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Ina Zimmermann: ‚Des hat unserm Viertel gut getan‘. (Soziale Stadt)

Cover Ina Zimmermann: ‚Des hat unserm Viertel gut getan‘. Plädoyer für eine bewohnerzentrierte Evaluation im Programm „Soziale Stadt“. Tectum-Verlag (Marburg) 2012. 492 Seiten. ISBN 978-3-8288-2892-6. D: 44,90 EUR, A: 44,90 EUR, CH: 49,50 sFr.

Reihe Sozialwissenschaften - Band 52.
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Thema

Das Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt" (im Folgenden: "Soziale Stadt") ist eine Städtebauförderungsprogramm des Bundes und der Länder, das vielen Städten in Deutschland hilft, besonders benachteiligte Stadtteile aufzuwerten, zumindest nicht weiter abrutschen zu lassen. Und das Programm hat dazu geführt, dass viele Städte ihre benachteiligten - vielleicht auch vernachlässigten – Quartiere – wieder entdeckt haben.

Es gibt eine Reihe von Kriterien, nach denen die Fördermittel vergeben werden. Eines dieser Kriterien ist die Partizipation der Bewohnerschaft solcher Quartiere an der baulichen und sozialen Ausgestaltung des Quartiers.

Und es gibt Kriterien und Richtlinien der Evaluation und wer die sozialen und baulichen Maßnahmen und ihre Wirkungen evaluiert.

Dass die Bevölkerung dieser Quartiere die Wirkungen der Maßnahmen beurteilt und bewertet, die diese für die Bewohnerinnen und Bewohner haben – dieser Gedanke ist neu, zumindest ist er im Programm nicht mit gedacht worden.

Autorin

Dr. Ina Zimmermann hat mit dieser Arbeit an der Universität Konstanz promoviert.

Entstehungshintergrund

Die Autorin war über einen längeren Zeitraum Quartiermanagerin in mehreren Fördergebieten des Programms "Soziale Stadt" und insbesondere im Stadtteil Nordstadt-West in Zirndorf. In diesem Stadtteil hat sie auch geforscht und die Ergebnisse von dort sind die Grundlage ihrer Arbeit.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel:

  1. Unzureichende Bewertung des Programms "Soziale Stadt" aus der Sicht der Bewohner
  2. Stand der Forschung im Themenbereich "Evaluation"
  3. Evaluationspraxis im Rahmen des Programms "Soziale Stadt"
  4. Charakterisierung der Zielgruppe Bewohner
  5. Konstruktion eines Evaluationsdesigns mit Fokus auf die Sicht von Bewohnern
  6. Praxistest - das Evaluationsdesign in der Anwendung
  7. Erkenntnisse aus den theoretischen, modellanalytischen und empirischen Analysen

1. Unzureichende Bewertung des Programms "Soziale Stadt" aus der Sicht der Bewohner

Nach einer kurzen Einführung in das Programm "Soziale Stadt", seiner Entstehungsgeschichte und seiner institutionellen Rahmung setzt sich die Autorin mit der Frage auseinander, wie Bewohner als Bewohner oder als Bürger in das Programm eingebunden sind. Sie sind keine Bürger, weil sie keinen Einfluss auf die politischen Entscheidungen haben, die sie als Bewohner betreffen. Und die Frage ist, wie Bewohner als Zielgruppe des Programms zu Bürgern werden. Diese Frage wird auch mit den Gebietstypen korreliert, die im Programm skizziert werden:

  • "innerstädtische und innenstadtnahe Quartiere in benachteiligten Regionen mit nicht modernisierter Baumsubstanz und deutlich unterdurchschnittlicher Umweltqualität" und
  • "große Wohngebiete aus der Nachkriegszeit und Wohnsiedlungen der abgezogenen Streitkräfte mit wenig individueller Architektur, fehlender Nutzungsmischung und unzureichender sozialer Infrastruktur".

Die Autorin beschäftigt sich dann mit der Evaluation im Programm "Soziale Stadt", das sie als unzureichend umgesetzt betrachtet. Daraufhin formuliert sie ein Forschungsdefizit und einen Forschungsbedarf in Blick auf die Notwendigkeit einer Evaluation aus Bewohnersicht, diskutiert vor allem die mittelschichtorientierte Bewohnerbeteiligung und Probleme bei der Evaluation sozialer Aspekte.

