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Kathryn Geldard, David Geldard: Helfende Gruppen. [...] Gruppenarbeit mit Kindern

Cover Kathryn Geldard, David Geldard: Helfende Gruppen. Eine Einführung in die Gruppenarbeit mit Kindern. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 199 Seiten. ISBN 978-3-407-55991-3. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 39,50 sFr.

Übersetzt aus dem Englischen, deutsche Bearbeitung und Vorwort von C. Wolfgang Müller.
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Zum Thema

Gruppenpädagogik ist nicht nur eine wirtschaftlich besonders lohnenswerte Arbeitsweise, sie hat auch und gerade inhaltliche Wurzeln, die sie zu einer geeigneten Methode zur Arbeit mit Kindern macht. Das deutsche Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) hat ihr als ambulante Hilfe zur Erziehung eine hervorgehobene Rolle zugewiesen.

Die Autoren

Kathryn Geldard hat über Jahre mit Kindern und jungen Erwachsenen in psychiatrischen Einrichtungen Australiens gearbeitet. Während dieser Arbeit hat sie Gruppenarbeit und ihre Bedeutung kennen gelernt. David Geldard ist Beratungspsychologe und hat als Trainer in Gestalttherapie eine ausführliche Erfahrung in der Gruppenarbeit. Beide haben auch gemeinsame berufliche Erfahrungen in der Betreuung von Kindern und jungen Leuten gesammelt, welche in ihren Familien Gewalterfahrungen machen mussten. Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt ist "Helfende Gruppen" wohl ihr erstes Werk. Im Englischen sind bereits "Counselling Adolescents: The Pro-Active Approach", "Counselling Children: A Practical IntroductionÓ und das Original "Working with Children in Groups: A Handbook for Counsellors, Educators and Community Workers" veröffentlicht. Für die deutsche Übersetzung und Bearbeitung zeichnet em. Prof. Dr. C. Wolfgang Müller, ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Sozialpädagogik der Technischen Universität Berlin und "Nestor" der deutschen Gruppenpädagogik, verantwortlich.

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Das Taschenbuch gliedert sich in drei Teile. Zunächst wird nach einer allgemeinen Einführung und einem Vorwort des Übersetzers in Teil 1 der Themenbereich "Gruppen für Kinder" erarbeitet. Warum sollte man mit Kindern in Gruppen arbeiten? Wo liegen Vorteile? Welche Gruppentypen und theoretischen Ansätze gibt es? In Teil 2 werden Grundzüge der Planung eines Gruppenprogramms erarbeitet und vorgestellt. Bedürfnisse der Zielgruppe, Planung der Gruppenarbeit und Entwicklung sinnvoller Themen und Aktivitäten steht hier im Vordergrund.

Den Hauptteil des Buches nimmt mit rund 120 Seiten Teil 3 "Das Gruppenprogramm in der Praxis" ein. Geldard/Geldard stellen zunächst die Auswahl von Kindern, die Rolle der Gruppenleitung, die Fähigkeiten des Beratens und Befähigens und die Ergebnisevaluation in den Mittelpunkt. Dann folgen in den Kapiteln 10, 11 und 12 drei einzelne Programme für Gruppenarbeit. Kapitel 10 behandelt ein Programm für Kinder mit häuslicher Gewalterfahrung, das sich über zehn Sitzungen erstreckt. Das Programm zur Stärkung des Selbstbewusstseins (Kapitel 11) nimmt sechs Sitzungen in Anspruch. Für acht Wochen ist schließlich das in Kapitel 12 dargestellte Programm zum Training sozialen Verhaltens angelegt. Das Buch schließt mit einem hauptsächlich englischsprachigen Literaturverzeichnis.

Zielgruppe

Geldard/Geldard wollen benachteiligten Kindern im Alltag helfen. Diese Aufgabe fällt dort Gruppenpädagogen aus Sozialpädagogik und Jugendhilfe oder Erzieherinnen, Psychologen und Therapeuten zu. An sie richtet sich auch daher das praxisorientierte Buch.

