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Nadja Podbregar, Dieter Lohmann: Im Fokus. Neurowissen

Cover Nadja Podbregar, Dieter Lohmann: Im Fokus. Neurowissen. Träumen, Denken, Fühlen - Rätsel Gehirn. Springer Spektrum (Wiesbaden) 2012. 254 Seiten. ISBN 978-3-642-24332-5. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 25,00 sFr.

Reihe: Naturwissenschaften im Fokus.
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Thema

Die Autoren haben für dieses Buch zahlreiche Forschungsergebnisse zusammengetragen, die die Verbindung neurologischer Fakten und Phänomene mit den jeweiligen psychologischen Implikationen beleuchten.

Autorin und Autor

Nadja Podbregar ist die Chefredakteurin des Onlinemagazins Scinexx. Dieter Lohmann ist redaktioneller Mitarbeiter bei Scinexx.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in die folgenden achtzehn Kapitel eingeteilt:

1. Einleitung

2. Das Rätsel der Savants – Auf Spurensuche bei „Rain Mans“ Geschwistern. Der Fokus dieses Kapitels liegt auf Inselbegabungen. Das sind ungewöhnliche musikalische, mathematische, mechanische und künstlerische Fähigkeiten.

3. Blick ins Hirn – Die Methoden der Hirnforscher. Als Methoden der Hirnforschung stellen die Autoren die Magnetresonanz-Enzephalografie (MEG), die Magnetresonanztomografie (MRT), die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Single-Photon-Emissions-Computertomografie (SPECT) vor.

4. Doping fürs Gehirn – Neuro-Enhancement und die Folgen. Gehirn-Doping bezeichnet die Nutzung bestimmter zugelassener Medikamente, um die Konzentration, die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis zu verbessern.

5. Frühkindliche Bildung und das Gehirn. Beschrieben werden die Chancen und die Möglichkeiten der Frühförderung sowie nachhaltige Nachteile durch zu häufigen Fernseh-Konsum bei Kleinkindern.

6. Der „kleine“ Unterschied im menschlichen Gehirn. Unterschiedliche Bildungschancen, unterschiedliche Besitz- und Machtverhältnisse, hormonelle und zyklusabhängige Unterschiede, evolutionäre, biochemische und soziale Wirkfaktoren führen zu Unterschieden zwischen dem „männlichen“ und dem „weiblichen“ Denken.

7. Die Macht der Hormone. Hormone beeinflussen körperliche Prozesse, das Sozialverhalten, die Emotionen und den Schlaf-Wach-Rhythmus.

8. Träumen – Wenn das Gehirn eigene Wege geht. Behandelt werden in diesem Kapitel die verschiedenen Schlafphasen, die Zeitverschiebung bzw. Zeitverzögerung der Träume (in der ersten REM-Phase der Nacht tauchen oft Ereignisse desselben Tages auf, wohingegen in der zweiten Nachthälfte oft von Ereignissen geträumt wird, die schon einige Tage zurückliegen), die Schlaflähmung und die traumbezogenen Aktivitäten in Muskeln und Gehirn sowie Hypothesen zu den Funktionen der Träume.

9. Die innere Uhr – Was lässt uns ticken? Biologische Rhythmen beeinflussen die jeweilige „innere Uhr“, die bei Pflanzen, Tieren und Menschen postuliert wird. Darüber hinaus werden in diesem Kapitel die Funktionen der biologischen Rhythmen und die Eigenschaften der „inneren Uhr“ thematisiert (autonom, temperaturunempfindlich, verstellbar, begrenzt flexibel, zeitgebend, genetisch determiniert). Unterschieden werden bei menschlichen Schlafmustern zwei genetisch bedingte Chronotypen: die Lerchen und die Eulen.

10. Synästhesie – Das Geheimnis der „Farbenhörer“ und „Wörterschmecker“. Es wird geschätzt, dass 5-20% aller Menschen synästhetisch veranlagt sein könnten. Es gibt verschiedene Ausprägungen wie beispielsweise, dass der Geschmackssinn mit Wörtern verbunden ist, dass Farben mit Buchstaben, Zahlen, Wörtern assoziiert werden, dass Musik in bestimmten Farben wahrgenommen wird. Diese Verbindungen sind unwillkürlich, nicht steuerbar, unveränderlich und erblich. Eine Erklärung für dieses Phänomen ist, dass bei Synästheten bestimmte Gruppen von Nervenzellen miteinander verbunden funktionieren.

11. Über Geschmack lässt sich (nicht) streiten. Das Kapitel gibt u. a. eine Erklärung dafür, warum Pommes Frites und Kartoffelchips süchtig machen.

