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Jost M. Kramer, Robert Schediwy: Minderheiten

Cover Jost M. Kramer, Robert Schediwy: Minderheiten. Ein tabubelastetes Thema. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2012. 174 Seiten. ISBN 978-3-643-50418-0. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 47,90 sFr.

Reihe: Politikwissenschaft - Band 190.
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Stereotypen, Klischees und andere Vorurteile

Mehrheitsgesellschaften, die sich national, völkisch, politisch oder geschichtlich als ethnische Gemeinschaften verstehen, haben sich immer schon abgegrenzt gegenüber vermeintliche oder tatsächliche Eindringlinge, Zuwanderer, die sie als Fremde und nicht Dazugehörige ablehnen oder ihnen zumindest distanziert gegenüberstehen. Die philosophische, psychologische und anthropologische Auffassung, dass „der Fremde ich selbst bin“, wird nicht selten mit Stoppschildern und Tabus be- und verhindert. Die Aufklärungsprozesse, die durch Artikel 1 der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eingefordert werden – „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ – verlaufen jedoch, wie die zahlreichen Formen von Ethnozentrismen, Höherwertigkeitsvorstellungen, Fremdenfeindlichkeit und Rassismen überall in der Welt zeigen, äußerst schleppend und schwergängig. Die Erkenntnis, dass man als Rassist nicht geboren, sondern durch individuelle und gesellschaftliche Einflüsse dazu gemacht werden kann, hat zwar in einigen Staatsverfassungen und demokratischen Ordnungssystemen zu Regelungen geführt, ethnische und andere Formen von Diskriminierungen unter Strafe zu stellen, doch das sind nach wie vor Ausnahmen; etwa in der Schweiz, in der seit dem 1. Januar 1995 mit dem Art. 261 der Antidiskriminierungsparagraph eingefügt wurde:

Wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion zu Hass oder Diskriminierungen aufruft,

wer öffentlich Ideologien verbreitet, die auf die systematische Herabsetzung oder Verleumdung der Angehörigen einer Rasse, Ethnie oder Religion gerichtet sind, wer mit dem gleichen Ziel Propagandaaktionen organisiert, fördert oder daran teilnimmt,

wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert oder aus einem dieser Gründe Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder zu rechtfertigen versucht,

wer eine angebotene Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, einer Person oder einer Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion verweigert, wird mit Gefängnis oder Buße bestraft.

Wanderungsbewegungen, das wird bei den Aufgeregtheiten und angestauten Ängsten der Ansässigen gegen die „drohende Flut“ der Einwanderer immer wieder vergessen, hat es in der Geschichte der Menschheit immer gegeben; und die Auseinandersetzungen um den Fremden und das Fremde werden im Alltag und im gesellschaftlichen Leben kontrovers geführt ( Ya?ir Aydin, Topoi des Fremden. Zur Analyse und Kritik einer sozialen Konstruktion, 2009, www.socialnet.de/rezensionen/9126.php). Das Menschenrecht, den Lebensraum und Wohnort frei zu wählen und bei Bedrohung oder Verfolgung Schutz und Existenz in anderen Ländern zu suchen (vgl. dazu u. a.: Gérard Dhôtel, Asyl – Das bedrohte Recht, ElefantenPress, Berlin 1999) ist in fast keinem Land der Welt bis heute uneingeschränkt verwirklicht (Harald Kleinschmidt, Migration und Integration, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12424.php). Der in einer entgrenzten, globalisierten Welt notwendige Perspektivenwechsel wird zwar in Appellen, wie etwa der Aufforderung der Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ (1995), dass die Menschheit vor der Herausforderung stehe, „sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“, postuliert; doch die notwendigen Schritte hin zu einer friedlichen und gerechten Weltordnung lassen auf sich warten (Daniel N. Stern / Nadia Bruschweiler-Stern / Karlen Lyons-Ruth / Alexander C. Morgan / Jeremy P. Nahum / Louis P. Sander, Veränderungsprozesse. Ein integratives Paradigma, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13911.php). Dass die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit einer einzigen Menschheitsfamilie angehören, muss immer wieder neu in das Bewusstsein gebracht werden (Sylke Bartmann, Oliver Immel, Hg., Das Vertraute und das Fremde. Differenzerfahrung und Fremdverstehen im Interkulturalitätsdiskurs, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/12833.php). Und die Anlässe und Ursachen von Konflikten bedürfen einer intellektuellen und alltagstauglichen Betrachtung (Wilhelm Berger, Brigitte Hipfl, Kirstin Mertlitsch, Viktoria Ratkovic, Hrsg., Kulturelle Dimensionen von Konflikten, 2010, in; www.socialnet.de/rezensionen/10333.php). Denn: Rassismen (Susan Arndt, Die 101 wichtigsten Fragen – Rassismus, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14286.php) und Vorurteile (Anton Pelinka , Hrsg., Vorurteile. Ursprünge, Formen, Bedeutung, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/12918.php) lauern überall. Da mag es hilfreich sein, Ängste und Ideologien beim Wort zu nehmen (Doug Saunders, Mythos Überfremdung. Eine Abrechnung, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14487.php), Gegenpositionen in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen (Niklas Reese, Judith Welkmann, Hrsg., Das Echo der Migration. Wie Auslandsmigration die Gesellschaften im globalen Süden verändert, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10775.php), Migration und Mobilität als gesellschaftlicher Normalzustand zu betrachten und aufzuzeigen, dass Migrations- und Integrationsprozesse erfolgreich sind (Hilal Sezgin, Hrsg., Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11392.ph), eben nicht zu lamentieren und zu agitieren, sondern zu argumentieren, weil zusammensetzen besser ist als sich vorurteilsbehaftet auseinander zu setzen.

