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Beate Blank: Die Interdependenz von Ressourcenförderung und Empowerment

Rezensiert von Prof. Dr. Andrea Dischler, 05.02.2014

Cover Beate Blank: Die Interdependenz von Ressourcenförderung und Empowerment ISBN 978-3-86388-010-1

Beate Blank: Die Interdependenz von Ressourcenförderung und Empowerment. Der Ressourcenbegriff der AdressatInnen. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2012. 245 Seiten. ISBN 978-3-86388-010-1. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 39,90 sFr.
Reihe: Soziale Arbeit.

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Autorin

Dr. Beate Blank ist Professorin für Soziale Arbeit/Sozialarbeitswissenschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen und Inhaberin von „empowerment consult – beratung“.

Entstehungshintergrund

Die Veröffentlichung geht zurück auf die Dissertation der Autorin, die sie nebenberuflich bei Prof. Dr. Dres. H.c. Hans Thiersch erstellt hat.

Aufbau und Inhalt

Im Folgenden wird der Inhalt anhand der einzelnen Kapitel aufgezeigt. Den umfangreichsten Teil stellen Kapitel fünf und sechs (je etwa 60 Seiten) dar.

1. Einführung. Beate Blank wählt für ihre Ausführungen sozialpsychologische und lerntheoretische Wissensbestände sowie einen lebensweltlich-strukturbildenden Zugang aus.

2. Überblick. Im ersten Teil des Buches wird die theoretische Konstruktion des Ressourcenbegriffs bearbeitet, während der zweite Teil (ab Kapitel sechs) Grundlagen einer Handlungstheorie benennt, die zur Förderung von Ressourcen und Empowerment ermöglichenden Strukturen beitragen. Eine erste Umsetzung und Lehrbeispiele schließen die Arbeit ab.

3. Implizites Ressourcenwissen und Bewusstsein. Um sich Ressourcen bewusst zu werden, schlägt die Autorin sieben Schritte zu ihrer Identifizierung vor, die zirkulär ablaufen (können). Entscheidend ist, in diesen Prozess die Bewusstseinsbildung einzubeziehen und ihr entsprechend Raum zu geben.

4. Das universelle Wirkprinzip von Ressourcen. Vertieft werden hier in aller gebotenen Kürze erkenntnistheoretische Untersuchungen des Ressourcenbegriffs, diese stimmen mit der ressourcentheoretischen Sichtweise überein.

5. Die Konstruktion des Ressourcenbegriffs. In diesem Kapitel (re)konstruiert Blank zahlreiche Dimensionen des Begriffs Ressource. Ihr gelingt es, den sozioökonomischen Ressourcenbegriff Sozialer Arbeit interdisziplinär zu erweitern und zu spezifizieren. Beginnend mit philosophischen Überlegungen sowie der evaluativen Dimension widmet sie sich im Anschluss ausführlich der Würdedimension: neben dem Namen einer Person, der Menschenwürde und Gender-Ressourcen stehen Einzigartigkeit und Vielfalt ebenso wie interkulturelle Ressourcen und Gemeingüter im Mittelpunkt. Die Betrachtung der ökonomischen Dimension folgt dem Primat der Existenzsicherung: Hilfe- und Transferleistungen werden benannt, die Sichtweise der Adressat_innen sowie die Passung derer mit dem Hilfesystem; Soziale Arbeit ist hier Koproduzentin. Die strukturbildende Dimension nimmt den Wirkfaktor der Lebenswelt in den Blick, während Geben und Nehmen die handlungstheoretische Dimension treffend beschreibt. Handlungsmaxime sind Ressourcenförderung und Reziprozität.

6. Grundlagen einer Handlungstheorie. Explizit wird zwischen Ressourcenerschließung (für Bedürftige) und Ressourcenförderung (von Ressourcen) unterschieden. Das wichtigste Element einer Handlungstheorie zur Ressourcenförderung, und damit auch im Interaktionssystem Soziale Arbeit, ist ein autonomer Ressourcenbegriff der Adressat_innen. Blank geht also davon aus, dass die Konstruktion dieses unabhängigen Ressourcenbegriffs methodologisch und handlungstheoretisch erschlossen werden muss, um der Ressourcenförderung in der Praxis zu dienen. Als Basis für diese Handlungstheorie und -konzepte – gerade für Soziale Arbeit – macht sie sich die Pionierarbeit von Hobfoll und Mitarbeiter_innen zu Nutze. Sie bildet den Ausgangspunkt zur Definition, Kategorisierung und Theoriebildung der Wirksamkeit von Ressourcen. Dieses Stressmodell – eine empirisch belegte Konzeptualisierung von Ressourcen – begründet signifikante Zusammenhänge von Ressourcenverlusten und Stressauslösung ebenso wie von Ressourcenbalancen und Wohlbefinden. Die dargelegte Sicht von Ressourcen ist anschlussfähig an Staub-Bernasconi und Obrecht, ebenso an Schütz bzgl. der Konstruktion und Dekonstruktion von Ressourcen. Sie betrachtet folgend den Vorgang der Identifizierung von Ressourcen, um handlungstheoretische Grundlagen weiter auszuformulieren. Neben der herausragenden Bedeutung der evaluativen Dimension zur Konzeptualisierung einer Handlungstheorie arbeitet sie folgende Zugänge aus (basierend auf Hobfoll):