Zielsetzung ihrer Arbeit ist die Entwicklung eines Instruments zur Beobachtung der Lebenswelt der Bewohnerschaft, um deutlich werden zu lassen, wie das Programm aus der Sicht der Betroffenen auf diese wirkt.

Dazu entwickelt die Autorin eine Reihe von Kriterien, die für die Charakterisierung der Bewohnerschaft entscheidend sind wie z. B. die Rolle der Bewohner im Verhältnis zum Stadt, Ortsbindung oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie politisches Lernen, demokratische Kompetenzen und politikbezogene Einstellungen und Haltungen.

Dann wird die Konstruktion eines Evaluationsdesigns ausführlich vorgestellt.

2. Stand der Forschung im Themenbereich "Evaluation"

In diesem Kapitel erläutert die Autorin den Begriff der Evaluation, geht auf den Stand der Evaluationsforschung ein und charakterisiert die Evaluationsforschung als Forschungstyp. Die spannende Frage, welche Wirkungen gemessen werden sollen und ob das Messinstrument auch das misst, was gemessen werden soll, begleitet die empirische Sozialforschung ohnehin schon immer.

In der Evaluationsforschung spitzt sich diese Frage vor allem dann zu, wenn wir Wirkungen bei einer Klientel messen sollen, die zunächst diese Wirkungen nicht als Veränderungen ihrer Lebenssituation wahrnehmen können. Sie müssen sich nämlich erstmal als Teil einer res publica verstehen können, bevor sie als Akteure diese Wirkungen begleiten und bewerten können.

Die Autorin gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Evaluationsforschung in den USA und in Europa, stellt Evaluationsmodelle vor und kommt dann zu Designalternativen für Evaluation. Weiterhin beschreibt sie die wissenschaftliche Durchführung von Evaluation auch beispielhaft, diskutiert die Entwicklung von Indikatoren und Methoden und kommt dann zu Fragen der Datenauswertung.

3. Evaluationspraxis im Rahmen des Programms "Soziale Stadt"

Hier wird ein Überblick geboten über die bisherige Evaluation im Programm "Soziale Stadt" auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Dabei werden Ziele, Umfang der evaluierten Gebiete und Ansprechpartner systematisch und tabellarisch dargestellt. Vor allem auf kommunaler Ebene, wo man am ehesten Bewohnerbeteiligung erwarten darf, wird Evaluation auf integrierte Bewohnerbefragungen hin diskutiert. Anschließend geht es ausführlich und sehr differenziert um Indikatorenentwicklung, was auch an Hand einschlägiger Literatur nachgezeichnet wird.

Die Defizite der aktuellen Evaluationspraxis fasst die Autorin in zwei Punkten zusammen:

  1. Bis auf einige Ausnahmen wird in der kommunalen Evaluationspraxis nicht deutlich, an Hand welcher Kriterien die Indikatoren entwickelt wurden.
  2. Länder und Kommunen beziehen die Sichtweisen der Bewohner zwar ein. Die eingesetzten Methoden sind aber unzulänglich, und zwar sowohl in Bezug auf die Instrumente (Befragungen) als auch in Blick auf die Repräsentativität der untersuchten Gruppe (Stichprobe).

4. Charakterisierung der Zielgruppe Bewohner

Die Bewohnerschaft eines Quartiers ist ja keine homogene Gruppe. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die Bewohnerschaft eine zentrale Ressource bei der Entwicklung eines Quartiers ist. Die Frage, wie also Bewohnerinnen und Bewohner eingebunden werden in die Evaluation, setzt die Analyse voraus, mit welchen Bewohnertypen wir es zu tun haben.

Die Autorin diskutiert die Bewohnerrolle im Verhältnis zum Staat, in dem sie den Staat typisiert. So diskutiert sie den versorgenden Staat in seiner Entwicklung zum aktivierenden Staat, beschreibt den Unterschied von Sozial- und Wohlfahrtsstaat und diskutiert Konzepte des neuen Staatsverständnisses, indem sie die Entwicklung vom repräsentativen zum kooperativ/deliberativen Demokratiemodell über das direkt-demokratische Demokratiemodell beschreibt. Weiter sieht sie ein analytisches Instrument in der Diskussion des Kommunitarismus, der Bürger- oder Zivilgesellschaft und der Bürgerkommune bis hin zum Konzept des "good governance". Eine weitere Voraussetzung für eine Beteiligung der Bewohner sieht die Autorin in der politischen Kultur eines Landes und der politischen Sozialisation seiner Bürger.