Entstehungshintergrund und Autorenteam

In der Vorurteilsforschung der Sozialwissenschaften herrsche, so stellt der Journalist Jürgen Kaube in der FAZ vom 1. Oktober 2011 fest, die Tendenz vor, dass die Untersuchungen und Analysen über Vorurteile überwiegend von negativen Konnotationen ausgingen; deshalb würde der Diskurs um Migration und Integration eher von Formen des hemmungslosen Moralisierens auf der einen, und von irrationaler Angstmache auf der anderen Seite bestimmt. Jost W. Kramer, der an der Hochschule in Wismar bis zu seinem Tod vom 12. Februar 2012 als Betriebswirtschafter tätig war und der Wiener Sozialwissenschaftler Robert Schediwy setzen sich in ihrem „Argumentier“ – Buch damit auseinander, wie scheinbare, selbstverständliche und unverrückbare Gewissheiten, Befindlichkeiten und Stammtischparolen in der Auseinandersetzung mit ethnischen Minderheiten entstehen und wie diesen entgegengewirkt werden kann. Sie fokussieren dabei ihre Reflexionen und Denkanstöße auf Zugewanderte, die in den jeweiligen Mehrheitsgesellschaften heimisch werden wollen, was bedeutet, dass sie andere Arten von Minderheiten, etwa Behinderte oder sonstige Diskriminierte (vgl. dazu: Dominique Grisard, Ulle Jäger, Tomke König, Hrsg., Verschieden sein. Nachdenken über Geschlecht und Differenz, 2013, www.socialnet.de/rezensionen/14555.php), in ihrem Buch nicht dezidiert ansprechen.

Aufbau und Inhalt

Die Autoren gliedern ihre Auseinandersetzung mit dem „tabubelasteten Thema“ in vier Kapitel. Im ersten werden die „Ursprünge“ diskutiert, die zur Zuschreibung als „Minderheit“ in einer Gesellschaft führen. Dabei wird deutlich, dass es verschiedene Anlässe und Funktionen sind, die Minderheiten in einer Mehrheitsgesellschaft etablieren oder stigmatisieren, „je nachdem, ob sie als Eroberer ins Land kamen, als Söldner, Handwerker oder als Bettler, ob sie sich als Kaufleute angesiedelt haben oder Reste einer dezimierten oder marginalisierten Urbevölkerung darstellen; ob sie sich herausfordernd in fremder Umgebung zu einer Religion mit Dominanzanspruch bekennen oder still uralten Kulten huldigen“. Deutlich wird dabei die Kontroverse, wie sich im Integrationsprozess Anpassung und Widerstand, Assimilation (Jutta Aumüller, Assimilation. Kontroversen um ein migrationspolitisches Konzept, 2009, www.socialnet.de/rezensionen/8169.php) und Fremdheit (Anna Caroline Cöster / Max Matter, Hrsg., Fremdheit und Migration. Kulturwissenschaftliche Perspektiven für Europa, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12025.php) darstellen.

Im zweiten Kapitel werden Fragen „Zur psychosomatischen Dynamik“ angesprochen; etwa, wie sich Gesellschafts- und Menschenbilder entwickeln und im Bewusstsein etablieren, wie Vorstellungen vom Eigen- und Fremdsein entstehen (vgl. dazu auch: Maureen Maisha Eggers / Grada Kilomba / Peggy Piesche / Susan Arndt, Hrsg., Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland, Unrast-Verlag, Münster 2005, 550 S.).

