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Elisabeth Rangosch-Schneck: Lehrer - Lernen - Migration

Cover Elisabeth Rangosch-Schneck: Lehrer - Lernen - Migration. Außen- und Innenperspektiven einer "interkulturellen Lehrerbildung". Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2012. 250 Seiten. ISBN 978-3-8340-1120-6. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR.

Reihe: Migration + Lehrerbildung - 1.
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Heterogenität: Grundpfeiler einer pädagogischen Aufklärung

Die verschiedenen Phasen und Epochen von Paradigmenwechsel, die bei gesellschaftlichen Wandlungsprozessen einsetzen, verursachen bei Menschen immer auch Veränderungserlebnisse, die sich positiv, im Sinne von Weiterentwicklungserfahrungen, aber auch negativ, als belastende, das eigene Denken und Handeln (scheinbar) gefährdende Erscheinungen darstellen. Immer schon in der Menschheitsgeschichte war und ist der Ortswechsel, als Migration, verbunden mit Veränderungen von gewohnten Standpunkten und bedeutet für die Wandernden wie für die Eingesessenen Chancen und Gefahren. Wer seine angestammte Heimat verlässt, um – aus welchen Gründen auch immer – neue (bessere) Lebensmittelpunkte in der Fremde zu suchen, zeigt damit ein aktives Element der Lebensbewältigung und verlässt abwartende oder fatalistische, blockierende Einstellungen. So lässt sich sagen, entgegen der üblichen, ethnozentrischen und ethno-egoistischen Einstellungen, dass Migration eine Herausforderung (vgl. dazu: Nadine Rose, Migration als Bildungsherausforderung. Subjektivierung und Diskriminierung im Spiegel von Migrationsbiographien, www.socialnet.de/rezensionen/13933.php) und eine Erfolgsgeschichte ist (Mehmet Gürcan Daimagüler, Kein schönes Land in dieser Zeit. Das Märchen von der gescheiterten Integration, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12723.php). Das Motto: „Nicht lamentieren und agitieren, sondern argumentieren – Zusammensetzen ist besser als Auseinandersetzen“ weist viel bessere und humanere Wege als die tumben, teilweise auch rassistischen Einlassungen, wie sie nach wie vor den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen (Hilal Sezgin, Hrsg., Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11392.php).

In der sich immer interdependenter, entgrenzender und globalisierter entwickelnden Welt reicht das Festhalten an ideologischen, nationalen Grenzen und Identitäten nicht mehr aus, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass wir Menschen auf der Erde in EINER WELT leben. Aus der interdisziplinären Migrationsforschung liegen mittlerweile eine Reihe von wissenschaftliche Untersuchungen, Analysen und Forschungsberichte über Ursachen des Scheiterns, aber auch des Gelingens von Migrations- und Integrationsprozessen vor. Migration ist das Drängendste der Welt, aber gleichzeitig das Selbstverständlichste – weil der Mensch als „zôon kinêseôs“ schon immer unterwegs war (vgl. dazu: Jörg Gertel / Sandra Calkins, Hrsg., Nomaden in unserer Welt. Die Vorreiter der Globalisierung. Von Mobilität und Handel, Herrschaft und Widerstand, 2011, in: socialnet Rezensionen, www.socialnet.de/rezensionen/12663.php). Mit der feststellenden Frage – Wir kommen viel in der Welt herum – kommen wir auch zueinander? – wird immer wieder daran gerüttelt, dass subjektive Wahrnehmungen, Stereotype und Vorurteile nicht nur bei den alltäglichen Begegnungen überwiegen, sondern auch nicht selten in den wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über Migrationsphänomene und Integrationsprozesse erkennbar sind (Harald Kleinschmidt, Migration und Integration, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12424.php). „Migration, Mobilität, Pluralität / Hybridisierung als aufeinander bezogene Phänomene… (sind ) im zentraleuropäischen Raum keineswegs neuartig ( ) “, das ist keine neue Erkenntnis, sondern wird in der Migrationsforschung immer wieder betont und zu Denkmustern herausgefordert, die nicht alleine das „Wir“ und die „Anderen“ als Maßstab des Zusammenlebens betrachten, sondern Solidarität in hybride und transkulturelle Selbstverständlichkeit zu denken und zu leben (Gertraud Marinelli-König / Alexander Preising, Hrsg., Zwischenräume der Migration. über die Entgrenzung von Kulturen und Identitäten, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12559.php). Die Migrationsforschung, wie auch die alltäglichen, gesellschaftlichen Auseinandersetzungen über Fragen der Wanderung von Individuen und Gruppen von einem (angestammtem) Lebensraum zum anderen, kreisen überwiegend um die so genannten strukturellen Push- und Pull-Faktoren, sowie um die Wanderungsbewegungen von Süd nach Nord. Selten und eher unter beiläufiger historischer Betrachtung kommt zum Ausdruck, dass Migration ein gesellschaftliches Motiv ist, das dem Anthropos (Aristoteles), dem Menschen als ein existenzbejahendes, vernunftbegabtes, energisches und dynamisches Lebewesen gegeben ist. Betrachtet man Wanderungen von Menschen unter diesem Aspekt, so wird deutlich, dass der überwiegend auf wirtschaftliche und humanitäre Motivation fokussierte dominante Diskurs die Motive zur Migration nicht nur einseitig darstellt, sondern ihnen auch ihre Bedeutung für ein globales Zusammenleben der Menschen auf der Erde nimmt (vgl. dazu: Niklas Reese / Judith Welkmann, Hrsg., Das Echo der Migration. Wie Auslandsmigration die Gesellschaften im globalen Süden verändert. 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10775.php). Im europäischen Diskurs schließlich stellt sich die gesellschaftspolitische Frage „Homogenität versus Diversität“ äußerst kontrovers dar (Ulrich Schmidt-Denter, Die Deutschen und ihre Migranten. Ergebnisse der europäischen Identitätsstudie, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12676.php).

