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Irina Falkenberg, Paul McGhee et al.: Humorfähigkeiten trainieren

Rezensiert von Prof. (em) Dr. Herbert Effinger, 27.06.2013

Cover Irina Falkenberg, Paul McGhee et al.: Humorfähigkeiten trainieren ISBN 978-3-7945-2820-2

Irina Falkenberg, Paul McGhee, Barbara Wild: Humorfähigkeiten trainieren. Manual für die psychiatrisch-psychotherapeutische Praxis. Schattauer (Stuttgart) 2013. 128 Seiten. ISBN 978-3-7945-2820-2. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.

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Thema

Theorie und methodische Hinweise zum Training von Humorfähigkeiten.

Autorinnen und Autor

  • Irina Falkenberg ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik in Marburg. Sie forscht z.Zt. im Institute of Psychiatry am King?s Collge London.
  • Paul McGhee ist emeritierter Professor für Psychologie (Texas und Kalifornien) und Präsident von „The Laughter Remedy“, Willigton (USA).
  • Barbara Wildt ist Professorin an der Universität Tübingen, dort Leiterin der Arbeitsgruppe „Kognitive Neuropsychiatrie“ und niedergelassene Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie in Tübingen und Mitglied der „International Society für Humor Studies“.

Aufbau und Inhalt

Dieses Buch ist ein Buch für die Praxis. Es beginnt mit einem Geleitwort von Martin Hutzinger, in dem er die Bedeutung des Humors für die Bewältigung des menschlichen Alltags im Allgemeinen und für die Gesundheitserhaltung im Besonderen – insbesondere auch für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen – herausstellt.

Die Autoren gehen grundsätzlich davon aus, „dass jeder Mensch auf seine eigene Weise Humor hat, dass dieser Humor nur manchmal durch Ängste, Depressionen oder andere Lebensumstände verschüttet worden ist“ (VII) und durch gezieltes Training wiederbelebt und als eine Ressource zur Bewältigung von Alltag und Krankheiten genutzt werden kann. Mit ihrem Buch und den hier enthaltenen bzw. über das Internet zugänglichen Materialien möchten sie „das Repertoire an therapeutischen Interventionsmöglichkeiten erweitern und dem Umstand Rechnung tragen, dass die Patienten (…) nicht nur Probleme und Defizite haben, sondern auch Ressourcen, die gefördert werden können.“ (VIIf)

Im ersten Kapitel des Buches legen die Autoren auf gut 20 Seiten komprimiert ihren theoretischen und empirischen Hintergrund für ihr Humortraining im Rahmen psychotherapeutischer bzw. psychiatrischer Therapie im klinischen Kontext dar. Sie setzen sich dabei zunächst mit der Schwierigkeit auseinander, dass Phänomen Humor begrifflich zu fassen, in welchen Formen sich Humor ausdrückt, welche Funktionen er haben kann und welchem Verhältnis dieser zu den sogenannten Charaktereigenschaften steht. Im Folgenden setzen sie sich dann mit der Frage auseinander, welchen Einfluss psychische Störungen auf den „Sinn für Humor“ haben und thematisieren dies am Beispiel verschiedener Störungsbilder wie Depression, Burnout, Schizophrenie, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen. Vor dem Hintergrund zahlreicher empirischer Studien, welche die Möglichkeiten eines Humortrainings belegen, nehmen die Autoren dann noch eine Einordnung in Bezug auf besondere Settings, andere psychotherapeutische Verfahren und die Besonderheiten beim Training mit Patienten mit psychischen Störungen vor.

Auf den nächsten 55 Seiten folgen nun Empfehlungen und Reflexionen zur praktischen Anwendung ihres Humortrainings. Dabei handelt es sich um Methoden und Techniken, welches die Autoren im Rahmen einer störungsübergreifenden Anwendung im stationären, teilstationären und ambulanten Setting für Gruppen von 6 bis zu max. 10 Personen konzipiert haben. Die Teilnahme sollte immer freiwillig sein. Sie empfehlen den Ablauf von 6 bzw. 7 Sitzungen, die etwa im Abstand von einer Woche stattfinden könnten. Blockveranstaltungen halten Sie nicht für sinnvoll. Die einzelnen Sitzungen werden dann im Hinblick auf Didaktik und Methodik sehr genau beschrieben. Die hier verwendeten Materialien werden präzise aufgeführt und sind teilweise im Anhang abgedruckt. Diese Texte und Präsentationen sind auch über das Internet abrufbar.

Auf weiteren 45 Seiten folgt nun ein umfänglicher Anhang mit Folien, Karteikarten und einer gruppendynamischen „Spielkiste“.

Diskussion

Bei dem Buch handelt es sich um eine theoretisch und empirisch sehr gut fundierte Anleitung für ein Humortraining, welches vermutlich auch von anderen, benachbarten Berufsgruppen wie Sozialarbeitern und Sozialpädagogen, gut in ihren Handlungsfeldern eingesetzt werden kann. Um der Gefahr vorzubeugen, dass ein solches Konzept nur handwerklich und theoretisch eher unreflektiert eingesetzt wird, kann man der Autorenempfehlung nur folgen, dass jene die diese Training nutzen möchten, sich noch stärker mit den empirischen und theoretischen Hintergründen befassen, welche im von Barbara Wild herausgegebenen Buch „Humor in Psychiatrie und Psychotherapie“ (2012) vorgelegt wurden. [1] Denn zu Recht weisen die Autoren darauf hin, dass der Einsatz von Humor eine besonders ersthafte Auseinandersetzung mit den Grundlagen und Wirkungen des Humors sowie besondere kommunikative Kompetenzen verlangt. Im Anhang finden sich einige Doppelungen bei den Karteikarten und der abgedruckten Präsentation. Das könnte man noch etwas platzsparender machen. Angesichts der umfänglichen Quellenangaben und der praktischen Hinweise scheint der relativ hohe Preis dennoch gerechtfertigt.

Fazit

Ein sehr lesenswertes und anwendungsbezogenes Buch für alle, die sich auch praktisch in heilenden und sozialen Berufen mit Humor beschäftigen.


[1] Barbara Wild (Hg.) 2012: Humor in Psychiatrie und Psychotherapie. Neurobiologie – Methoden – Praxis. Stuttgart: Schattauer

Rezension von
Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
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Es gibt 25 Rezensionen von Herbert Effinger.

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ISSN 2190-9245