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Christina Schwenck, Andreas Reichert: Plan E - Eltern stark machen!

Cover Christina Schwenck, Andreas Reichert: Plan E - Eltern stark machen! Modulares Training für Eltern von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen ; mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2012. 205 Seiten. ISBN 978-3-621-27939-0. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,90 sFr.
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Elterntraining

In Anbetracht der Tatsache, dass Kinder ein Recht auf Erziehung haben, Eltern die Erziehungsverantwortung übernehmen sollen und der Staat seine Fürsorgepflicht wahrzunehmen hat, ist es im Interesse des Staates und damit des Allgemeinwohls, alle Eltern in ihren Erziehungsaufgaben angemessen zu unterstützen sowie Wege für eine gewaltfreie Erziehung aufzuzeigen. Trotz der allgemein beklagten Unfähigkeit und Überforderung vieler Eltern in Erziehungsfragen ist davon auszugehen, dass die meisten Eltern ihre Kinder lieben und das Beste für deren Wohlergehen wünschen und von daher auch bereit sind, Unterstützung und Beratung in Anspruch zu nehmen. Es gibt wohl kaum einen „Beruf? bzw. eine „Berufung?, für den bzw. die so fahrlässig wenig Aus-, Weiter- und Fortbildung in Anspruch genommen wird, wie für die äußerst verantwortungsvollen Aufgaben „Elternschaft? und „Erziehung?!

Psychisch kranke Kinder

Die DGKJP (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie) schätzt, dass rund eine Million Kinder und Jugendliche psychisch oder psychosomatisch krank und behandlungsbedürftig sind. Wie eine Untersuchung der Universitätsklinik Heidelberg ergab, steigt bereits während der Grundschulzeit die Zahl der Kinder mit psychischen Problemen stark an: Waren von 4.000 untersuchten Erstklässlern 5,8 Prozent bereits einmal wegen psychischer Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten in Behandlung, betrug dieser Anteil bei einer ebenso großen Zahl an Viertklässlern 10,6 Prozent. Dieser Trend setzt sich fort. Etwa jeder fünfte Jugendliche gerät in der Pubertät in eine psychische Krise. Stark zugenommen haben in den vergangenen 20 Jahren Magersucht und andere Essstörungen sowie Angsterkrankungen. Vier Prozent der jungen Leute leiden unter starken Depressionen – bis zu 4.000 Jugendliche setzten im vergangenen Jahr ihrem Leben ein Ende. Mindestens fünf Prozent der Jugendlichen konsumieren regelmäßig Alkohol und Drogen, über 100.000 sind süchtig, berichtet die DGKJP in ihrer Denkschrift „Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in der Bundesrepublik Deutschland". Auch Störungen des Sozialverhaltens, Aufmerksamkeitsstörungen, motorische Unruhe, Tics und Zwangshandlungen zählen zu den häufigeren Störungen. Oft treten mehrere gleichzeitig auf, oder die psychischen Belastungen führen zu Verstärkungen körperlicher Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, Magen- oder Darmbeschwerden.

Autorin und Autor

Christina Schwenck, Studium der Psychologie an der Universität Marburg und Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin an der Poliklinischen Institutsambulanz in Mainz. Seit 2013 hat sich Christina Schwenck in eigener Praxis selbständig gemacht.

Andreas Reichert, Dipl.-Psych., ist Leitender Psychologe der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Diakonischen Werks in Würzburg.

Aufbau

Das Buch „Plan E – Eltern stark machen“ setzt sich aus 3 Teilen zusammen.

Teil I Grundlagen

1. Einführung in das Training. Das Elterntraining „Plan E“ ist im Kontext der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie entstanden. Demzufolge ist es störungsunspezifisch, fortlaufend, modular sowie zeitlich komprimiert aufgebaut.

2. Einführung in den Problembereich. Neben individuellen und gesellschaftlichen spielen familiäre Genesefaktoren eine bedeutsame Rolle für die Entstehung psychischer Störungen. Da gesellschaftliche Faktoren nur langfristig verändert werden können, ist es therapeutisch günstiger, an den individuellen und familiären Faktoren anzusetzen. Für Elterntrainings als familiäre Komponente konnten gute Erfolge evaluiert werden u.a. besonders dann, wenn praktische Verhaltensübungen sowie bestimmte inhaltliche Themen angeboten wurden.

