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Adrian Teetz: Krisenmanagement

Cover Adrian Teetz: Krisenmanagement. Rational entscheiden, entschlossen handeln, klar kommunizieren. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. 192 Seiten. ISBN 978-3-7910-3147-7. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 54,00 sFr.

Reihe: Systemisches Management.
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Thema

Krisen machen bekanntlich auch vor sozialen Organisationen nicht halt. Es müssen nicht immer große medienwirksame Skandale der Veruntreuung, Vernachlässigung von Bewohnern oder gravierende Hygienemängel sein, die einen Träger der Sozialen Arbeit, eine Pflegeeinrichtung oder ein Krankenhaus so in den Verruf bringen, dass die Existenz des Hauses in Frage steht. Es reichen manchmal auch vermeintlich kleinere Anlässe, die im Laufe der Zeit zu einer Problemkaskade werden und das Image einer Organisation nachhaltig schaden können. Krisen beginnen meist, bevor sie erkannt werden, und sie münden nicht selten in einen vollständigen Kontrollverlust des Managements und gegebenenfalls in eine realistische Bestandsbedrohung.

Entstehungshintergrund

Auf der Basis langjähriger Berufserfahrung als PR-Verantwortlicher, Coach und als Lehrkraft hat Adrian Teetz ein Buch über Krisen und Krisenmanagement geschrieben, welches Führungskräften in KMUs sowie in sozialen und öffentlichen Organisationen helfen will, ernsthafte Bedrohungen rechtzeitig zu erkennen und professionell so mit der Situation umzugehen, dass die Organisation nicht unnötig Schaden nimmt.

Autor

Adrian Teetz ist Strategie- und Organisationsberater mit großer Erfahrung in Krisenstäben. Er lehrt an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Deutschland.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in elf Kapitel gegliedert und enthält einen Anhang.

