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Michaela Pfadenhauer, Alexa M. Kunz (Hrsg.): Kompetenzen in der Kompetenzerfassung

Cover Michaela Pfadenhauer, Alexa M. Kunz (Hrsg.): Kompetenzen in der Kompetenzerfassung. Ansätze und Auswirkungen der Vermessung von Bildung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 240 Seiten. ISBN 978-3-7799-2834-8. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Seit einigen Jahren rückt in einigen Sektoren der Sozialen Arbeit mit leisen Schritten, wesentlich manifester dagegen im Bereich der Elementar- und Hortpädagogik, der Faktor »Bildung« in den Mittelpunkt von Zielbestimmung. Eng damit verbunden ist die Vorstellung von »Kompetenz« bzw. »Kompetenzerwerb« als Outcome personenbezogener sozialer Dienstleistungen für Kinder und Jugendliche - gegebenenfalls auch für Erwachsene, wenn beispielsweise in Elternkursen oder in der Beratung die Erziehungskompetenz im Fokus der Bestrebungen steht. Nicht alle Fragen rund um Kompetenz und Kompetenzerwerb sind heute geklärt, auch nicht und trotz der wesentlich längeren Konjunktur dieses Gegenstands in der Pädagogik, der Psychologie und der Wissenssoziologie. Geht es »nur« darum zu bestimmen, was jemand darf und kann? Oder wollen wir mit »Kompetenz« auch personale Faktoren wie Persönlichkeitsentwicklung, Soft Skills etc. berühren? Und: Kann man denn »Kompetenz« überhaupt messen? Kompetenz ist nach wie vor ein vieldeutiger und nachgerade schillernder Begriff in den genannten Disziplinen. Es scheint überdies, als seien es nach wie vor noch grundlegendere Diskurse rund um die Definition von Kompetenz, die die bisherigen Diskussionen innerhalb und zwischen den Fächern prägen – und die Praxis wie die Lehre der Sozialen Arbeit sowie die Frühkindliche Bildung noch stark verunsichern.

Entstehungshintergrund

Der vorliegende Band enthält Beiträge einer Konferenz zu »Kompetenzen in der Kompetenzerfassung«, zu der der Lehrstuhl für Soziologie und Wissen sowie das House of Competence im Juli 2011 nach Karlsruhe eingeladen haben. Die Konferenz war eine gemeinsame Veranstaltung der DGS-Sektionen Professions- und Wissenssoziologie. Referiert haben namhafte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Deutscher Lehrstühle, die sich aus (wissens-)soziologischer, didaktischer und psychologischer Sicht den aktuellen Fragen von Kompetenzerwerb und Kompetenzmessung widmen.

Herausgeberinnen

Michaela Pfadenhauer ist Professorin am Lehrstuhl für Soziologie des Wissens am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Alexa Maria Kunz ist akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologie des Wissens am House of Competence des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Aufbau und Inhalt

Der Band enthält neben einer Einführung der Herausgeberinnen zehn Beiträge in drei Abschnitten sowie einen Ausblick.

Zunächst führen Michaela Pfadenhauer und Alexa Maria Kunz unter der Überschrift »Der Kompetenzstreit um Bildung, Kontexte und Konsequenzen der Kompetenzerfassung« in die Thematik der Konferenz sowie des vorliegenden Bandes ein.

Im ersten Hauptabschnitt »Kompetenzerfassung an der Hochschule« widmet sich Sigrid Blömecke zunächst der »Kompetenzerfassung in der empirischen Bildungsforschung«. Sie skizziert historische und disziplinäre Entwicklungen sowie die aktuelle Umsetzung in Studien. Im Anschluss daran schildern Matthias Heiner und Johannes Wildt die Thematik der »Professionalisierung von Lehrkompetenz« und informieren dabei über theoretische und methodische Befunde aus einem Projekt empirischer Hochschulforschung. Ulrich W. Ebner-Priemer, Philip Santangelo und Susanne Koudela beschreiben dann unter »Ambulatory Assessment als innovatives Instrument zur Kompetenzerfassung« eine erste Erprobung an Studierenden am Karlsruher House of Competence, bevor Albert Albers, Norbert Burkardt und Claudia Becke diesen ersten Abschnitt mit »KaLePe: Karlsruher Lehrmodell für Produktentwicklung«, einem Ansatz zur Kompetenzerfassung in der Ingenieursausbildung, beschließen.

