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Stadt Offenbach, Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration (Hrsg.): Berufsorientierung und Kompetenzen

Cover Stadt Offenbach, Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration (Hrsg.): Berufsorientierung und Kompetenzen. Methoden, Tools, Projekte. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2012. 151 Seiten. ISBN 978-3-7639-5088-1.
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Die Stadt Offenbach baut "ihre Bildungslandschaft Schritt für Schritt aus, gerade auch am Übergang von der Schule in den Beruf. … Das „Regionale Übergangsmanagement“ der Arbeitsförderung der Stadt ist Teil dieser kommunalen Strategie für Bildung und Ausbildung. Seine Aufgabe ist es, die vielfältigen Ergebnisse bisheriger Anstrengungen und die vorhandenen positiven Ansätze besser aufeinander abzustimmen, miteinander zu verzahnen und so weiterzuentwickeln, dass ein wirksames Gesamtsystem entsteht" (S. 5).

Die entsprechenden Beiträge in diesem Herausgeber-Werk sind einerseits recht heterogen, was ja auch im Untertitel – Methoden – Tools - Projekte -angedeutet ist, andererseits pragmatisch, aber auch kritisch reflektierend.

Thema

Im Vorwort wird das zentrale Anliegen genannt, nämlich die Schnittstelle des Übergangs von der Schule in das Berufsleben, wobei die individuelle Förderung der jungen Offenbacher/innen – über die regionalen Grenzen hinweg- im Mittelpunkt steht.

In den Vorbemerkungen schreibt der Herausgeber: "Die Verunsicherung in Schulen und bei Bildungsträgern zum Thema „Kompetenzen feststellen und auf dieser Grundlage fördern“ ist groß. Aus dem umfangreichen Angebot an Tests, Potenzialanalysen und Kompetenzfeststellungsverfahren eine Auswahl zu treffen fällt deshalb schwer" (S. 7). Diesem Themenkomplex will sich der Herausgeber aus verschiedenen Perspektiven nähern, wobei sowohl Theorie als auch Praxis Raum gegeben werden soll.

Die einzelnen Beiträge passen zur vielfältigen Problematik der Schnittstelle zwischen Schule und Berufsausbildung.

Aufbau, Autorinnen und Autoren

Das von der Stadt Offenbach herausgegebene Buch beinhaltet acht eigenständige Beiträge, die im folgenden mit einer Kurzkennzeichnung der verschiedenen Autorinnen und Autoren, aufgeführt sind.

  1. Kanning, U.P.: Neun Kriterien zur Bewertung von Berufsorientierungstests. (S. 11-23). Uwe Peter Kanning (Jahrgang 1966) ist seit 2009 Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück. Forschungsschwerpunkt: Personaldiagnostik.
  2. Rübner, M. & Höft, S.: Berufliche Eignungsdiagnostik am Übergang Schule-Beruf. (S. 25-51). Matthias Rübner ist seit 2012 Professor für Integrationsmanagement an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim. Arbeits- und Publikationsschwerpunkte: Berufliche Beratung, Berufswahlforschung. Stefan Höft ist seit 2007 Professor für Personalpsychologie und Eignungsdiagnostik an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim.
  3. Winkler, M.: Ausbildungsfähigkeit und Kompetenzfeststellung. (S. 53-74). Michael Winkler, Jahrgang 1953, hat seit 1992 den Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Theorie der Sozialpädagogik an der Friedrich Schiller Universität Jena inne. Arbeitsschwerpunkte u.a.: Hilfen zur Erziehung, Übergang von Schule in berufliche Bildung, Familienerziehung.
  4. Lippegaus-Grünau, P.: Kompetenzfeststellung, Potenzialanalyse – viel Wind und nichts dahinter? (S. 75-88). Dr. Petra Lipegaus-Grünau, Jahrgang 1960, seit 2009 Bundesinstitut für Berufsbildung Good Practice Center zur Förderung von Benachteiligten in der beruflichen Bildung.
  5. Lang-von Wins, T.: Kompetenzentwicklung in schwierigen Zeiten: Wie man Jugendliche dabei helfen kann, die eigene Biografie zu gestalten (S. 89-105). Prof. Dr. Thomas Lang-von Wins, wissenschaftlich tätig an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an der Universität der Bundeswehr München. Gründer der PerformPartner – Gesellschaft für nachhaltige Beratung in München.
  6. Bauer, H.G. & Triebel, C.: KomBI-Laufbahnberatung für Menschen mit Migrationshintergrund: kompetenzorientiert, biografisch, interkulturell. (S. 107-125). Hans G. Bauer, Dipl.-Soz., wissenschaftlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung mbH, zahlreiche Projekte zu Lernprozessbegleitung. Dr. Claas Triebel lehrt an mehreren Hochschulen und leitet u.a. das Projekt KomBI-Laufbahnberatung im Rahmen des bundesweiten Netzwerks "IQ-Integration durch Qualifizierung" – finanziert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit.
  7. Bojanowski, A.: Jugend im Übergang – oder: Unter welchen jugendpädagogischen Bedingungen machen wir eigentlich Kompetenzfeststellung? (S. 127-142). Arnulf Bojanowski, seit 2000 Professor für "Sozialpädagogik für die berufliche Bildung" an der Leibniz Universität Hannover. Forschungsschwerpunkte liegen u.a.im Bereich Didaktik der Berufsbildung Benachteiligter. Seit 2007 leitet er als Geschäftsführender Direktor das Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung.
  8. Braun-Hubert, A., Beyer, C. & Kersten, R.: Modellprojekt "Sechs plus eins Stufen zum Schulabschluss" aus dem Regionalen Übergangsmanagement Offenbach. (S. 143-148). Astrid Braun-Hubert, Dipl.-Sozialpädagogin, Projektmitarbeiterin Regionales Übergangsmanagement Offenbach. Christina Beyer, Dipl.-Geografin, Projektmitarbeiterin Regionales Übergangsmanagement Offenbach. Ralph Kersten, Dipl.-Pädagoge, Lehrer, Projektleitung Regionales Übergangsmanagement Offenbach.

