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Ulrich Eisenberg: Jugendgerichtsgesetz

Cover Ulrich Eisenberg: Jugendgerichtsgesetz. C.H.Beck Verlag (München) 2004. 10., vollständig neu bearbeitete Auflage. 1351 Seiten. ISBN 978-3-406-51285-8. 88,00 EUR.

Beck'sche Kurz-Kommentare, Band 48.
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Zum Thema

Das Jugendstrafrecht greift eine Altersgruppe der Straffälligen seit jeher heraus und unterstellt sie einem besonderen gesetzlichen Regelwerk. Dies geschieht vor allem deswegen, weil man den Jugendlichen und Heranwachsenden die Gelegenheit einer geordneten Weiterentwicklung nicht nehmen und daher auch die Methoden der Erziehung und der Maßregeln im Gegensatz zur Strafe nutzen will.

Von dieser Überlegung sind grundsätzlich alle Straftaten erfasst, obgleich es Delikte und Deliktarten gibt, die in jugendlichem Alter häufiger begangen werden als von Erwachsenen. Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) fasst die dem Strafgesetzbuch hinzutretenden Regelungen zusammen. Ein Kommentar kann die schwierige Aufgabe auf sich nehmen, die Regelungen in einen erläuternden Kontext und in eine Verbindung zur aktuellen Rechtsprechung und Rechtswirklichkeit zu setzen.

Der Autor

Prof. Dr. Ulrich Eisenberg lehrt an der Freien Universität Berlin für die Fachbereiche Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug. Über diese gesamte Bandbreite legte er erst im Dezember 2003 eine Neuauflage seines Fachbuchs im Vahlen-Verlag vor, welches sich insbesondere an Studierende wendet. Er ist u.a. auch Autor des Spezialkommentars "Beweisrecht der StPO" (Beck) und des Fachbuches zur "Kriminologie" (C.H. Beck). Den vorliegend besprochenen "Kurzkommentar Jugendgerichtsgesetz" hat er in mittlerweile zehn Auflagen bearbeitet und ihn zu einem Standardkommentar des Jugendstrafrechts gemacht.

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Der Kommentar beginnt mit einer 19seitigen allgemeinen Einführung in das JGG unserer Zeit. Dabei werden historische, gesellschaftliche, politische und pädagogische Wurzeln und Hintergründe erläutert. Es folgen systematische Erläuterungen zu Inhalt, Bedeutung und Rechtsprechung jeder einzelnen Vorschrift des JGG. Einzelne Vorschriften wie bspw. § 105 (Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende) werden mit knapp 30 Seiten oder mehr ausführlich dargelegt.

Dem eigentlichen, 1.000-seitigen Kommentar ist ein 300-seitiger Anhang beigefügt, der Auszüge aus dem Einigungsvertrag, dem KJHG/SGB VIII und Richtlinien zum Jugendgerichtsgesetz ebenso darstellt, wie die Strafvollstreckungsordnung, die Untersuchungshaftvollzugsordnung, die Jugendarrestvollzugsordnung, Verwaltungsvorschriften zum Jugendstrafvollzug und die Bundeswehrvollzugsordnung. Diese Vorschriften sind allerdings nicht kommentiert.

Die Arbeit und Recherche erleichtern das abschließende Entscheidungs- und Sachregister. Das Entscheidungsregister ist in tabellarischer Form angelegt und verweist neben Instanz, Entscheidungsdatum und Aktenzeichen auch auf die jeweilige Veröffentlichung in der amtlichen Entscheidungssammlung oder einer der bekannten juristischen Fachzeitschriften. Aufgenommen wurden Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), des BVerfG, des BGH, der Oberlandesgerichte (OLG), der Land- und auch Amtsgerichte. Das 150seitige Sachverzeichnis enthält erfreulicherweise auch umgangssprachliche Schlagworte wie "Deal". Sie verweisen zügig auf den entscheidenden Normenkontext.

Zielgruppe

Das Werk wendet sich an Jugendrichter, Jugendstaatsanwälte, Strafverteidiger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jugendstrafvollzug, bei den Jugendämtern, der Jugendgerichtshilfe und der Bewährungshilfe, Polizei und Kriminalbeamte sowie Psychologen und Psychiater.

Einschätzung

Der Kurzkommentar ist aufgrund seines kompakten Umfangs schnell zur Hand genommen. Die in ihm dargelegte Bewertung, Einordnung und Verknüpfung der jugendstrafrechtlichen Sondervorschriften und die Auslegung durch die Rechtsprechung sind von außerordentlicher Bedeutung für die anwaltliche, gerichtliche und jugendgerichtshelferische Praxis. Eine juristische Vorbildung ist für eine umfängliche Ausschöpfung des Potentials von Nöten. Allerdings ist auch dem juristischen Laien die Arbeit nicht verwehrt. Letzterer wird sich allerdings zunächst mit der juristischen Fachsprache und den zahlreichen Abkürzungen der Beck'schen Kurzkommentare auseinander setzen müssen, bevor eine schnelle Handhabung erreicht wird.

Eisenberg bietet ein Standardwerk, welches streng systematisch aufgebaut ist und klar differenziert ist. Er verarbeitet die neuesten Praxisberichte, wissenschaftliche Abhandlungen und gerichtliche Entscheidungen, darunter auch unveröffentlichte Rechtsprechung.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist der Kurzkommentar in der Praxis sowohl als eigene Auslegungs- und Anwendungshilfe der Normen, sowie als Einstiegshilfe in die "Tiefen des Jugendstrafrechts" zu verwenden. Die zahlreichen Hinweise auf Aufsätze, Fremdkommentierungen und Monographien ermöglichen es dem Lesenden, die von ihm bearbeiteten Sachgebiete leicht zu erschließen und nach eigenem Bedarf zu vertiefen.

Fazit

An Eisenberg's Kurzkommentar ist schon für Jurastudierende kein Vorbeikommen. Ebenso ist er bedeutsame Arbeitshilfe für die Praktiker. Dementsprechend urteilte die Fachpresse auch, der Kommentar stelle einen Markstein in der Fortentwicklung des geltenden Jugendstrafrechts dar, er biete höchste Professionalität und Vollständigkeit. Dem ist nichts hinzuzufügen.


Rezensent
Robert Hotstegs
Direktor des Instituts für Jugendleiter und Qualifikation (Institut juleiqua)
Referent für Jugendgruppenleiterschulungen
Homepage www.juleiqua.de


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Zitiervorschlag
Robert Hotstegs. Rezension vom 30.03.2004 zu: Ulrich Eisenberg: Jugendgerichtsgesetz. C.H.Beck Verlag (München) 2004. 10., vollständig neu bearbeitete Auflage. ISBN 978-3-406-51285-8. Beck'sche Kurz-Kommentare, Band 48. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1400.php, Datum des Zugriffs 28.05.2017.


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