Anschließend werden weitere Voraussetzungen vorgestellt, die sich auf die individuellen Handlungskompetenzen und auf die psychosozialen Fähigkeiten beziehen.

Dann folgt eine Auseinandersetzung mit Erklärungsmustern politischer Partizipation, die auf Merkmale wie den sozioökonomischen Status als Status der Fähigkeiten abheben oder es werden soziodemographische Merkmale heran gezogen.

Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit Werthaltungen. Es werden Konzepte von Inglehart, Klages und Herbert diskutiert und ins Verhältnis gesetzt zu der Klientel solcher Quartiere. Schichtungs- und Milieumodelle werden vorgestellt und in Beziehung gesetzt zu individuellen Kompetenzen und Dispositionen oder Motivationen. Auch hier wird auf bekannte Autoren zurückgegriffen. Weiter wird Bourdieu mit seinen Kapitalformen zitiert.

Die Autorin stellt dann exemplarisch vier Bewohnertypen als hypothetische Konstruktionen vor:

  • Bewohnertyp 1 hat eine hohe Motivation, und besitzt Fähigkeiten auf einem hohen Niveau; er hat weiter einen hohen sozioökonomischen Status, kommunikative Fähigkeiten und kann seine Interessen artikulieren.
  • Bewohnertyp 2 verfügt über eine hohe Motivation, hat aber nur wenige Kompetenzen und einen niedrigen bis mittleren sozioökonomischen Status.
  • Bewohnertyp 3 hat eine niedrige Motivation, allerdings einen hohen sozioökonomischen Status.
  • Bewohnertyp 4 verfügt über einen nur geringen sozioökonomischen Status, verfügt über einen Hauptschulabschluss oder hat keinen Schulabschluss und lebt oft von Transfereinkommen.

Diese Bewohnertypen werden dann zusammengeführt mit Schicht- und Milieukriterien und noch einmal reflektiert, um sie dann schließlich in zwei "Kasten" - der Motivation und der Kompetenz – zu bündeln. Daraus werden hypothetische Zusammenhänge erarbeitet, die auch einen Zusammenhag herstellen sollen zwischen den unterschiedlichen Bewohnertypen und den erarbeiteten Merkmalen der Partizipationsforschung.

Anschließend fragt die Autorin, welche hypothetischen Bewohnertypen im Programm soziale Stadt zu finden sind.

Eine weitere Analysedimension wird von der Autorin eingeführt: die Ortsbindung. Diese Ortsbindung wird im Programm "Soziale Stadt" eigentlich vermisst. Ortsbindung meint ja üblicherweise eine gewisse soziale Verortung, die ein Wohlbefinden der Bewohner im Quartier, Vertrauen und Zugehörigkeit erzeugt. Dabei werden individuelle und soziale Faktoren ausgemacht und Ortsbindung als Hauptindikator für die Evaluation aus Bewohnersicht identifiziert. Diese Faktoren der Ortsbindung werden wiederum hypothetisch mit den Bewohnertypen korreliert.

5. Konstruktion eines Evaluationsdesigns mit Fokus auf die Sicht von Bewohnern

In diesem Kapitel wird nunmehr der Entwurf eines Evaluationsdesigns vorgestellt.

Dass Bewohner an den Prozessen und Entscheidungen partizipieren, ist konstitutiv für das Programm "Soziale Stadt", dass aber Bewohner in die Evaluation eingebunden werden, ist weder theoretisch begründet noch in der Praxis eingeführt.

Den Zweck der Einbindung formuliert die Autorin in zwei Aspekten: Einmal soll mit der Evaluation neues Wissen generiert werden, das die Veränderungen durch das Programm der "Sozialen Stadt" aus Bewohnersicht bewertet. Zum anderen können aus den Ergebnissen Rückschlüsse auf die zukünftige Programmgestaltung in Bezug auf Beteiligungsmöglichkeiten und -formen gezogen werden.

Die Autorin setzt sich noch mit der Entwicklung gebietsübergreifender und gebietsspezifischer Indikatoren auseinander, die auch im Programm "Soziale Stadt" formuliert werden. Diese Entwicklung stellt die Autorin am Beispiel der Ortsbindung als Wohnzufriedenheit vor, und zwar in den Dimensionen Wegzug, Wegzugsabsicht, Nachbarschaftlicher Kontakt, Sanierung der Bausubstanz, emotionale Bindung.