Allen Beiträgen ist gemein, dass die – unklar definierten – Zielgruppen und die vielfältigen Begrifflichkeiten die Überlegungen zum Übergang Schule-Beruf nicht unbedingt vereinfachen.

Insofern hat der Leser auch gut zu tun, sich durch den Begrifflichkeitswust zurecht zu finden: Berufswahlreife, Ausbildungsreife, Ausbildungsfähigkeit, Beschäftigungsfähigkeit, berufliche Eignung, Berufsorientierung, Lebensbewältigung, Potenzial, Kompetenzfeststellung und -entwicklung.

Aufbau und Inhalt

Ausgangspunkt ist, dass "die Übergangsprozesse von der Schule in den Beruf vielfältiger und entscheidungsoffener, aber auch unübersichtlicher und risikoreicher geworden" (S. 31) sind. Dies lässt offen, ob es an den Bedingungen des Marktes liegt oder am "Humankapital" (S. 72), also an den betrieblichen Aufgaben, die – wie in den Beiträgen gezeigt wird – sträflich vernachlässigt werden, oder ob der "schwarze Peter" den Jugendlichen (fälschlicherweise) attribuiert wird (zu schlechte Bildung). Dieser Kontrast zwischen Anforderungen und "Mitgift" macht die Art des Übergangssystems für die Jugendlichen bisher so problematisch; denn sie sollen "hochgradig abstrakte Qualifikationen oder Kompetenzen selbst erwerben, die ihnen dann individuell so zur Verfügung stehen, dass sie überall und flexibel eingesetzt werden können" (S. 72). Dieses "Credo", dieser veraltete Glaubenssatz ist nicht mehr zu rechtfertigen; denn Fähigkeiten und Fertigkeiten eignet man sich anhand bestimmter Tätigkeiten an und Wissen bzw. den Umgang mit Wissen erwirbt man mit Inhalten (S. 72).

Dies verdeutlicht, dass der Übergang Schule-Beruf mit seinen bisherigen Versuchen und Verfahren der Effektivierung eigentlich ausgedient hat, zumindest aber kritisch zu reflektieren ist.

Der erste Teil beschäftigt sich mit methodischen und handlungstheoretischen Hintergründen und Sichtweisen, testtheoretische Notwendigkeiten sowie eignungsdiagnostische Kompetenz-Aspekte sowie Verfahrensansätze und Fragestellungen werden diskutiert.

