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Elmar Hinz: Neue Verwaltungssteuerung und Mitarbeiterführung

Cover Elmar Hinz: Neue Verwaltungssteuerung und Mitarbeiterführung. Kontextsteuerung zur leitbildgerechten und leistungssteigernden Komplettierung des Managementwandels in NPM-Systemen. Rainer Hampp Verlag (Mering) 2012. 309 Seiten. ISBN 978-3-86618-810-5. D: 32,80 EUR, A: 33,80 EUR, CH: 56,90 sFr.
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Thema

Das Projekt »Neue Steuerung« geht in Deutschland bald in sein 25. Jahr. Und nach wie vor sind sich Kritiker und Befürworter in vielen grundlegenden Dingen nicht einig. Inwieweit die Verwaltung in Deutschland effizienter, effektiver und bürgernäher geworden ist, bleibt umstritten. Dies mag auch daran liegen, dass Verwaltung kein monolithischer Block ist. Es ist aber auch der Umstand zu berücksichtigen, dass »New Public Management« (NPM) nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern von externen Effekten beeinflusst wird. Umso mehr interessieren Forschungen zu Fragen der Kontextsteuerung, leitbildgerechten Ausrichtung und leistungssteuernden Positionierung von Einheiten des NPM.

Entstehungshintergrund

Die Publikation von Elmar Hinz ist die Dissertation des Autors. Er geht davon aus, dass die Managemententwicklung im öffentlichen Sektor durchaus Erfolge gezeitigt hat und erforscht die Frage, wie der eingeschlagene Pfad der Reform fortgesetzt werden sollte. Er konzentriert sich dabei insbesondere auf die Mitarbeiterführung und entwickelt seine Gedankengänge vor dem Hintergrund des »Design-Ansatzes«. Er möchte Handlungsempfehlungen für die »Komplettierung« der begonnenen Managemententwicklung geben.

Autor

Elmar Hinz studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Öffentliche Wirtschaft. Er war tätig am Institut für Verwaltungswissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität und Herausgeber einer Loseblatt-Sammlung. Er hat Erfahrung in Projekten mit Verwaltungen und Vereinen.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation enthält vier Kapitel.

  1. In der Einleitung konzipiert der Autor seine Untersuchungsstrategie und seinen Untersuchungsplan. Wichtige Ansatzpunkte sind dabei die design-orientierte Managementlehre des öffentlichen Sektors, die Konfiguration eines kongruent angelegten und konsistenten Ziel-Modells als Folge der Re-Positionierung von Staat und Verwaltung, der Bedarf einer leistungssteuernden Komplettierung der Mitarbeiterführung, die Modellierung eines kontextgesteuerten Selbstmanagements sowie die Auswahl der Gestaltungsgrößen von praktischen Handlungsempfehlungen.
  2. Im Anschluss hieran werden »Konzepte und Kriterien der Gestaltung des Managementwandels in Staat und Verwaltung« untersucht. Die Re-Positionierung von Staat und Verwaltung durch Systeme des NPM soll damit wertend eingeordnet werden. Es werden mögliche Lücken bzw. Bedarfe an Komplettierung aufgezeigt, dies gilt insbesondere für die »Führung« als betriebswirtschaftliche Funktion. Dabei werden auch die meta-theoretischen Voraussetzungen im Konzept der design-orientierten Lehre vom Management geklärt. »Zusammenfassend«, so der Autor, »geht es also darum, durch Auswahl geeigneter Ansätze und Anwendung auf die begonnene Managemententwicklung in Staat und Verwaltung die Voraussetzung für eine modell- oder leitbildgerechte Komplettierung zu schaffen, um später ein passendes Design im Bereich der Mitarbeiterführung entwerfen zu können«. Von besonderer Relevanz sind dabei Konzepte, welche die Arbeitsleistung eines »sich selbst steuernden Individuums in den Mittelpunkt stellen«.
  3. Das dritte Kapitel befasst sich mit »Steuerungsgrößen einer wirksamen Komplettierung der Mitarbeiterführung als kontextgesteuertes Selbstmanagement«. Dabei wird unter Zugrundelegung des Designansatzes das Konzept der Untersuchung exemplarisch auf Personalmanagement angewendet. Gezeigt werden soll, dass die Anwendung des vom Autor entwickelten Rahmens der Analyse, Bewertung und Optimierung ein Führungskonzept des kontextgesteuerten Selbstmanagements zu identifizieren und auszuwählen in der Lage ist. Im Anschluss hieran soll ein mit der neuen Steuerung kompatibles Modell angefertigt werden, »welches den ausgelösten Führungsbedarf decken wird«. Wesentliche Aspekte hierbei sind unter anderem »kreative Innovationen durch Mitunternehmertum« und Fragen eines »Belohnungssystems mit teilweiser variabler Vergütung«.
  4. Das vierte und abschließende Kapitel »Managementwandel und Public Management als design-orientierte Managementlehre« geht davon aus, dass durch die Betonung individueller Leistung das individuelle Lernen zu einer »institutionellen Reflexivität führen könnte« und »für das Programm einer ganzheitlichen Managementlehre ein kontextsensibler Filter geschaffen [werden könnte], mit dem schließlich im Sinne einer praktischen Verwaltungsreformlehre… auch andauernder und tief greifender Wandel fundiert verarbeitet werden könnte«. »Andauernder Managementwandel«, so ein Postulat dieses Abschnitts, »bedarf einer design-orientierten Managementlehre«. Schließlich können »erst aus einem übergeordneten Gedankengebäude neue Konzepte und Modelle abgeleitet bzw. an alte angeknüpft werden«. Rückkopplungsschleifen verarbeiten dabei »Widersprüche zu inkrementalen Verbesserungen«. Institutionelle Reflexivität wird dabei als Bedingung eines erfolgreich optimierenden Wandels im Management gesehen.

