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Ulrike Domenika Bolls: Klappe zu - Affe tot

Cover Ulrike Domenika Bolls: Klappe zu - Affe tot. 13 Tricks gegen den Monkey Mind beim Meditieren. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2012. 28 Seiten. ISBN 978-3-8448-1158-2. D: 13,00 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 19,50 sFr.
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Thema

13 Tricks, die helfen, den Monkey Mind (Affenstall) der Gedanken beim Meditieren im Griff zu haben, um zur Ruhe zu kommen, abzuschalten und Kraft zu tanken.

Autorin

Ulrike Domenika Bolls, geb. 1972, bekam erst im Erwachsenenalter die Diagnose Asperger-Autismus. Seit 2000 ist sie als Coach für Hochsensible und Hochbegabte mit und ohne Autismus in ihrer Firma highmate© tätig. Diese persönlichen und beruflichen Erfahrungen fließen in ihre Bücher mit ein.

Entstehungshintergrund

Die Autorin kennt Situationen, in der sie Überforderung erlebt und an Grenzen gerät, aus eigener Anschauung zur Genüge. Aus diesem Erleben hat sie sich auf die Suche nach geeigneten Methoden der Entspannung und emotionalen Entlastung gemacht. Frau Bolls hat drei Bücher herausgebracht, die alle auf dem Buch Meditation für Aspies- Lebensqualität & Eigenverantwortung mit Asperger-Autismus (und auch bei Book on Demand erschienen sind) basieren. In dem vorliegenden Buch „Klappe zu – Affe tot“ betrachtet sie 13 Praxistipps, um den sog. „Monkey mind“ zu beruhigen. Der Begriff kommt aus dem Amerikanischen und steht wörtlich für „Affen-Geist“. Er meint den Zustand, „wenn der Geist nicht zur Ruhe kommt, sondern von einem Gedanken zum nächsten springt, von einem abgespeichertem Reiz zum nächsten.“ (a.a.O. S. 4)

Aufbau

Auf 28 Seiten wird jeder der 13 Trick knapp und anschaulich auf einer Seite vorgestellt.

Das Inhaltsverzeichnis erlaubt es gezielt nach dem Trick zu suchen, der am meisten anspricht. Frau Bolls wählte – wie in ihrem anderen Buch auch- wieder die direkte Ansprache des Lesers und steigt so in einen direkten Dialog ein.

Inhalt

Der Untertitel „13 Trick gegen den Monkey Mind beim Meditieren“ bringt es auf den Punkt. Es werden 13 praxiserprobte Methoden vorgestellt, die dabei behilflich sind, sich schnell und wirkungsvoll zu entspannen. Viele Menschen haben den Wunsch abzuschalten und springende Gedanken abzustellen. Mit Geduld, Vertrauen und Training ist es möglich, den „Affenstall“ zu beherrschen. „Meditation vermag dir diese drei Dinge zu verschaffen: inneren Raum, Zeit für dich, Ruhe im Geiste (aaO S. 5). Es geht nicht darum, den Geist zu kontrollieren, sondern vielmehr darum, sich eine Auszeit zu gönnen. Wie das konkret gelingen kann beschreibt Bolls anhand dreizehn „Klappen“.

  • Klappe 1 Beschäftigung
  • Klappe 2 Entspannung
  • Klappe 3 Körperhaltung
  • Klappe 4 Körper
  • Klappe 5 Atmung
  • Klappe 6 Bewegung
  • Klappe 7 Schaukeln
  • Klappe 8 Zählen
  • Klappe 9 Schnur
  • Klappe 10 Mantra
  • Klappe 11 Statisten
  • Klappe 12 Danke sagen
  • Klappe 13 Ziehen lassen

Klappe 1: Beschäftigung: Eine aktive Meditation beschäftigt den Geist und erleichtert den Einstieg, denn es wird das gleiche Muster (Aktivität) bedient

Klappe 2: Entspannung: Ein entspannter Körper hilft auch dem Geist in die Entspannung zu kommen.

Klappe 3: Körperhaltung: Die eigene Haltung bemerken, sie annehmen und nicht bewerten. Es gibt keine speziellen vorgegebenen Meditationshaltungen!

Klappe 4: Körper: Der Geist beschäftigt sich mit dem Körper, den man immer dabei hat und den man in seinen ‚Einzelteilen? bemerken kann.

Klappe 5: Atmung: Atmen und Entspannen gehören zusammen. Der eigene Atem ist wie der Körper immer vorhanden und kann genutzt werden.