Wegen der schwieriger gewordenen Entscheidung für einen Beruf erscheint es verständlich und begrüßenswert, "wenn junge Menschen sich heute sehr viel mehr Gedanken über ihre Berufswahl machen als frühere Generationen. Berufsorientierungstests können hier einen wichtigen Baustein zur Entscheidungsfindung liefern. Gleichwohl gilt dies nicht für jedes Testverfahren, das auf dem Markt angeboten wird" (S. 11). Da es aber ein Markt geworden ist, solche Orientierungstests anzubieten, ist Vorsicht geboten. "Ein Berufsorientierungstest [soll] den Ratsuchenden eine möglichst gut abgesicherte Empfehlung für ein oder mehrere Berufsfelder geben" (S. 15). Solch einen Test zu entwickeln mit verlässlichen Informationen darüber, welche Kompetenzen und Interessen für unterschiedliche Berufe bzw. Berufsfelder tatsächlich von Bedeutung sind, ist aufwendig und erfordert testtheoretische und methodische Kenntnisse und Anwendungen.

Entsprechendes Verfahren müssen zumindest Angaben zur Messgenauigkeit und damit zur Stabilität von Ergebnisse machen, zur Validität, zur Normung; das Sprachniveau muss verständlich sein, die Testdauer nicht zu lang und die Kosten gering (siehe oben). Am Ende des ersten Kapitels ist eine Checkliste zur groben Bewertung von Berufsorientierungstests aufgeführt.

Von der Bundesagentur für Arbeit oder an Universitäten entwickelte Test-Verfahren bieten sich an, die zumeist auch kostenlos sind (s.S. 21).

Im zweiten Kapitel werden nach der Themenstellung der Eignungsdiagnostik und den entsprechenden Fragestellungen drei Fallbeispiele bzgl. Berufswahlreife, Ausbildungsreife und beruflicher Eignung dargestellt, analysiert und durchgesprochen. Diese Beispiele machen nicht nur die gezielte Eignungsdiagnostik, sondern auch die darauf gründende komplexe Beratungssituation deutlich.

Statistische Daten werden in Kapitel 3 herangezogen, um einerseits daran deutlich zu machen, dass "die leitenden Konzepte Ausbildungsfähigkeit und Kompetenz [Hervorhebungen im Original] … unklar und unbestimmt" (S. 57) sind und es darüber hinaus weitgehend unklar ist, welche Population überhaupt beobachtet wird (S. 63). Die psycho-sozialen Zusammenhänge scheinen durchweg vernachlässigt zu werden, wiewohl die Zusammenhänge zwischen ökonomischer und sozialer Lage sowie den psychologischen, bildungsmäßigen und beruflichen Konsequenzen in vielen wissenschaftlichen Bereichen nachgewiesen sind.

Soll es also eher um die Feststellung von Potenzialen gehen als um Kompetenzen? Ist Kompetenz zu definieren als Handlungsfähigkeit in neuen Situationen (Kreativität und Flexibilität, Problemlösekompetenz) oder als eine innere Voraussetzung (Disposition) oder als der Umgang mit Veränderungen im eigenen Leben (Lebensbewältigung)? Ein neuer Ansatz ist nötig: "Kompetenzfeststellung bildet quasi den Auftakt zur Kompetenzentwicklung" (S. 77). Entsprechende Verfahren, professionell angewendet, basierend auf Standards, werden in Kapitel 4 diskutiert.

Resümee ist, dass "die pädagogische Qualität und die Professionalität der Kompetenzfeststellung zu verbessern und diese auf ihren eigentlichen Zweck im Übergang Schule-Beruf auszurichten" ist, indem eine individuelle Förderung entlang von Potenzialen und Entwicklungs-Bedürfnissen geplant wird (S. 87 f.).

Dieser Gedanke, dass Kompetenzen zu entwickeln sind, zieht sich in unterschiedlichen Facettierungen durch das gesamte Werk.

Insofern wird – jeweils unterschiedlich begründet – ein bildungsmäßiges Umdenken gefordert: Der Mensch lernt nicht das, was er entsprechend einem Plan lernen soll: "Diese Lernprozesse sind individuell, sie hängen ab von früheren Lernerfahrungen und Deutungsmustern, die wir uns im Verlaufe unseres bisherigen Lebens angeeignet haben" (S. 94). Liegen negative Erfahrungen vor – auch durch sogenannte YoYo-Effekte (vgl. Ginnold, 2008): Ausbildung, Berufstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Umschulung, Vermittlung in Arbeit, erneute Arbeitslosigkeit, erneute Umschulung, etc. – dann sinkt das Selbstvertrauen in selbstwirksames Handeln, die Tendenz zur Passivität steigt. "Es liegt auf der Hand, dass verlorenes Selbstvertrauen … nicht durch eine fachliche Weiterbildung kompensiert oder umgekehrt werden kann" (S.98). D.h. die Basis-Kompetenz besteht in der (erlernten und geübten) Übernahme der Verantwortung für die eigene berufliche Laufbahn.