Das dritte Kapitel skizziert „Wege in die Katastrophe“, z. B. durch das faschistische, nationalistische Gedankengut, das im Holocaust die Eskalation der Unmenschlichkeit erreicht, durch Völkermorde, wie sie sich in Armenien, in Bosnien-Herzegowina, in Ruanda und anderswo in der Welt ereignen.

Im vierten Kapitel „Zur aktuellen Lage“ schließlich bekennen die Autoren, dass sie „ein gewisses Ohnmachtsgefühl“ verspüren, angesichts der „Blindheit des Ökonomismus“, der sich verschärfenden Ungerechtigkeiten in der Welt, der „Brandstifter“, die als Unkenrufer, als Wahrsager oder als Fundamentalisten unterwegs sind.

Fazit

Die Autoren wollen mit ihren eher skizzenhaften Texten, bei denen sie sich überwiegend auf wissenschaftliche Abhandlungen und Forschungen zur Thematik beziehen, „Denkanstöße geben, aber dabei nicht verletzen; (sie wollen) Tabus einreißen, ohne aber dabei Verwüstungen anzurichten“. Bei den Auseinandersetzungen um Mehrheiten und Minderheiten, um Identifikationen und Identitäten kommt es darauf an zu erkennen, dass „der Fremde ich bin“ und Eigensein und Fremdsein die beiden Seiten der einen humanen Medaille sind. Die Texte können dazu beitragen, dass sich lokal und global ein Prozess der Aufklärung vollzieht, der „vor Ort“, wo sich Einheimische (?) und Zugewanderte begegnen und in gesellschaftlichen lokalen und globalen Dimensionen. Das Büchlein könnte Vorlage sein für Diskussionsanlässe in der schulischen wie in der außerschulischen Bildung, aber auch an Stammtischen! Denn: „Wer sich darauf beschränkt, einen Stein ins Wasser zu werfen, verletzt meines Erachtens eine Grundregel der Demokratie, nämlich die der Rede und Gegenrede“ (Paul Scheffer, Die Eingewanderten. Toleranz in einer grenzenlosen Welt; 2008, www.socialnet.de/rezensionen/7124.php)

Ergänzung

Der Rezensent hat in einem anderen Zusammenhang die Frage nach den Minderheiten thematisiert. Ein Auszug daraus wird hier ergänzend beigefügt:

Merkmale einer Minderheit. Wenn wir uns im folgenden auf ethnische und kulturelle Minderheiten konzentrieren, dann ist es zu erst die Sprache, die Minderheiten von der gesellschaftlichen Mehrheit unterscheidet. Typische Beispiele hierbei sind die über die ganze Welt verstreuten Armenier oder die russischen Juden im 19. Jahrhundert, die "Gastarbeiter" aus Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und der Türkei ab Ende der 60er Jahre in die westeuropäischen Länder, die sogenannten "Auslands-Chinesen", u.a. Eine zweite Wesensart von Minderheiten kann eine andere Religionszugehörigkeit sein. Dabei kommt es nicht in erster Linie darauf an, dass jemand in einer Gesellschaft einer anderen Religionsgemeinschaft angehört; vielmehr ist entscheidend, ob sich die jeweilige religiöse Minderheit als verletzlich, in ihrem Wert gemindert empfindet oder gar verfolgt wird, wie dies z.B. bei den Bahai im Iran, den ägyptischen Kopten, den russischen Mennoniten, den Muslimen in Indien, den Hindu in Pakistan und Bangladesh der Fall ist. Eine dritte lässt sich aufgrund einer anderen kulturellen Tradition und Geschichte aufzeigen, wie z. B. die australischen Ureinwohner, die Pygmäen in Kamerun, die Papua in Neuguinea, die Miao in Vietnam oder die Indianer in Lateinamerika, deren Leben sich von dem der übrigen Bevölkerung unterscheidet und deren Kultur nicht selten vom Aussterben und von der Akkulturation bedroht ist; oder vertriebene Völker, die zwar noch eine gemeinsame Sprache sprechen, aber keine Heimat mehr haben, wie die Assyrer und Palästinenser im Vorderen Orient, die Wlachen in Rumänien, u.a.; weiterhin geht es um die Minderheiten, die eigentlich eine Mehrheit im Staatsgebiet sind, wie während der Apartheid in Südafrika oder die Ketschua-Indianer in Ecuador; in diese Kategorie gehören auch die Minderheiten, deren Lebensraum gleichzeitig als ethnisches und angestammtes Mutterland beansprucht wird, wie die Berber, die Kurden, die Katalanen, die Südtiroler oder die Mari im Ural.