12. Geruch – Von der Nase ins Gehirn. Die Autoren behandeln in diesem Kapitel die Verbindung zwischen Gerüchen und Gefühlen und die Kommunikation von Menschen über ihren Körpergeruch. Beispielsweise führte die Wahrnehmung des Angstschweißes einer anderen Person dazu, dass die Probanden in einer Studie selbst ängstlicher wurden. Ferner wird die Funktion des Geruches bei der Partnerwahl erläutert. Unterschiedliche Gene sind für das Immunsystem eines Kindes vorteilhafter. Somit ist der Duft des Andersseins attraktiver. Auch wird der Einfluss von Gerüchen auf das Gedächtnis beschrieben.

13. Schönheit – Von Symmetrie, Kindchenschema und Proportionen. Studien zeigen, dass Durchschnittsgesichter von den meisten Menschen als besonders attraktiv eingeschätzt werden. Eine äußerlich symmetrische Erscheinung eines Partners bei der Partnerwahl zeigt genetische Fitness an und lässt auf die Zeugung einer überlebensfähigen Nachkommenschaft schließen. Die (gute) Beschaffenheit der Haut und die Annäherung an das Kindchenschema bei Frauen führen zu erhöhter Attraktivitätsbeurteilung. Als Vorteile attraktiver Menschen werden genannt, dass sie als beliebter, erfolgreicher, intelligenter, glaubwürdiger etc. eingeschätzt werden. Weitere Themen dieses Kapitels sind die Beurteilung schöner Landschaften, die Beurteilung von Musik und die Einflüsse von Farben auf die Wahrnehmung und die Emotionen.

14. Alles mit links – Das Rätsel der Linkshändigkeit. 10-15% aller Menschen bevorzugen bei zumindest einigen Handlungen ihre linke Hand. Als Beispiele für eine Seiten-Präferenz im Tierreich werden die Beißigkeit in einer bestimmten Krähenpopulation, die Füßigkeit bei Papageien und die Äugigkeit bei Tauben und Hühnern genannt. Die Händigkeit soll sich infolge der funktionellen Differenzierung der Hirn-Hemisphären entwickeln.

15. Schmerz – Alarmstufe Rot im Nervensystem. Themen dieses Kapitels sind die Funktion des Schmerzes, die Schmerzwahrnehmung und körpereigene Schmerzmittel. Die unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit bei verschiedenen Personen ist genetisch und hormonell bedingt, beispielsweise abhängig vom Zyklusstadium einer Frau. Weitere Punkte dieses Kapitels sind die Merkmale des Schmerzgedächtnisses, die Schmerztherapie und opioidhaltige und nicht-opioidhaltige Schmerzmittel.

16. Migräne: Die Axt im Kopf. Mehr als 10% aller Menschen leiden unter Migräne. Die Autoren stellen in diesem Kapitel die Merkmale der visuellen Aura und der Geruchs- oder Geschmacksaura vor. Die Ursachen der Migräne, die Auslöser der Migräne und die Migräne-Behandlung sowie die Morbiditäts- und Mortalitätsraten der an Migräne erkrankten Personen im Vergleich zu nicht an Migräne leidenden Personen sind weitere Themen.

17. Rätsel Hirnschwund – Auf der Suche nach den Ursachen von Alzheimer und Parkinson. Die allgemeine höhere Lebenserwartung führt zu höheren Erkrankungsraten an Alzheimer und Parkinson. Der Fokus dieses Kapitels liegt auf den Ursachen des erblichen Parkinson, den Ursachen des nicht-erblichen Parkinson und den Ursachen der Alzheimer-Erkrankung.

18. Zwischen Instinkt und Intelligenz: Wie klug sind Tiere? Die Autoren nennen als Beispiele für beobachtete intelligente Verhaltensweisen bei Tieren Studien, die mit Schimpansen, mit Delfinen, mit Krähen, mit Kranichen, mit Blaumeisen, mit Elstern, mit Tintenfischen, mit Hunden und mit Kühen durchgeführt wurden.

Den Abschluss bildet der Index.

Diskussion

Insgesamt ist das Buch eine interessante und gut lesbare Lektüre. Das gut gegliederte Inhaltsverzeichnis und die den einzelnen Kapiteln vorangestellten Zusammenfassungen machen den Aufbau transparent und erleichtern das Verständnis. Zu bemängeln sind fehlende Literaturverweise beziehungsweise das fehlende Literaturverzeichnis.

Fazit

Nadja Podbregar und Dieter Lohmann geben mit „Neurowissen. Träumen, Denken, Fühlen – Rätsel Gehirn“ einen sowohl kompakten als auch informativen Überblick über den Forschungsstand ausgewählter Bereiche aus den Neurowissenschaften im Kontext der jeweiligen psychologischen Implikationen.


Rezension von
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 29.01.2013 zu: Nadja Podbregar, Dieter Lohmann: Im Fokus. Neurowissen. Träumen, Denken, Fühlen - Rätsel Gehirn. Springer Spektrum (Wiesbaden) 2012. ISBN 978-3-642-24332-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13899.php, Datum des Zugriffs 13.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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