Dies ist nun ein anderer, pädagogisch-psychologischer Ansatz: Jugendliche sollen – mit Unterstützung – ihre Stärken entdecken, ihre Kreativität entwickeln, Fehler machen dürfen, angeleitet werden, positiv zu denken (Proaktivität lernen und positive Selbstwirksamkeitserwartungen aufbauen).

Das Resümee: es besteht dringender Handlungsbedarf auf Seiten der Bildungsinstitutionen; denn die Unterstützung des persönlichen Wachstums der Jugendlichen wird zu sehr vernachlässigt (S. 104).

Ein Anwendungsbereich wird in der Laufbahnberatung für Menschen mit Migrationshintergrund dargestellt und diskutiert; der entsprechende Wandel zu einem neuen Leistungsprofil für Beratung ist tabellarisch aufbereitet (S. 114), entsprechende Verfahren übersichtlich gemacht (S. 119). Um solch eine professionelle Laufbahn-Beratung installieren zu können, sind institutionell-strukturelle Veränderungen notwendig, die den BeraterInnen die Möglichkeit eröffnen, diese Art der Beratung auch professionell umzusetzen. Eine Kompetenzwerkstatt als moderiertes Gruppenverfahren für Jugendliche erweist sich als erfolgreiche Maßnahme, um Zukunftsängste abzubauen, Interesse an und eine positive Einstellung zu der eignen beruflichen Zukunft zu entwickeln. Das Verfahren hierzu wird umsetzbar vorgestellt.

Resümee: Beratung ist zu professionalisieren.

Obwohl die Jugendarbeitslosigkeit in Europa hoch ist und steigt (Abb. 1, S. 128) und "in den Biografien junger Menschen … immer öfter ein Wechsel von Arbeitslosigkeit, Arbeit und Weiterbildung statt[findet]" (S. 128), ist dennoch zu konstatieren, dass die überwiegende Zahl (benachteiligter) Jugendlicher das Ziel verfolgt, eine Berufsausbildung zu absolvieren oder zumindest einen Arbeitsplatz zu finden. Diesem Ziel steht entgegen, dass das Übergangssystem als neue Sozialisationsinstanz für die Jugend sich als "undurchdringliches Dickicht widersprüchlichster Aktivitäten und Maßnahmen" zeigt, so dass es nicht verwundert, dass eine deutlich feststellbare "Zunahme der Eintritte in das „Übergangssystem„" (S. 131) besteht. Die wiederholten Aufenthalte im Übergangssystem sollen "eigentlich" den Jugendlichen Gelegenheit geben zur "Nachreife". Aber diese "Maßnahmenketten sind keine Förderketten. Die Jugendlichen verweilen zu lange in [diesem] nicht zielführenden Sektor" (S. 133).

Hinzu kommt: Jugendliche sind beim Übergang Schule-Beruf in einem Alter, in dem vieles an Entwicklungsaufgaben auf sie zukommt und sie in einer Weise reagieren und agieren, die für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar ist. Die Jugendlichen benötigen just in dieser Phase einen Spielraum, um Kompetenzen und Identität, um sich entwickeln zu können. Hierzu gehören z.B. das Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung (Körperbewusstsein), der Erwerb der männlichen bzw. weiblichen Rolle und der Erwerb reifer Beziehungen in der Peergroup" sowie "die Gewinnung emotionaler Unabhängigkeit von den Eltern" (S. 134).

Es fehlt also an Gelegenheiten, eigene Kompetenzen zu erleben, Anerkennung zu erhalten, Selbstwirksamkeitserfahrungen zu sammeln, an Möglichkeiten zum Lernen an praktischen Aufgaben. Jugendliche brauchen eine "Pädagogik der Ermutigung – ihre grundsätzliche Fähigkeit zu arbeiten muss „irgendwie“ angeregt, weiterentwickelt und erhalten werden" (S. 140). "Berufliche Förderpädagogik" ist als Begriff gewählt. Wer Kompetenzen feststellt, der muss wissen, dass es "um Förderung, um Unterstützung Heranwachsender in einer von Ungewissheit überschatteten Lebensphase" (S. 140) geht. Eine solche Kompetenzförderung setzt Achtsamkeit gegenüber und Empathie mit den Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen der betroffenen Jugendlichen voraus.

Resümee auch hier: Veränderung in den Angeboten; ein anderer Zugang zu den Jugendlichen ist zu wählen.