  1. Nach Vorwort und Einleitung werden den Leserinnen und Lesern unter der Überschrift »Was ist eine Krise?« zunächst Kriterien für den Beginn einer Krise sowie Handlungsanleitungen für Sofortmaßnahmen und den Prozess des Krisenmanagements an die Hand gegeben.
  2. Im zweiten Abschnitt werden unter »Krise: Wie wird ein Krisenmanagement organisiert?« wesentliche Facetten des Krisenmanagements wie Initiativpflicht, Krisenstab, Aufbau- und Ablauforganisationen des Krisenmanagements behandelt.
  3. Unter dem Motto »Welche Risiken und Fehlerquellen birgt die Praxis? « werden daraufhin am Fallbeispiel der bekannten UNICEF-Affäre elementare Fragen des erfolgreichen und weniger erfolgreichen Krisenmanagements dargelegt. Besondere Betrachtung finden dabei Aspekte wie Lagebeschreibung und Lagebeurteilung, Einberufung eines Krisenstabes, Zielformulierung, Handlungsoptionen und Interessenkonflikte, aber auch Willensbildung und Veröffentlichung von Beschlüssen, Nachbereitung und programmatische Neuausrichtung.
  4. Dass Krisenmanagement sehr eng mit organisatorischen Facetten verbunden sein kann, erfahren die Leserinnen und Leser im vierten Abschnitt, der sich den »Internen Voraussetzungen« zuwendet. Dabei werden Fragen der Führungskultur, der verborgenen Motive, der verzerrten Wahrnehmung sowie der Stabsarbeit behandelt.
  5. Unter der Überschrift »Externe Rahmenbedingungen: Wie reagiert die Gesellschaft?« werden dann mit Blick nach außen sozialpsychologische Mechanismen der öffentlichen Reaktion auf Krisen von Organisationen ebenso thematisiert wie der Unterschied zwischen persönlicher und politischer Verantwortlichkeit und der schwierigen Entscheidung persönlicher Konsequenzen der (mehr oder weniger) verantwortlichen Führungskräfte. Zwei Fallbeispiele zu politischer und persönlicher Verantwortung runden diesen Abschnitt ab.
  6. Ebenfalls den externen Rahmenbedingungen widmet sich das sechste Kapitel, welches unter dem Motto »Wie verhalten sich Medien und Netzgemeinde?« den Möglichkeiten und Grenzen der Steuerung von Kommunikation, dem Einfluss der neuen Medien, dem Nachrichtenwert kritischer Situationen zuwendet und auch die Glaubwürdigkeit in Krisen sowie der Skandalisierung problematischer Situationen durch Medien und deren Vertreter nicht ausspart.
  7. Unter »Positionierung: Wie kann ich in der Krise inhaltlich Stellung beziehen?« erfahren die Leserinnen und Leser Näheres zu Dementis und deren Zweckmäßigkeit sowie zum Umstand des »schwebenden Verfahrens«.
  8. Technische Details zur Strategie und Praxis des Umgangs mit der Presse und anderen Medien(vertreterInnen) werden im achten Kapitel »Kommunikation: Mit welchen Instrumenten kann ich öffentlich Stellung beziehen?« vermittelt. In der Krise eine relevante Informationsquelle bleiben, der gute Auftritt bei Stellungnahmen, die gelungene Pressekonferenz und das erfolgreiche Statement werden hier ebenso abgehandelt wie die Zulassung von Kamerateams auf dem eigenen Grund sowie die richtigen »Reaktionszeiten« auf Medienberichte und andere Angriffe.
  9. Im neunten Abschnitt werden unter »Besondere Risiken« die typischen Fehlerquellen beim Umgang mit Krisen beschrieben. Von internen Hemmnissen, einem »Wagenburgverhalten« und einer Fehleinschätzung von Kräfteverhältnissen reicht das Spektrum der potentiellen Fehler bis hin zur Vielstimmigkeit, einer verfrühten Initiative, unpassenden juristischen Interventionen und negativen Schuldzuweisungskaskaden.
  10. Im zehnten Abschnitt dominiert die »Prävention«. Den Leserinnen und Lesern werden hier Methoden der Vermeidung von Krisen beziehungsweise des qualifizierten Umgangs mit Krisen vermittelt. Besonderes Augenmerk erhalten dabei Regelwerke, die richtige Führungskultur und das fundierte Training des Managements im Umgang mit kritischen Situationen.
  11. Das Buch wird beschlossen mit einer kurzen Abhandlung zu Möglichkeiten der Beurteilung eines Krisenmanagements, wobei besonderer Wert auf den Erhalt von Handlungsspielräumen in krisenhaften Situationen gelegt wird. Der Anhang enthält Formulare zur Strukturierung der Arbeitsweise von Krisenstäben, zu Medienanfragen sowie zur »Gestattung aktueller Berichterstattung auf dem Gelände und in Anlagen« einer betroffenen Organisationen.

Diskussion

Wie können Krisen so frühzeitig als möglich erkannt werden? Wie kann in Krisen entschieden und organisiert werden? Wie ist in einer Krise zu kommunizieren und mit den Medien umzugehen? Und schließlich auch: Wie kann man Krisen vorbeugen? Diese und andere Fragen rund um das Krisenmanagement werden in dem Buch von Adrian Teetz angesprochen und realistisch beantwortet. Anhand vieler Beispiele zeigt der Autor Wege und Strategien auf, die den Leserinnen und Lesern Fertigkeiten des Umgangs mit Krisen vermitteln. Dabei wird besonderer Wert auf eine systemische Herangehensweise gelegt. So anschaulich, nachvollziehbar und gleichzeitig fundiert, wie sich dieses Buch präsentiert, füllt es sicherlich eine Lücke im bisherigen Publikationswesen zum Management von Krisen in mittelständischen Unternehmen wie in Nonprofit-Organisationen und Behörden jeglicher Größe und Branche. Verantwortlichen sozialer Organisationen kann dieses Buch wärmstens empfohlen werden, die Lektüre sollte im Idealfall bereits vor einer Krise erfolgen.

Fazit

Empfehlenswert für alle NPO-Verantwortliche, die ihr Haus krisensicherer machen wollen


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 25.10.2012 zu: Adrian Teetz: Krisenmanagement. Rational entscheiden, entschlossen handeln, klar kommunizieren. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-7910-3147-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13870.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


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