Teil II Training

3. Die Struktur des ElterntrainingsPlan E. Plan E besteht aus fünf in sich abgeschlossenen, thematisch unterschiedlichen Modulen zu jeweils 90-120 Minuten. Durch das modulare System besteht bei diesem Elterntraining die Möglichkeit, es als offene Gruppe durchzuführen. Der Ablauf jedes Moduls folgt einem festen Schema, was es aus unserer Sicht den Eltern Sicherheit und Transparenz vermittelt. Der Ablauf besteht dabei aus den folgenden Bausteinen:

  • Ermutigung – positive Interaktion zwischen Eltern und Kind
  • Entwicklung – Entwicklungsaufgaben und Familie
  • Erziehung – Problemverhalten ändern und Konsequenzen
  • Etappen – Unterscheidung zwischen realistischen und unrealistischen Zielen
  • Energie – eigene Ressourcen und Psychoedukation

Ziel des Trainings ist die Stärkung der Eltern und die Hilfe zur Selbsthilfe nach dem Selbstmanagement-Prinzip von Kanfer.

4. Plan E – das Manual. Im Kontext eines offenen Angebotes wiederholen sich die folgenden Inhalte und Therapieschritte in jedem Modul:

  1. Einführung. Begrüßung, Zielsetzung und Vorstellungsrunde
  2. Administratives: Schweigepflichterklärung und Gruppenregeln. Bei offener Gruppe: Besprechung der Hausaufgaben des letzten Moduls
  3. Abschluss. Lobverhalten protokollieren
  4. ggf. Aushändigen des Teilnahmezertifikats
  5. Mögliche Schwierigkeiten und Lösungsvorschläge

Zwischen der Einführung und dem Abschluss wird der Inhalt des jeweiligen Moduls eingefügt:

Modul 1: „E“ wie Ermutigung

  • Das Selbstbild des Kindes
  • Das Bild der Eltern vom Kind
  • Positive Rückmeldungen geben
  • Zeit zu zweit

Modul 2: „E“ wie Energie

  • Positive Gedanken – positive Gefühle
  • Eltern stärken bedeutet Kinder stärken
  • Psychoedukation: Das Diathese-Stress-Modell
  • Interaktion zwischen Symptomatik des Kindes und Elternverhalten

Modul 3: „E“ wie Etappen

  • Welche Ziele habe ich für mein Kind?
  • Wie lege ich die Hürden für mein Kind richtig fest?
  • Auch komplexe Probleme lassen sich lösen
  • Das Zielvereinbarungsgespräch mit dem Kind

Modul 4: „E“ wie Erziehung

  • Wann und wie? Ansatzpunkte bei problematischem Verhalten

Modul 5: „E“ wie Entwicklung

  • Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter
  • Familienregeln
  • Umsetzung von Regeln mit jüngeren und älteren Kindern

5. Evaluation des Elterntrainings Plan E. Bei der Evaluation des Elterntrainings Plan E fanden sich sowohl positive Effekte des Elterntrainings hinsichtlich des Erziehungsverhaltens als auch der psychischen Belastung der Eltern. Zusätzlich stieß das Programm auf hohe Zufriedenheit und Akzeptanz seitens der teilnehmenden Eltern.

Teil III Anhang

Im Anhang befindet sich das Trainingsmaterial und ein Passwort zum downloaden der Materialien auf der Homepage des Beltz-Verlags.

Zielgruppe

Das Elterntraining „Plan E“ richtet sich an Verhaltenstherapeuten/-innen, die mit der Zielgruppe arbeiten.

Fazit

„Plan E“ ist eines der wenigen evaluierten Elterntrainings, das darüber hinaus modular aufgebaut ist, so das ein kontinuierlicher Einstieg der Eltern in das verhaltenstherapeutische Angebot jederzeit möglich ist. Die 5 Module (Energie, Etappen, Erziehung, Entwicklung, Ermutigung) fördern die Erziehungskompetenz der Eltern und verändern damit die familiären Bedingungen als Risikofaktor psychischer Erkrankung. Da Kinder von Eltern, die hilflos, unstrukturiert, inkonsequent und schwankend erschienen, deutlich schlechtere Therapieerfolge haben, sind entsprechende Erziehungsstärken seitens der Eltern unabdingbar für den Therapieerfolg ihrer Kinder. Das Buch entspricht mit seiner strukturierten und detaillierten Anleitung auf der therapeutischen Ebene diesen Stärken und macht eine unkomplizierte Realisierung des Trainings in der Klinik oder in ambulanten Einrichtungen jederzeit möglich.


Rezensentin
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
Homepage www.oleimeulen.info


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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 06.02.2013 zu: Christina Schwenck, Andreas Reichert: Plan E - Eltern stark machen! Modulares Training für Eltern von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen ; mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2012. ISBN 978-3-621-27939-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13922.php, Datum des Zugriffs 26.03.2019.


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ISSN 2190-9245

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