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Peter Knapp (Hrsg.): Konfliktlösungs-Tools

Cover Peter Knapp (Hrsg.): Konfliktlösungs-Tools. Klärende und deeskalierende Methoden für die Mediations- und Konfliktmanagement-Praxis. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2012. 366 Seiten. ISBN 978-3-941965-42-3. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR.

Reihe: Edition Training aktuell. Praxishandbuch Beratung.
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Herausgeber

Der Romanist und Wirtschaftsmediator Peter Knapp, Trainer, Coach und Ausbilder in eigener Praxis, ist international tätig. Vorliegender Sammelband entstand in Zusammenarbeit mit 47 Mediator/innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Entstehungshintergrund

Der Autor leitet Trainings zu Themen wie Führung und Kommunikation, Konfliktmanagement und effizienter Verhandlungsführung. Er vermittelt in Arbeitskonflikten und bildet Mediator/innen zum Schwerpunkt Mediation in Unternehmen und Organisationen aus. Mit dem Grundverständnis, Konflikte erst einmal als Wachstumschancen zu betrachten, gibt er diese Sammlung von 50 Konfliktlösungs-Tools heraus.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist analog der klassischen Mediationsphasen als Nachschlagewerk aufgebaut und für den Einsatz in Konfliktgespräch, Konfliktmoderation, Klärungshilfe, Mediation, Supervision und Konfliktcoaching ausgerichtet.

Nach einer kurzen Darstellung der fünf Mediationsphasen und einer Übersichtmatrix der später vorgestellten Methoden wird das Konflikt-Eskalationsmodell (Glasl) skizziert.

Die folgenden Kapitel sind dann durchgängig einheitlich aufgebaut. Nach einer Kurzdarstellung der jeweiligen Tools folgt deren strukturierte Darstellung: Kurzbeschreibung, zeitlicher Rahmen, Anlässe/Anwendungsgebiete, Zielsetzung/Nutzen, Beschreibung, Erfahrungen/Kommentare, technische Hinweise, Quellen/Literatur und weiteres Vorgehen. Teilweise finden sich Praxisbeispiele.

Phase 1: Kontakt und Kontrakt umfasst acht Tools:

  1. Konflikt-Partitur. Ein Instrument zur Findung und Auswahl kritischer Episoden (Friedrich Glasl)
  2. Arktis oder Sahara? Die Konflikttemperatur systematisch analysieren (Elke Schwertfeger, Christian Bähner)
  3. Vom Anfang an Klarheit schaffen. Auftragsklärung bei Teamkonflikten (Adrian Kunzmann)
  4. Raus aus der Zwickmühle. Wer spricht die Konfliktpartei an, die noch nichts von der Mediation weiß? (Ingrid Holler)
  5. Keine Angst vor Gefühlen! Mit Gefühlsmonster-Karten in die Mediation einsteigen (Jutta Höch-Corona)
  6. Entscheidungsraster für Konfliktinterventionen. Laufen lassen, mediieren, Schutz organisieren – oder was? (Benedikta von Deym-Soden, Karin Stranggassinger)
  7. Ihr Einsatz bitte! Commitment und Einsatzbereitschaft erzeugen mithilfe symbolhafter Gegenstände (Anja Köstler)
  8. Zwei plus zwei gleich fünf. Co-Mediatoren arbeiten im Doppeldecker zusammen (Birgit Keydel, Peter Knapp)

Phase 2: Themen festlegen, Sichtweisen der Konfliktparteien umfasst acht Tools:

  1. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Die Selbstklärungsphase in der Klärungshilfe (Barbara Kramer)
  2. Dum spiro spero. Spiritualität und Atem in der Mediation nutzen (Claude-Hélène Mayer)
  3. Them-o-meter. Mittels Doppelskala effizient Themen finden (Nadia Dörflinger-Kashman)
  4. Via „Sprungbrett“ Ressourcen befreien. Ein lösungsfokussierter Einstieg in Mediation und Beratung (Ljubjana Wüstehube)
  5. Spielzeugwelt. Konfliktparteien in einem heißen Konflikt beruhigen (Elke Schwertfeger)
  6. Timeline. Mit der Timeline die Konfliktgeschichte abbilden (Götz Liefert)
  7. Quadratische Konfliktanalyse. Sichtweisen nach den vier Aspekten der Kommunikation analysieren (Hendrik Middelhof)
  8. Der Vorwurf als Chance. Vorwürfe umformulieren, Erwartungen und Wünsche verhandeln und klären (Carla van Kaldenkerken)

