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Helmut Ebert, Kerstin Harlinghausen: FeMale ‐ Innovative Führung jenseits der Geschlechterordnung

Cover Helmut Ebert, Kerstin Harlinghausen: FeMale ‐ Innovative Führung jenseits der Geschlechterordnung. Praxiserfahrungen und Grundlagenwissen für ein neues Denken im Gender-Kontext. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2012. 290 Seiten. ISBN 978-3-8382-0408-6. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
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Autor und Autorin

Helmut Ebert ist Leiter für Forschung und Innovation bei Idema Gesellschaft für verständliche Sprache. Kerstin Harlinghausen ist Beraterin, Trainerin und Coach.

Thema

Der Klappentext verspricht einen kommunikationswissenschaftlichen sowie kulturellen Zugang zum Thema Führung und Geschlecht. Durch wechselnde Perspektiven sollen neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden, mit denen LeserInnen – befreit von vielen Geschlechtermythen – Ihre Führungspraxis und Unternehmenskultur gestalten können. Dies impliziert die folgenden Aspekte:

  • einen differenzierten Blick auf die persönliche Wahrnehmung von Problemen, die ihre Ursache in geschlechtsspezifischen Vorurteilen haben,
  • Einsichten in die „Tiefenstrukturen“ der Sprache, die unser Denken beherrschen,
  • neues Wissen über Kultur, Kommunikation, Macht und Moral in der Geschlechterordnung,
  • neues Denken über Leistungsmotivation und Leadership-Verhalten von Frauen und Männern.
  • neues Wissen, neues Denken und zahlreiche Anregungen für Führungskräfte, Berater und Trainer.

Aufbau und Inhalt

Ausgangspunkt ist die Feststellung einiger Defizite: Generell blockieren erstarrte Strukturen jede Bewegung im Verhältnis der Geschlechter. Spezifisch in Bezug auf Organisationen wird die Kreativität der Menschen zu wenig beachtet, Menschen werden zu wenig als Urheber von Informationen gesehen und Unternehmen in ihrer Beziehung zur Umwelt als zu passiv. Die AutorInnen plädieren dafür, die Geschlechterbrille abzusetzen, und die Kompetenzen von Männern und Frauen zu entdecken und zu entwickeln. Es geht also darum, Geschlechterstereotype abzulegen.

Drei Wissensstränge sollen in dem Buch miteinander verbunden werden,

  1. Erfahrungsberichte von Frauen und Männern mit Führungsverantwortung,
  2. Konzeptwissen über Vielfalt, „Kreativität“ und „Identität“ sowie
  3. Grundlagenwissen über führungsrelevante Themen wie Kultur, Geschlechterstereotypen, Kommunikation und Wahrnehmung, Wissen und Moral.

Im Kapitel „Blick in die Praxis“ werden Erfahrungsberichte und Interviews vorgestellt, z.B. zu den Themen Vielfalt, Geschlechterrollen, möglichen Vorteilen von mehr Frauen in Führungspositionen, Annahmen über Ursachen und Wirkungen in Bezug auf den Zusammenhang von Vielfalt, Kreativität und Innovationsfreude.

Im Teil „Neues wissen“ werden Befunde zum Thema Führung und Organisation unter dem Blickwinkel der Infragestellung von impliziten Wertungen der Sprache angesehen. Es wird davon ausgegangen, dass Sprache viel an Wertungen und Vorurteilen transportiert und daher hinterfragt werden muss. Geschlecht wird als historisch, sozial und kulturell bedingte und veränderliche Kategorie konzipiert.

Das Kapitel „Perspektivenwechsel“ schließlich soll Führungspersonen helfen, Gestaltungspotenziale zu entdecken um eine Unternehmenskultur zu entwickeln, in der die Gender-Balance sich positiv auf Ergebnis, Tätigkeit und Klima auswirkt.

Diskussion

Das Buch ist „gut“ – es plädiert für Haltungen, denen man sinnvoller Weise nicht widersprechen kann, etwa: „Nicht Frauen oder Männer werden die Probleme dieser Welt lösen, sondern mutige und ideenreiche Menschen…“ 14 „Ja, eh…“ möchte man sagen. Insgesamt entscheiden sich die Autoren nicht konsequent, ob sie einen Ratgeber, oder ein wissenschaftliches Buch schreiben wollen, damit kommt im Ergebnis eine eher mühsame Ansammlung von eher allgemeinen Aussagen, die gleichzeitig relativ mühsam zu lesen sind, heraus.

Interessant und sinnvoll ist der Ansatz bei Sprache, Denken und Interpretation. Die Konstruktion von Geschlechterstereotypen hat weit mehr mit diesen zu tun, als mit Fakten. Insbesondere dort, wo Sprach- und Denkmuster hinterfragt bzw. Beispiele dafür gegeben werden, wie diese implizit und unhinterfragt Wertungen transportieren, ist das Buch sehr interessant. Leider verliert die Argumentation durch das Fehlen von klaren Strukturen, der rote Faden der Argumentation ist oft nur schwer erkennbar bzw. hinter Schlagworten versteckt.

Der „Blick in die Praxis“, in dem Erfahrungsberichte und Interviews vorgestellt haben, könnte durch Interpretationen der AutorInnen gewinnen. Insgesamt entscheiden sich die AutorInnen nicht konsequent, ob sie einen Ratgeber oder ein wissenschaftliches Buch schreiben wollen, damit kommt im Ergebnis eine Ansammlung von eher allgemeinen Aussagen, die relativ mühsam zu lesen sind, heraus.

All jene, denen gendersensible Sprache auf die Nerven geht, werden sich freuen, hier fast nur männliche Personen angeführt zu sehen, all jene, die auch für Innovation und Kreativität im Umgang mit geschlechtsspezifischer Sprache eintreten, werden hier nichts Inspirierendes finden.

Fazit

Das Buch richtet sich an Studierende, Dozierende und Forschende der Soziologie, der Organisationsforschung und der Wirtschaftswissenschaften. Für jene davon, die Anregungen für ein Hinterfragen von Sprache und Denkmustern suchen, kann es bereichernd sein.


Rezension von
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
Homepage www.ruthsimsa.at
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 28.11.2012 zu: Helmut Ebert, Kerstin Harlinghausen: FeMale ‐ Innovative Führung jenseits der Geschlechterordnung. Praxiserfahrungen und Grundlagenwissen für ein neues Denken im Gender-Kontext. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-8382-0408-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13792.php, Datum des Zugriffs 29.09.2020.


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