Entstehungshintergrund und Herausgeberin

Auch in der Pädagogik und Erziehungswissenschaft gibt es Ansätze, internationale, inter- und transkulturelle Konzepte des Lernens in Einwanderungsgesellschaften zu entwickeln (vgl. dazu auch: Nilüfer Keskin, Probleme der Integration türkischer Migranten der zweiten und dritten Generation. Ein Vergleich der Integrationslage türkischer Migranten in Deutschland, Großbritannien und Australien, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/11975.php).Die Wege hin zu einer inter-, transkulturellen und multilingualen Schule jedoch sind weit, holperig und mit vielen Stoppschildern ausgestattet (Marianne Krüger-Potratz, Hrsg., Bei Vielfalt Chancengleichheit. Interkulturelle Pädagogik und durchgängige Sprachbildung, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10508.php). Die notwendigen, gesellschaftlichen Veränderungsprozesse bedürfen einer neuen, pädagogischen Aufklärung (siehe dazu auch: Daniel N. Stern / Nadia Bruschweiler-Stern / Karlen Lyons-Ruth / Alexander C. Morgan / Jeremy P. Nahum / Louis P. Sander, Veränderungsprozesse. Ein integratives Paradigma, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13911.php).

Entscheidende Ansatzpunkte, wie ein Bewusstsein von der (normalen und bereichernden, nicht bedrohlichen) Vielfalt der Menschheit in die Köpfe und Herzen der Menschen gebracht werden kann, sind ohne Zweifel Bildungs- und Erziehungsprozesse. Für die institutionelle, schulische wie außerschulische Bildung, sind Lehrerinnen und Lehrer gewissermaßen die Agenten der Veränderung von Verhaltenseinstellungen, wie Lernen definiert wird. Die Lehreraus- und -fortbildung hat dabei ein besonderes Gewicht. Es ist deshalb nur logisch und verdienstvoll, dass die Lehrerbildnerin Elisabeth Rangosch-Schneck, die als Lehrbeauftragte an der Eberhard Karls Universität in Tübingen tätig ist, im Sammelband „Lehrer lernen Migration“ Theoretiker und Praktiker aus den unterschiedlichen Bereichen der Lehrerbildung zusammen bringt, um „Vermessungspunkte“ zu Fragen der institutionellen und didaktischen interkulturellen Lehrerbildung zu markieren, vorliegende Konzepte zu diskutieren und Erfahrungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Italien auszutauschen.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband wird, neben der Einführung und dem Ausblick, in drei Kapitel gegliedert:

  1. Im ersten Teil werden "Themen und Konzepte“ vorgestellt.
  2. Im zweiten Kapitel geht es um „Lerngelegenheiten“, und
  3. im dritten Teil um „Akteure und Fragen“.