Das Modellprojekt "Sechs plus eins Stufen zum Schulabschluss" schließt den Band ab. Es fußt auf den kritisch reflektierenden Beiträgen, indem es "geballt, täglich und immer wiederkehrend, mindestens ein Jahr lang" (S. 144) den "Jugendlichen das Vertrauen in eigene Fähigkeiten" zurückgeben bzw. aufbauen will. Dieses Modellprojekt, das in einwöchigen Lerncamps angeboten wird, hat prozessualen Charakter: auf die Diagnostikwoche (Winterferien), folgen Beobachtungstrainings (Selbsteinschätzung) und das Einüben fachlicher Inhalte (Oster- und Sommerferien) mit Förderstunden; danach wird das Einüben durch Projektarbeiten ergänzt (4.-6. Stufe) und mit einer Präsentation vor der Gruppe abgerundet. Den Abschluss bildet eine Ausbildungsbörse. Dieses Projekt wird weitergeführt und ergänzt, um Schulabschlüsse zu fördern.

Diskussion

Der didaktische Aufbau des vorliegenden Werkes entspricht der Veranstaltungsreihe, die die Stadt Offenbach organisiert hat. Die Vorbemerkung im Buch hilft, den Aufbau nachvollziehen zu können und mit manchen Redundanzen zurecht zu kommen. Der methodisch-pragmatisch orientierte Beginn hat sozusagen als abschließendes Pendant das Modellprojekt. Die stärker reflektierenden Beitrage zeigen aber genauso deutlich, dass und wo es "Bewegungsbedarf" gibt. Die oben beschriebenen Resümees machen das deutlich.

Das macht es spannend, wie diese Anregungen in die Praxis umgesetzt werden. Das vorliegende Buch soll den Austausch anregen. Schön wäre es, wenn sich andere Kommunen anregen ließen und ein Feedback geben, was ihnen wie gelungen ist.

Das vorliegende Buch gibt grundlegende, neue, aber auch umsetzbare Anregungen und Konzepte, geht kritisch mit denjenigen allzu forschen Pragmatikern um, die sich nicht um theoretische Hintergründe und Konzepte, sondern nur um den Einsatz von beliebigen Verfahren und damit um ökonomischen Umsatz wie auch um Durchlaufzahlen scheren. Insofern sind durch die vielschichtigen Beiträge die Diskussion sowie der Austausch zwischen Theorie und Praxis angeregt und vorbereitet. Ob das Ziel der Verzahnung, Abstimmung und Weiterentwicklung – wie es zu Anfang angemerkt war – erreicht wird, wird wohl auch davon abhängen, ob es weitere Kommunen gibt, die derart mutig neue Wege beschreiten wie Offenbach. Aber die Beiträge geben auch sehr konstruktiv praktische Hinweise, wie man – anders als bisher – vorgehen könnte: Kompetenzwerkstatt, Berufliche Förderpädagogik, Qualifizierung von Berufsberatern und das den Band abschließende Projekt der Stadt Offenbach.

Fazit

Das vorliegende, von der Stadt Offenbach herausgegebene Buchgibt kritische, aber auch konstruktive Hinweise zu einem erfolgreichen Umgang mit der entsprechenden jugendlichen Klientel im Übergang von der Schule in den Beruf. Änderungen sind nötig bezogen auf Struktur, auf Inhalt, auf das Vorgehen, aber auch auf Einstellung zu den Jugendlichen. Es wäre schön, wenn diese Ideen und Anregungen bei denjenigen Institutionen auf fruchtbaren Boden fielen, die entsprechende Angebote zur Berufsorientierung, Berufswahl, zur Diagnostizierung von Ausbildungsreife, Berufswahlreife und zur Kompetenzfeststellung machen.

Zumindest die in entsprechenden Einrichtungen tätigen Sozialpädagogen / Sozialarbeiter sollten sich mit diesen Gedanken auseinandersetzen und deren Umsetzung mit dem bewundernswerten Elan versuchen, wie es die Stadt Offenbach vorgemacht hat und weiter entwickelt.

Literatur

  • Ginnold, A. (2008): Der Übergang Schule – Beruf von Jugendlichen mit Lernbehinderung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

Rezension von
Prof. Dr. phil Ekkehard Rosch
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Zitiervorschlag
Ekkehard Rosch. Rezension vom 13.06.2013 zu: Stadt Offenbach, Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration (Hrsg.): Berufsorientierung und Kompetenzen. Methoden, Tools, Projekte. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2012. ISBN 978-3-7639-5088-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13997.php, Datum des Zugriffs 26.02.2020.


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