Diskussion

Die Lektüre dieser Publikation kann Praktikern ohne theoretisches Wissen zu Managementlehre, neue Steuerung, Systemtheorien etc. nicht unbedingt empfohlen werden. Die Ausführungen von Elmar Hinz sind – schließlich handelt es sich um eine Dissertationsschrift – nahezu ausschließlich im Bereich des (Hoch-) Abstrakten angesiedelt und sparen auch meta-theoretische Analysen nicht aus. Umso ertragreicher sind allerdings diese seine Untersuchungen auf gehobenem Niveau. Die praktischen Implikationen herauszuarbeiten und zu prüfen wird weitere Anstrengungen erfordern. Jedoch ist mit der Arbeit eine sehr interessante Grundlage gelegt für die empirische Untersuchung von Transfers in der Praxis, einschließlich der Problematiken einer Implementation von Ansätzen des New Public Managements. Dabei betrifft der Kern der Ausführungen dieser Schrift die Mitarbeitenden und damit sowohl im Hinblick auf die Kosten wie den Outcome die wichtigste Facette des öffentlichen Dienstes. Dieses Buch kann vertieft an Organisationstheorie, Systemtheorien sowie der neuen Managemententwicklung in der öffentlichen Verwaltung interessierten Leserinnen und Lesern ebenso nahe gelegt werden wie Theoretikern, die sich mit dem Spezialgebiet des Führens und Leitens in der öffentlichen Verwaltung befassen. Selbstverständlich tangiert diese Veröffentlichung auch wichtige Fragen des Umgangs mit Mitarbeitenden in der Sozial- und Jugendhilfeverwaltung im Kontext der gesamten strategischen, strukturellen und prozessualen Ausgestaltung dieser speziellen administrativen Fachsysteme.

Fazit

Eine ertragreiche Untersuchung zum New Public Management auf gehobenem theoretischem Niveau.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 26.07.2013 zu: Elmar Hinz: Neue Verwaltungssteuerung und Mitarbeiterführung. Kontextsteuerung zur leitbildgerechten und leistungssteigernden Komplettierung des Managementwandels in NPM-Systemen. Rainer Hampp Verlag (Mering) 2012. ISBN 978-3-86618-810-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14060.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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