Klappe 6: Bewegung: Körper und Geist gehen in einem Dialog. Das lenkt den Focus auf den Körper und bildet mit der Bewegung eine Einheit, als gute Voraussetzung für eine tiefe Meditation.

Klappe 7: Schaukeln: Diese archaische Bewegung darf genutzt werden, um in die Entspannung zu kommen. Das Schaukeln muss dabei gar nicht auffällig sein, sondern kann fast unmerklich ausgeführt werden, um zu wirken. Atem, Bewegung und Körper sollten eine Einheit werden.

Klappe 8: Zählen: Der Atem ist immer präsent und lädt zum Zählen ein.

Klappe 9: Schnur: Mit einer Meditationsschnur kann der Geist beschäftigt werden. Das Berühren der Perlen erlaubt einen inneren Takt.

Klappe 10: Mantra: Man kann jedes Wort, welches einem gefällt, wiederholen und damit den Geist beschäftigt.

Klappe 11: Statisten: Gedanken werden zu Statisten. Sie dürfen im Hintergrund sein und werden nicht verboten. Der meditierende Mensch ist am gleichen Ort und lässt sich nicht ablenken.

Klappe 12 Danke sagen: Dem unruhigen Verstand für seine Arbeit danken und ihm dann erlauben, sich auszuruhen. Das schafft freie Zeit zur Meditation.

Klappe 13 Ziehen lassen: Die Gedanken ziehen lassen wie Wolken am Himmel. Dieser Trick ist eher für Fortgeschrittene geeignet.

Diskussion

Frau Bolls beschreibt anhand der 13 Klappen, wie man den „Affen“ totschlagen kann und wie es so gelingen kann, im Hier und Jetzt zu sein. Die 13 Klappen animieren verschiedene Übungen auszuprobieren. Die kurze und prägnante Beschreibung der Methoden hat eine sehr anregende Wirkung- man kann gar nicht anders, als sie auszuprobieren. Die Anregungen sind verblüffend einfach – so gelingt es dem Leser leicht, eine anfängliche Scheu vor dem großen Wort „Meditation“ abzulegen.

Ich gebe zu: anfangs war ich skeptisch, ob es lohnt, sich dieses Büchlein anzuschaffen. Ich hatte schon zuvor das Buch, auf dem dieses Büchlein basiert – Meditation für Aspies – gelesen und mich dabei eingehend mit dem Thema Meditieren beschäftigt. Leider ist es mir danach nicht gelungen, einen Einstieg in das regelmäßige Meditieren zu finden.

Anders ist es bei diesem Buch: durch die einfache und bildliche Darstellung der Tricks springt der Funke über und man bekommt richtig Lust einzusteigen. Sehr erfrischend ist die Art der Darstellung: im Dialog mit dem Leser, kurz, prägnant, praxisnah, ohne viel Schnickschnack und Beweihräucherung.

Das Buch macht Lust, zu meditieren und es zeigt, dass jeder es kann!

Es ist nicht umfangreich (28Seiten) aber es hat es wirklich in sich. Die Illustration der Autorin am Anfang und am Ende des Buches, mit wenigen Strichen ausgeführt, dienen mir als Marker: Am Anfang ist der Geist offen, die Augen sind wach, bereit alles wahrzunehmen- manchmal einfach zu viel. Am Ende der Lektüre sind die Augen geschlossen und der Geist ist ganz im Meditieren versunken. Dieses Bildchen ist ein Erinnerungsmarker, der bleibt, auch wenn der textliche Inhalt schon lange vergessen ist.

Fazit

Wem die Gedanken im Kopf kreisen, wer wegen langer to-do-listen nicht zur Ruhe kommt, schnell in Stress gerät oder einfach nur ein kreativer Geist ist, dessen Gedanken hüpfen können, der sollte dieses Büchlein sein Eigen nennen. Denn der Mensch braucht Zeiten, in denen er zur Ruhe kommt. Dieses Buch macht Mut es zu probieren. Es macht gute Laune, hilft, zwischendurch abzuschalten und sich auf sich selbst zu besinnen. Es ist von einer Autistin geschrieben, aber sicher nicht nur für Autisten gemacht! Man sollte sich nicht vom Preis abschrecken lassen – es lohnt sich. Und vielleicht findetsich doch noch ein Verlag, der das Buch in großer Stückzahl verlegt, was den Preis automatisch senken würde. Ich würde es begrüßen!


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 18.09.2012 zu: Ulrike Domenika Bolls: Klappe zu - Affe tot. 13 Tricks gegen den Monkey Mind beim Meditieren. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2012. ISBN 978-3-8448-1158-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13819.php, Datum des Zugriffs 14.12.2019.


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