Einschätzung

Übersetzer C. Wolfgang Müller gibt bereits in seinem Vorwort die Dimension des kleinen Handbuches vor. Er schreibt, dass Geldard / Geldard mit ihrem Buch einen partiellen Paradigmenwechsel in der Gruppenpädagogik einleiten oder befördern würden. Bei dieser neuen Herausforderung der traditionellen sozialpädagogischen Gruppenarbeit kämen neue Berufsgruppen ins Spiel. Nicht mehr nur die alten Gruppenpädagogen aus Sozialpädagogik und Jugendhilfe, sondern auch Psychologen, Psychagogen und Therapeuten. Sie sollen nun versuchen, ihren Platz hinter dem Schreibtisch oder am Nierentisch mit einem Gruppenraum in einem Jugendheim, einem Nachbarschaftsheim, einem Bürgerzentrum zu vertauschen. Nun sollen sie eine Moderatorenrolle übernehmen und nicht mit den Wimpern zucken, wenn ihnen die aufsässigen Kids plötzlich Frechheiten sagen. Um diesen mutigen und tatsächlichen neuartigen Schritt zu ermöglichen führen Geldard / Geldard den fachkundigen Leser zunächst in den Hintergrund und die Bedeutung der Gruppenpädagogik ein. Detailliert beschreiben sie die pädagogischen und therapeutischen, aber auch die wirtschaftlichen Vorteile von Gruppenarbeit. Sie verschweigen auch nicht, dass Gruppenarbeit ihre Grenzen hat. So ist es in der Arbeit mit Gruppen beispielsweise nicht geboten, einen Großteil der Zeit darauf zu verwenden, die individuellen und persönlichen Probleme eines einzelnen Kindes zur Sprache zu bringen. (S. 19) Sie charakterisieren verschiedene Gruppenarten und verschiedene Arbeitsansätze. Die Bandbreite reicht dabei von Therapiegruppen über Gruppen für emotionales Lernen bis hin zu Unterstützungsgruppen und Gruppen zur Beförderung der kindlichen Entwicklung. Die theoretischen Ansätze erstrecken sich vom psychoanalytischen Ansatz über den post-modernen bis hin zum behaviouristisch-therapeutischen und entwicklungsorientierten Ansatz. Auf diesen Hintergrund baut der Teil II des Buches auf, der die Planung eines Gruppenprogramms in den Mittelpunkt rückt. Hier lernt der Leser Beispiele für die Formulierung von Arbeitshypothesen ebenso kennen wie die verschiedenen Entwicklungsstadien von Kindern. Auch die Bedeutung und die Geeignetheit des Gruppenleiters werden - wenn auch kurz - beleuchtet. So vertreten Geldard / Geldard beispielsweise den Grundsatz, möglichst mit zwei Gruppenleitern in verteilten und wechselnden Rollen zu arbeiten (S. 55) Um die Umsetzung der theoretischen Ausführungen in der Praxis zu erleichtern ist eine kurze Checkliste für die Vorbereitung der Gruppenarbeit beigefügt.

Daran knüpft der dritte Teil des Buches an, der zunächst eine rund 70-seitige Einführung in die konkrete Durchführung gibt. Auswahlgespräche, Aufnahmeinterviews, die Rolle der Gruppenleitung und Phasen des Gruppenprozesses werden hier noch einmal in den Mittelpunkt gerückt, bevor schließlich die oben bereits genannten Programme im Detail vorgestellt werden. Jede Sitzung wird hier ausführlich skizziert. Die Autoren stellen dabei jeweils Ziele und den Ablaufplan deutlicht gegliedert nebeneinander. Durch die Aufnahme von Spielbeispielen, Arbeitsblättern, Fragebögen und Reflexionsmethoden wird der Wert der Darstellung deutlich erhöht. Zu beachten ist, dass insbesondere die drei Praxisbeispiele von Übersetzer C. Wolfgang Müller überarbeitet und gekürzt wurden. Vertiefende Hinweise sind daher dem englischen Original zu entnehmen.

Fazit

Dieses Buch beleuchtet theoretischen Hintergrund der bisherigen Gruppenarbeit mit Kindern und die heute erforderliche und lohnenswerte Neuausrichtung gleichermaßen. Durch die drei ausgewählten Programme im dritten Teil bietet das Buch einen Leitfaden, der sicherlich in vielen Bereichen und von unterschiedlichsten Berufsgruppen adaptiert und weiterentwickelt werden kann. Ob der anvisierte "partielle Paradigmenwechsel" (Müller) in der Gruppenarbeit durch Geldard / Geldard tatsächlich herbeigeführt wird, wird in einigen Jahren zu überprüfen sein.


Rezension von
Robert Hotstegs
Direktor des Instituts für Jugendleiter und Qualifikation (Institut juleiqua)
Referent für Jugendgruppenleiterschulungen
Homepage www.juleiqua.de


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Zitiervorschlag
Robert Hotstegs. Rezension vom 30.03.2004 zu: Kathryn Geldard, David Geldard: Helfende Gruppen. Eine Einführung in die Gruppenarbeit mit Kindern. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. ISBN 978-3-407-55991-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1395.php, Datum des Zugriffs 04.03.2021.


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