlichkeitsstörung“ (S. 37-43), die vor einer problematischen Verwendung von Wörtern bewahren sollen. Hier überzeugt die tabellarische Auflistung.

Beim zweiten Abschnitt geht es ebenfalls recht knapp um die „Ursachen von Persönlichkeitsstörungen“ (S. 45-56), wobei die FAQs deutlich machen, wie sehr der Autor in der Materie bewandert ist, mit vergleichbaren Fragen und Anfragen konfrontiert wird und auch auf Herausforderungen durch die Neurobiologie und des Vulnerabilitäts-Stress-Modells eingeht.

Teil 3 widmet sich ausführlich unter der Überschrift „Persönlichkeitsstile / -störungen bei Jugendlichen“ (im Titelblatt heißt es noch Heranwachsenden!; S. 57-100) den Auffälligkeiten junger Menschen und spricht sich für einen kritisch-konstruktiven Umgang entsprechend der Bedürfnisse Jugendlicher aus, wobei auch die Optionen einer authentischen Anpassung an die Beziehungsebene ins Spiel gebracht werden. In einem wiederkehrenden Schema arbeitet jeder Abschnitt zu einer spezifischen Persönlichkeitsauffälligkeit verschiedene Punkte ab:

  • Allgemeines
  • Typische Verhaltensauffälligkeiten
  • Kognitionen, Schemata und Schemamodi
  • Spiele
  • Manipulationstechniken
  • Abwehrmechanismen
  • Psychodynamik
  • Zusammenfassung

Behandelt werden hier jeweils auf knapp acht Seiten die paranoiden, die schizoiden, sadistischen und selbstschädigenden Persönlichkeiten, wobei die Übergänge nicht thematisiert werden. Schonungslos zeigt der Autor jedoch auf, wie gängige Handlungsmuster nicht greifen (können), sondern permanent mit einer Steuerung und Manipulation durch Jugendliche gerechnet werden muss.

Unter „Schemapädagogik bei Persönlichkeitsstilen / -störungen“ (S. 101-112) erläutert Dr. Marcus Damm in Teil 4 nochmal seinen Ansatz und zeigt auf, wie der Ablauf einer schemapädagogischen Intervention aussehen und gelingen kann.

Auf gut neunzig Seiten bietet Teil 5 („Mit herausfordernden Jugendlichen klarkommen“, S. 113-208) führt das Buch konkret vor Augen, wie unterschiedlich den jeweiligen Jugendlichen mit herausfordernden Persönlichkeitsmerkmalen begegnet werden kann, jeweils nach dem Schema:

  • Fragebogen
  • Stühlearbeit
  • Textblatt
  • Besinnungstext

Die praxisnahen, konkreten Materialien, Medien, Annäherungen und Anregungen bieten eine Fülle an Impulsen, Informationen und Ideen, die sich leichtgängig im Schulalltag und auch im Unterricht einsetzen lassen.

Zum Ausklang des Buches (S. 209-226) bietet der Autor einen knappen Ausblick. Er nimmt Stellung zu Klagen über „schwierige Jugendliche“, stellt sein Konzept auch als Schutz vor Burn-out dar und bietet eine Fülle an hilfreicher Literatur und Kontaktadressen.

Diskussion

Das Buch vermittelt wesentliche Grundlagen zum schemapädagogischen Konzept nach Marcus Damm, wobei insbesondere paranoide, schizoide, sadistitsche und selbstverletzende Heranwachsende zum Tragen kommen. Neben hilfreichen Hinweisen und Strategien werden Materialien an die Hand gegeben. Allerdings kommen Warnungen zu kurz, junge Menschen (zu) schnell durch die Brille eines Schemas in den Blick zu nehmen und deren Individualität zum Tragen zu bringen. Das Buch fordert durch eine fachterminologisch geprägte Sprache heraus, hilft jedoch gleichzeitig, sich eindeutig über herausfordernde Situationen und Personen zu verständigen. Zu wenig im Blick ist m.E. noch die Interaktion bei von den behandelten Persönlichkeitsstilen / -störungen selbst betroffenen Lehrkräften und Sozialarbeitern. Wie kann eine Schemapädagogik bei „fließenden Grenzen“ funktionieren? Kann man die einzelnen „Persönlichkeitsstile und -störungen“ tatsächlich so problemlos voneinander trennen?

Ein insgesamt sehr stark strukturiertes Fachbuch, welches die Bereiche psychiatrische Persönlichkeitsstörungen und Pädagogik miteinander verknüpft und Freude an der Lösung von Herausforderungen anbahnen kann. Gerade wo Lehrer/-innen und Sozialarbeiter/-innen an ihre Grenzen stoßen, verhilft das Buch zu einer realistischen Selbst- und Fremdeinschätzung.

Die graphische Gestaltung wirkt bisweilen „handgemacht“ und wird nicht in jedem Fall den graphischen Gewohnheiten junger Menschen gerecht. Die beigefügte DVD ist eine „runde Sache“ und enthält eine Fülle an Materialien, Medien, Video-Sequenzen, die zur Auseinandersetzung mit schemapädagogischen Akzenten ausgesprochen hilfreich sind.

Fazit

Das Buch ist im Gesamten ausgesprochen stark geprägt von einem Wechselspiel von Informationen, Tabellen und ausgesprochen realistischen Fallbeispielen. Es erfordert ein starkes Eingehen auf das schemapädagogische Konzept und bietet damit eine ergänzende Alternative zu gängigen Präventions- und Interventionsstrategien.


Rezension von
Dipl. Soz. Päd. Detlef Rüsch
Systemischer Familientherapeut, Supervisor
Jugendsozialarbeiter an einer Mittelschule
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Zitiervorschlag
Detlef Rüsch. Rezension vom 30.09.2013 zu: Marcus Damm: chemapädagogik bei Paranoikerns, Schizoiden, Sadisten und selbstverletzenden Heranwachsenden. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-8382-0300-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13789.php, Datum des Zugriffs 21.10.2021.


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