Dies wird ausführlich beschrieben und begründet und ein differenzierter Katalog eines Basissatzes von Indikatoren für alle operationalisierten Ziele vorgestellt. Weiter werden gebiets- oder quartiersspezifische Ziele und Handlungsfelder diskutiert und zu Handlungsfeldern und zu Faktoren der Ortsbindung eines Integrierten Handlungskonzepts zugeordnet.

Zum Schluss des Kapitels werden mögliche Methoden der Informationsgewinnung vorgestellt, Anforderungen an die Erhebungsmethoden formuliert und am Beispiel der Befragung ein Vorgehensmodell zur Auswertung erörtert.

6. Praxistest – das Evaluationsdesign in der Anwendung

Das bislang erörterte Evaluationsdesign wird nunmehr in der Praxis erprobt, und zwar im Stadtteil Nordstadt-West in Zirndorf. Dazu wird zunächst der Stadtteil im Rahmen einer Sozialraumanalyse vorgestellt und die Frage beantwortet, wie der Stadtteil zu einem Fördergebiet des Programms "Soziale Stadt" wurde. Zwischen 2002 und 2005 wurden empirische Untersuchungen der Situation durchgeführt; die Ergebnisse werden ausführlich beschrieben. Weiter wird die Planungsphase des Praxistests beschrieben, Kriterien der Auswahl der Zielgruppe erörtert und die Auswahl der Indikatoren erklärt. Außerdem werden angemessene Methoden ausgewählt. Dies wird ausführlich und differenziert vorgestellt wie auch ein Fragebogen zur Charakterisierung der befragten Bewohner erläutert wird. Die Ergebnisse dazu werden ausführlich diskutiert.

Anschließend werden die Vorgehensweise der Auswertung und Beschreibung qualitativer und quantitativer Daten erläutert und die Ergebnisse der qualitativen Erhebung diskutiert.

7. Erkenntnisse aus den theoretischen, modellanalytischen und empirischen Analysen

Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse der einzelnen Kapitel und welche Folgerungen für zukünftige Vorhaben sind zu ziehen?

Zunächst zu den Erkenntnissen. Hier geht es noch einmal um die Identifizierung von Verhaltensmerkmalen unter den Annahme, dass die Bewohnerschaft keine homogene Gruppe ist und es "den" Bewohner nicht gibt. Um das Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner zu charakterisieren, wurde auf zwei Dimensionen abgehoben: Motivation und Fähigkeit. Beide Dimensionen sind wichtig für die Beteiligung an der Evaluation. Dann wurden unterschiedliche Bewohnertypen skizziert und die Frage stand an, welchen Nutzen eine solche Skizzierung hat. Weiter ging es um die Findung von Indikatoren, die sich auf die Bewohnerschaft und ihre Bewertungskriterien bezogen.

Mit der bereits erwähnten Ortsbindung wird eine zusätzliche Variable eingeführt, wobei soziale, individuelle und formale Faktoren gemessen wurden.

Welche Folgerungen für zukünftige Vorhaben lassen sich ziehen? Hier hat die Autorin drei Fragestellungen herausgearbeitet.

  1. Ist das Evaluationsdesign in der Praxis umsetzbar? Die Autorin beschreibt hier noch mal den Aufwand und die Kosten einer solchen Umsetzung. Gleichzeitig beschreibt sie den Umfang von neun Modulen als Voraussetzung und jedes Modul hat seinen eigenen Aufwand. Im Verhältnis zu vor allem baulichen Maßnahmen und deren Kosten ist eine solche Evaluation allemal effektiv, vor allem hebt die Autorin auf einen langfristigen Nutzen für die Kommunen ab. Auch die Erkenntnis ist von Nutzen, dass vor allem der öffentliche Raum eher und anders genutzt wird, wenn die Bewohner an seiner Gestaltung mitwirken können. Insofern können Evaluationsergebnisse mit helfen, Investitionen zu optimieren.
  2. Sind Ergebnisse durch die entwickelte Standardisierung vergleichbar? Die Vergleichbarkeit durch Standardisierung wird in mehreren Punkten von der Autorin angesprochen: Evaluationsverfahren sind schneller umsetzbar, externe Evaluation ist effektiv in der Durchführung, interne Evaluation wird eher gefördert, Benchmarking zwischen Gebieten oder Projekten ist leichter möglich und die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Gebiete führt zu übergeordneten Bewertungen.

