socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Carsten Rensinghoff: Behinderte Erlebnisse

Cover Carsten Rensinghoff: Behinderte Erlebnisse. united p.c. (Berlin) 2012. 218 Seiten. ISBN 978-84-90159-21-7. D: 19,40 EUR, A: 19,90 EUR, CH: 28,50 sFr.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Der „Kampf um Anerkennung“ (Honneth) ist für jeden von uns ein mitunter recht mühseliges Unterfangen. Wenn auch emotionale Zuwendung und Bestätigung im Raum des Zwischenmenschlichen verhältnismäßig leicht zu erhalten sind, so sind doch Kognitive Achtung und soziale Wertschätzung ungleich schwerer zu haben. Umso mehr gilt das für Menschen, die etwa als Behinderte eigene Ansprüche anmelden. Der Anspruch, den der Autor dieses Buches aufmacht, ist der, einen seiner Qualifikation angemessenen Platz in der (akademischen) Arbeitswelt besetzen zu können. Der Traum von einer Professur im weiten Felde der Inklusion treibt ihn um. Noch läuft der Traum Gefahr, immer wieder zum Albtraum zu werden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist nach der Einleitung in 12 Kapitel gegliedert. Es umfasst vielfältige Themen, die der Autor mit Erfahrungen gesellschaftlicher Ausschließung und deren Reflexion in Verbindung bringt. Es beginnt mit dem Aufzeigen lebensweltlicher Möglichkeiten eines vom Autor begleiteten studentischen Projekts (SONETGO), schildert zum Teil skurrile alltägliche Begebenheiten (Zugfahrt nach Rostock; Warum ich kein Höschen trage; Nie wieder ins Krankenhaus; Selbstmord), setzt sich mit je aktuellen gesellschaftlichen Themen (Ehrenamtliche Mitarbeiter in der Kirche; Prinz Johan Friso; Lukas 8, 43-48 aus der Disability Studies – Perspektive; Kurze Replik zu einem Inklusionsantrag der NRW- Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN) und vor allem dem „inklusiven“ akademischen Geschehen (Universität zu Köln, Die EFH RWL in Bochum) auseinander.

Zielgruppen

Die „behinderten Erlebnisse“ könnten nicht nur Studierende und Lehrende verschiedener sozialwissenschaftlicher, sozial- und heilpädagogischer Ausbildungsstätten interessieren, sondern auch eine breite Leserschaft ansprechen, die sich um Wege in eine inklusive Gesellschaft ernsthaft Gedanken macht.

Diskussion

Der Autor spricht an mehreren Stellen des Buches von „einem kleinen Kobold im Kopf“, der ihm bei der Wahrnehmung und Interpretation seiner Erlebnisse deren Schattenseiten offeriert. Dieser Kobold erinnert an den „Logiksektor“, der bei ausgewählten Arkoniden (einem hochentwickelten Volk im Perry Rhodan Multiversum) aktiviert wird, damit diese sich nicht von überschüssigem Vertrauen und Harmoniebestrebungen einfangen lassen. In Wirklichkeit argumentiert der Kobold jedoch aus der Opferperspektive und zwar in der Sprache der „materialistischen Behindertenpädagogik“ und „kulturhistorischen Theorie“. Deren Logik wird allen Ereignissen und Erlebnissen reflexiv unterlegt, mitunter auch „aufgedrückt“. An diesen Stellen verliert sie an Erklärungskraft.

Fazit

Ein „aufmischendes“, ein verstörendes Buch, das die Linie einer früheren Selbstvergewisserung: Wider die gesellschaftliche Ausschließung. Autobiografische Momente einer ausweglosen Situation („Existenz nach schwerer Schädel- Hirnverletzung“) wieder aufgreift und fortführt. Wie gesagt: Provokation, „augenzwinkernder Sarkasmus“ und (schwarzer) Humor sind jedermanns oder jederfraus Sache nicht. Doch, wer sich drauf einlässt, kann „Perlen“ finden.


Rezensent
Prof. Dr. Manfred Jödecke
E-Mail Mailformular


Alle 25 Rezensionen von Manfred Jödecke anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Manfred Jödecke. Rezension vom 19.10.2012 zu: Carsten Rensinghoff: Behinderte Erlebnisse. united p.c. (Berlin) 2012. ISBN 978-84-90159-21-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13861.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!