Im zweiten Hauptabschnitt »Kompetenzerfassung im Beruf« widmet sich Martin Fischer Problemstellungen rund um den Sektor »Berufliche Handlungskompetenz im Bereich gewerblich-technischer Facharbeit«. Er fragt insbesondere, welche Kompetenzen für diesbezügliche Messungen notwendig sind. Bernd Haasler geht im Anschluss hieran der Frage »Was müssen Rating-Experten wissen und können?« nach und gibt einen Praxisbericht aus zwei Modellprojekten zur Messung berufsfachlicher Kompetenzen.

Der dritte Abschnitt dieses Bandes steht unter der Leitüberschrift »Beobachtung der Kompetenzerfassung«. Zunächst erfolgen kritische Anmerkungen von Richard Münch unter dem Titel »Mit dem PISA-Express in die globale Wissensgesellschaft«. Thomas Brüsemeister untersucht »Die Trias Kompetenzen/Bildungsstandards/Evaluation als Reproduktionsmechanismus des funktional fragmentierten Schulsystems«. Achim Brosziewski beschreibt unter »Kompetenzmessung als Bindung organisationaler Intelligenz« mit kritischem Blick die soziokulturelle Evolution der skalenförmigen Organisationsbeobachtung. Inga Truschkat fragt unter »Quo vadis, Kompetenz?« schließlich nach der sozialstrukturellen Blindheit der Kompetenzmessung bei Übergängen.

Einen »Ausblick« geben am Ende des Bandes noch Reiner Keller und Harald Hofer mit »Allgemeine Mobilmachung. Über Kompetenzdefinition, Platzierungskampf und Positionierungsmacht«.

Diskussion

Erwartungsgemäß konnte auch dieser Band bzw. die der Publikation zugrunde liegende Konferenz die konträren Positionen rund um das Thema der Kompetenz und ihrer Erfassung nicht vereinheitlichen. Allerdings kann dem vorliegenden Band ein aktueller Stand der Diskussionen ebenso attestiert werden wie fundierte Aussagen zu Potenzialen und Grenzen der Messung von Kompetenz. Alle Beträge – auch jene des dritten Abschnitts, die zum Teil mit sehr spitzer Feder einzelne Positionen beschreiben – sind wissenschaftlich fundiert und enthalten die notwendige kritische wie selbstkritische Distanz zum Gegenstand ein. Es fällt schwer, einzelne Artikel besonders hervorzuheben. Genannt seien deshalb als Tipp zum Einstieg nur die Ausführungen von Sigrid Blömeke zur Problematik der Normativität in der Kompetenzmessung, der einführende Beitrag von Michaela Pfadenhauer und Alexa Maria Kunz sowie der Beitrag von Bernd Haasler zur Messung berufsfachlicher Kompetenz.

Leserinnen und Leser aus dem Bereich der Sozialen Arbeit, Heilerziehungspflege und der Elementar- und Hortpädagogik seien darauf verwiesen, dass die Beiträge durchweg von Spezialisten für Spezialisten aus den Bereichen Wissenssoziologie, Psychologie und/oder Pädagogik verfasst worden sind und entsprechend aufgrund ihrer Fachterminologie nicht leicht zu lesen sind. Überdies beschäftigen sie sich mit Hochschullehre sowie berufsfachlicher Kompetenz in mathematischen und technischen Gebieten. Andererseits geben die Beiträge einen guten Einblick in Theorien und Methoden von Kompetenzbestimmung, welche potentiell auch vor sozialen Branchen nicht halt machen werden.

Fazit

Ein fachlich hochwertiger Band zu Kompetenzen in der Kompetenzerfassung.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 06.12.2012 zu: Michaela Pfadenhauer, Alexa M. Kunz (Hrsg.): Kompetenzen in der Kompetenzerfassung. Ansätze und Auswirkungen der Vermessung von Bildung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. ISBN 978-3-7799-2834-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14024.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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