Die Erziehungswissenschaftlerin an der Universität zu Köln, Cristina Allemann-Ghionda, stellt in ihrem Beitrag „Diversität und Migration“ Bezugspunkte für die Lehrerbildung her, indem sie die Professionalisierungsansprüche, -erwartungen beim Lehrerberuf und die für die Berufsausübung geforderten Kompetenzen daraufhin abklopft, wie sich die Unterschiede und Vielfalten in den Ausbildungs- und Arbeitsprozessen von Lehrerinnen und Lehrern darstellen, überhaupt thematisiert und bewusst werden und welche Konzepte bei diesen Querschnittsdimensionen anwendbar sind.

Die Kunstdidaktikerin an der Pädagoischen Hochschule Ludwigsburg, Ulla Gohl-Völker, reflektiert in ihrem Beitrag „Die Sprache der Dinge“. Dabei vermittelt sie „(Ein-)Blicke in die Wohnsituation von Familien mit Migrationshintergrund“. Sie diskutiert die Ergebnisse eines kulturwissenschaftlichen Forschungsprojekts, bei dem „eine wissensbasierte, reflexive Auseinandersetzung mit der Wohnsituation der Schüler als Beitrag zur Professionalisierung von Lehrpersonen“ erfolgte. Sie verweist dabei vor allem auf die Bedeutung, die für eine identitätsfindende und -stiftende Entwicklung Erinnerungskulturen haben (vgl. dazu auch: Christian Gudehus, u.a., Hrsg., Gedächtnis und Erinnerung, Stuttgart – Weimar 2010, www.socialnet.de/rezensionen/12904.php Astrid Erll, Gedächtnis- und Erinnerungskulturen, Stuttgart – Weimar 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12634.php).

Der Stuttgarter Diplom-Physiker und Studienrat Hakan Turan referiert über vorfindbare Befindlichkeiten, Denk- und Verhaltensweisen von muslimischen Schülerinnen und Schülern. Er zeigt an Fallbeispielen auf, wie eine interkulturelle Verständigung bei schulischen Lernprozessen möglich ist und welche soziokulturellen Erscheinungsformen dabei berücksichtigt werden sollten. Es ist der Spagat des Integrationsverlaufs, der als „aufgeklärter Multikulturalismus“ auf der Grundlage der Menschenrechte basiert, der es ermöglicht, zum einen „die Legitimität der etablierten Mehrheitskultur nicht in frage (zu) stellen, und zugleich selbst in ihrer Legitimität anerkannt zu werden“.

Die Lehrerbildner aus Linz in Ober-Österreich, Catherine Carrée-Karlinger und Ewald Feyerer, informieren über „LehrerInnenbildung in Österreich“, indem sie sich auf eine „Spurensuche in Bezug auf sprachliche und kulturelle Vielfalt“ begeben. Die Bestandsaufnahme ergibt, dass durch die Sprachenvielfalt und die österreichische Sprachenpolitik eine differenzierte Vorgehensweise und Offenheit unabdingbar sind. Ähnlich jedoch wie in Deutschland, stellt das gegliederte, ein- und aussortierende Schulsystem ein Problem in der Lehrerbildung dar. Sie diskutieren Perspektiven und formulieren Empfehlungen für eine curriculare Verankerung der sprachlichen und interkulturellen Bildung.