Phase 3: Interessen, Gefühle, Bedürfnisse herausarbeiten umfasst dreiundzwanzig Tools:

  1. Brennnessel. Die Konfliktparteien in einem kalten Konflikt erwärmen (Christian Bähner)
  2. Zuerst die Verbindung, dann die Lösung. Einen konstruktiven Kontakt zwischen den Konfliktparteien herstellen (Cornelia Timm)
  3. Die Phönix-Intervention. Auffliegen aus „verbrannter Erde“ oder: die heilende Wirkung von Irritation und Scheitern (Ed Watzke)
  4. Dialogisieren. Den roten Faden spinnen im verlangsamten Streitdialog (Christoph Thomann)
  5. Reframen. Die Wirklichkeit ist selbstgemacht – und könnte immer auch anders sein (Udo Kreggenfeld)
  6. Mit Fragen das Denken verändern. Systemische und zirkuläre Fraen in der Mediation (Christa D. Schäfer)
  7. Skalenfragen. Ein effizientes Multifunktionswerkzeug in der Mediation (Ulla Gläßer)
  8. Die Kunst des Doppelns. Statt zwischen den Zeilen auf den Tisch (Peggy Keller)
  9. Doppeln als Weg der Beziehungsklärung. Vertiefen – Zusammenfassen – Erklären (Tilman Metzger)
  10. Die Waage als Metapher. Mit Ambivalenzen und Blockaden umgehen (Andreas Eilsberger)
  11. Vorwürfe übersetzen – empathisch zuhören. Die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) als zentrale Haltung des Mediators (Anja Kenzler)
  12. Eins, zwei, viele… Der Einsatz des Inneren Teams in der Mediation (Alexandra Bielecke)
  13. Das soziale Atom. Konfliktbeziehungen sichtbar machen (Birgit Keydel)
  14. Das Reflecting Team. Kooperieren statt intervenieren (Traute Harms)
  15. Via Fragentreppe zum Perspektivwechsel. Wie verlorene Empathie Schritt für Schritt wiedergewonnen werden kann (Dirk Splinter)
  16. Das Farbengespräch. Eine nonverbale Intervention deckt festgefahrene Beziehungsmuster auf (Angelika Ciesielski)
  17. „Es war einmal …“ Storytelling als Intervention in der Mediation (Hanna Milling)
  18. Kampf der Farben. Malen in der Mediation (Lisa Kosman)
  19. Das Glaskugelmodell. Subjektive Wirklichkeiten verstehen (Doris Klappenbach, Annegret Böhmer)
  20. Mit dem Platz die Perspektive wechseln. Sich mit der Methode „leerer Stuhl“ in die Perspektive des Gegenübers versetzen (Holger Specht, Ljubjana Wüstehube)
  21. Eine starke Basis! Eine gemeinsame Grundeinstellung formulieren („Common Ground“) (Juliane Ade)
  22. Pause als Intervention. Durch bewusst gesetzte Pausen Distanz zum Konfliktgeschehen schaffen (Peter Knapp)
  23. Das Erklärungshaus. Emotional aufgewühlte Dialoge beruhigen – durch Zusammenfassen und Erklären (Christian Prior)

Phase 4: Handlungsoptionen und Lösungsmöglichkeiten umfasst sieben Tools:

  1. Deep Democracy „Vektor-Gehen“. Essenzielle Qualitäten eines Konflikts für die persönliche Entwicklung nutzen (Caspar Fröhlich)
  2. Schenken und Bitten. Lösungsfokussiertes Angebots- und Nachfrageverhandeln (Rudi Ballreich)
  3. Ein guter Vorschlag für mein Gegenüber. Den Perspektivwechsel in der Lösungsfindung unterstützen (Kirsten Schroeter)
  4. Die Lösung springt im Dreieck. Mehr Lösungsideen entwickeln – inspiriert durch das Wirkfaktorendreieck (ConsolatePeyran, milan)
  5. Mit jedem Atemzug der Lösung näher. Hypnotherapeutische Sprachmuster in der Mediation (Rita Wawrzinek)
  6. Konsens mit Differenz. Optionen und Übereinstimmungen finden und dabei differente Interessen berücksichtigen (Angela Mickley)
  7. Mediation in der Mediation. Mediation mit gewählten Stellvertretern (Mary Cornelia Baßler)

Phase 5: Vereinbarungen und Überprüfungstermin umfasst vierTools:

  1. Six Thinking Hats. Mit de Bonos Kreativwerkzeug tragfähige Handlungsoptionen entwickeln (Andreas Novak)
  2. Die „Therapeutische Praline“. Rückfallprophylaxe nach gelungener Konfliktbeilegung (Nadia Dörflinger-Khashman)
  3. Was geht als Erstes schief? Lösungen tragfähig(er) machen (Kirsten Schroeter)
  4. Hausaufgaben. Den Zwischenraum für Reflexion und Probehandeln nutzen (Nadja Dörflinger-Khashman)

Im Anhang werden die einelnen Autorinnen und Autoren mit Foto und Kurzvita vorgestellt.

Diskussion

Die vorliegende Sammlung umfasst neben klassischen Interventionen, die in jeden konfliktlösungsorientierten Handwerkskoffer gehören, auch deren kreative Weiterentwicklungen und neue Methoden. Die phasenorientierte Zuordnung erscheint bei den klassischen Interventionen, wie z.B. Doppeln, Refraiming, zirkuläre Fragen konstruiert und könnte sich ebenso bei anderen Phasen finden lassen. Doch in der einzelnen Darstellung beziehen sich die Autor/innen in der Regel nachvollziebar auf ihr jeweiliges Kapitel.

Der konsequent einheitliche Aufbau aller Übungen ist bestechend übersichtlich, einer schnellen Orientierung dienlich und erfüllt den Anspruch des Buches, ein Nachschlagewerk zu sein. Hier lässt sich auch in der Arbeitspause noch schnell eine Anregung fürs weitere Moderieren finden.

Doch ist es gerade diese knappe Klarheit und Übersichtlichkeit, die es mitunter erschwert, eine unbekannt Intervention nachvollziehbar zu erfassen. Sind Praxisbeispiel dabei, ändert sich das sofort, denn damit werden die Kurzdarstellungen mit Fallberichten illustriert.

Die weiterführenden Literaturangaben am Ende jedes Tools sind aktuell und meist umfangreich genug, um selbst interessante Spuren weiter zu verfolgen. Und wer den Leserservice nutzt, findet vier ausgewählte Arbeitshilfen aus dem Buch als Download (Recherche 07.02.2013).

Fazit

Die vorliegende Methodensammlung sei Kolleg/innen in der Mediationsweiterbildung als anregende Fundgrube empfohlen und den erfahrenen zur Auffrischung all dessen, was sie schon alles im Lauf ihres Berufslebens kennengelernt haben. Doch auch für die ganz Erprobten finden sich interessante Tools, die aus anderen Fachbereichen überzeugend auf Mediationsprozesse übertragen wurden und zur Umsetzung is eigene Tätigkeitsfeld locken.


Rezensentin
Petra Rechenberg-Winter
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Zitiervorschlag
Petra Rechenberg-Winter. Rezension vom 12.02.2013 zu: Peter Knapp (Hrsg.): Konfliktlösungs-Tools. Klärende und deeskalierende Methoden für die Mediations- und Konfliktmanagement-Praxis. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2012. ISBN 978-3-941965-42-3. Reihe: Edition Training aktuell. Praxishandbuch Beratung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13862.php, Datum des Zugriffs 26.03.2019.


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