Minderheitenschutz hat eine lange Geschichte. In den Abmachungen zum "Augsburger Religionsfrieden", 1555, wurde erstmals der Schutz von Minderheiten festgelegt; im "Westfälischen Frieden" von 1648, in den Polnisch-Russischen Abkommen von 1767 und 1775 wurden die Rechte von Minderheiten in Polen proklamiert; im Wiener Vertrag von 1815 wurden religiösen Minderheiten sowohl die Glaubensfreiheit, als auch bestimmte Bürgerrechte zugestanden; und in der Berliner Kongressakte von 1878 wurden die Türkei und die Balkanstaaten verpflichtet, den Schutz und die Gleichbehandlung aller Staatsbürger zu garantieren. Der Völkerbund wies mehrere Bestimmungen aus, die Rechte von Minderheiten zu schützen. In der Nachkriegszeit waren es vor allem die Vereinten Nationen, die mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den Grundstock für ein universelles und individualrechtliches Gleichheitsrecht legten; allerdings enthält die Menschenrechtsdeklaration keine gesonderten Rechte von Minderheiten und auch kein Diskriminierungsverbot, weil man 1948 befürchtete, damit separatistische Bestrebungen zu fördern. Deshalb wurde 1966 der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte beschlossen, in dem es in Art. 28 heißt: "In Staaten mit ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten darf Angehörigen solcher Minderheiten nicht das Recht vorenthalten werden, gemeinsam mit anderen Angehörigen ihrer Gruppe ihr eigenes kulturelles Leben zu pflegen, ihre eigene Religion zu bekennen und auszuüben, oder sich ihrer eigenen Sprache zu bedienen". In der von der UNESCO erlassenen "Erklärung zur Rasse und zu Rassenvorurteilen" von 1978 wird in Art. 1 ausgeführt: "Alle Personen und Gruppen haben das Recht, verschieden zu sein, sich als verschieden zu betrachten und als verschieden angesehen zu werden". Die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 18. Dezember 1992 verabschiedete "Erklärung zu den Rechten von zu nationalen, ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten gehörenden Personen" verpflichtet alle Staaten, die Existenz und die Identität von Minderheiten innerhalb des jeweiligen Staatsgebiets zu achten und zu schützen.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension wurde am 12.03.2013 veröffentlicht, am 18.03.2013 eine Stellungnahme von Robert Schediwy ergänzt.

Stellungnahme des Autoren Robert Schediwy zur Rezension

Dank an Jos Schnurer für die Ausführlichkeit seiner Rezension unseres Minderheitenbuches. Leider geht Schnurers Besprechung auf unsere eigentliche Thematik kaum ein und bestätigt damit indirekt die im Buch beklagten Tabuisierungstendenzen. Ich habe kaum je eine Buchbesprechung gelesen, die bei solchem eindrucksvollem Umfang so wenig über das besprochene Werk selbst zu sagen wusste. Unsere Hauptanliegen waren die folgenden:

1) Kritik an der Einseitigkeit jener Art von Vorurteilsforschung, die in der Tradition von Horkheimer und Adorno die reale soziale Dynamik bewusst ausblendet und die sich explizit nur darauf konzentriert, was in den Köpfen der Vorurteilsbehafteten vor sich geht.

2) Statt dessen Orientierung an einem Wissenschaftsethos Max Weber'scher Prägung, das auch religionssoziologische Aspekte mit einbezieht und das "heiklen" Phänomenen wie dem Missbrauch von Minderheiten als Streikbrecher, Polizeikräfte von Kolonialherren und Leibgarden tyrannischer Unterdrücker nicht ausweicht.

3) Eine kurze Diskussion von gesellschaftlicher Entsolidarisierung und gezielter Überforderung des Sozialstaates als neoliberales Projekt.

4) Kritik an der kontraproduktiven Moralisierung auch des breiteren öffentlichen Diskurses durch die "Wohlmeinenden", die aber damit nur ihre eigenen Sarrazins züchten und rechten Hohn ernten.

5) Warnende Analyse historischer Beispiele wachsender Gruppenspannungen, die letztlich in Krieg, Mord und Vertreibung mündeten.

Es ist socialnet hoch anzurechnen, dass man hier überhaupt bereit war, eine Rezension unseres Buches zu bringen und in der Folge diesen offenen Dialog zu ermöglichen. Es ist dem Rezensenten auch zu danken, dass er unsere Arbeit als Basis für weitere kontroverse aber gesittete Debatten sieht: Genau dies war unsere Intention - wer Näheres herausfinden möchte, ohne das Buch gleich erwerben zu müssen sei übrigens auf das siebenteilige Youtube-Video von der Buchpräsentation im österreichischen Staatsarchiv verwiesen.


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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 12.03.2013 zu: Jost M. Kramer, Robert Schediwy: Minderheiten. Ein tabubelastetes Thema. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2012. ISBN 978-3-643-50418-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14089.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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