3. Ist das Modell der Fähigkeiten und Motivationen auch auf andere Bereiche übertragbar? Diese Frage wird von I. Zimmermann nicht mehr expliziert beantwortet. Sie geht eher noch auf eine zielgruppenspezifische Bedarfsanalyse der Kommunen ein, die auch in Verbindung mit den herausgearbeiteten verschiedenen Bewohnertypen zu Erkenntnissen darüber kommt, welche Angebote in bestimmten Quartieren nötig, sinnvoll und effektiv sind.

Der Nutzen der Anwendung einer Bewohnertypisierung für die Kommunen liegt in drei Aspekten.

  • Es ergibt sich ein differenzierteres Bild des Angebotsbedarfs in unterschiedlichen Stadtteilen;
  • die Analysen können quartiersübergreifend abgeglichen werden, so dass Angebote vernetzbar sind und
  • durch die Überlappung bei der Datenermittlung können Erhebungen auch von den statistischen Ämtern durchgeführt werden, die schon das Instrumentarium entwickelt haben, was Kosten spart.

Die Zusammenfassung und der Ausblick lassen sich in dem zentralen Punkt fokussieren: Bewohnerinnen und Bewohner müssen stärker in Evaluationen eingebunden werden; denn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer zunehmenden Aktivierung von Bürgern verlangt auch andere Methoden der Bewertung dessen, was für Bürger gemacht wird.

Es geht in der Tat um die Frage, was man mit den Bürgern – mit den Bewohnerinnen und Bewohnern solcher Quartiere – entwickelt und wie diese den Prozess beurteilen als Experten ihrer eigenen Lebenswelt. Deshalb wird es unausweichlich, dass gerade auf kommunaler Ebene Evaluationen durch die Betroffenen gefördert und etabliert werden und die dazu notwendigen institutionellen, politischen und methodischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Das Buch schließt mit einer umfangreichen Literaturliste ab.

Diskussion

Die Diskussion in der Evaluationsforschung war schon immer die, wie wir etwas messen und was wir messen und warum.

Vielleicht ist die schwierigere Frage der Evaluationsforschung eher die, wer was misst.

Und hier hat I. Zimmermann mit ihrer Arbeit eine neue Perspektive eröffnet: Die Perspektive der Betroffenen als Experten ihrer eigenen Wirklichkeit. Denn wenn es in der Evaluationsforschung darum geht, die Wirkung zu messen, die bestimmte Programme, Entscheidungen, Verfahren, Maßnahmen oder die Praxis haben auf die, die in diesen Programmen, Entscheidungen, Verfahren und in der Praxis die Objekte sind – dann ist es doch unausweichlich, die mit einzubeziehen, die diese Wirkungen spüren.

Was wir aus der Gemeinwesenarbeit und dem Quartiersmanagement längst kennen, nämlich, dass man nicht etwas für die Bewohnerinnen und Bewohner solcher Quartiere machen muss, sondern mit ihnen etwas gestalten muss, hat in der Programmatik der "Sozialen Stadt" keinen Platz gefunden. Das Plädoyer für eine bewohnerzentrierte Evaluation im Programm "Soziale Stadt" ist eigentlich eine massive Kritik an der Methodik der Beteiligungsformen, die in dem Programm angemahnt werden. Menschen zu Akteuren machen, die sich für ihr Viertel einsetzen, weil sie sich als Teil dieses Viertels verstehen können, ist das Ziel und der Weg von Beteiligung in einem.

Das hier vorgeschlagene Evaluationsdesign ist deshalb mehr als eine neue Facette in der Evaluationsforschung – es ist eine neue Dimension der Beteiligung. Und Beteiligung ist nur in der Dialektik zu verstehen, die sich aus der Teilnahme an Prozessen, Entscheidungen und Verfahren einerseits und der Teilhabe an ihrem Nutzen und ihrer Wirkung andererseits ergibt.

Fazit

Dieses Buch sollten vor allem die für das Programm "Soziale Stadt" Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen lesen und es sollte alle die ermutigen, die in der Praxis der Sozialen Arbeit stehen, ihre Klienten als Akteure ernst zu nehmen und mit ihnen etwas gestalten.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 26.02.2013 zu: Ina Zimmermann: ‚Des hat unserm Viertel gut getan‘. Plädoyer für eine bewohnerzentrierte Evaluation im Programm „Soziale Stadt“. Tectum-Verlag (Marburg) 2012. ISBN 978-3-8288-2892-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14082.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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