Victor Johanovic, Dozent an der Universität Luxemburg und Direktor der Sekundarlehrerausbildung des Großherzogtums Luxemburg und die Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Luxemburg, Karin Priem, berichten über „Multikulturalität und Mehrsprachigkeit (in der) Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Luxemburg“. Die historisch entstandene, dominante Sprachensituation von Deutsch und Französisch, wie auch die Tatsache, dass Luxemburg bis vor wenigen Jahrzehnten keine eigene Hochschule hatte, sondern angehende Lehrerinnen und Lehrer an anderen europäischen, vor allem belgischen Universitäten ausgebildet wurden, trägt sicherlich dazu bei, dass eine gewisse Sensibilisierung für sprachliche und kulturelle Vielfalt auch im Bildungswesen vorhanden ist. Die Entwicklung eines universitären Studiengangs für Sekundarstufenlehrkräfte ist im Gange.

Die Südtiroler Schulleiterin und Evaluatorin Mara Fink zeigt die „Rolle der interkulturellen Bildung an Südtirols Schulen“ auf. Die relativ junge Migrationsthematik trifft in Südtirol auf die Normalität der Mehrsprachigkeit; Deutsch und Italienisch sind offizielle Landessprachen. Die Autorin analysiert die Chancen und Risiken der interkulturellen Bildung unter zwei Blickrichtungen: Mit den Ergebnissen und Eindrücken der externen Evaluation der deutschsprachigen Schulen in Südtirol, und mit dem Blick auf die Befindlichkeiten und Herausforderungen innerhalb der Schulen.

Im zweiten Kapitel „Lerngelegenheiten“ stellt die Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Universität des Saarlandes, Elena Tregubova ihre Erfahrungen mit „Aufgabenstellungen in mehrsprachigen Klassengruppen“ vor. Bei einem praxisorientierten Qualifizierungsprojekt im Lehramtsstudium (Mercator-Projekt: Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund) lässt sich zeigen, dass dabei Kompetenzen in der Bildungssprache vermittelt werden können.

Uwe Böhm vom Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Ludwigsburg informiert mit seinem Beitrag „Kultur – Religion – Schule“ über Konzepte und Erfahrungen zum interkulturellen Lernen in Kontexten. Er weist besonders auf Zusammenhänge zwischen ökumenischem, interreligiösem und interkulturellem Lernen hin und gibt didaktische und methodische Anregungen, sowie Hinweise für Lernmaterialien.

Die Seminarschulrätin aus Reutlingen, Helga Widmann, stellt einen neuen Ausbildungs- und Qualifizierungsbereich „Bausteine interkultureller Kompetenz“ vor, indem sie „Lehrerbildung zwischen Bricolage und Maßwerk“ verortet. Lehrerinnen und Lehrer können (freiwillig) Zusatzqualifikation erwerben, „der auf die Wahrnehmung und Umsetzung kultureller Vielfalt in Schule und Unterricht vorbereitet und modellhaft die Möglichkeiten von (Re-)Organisation aufzeigt“.

Christine Schuppli und Susann Müller Obrist vom Institut Weiterbildung und Beratung an der Nordwest-Schweizerischen Pädagogischen Hochschule (PHNW) referieren über „Professionalität und pädagogisches Handeln in der multilingualen Schule“. Sie berichten über Konzept, Aufbau und Inhalt des fünfzehnmonatigen Zertifikatslehrgangs „Interkulturelle Bildung und Deutsch als Zweitsprache“ und zeigen auf, dass integrative Pädagogik ein vernetztes, erziehungswissenschaftliches, pädagogisches und erzieherisches Denken und Handeln erfordert.

Im dritten Kapitel „Akteure und Fragen“ fordert Elisabeth Rangosch-Schneck „Alle gleich behandeln!“, indem sie über „Diversität und die Sichtweisen (angehender) Lehrpersonen reflektiert. Sie greift dabei zurück auf Befragungen von Referendarinnen und Referendaren aus dem Jahr 2009 über „Unterschied und Gleichheit“. Daraus formuliert sie vier Fragen an die Lehrerbildung, die gewissermaßen Aufforderungscharakter haben und Anstoß-Motive bewirken sollen.

Ulla Gohl-Völker, Elisabeth Rangosch-Schneck und Marie Revellio stellen Zwischenergebnisse von schriftlichen Rückmeldungen vor, mit denen Ansichten von Lehramtsstudierenden zu Fragen der Migration und Lehrerausbildung ermittelt wurden, mit dem Ziel, bei der Weiterentwicklung und künftigen Gestaltung einer interkulturellen Pädagogik die Studierenden, Theoretiker und Praktiker an den Konzepten und didaktisch-methodischen Ausgestaltung von Studien- und Qualifizierungsmaßnahmen zu beteiligen.

Die Fachberaterin und Fortbildnerin für Interkulturelle Bildung am Staatlichen Schulamt Nürtingen, Margarete Günther, bringt einen Erfahrungsbericht: „Unterrichten in einer Vorbereitungsklasse“. Sie weist darauf hin: „Lehreraus- und Weiterbildung, der Erwerb von Zusatzqualifikationen müssen ineinandergreifen, die Qualifizierungsangebote müssen für die Lehrkräfte mit dem Schuldienst vereinbar sein“.

Die Referentin an der Pädagogischen Hochschule Tirol, Monika Mussak, macht Anmerkungen aus einer Tiroler Perspektive: „Interkulturelles Lernen (IKL) lehren: Hat das Konzept in der Lehrerbildung ausgedient?). Mit drei Anregungen will sie das Negativum vertreiben: „Weg vom Begriff ‚Kultur‘“, „Weg vom ‚Wir‘ und die ‚Anderen‘ – ‚anders‘ geht“ und „Mehr Chancengerechtigkeit durch das Thematisieren von Sprache, Spracherwerb, Mehrsprachigkeit…“.

Margrit Kinsler, Lehrbeauftragte am Stuttgarter Seminar für Didaktik und Lehrerbildung, diskutiert die Kontroverse „Kulturspezifisches vs. Schichtspezifisches Denken, Sprachen und Handeln“ mit ihrem fragenden Beitrag: „Fremde Sprachwelten – fremde Lebenswelten?“. Die Zukunft hat schon begonnen – wenn es gelingt, dass „die Lehrer der Zukunft“ - (nämlich)„die Referendare von heute“ mit den lokal- und globalgesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert werden und sie Kompetenzen erwerben, interkulturell (also normal) zu denken und zu handeln.

Fazit

Der (em.) Erziehungswissenschaftler der J. W. Goethe-Universität, Frank-Olaf Radke fordert in dem als „Ausblick(e)“ überschriebenem Schlusswort zum Sammelband auf, „die Bälle so (zu) werfen, dass man sie fangen kann“. Er rekurriert dabei nicht ohne Grund auf die Bildungsweisheit: „Lehrer müssen immer im Auge behalten, dass sie es mit Individuen zu tun haben“. Sie müssen in der Lage sein, „Unterscheidungen“ zu erkennen und zu treffen; und es muss ihnen bewusst sein, dass menschliche, sich immer verändernde Vielfalt das Menschsein in unserer (Einen) Welt ausmacht. Schulische Bildung kann dazu wesentliches beitragen. Gelänge es z. B., menschliche Daseinsformen und Verhaltensweisen nicht als festgemauerte und einzementierte Unverrückbarkeiten, sondern als humane Vielfalten zu betrachten, hätten wir auch beim „Unterrichten und Erziehen in bestimmten Situationen“ einen wesentlichen Schritt hin zu einer Lehrerausbildung und Profession getan, bei dem die Menschenwürde als Fundament jeglichen Unterrichtens und Erziehens gilt.

Als Zielgruppen weist der Verlag Lehrerinnen und Lehrer aller Schulalten, Lehrende, Mentorinnen und Mentoren der 2. Ausbildungsphase, Lehrende und Studierende an lehrerbildenden Hochschulen, Schulleitungen und Mitarbeitende der Schulverwaltung aus; nicht zu vergessen Sozialpädagoginnen und -pädagogen und in der Erwachsenenbildung Lehrende, und natürlich auch Eltern, die sich ihres individuellen und gesellschaftlichen Erziehungsauftrags bewusst sind.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.11.2012 zu: Elisabeth Rangosch-Schneck: Lehrer - Lernen - Migration. Außen- und Innenperspektiven einer "interkulturellen Lehrerbildung". Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2012. ISBN 978-3-8340-1120-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14006.php, Datum des Zugriffs 16.09.2021.


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