  • Die Einschätzung von Ressourcen;
  • die Konstruktion einer Ressourcentaxonomie;
  • den Mechanismus der Ressourcenbewahrung;
  • das Konzept der Ressourcenbalance;
  • die Vulnerabilität von Ressourcen sowie
  • die Passung von Ressourcen.

Anschließend daran benennt Blank die Merkmale einer Ressourcenförderung Sozialer Arbeit.

7. Der handlungstheoretische Bezugsrahmen. In diesem Kapitel nimmt die Autorin die Fäden des Diskurses und ihrer Überlegungen auf, macht sie für die Praxis nutzbar und verortet diese in der Wissenschaft der Lehr- bzw. Vermittlungskunst. Sie analysiert Konstruktionselemente von Didaktik/Methodik und entwickelt als Synthese daraus das Ressourcen fördernde, lernende didaktische Modell.

8. Curriculum: Identifizierung personaler Ressourcen. Jetzt geht Blank einen konsequenten Schritt weiter und fasst ihren Erkundungsprozess methodisch in einen interaktiven Lehr- oder Leitplan: das Bildungs- und Coachingprogramm „Personale Ressourcenidentifizierung – eine ’Schatzsuche´“.

9. Teilhabe am digitalen Zeitalter. Es werden Möglichkeiten gezeigt, wie mithilfe digitaler Medien personale und sozialräumliche Ressourcen virtuell organisiert und interaktiv genutzt werden können. Der Mehrwert für ein Gemeinwesen kann sich aus der Verknüpfung von Ressourcen des Hilfesystems, der Adressat_innen mit der Zivilgesellschaft und des Sozialraums ergeben.

10. Feldstudie: Partizipatives Ressourcenmanagement. Von 2005 bis 2007 wurde das Handlungskonzept „Paritzipatives Ressourcenmanagement“ als Instrument zur Quartiersentwicklung als Verknüpfung von Ressourcenförderung und Empowerment erprobt – dieses Kapitel beschreibt die Feldstudie dazu.

Diskussion

Beate Blank entwickelt einen Ansatz von Ressourcenförderung mit einem autonom konstruierten Ressourcenbegriff, der über den in Theorie und Praxis Sozialer Arbeit gebräuchlichen Begriff von Ressource weit hinausgeht. Bei der Betrachtung von Empowermentprozessen stehen Macht und Kraft im Mittelpunkt, es geht um einen strukturtheoretischen und politisch begründeten Empowermentdiskurs. Die Autorin regt mit ihrer Betrachtung der Bedingungszusammenhänge, Wirkweisen und damit Interdependenz von Ressourcenförderung und Empowerment zu zirkulären Denkprozessen an. Der Empowermentbegriff wird im Kontext seiner Ressourcenabhängigkeit geschärft. Dadurch kann ein unmittelbarer Zugang zu Eigenmacht, Ressourcenwissen und Wissensgemeinschaften entstehen, ohne auf Herrschaftswissen und/oder die Vermittlung Dritter angewiesen zu sein.

Die Arbeit ist sehr gut lesbar, was vor allem an der hervorragenden Kenntnis sämtlicher Diskurse liegt, wodurch die Autorin sicher durch das Thema leitet. Außerdem schafft sie Anschlussmöglichkeiten an viele theoretische (Handlungs-)Konzepte Sozialer Arbeit. Des Weiteren leistet Blank auch in der Breite Ergiebiges, sei es durch Beispiele und Erläuterungen aus der Praxis (ausführlich bereits im sechsten Kapitel), ebenso den Anschluss an das digitale Zeitalter (Kapitel neun), sowie die Veranschaulichung im Rahmen der Feldstudie (Kapitel zehn).

Fazit

„Die Interdependenz von Ressourcenförderung und Empowerment. Der Ressourcenbegriff der AdressatInnen“ von Beate Blank löst ein, was der Titel verspricht. In Tiefe wie Breite werden inter- und transdisziplinäre Diskurse zu Ressourcenförderung und Empowerment in der Sozialen Arbeit aufgefächert und verknüpft. Darüber hinaus wird der autonome Ressourcenbegriff als zentrales Element einer Handlungstheorie zur Ressourcenförderung begründet – d.h. der Eigensinn von Adressat_innen steht im Vordergrund. Sie entwickelt das Ressourcen fördernde, lernende didaktische Modell als handlungstheoretischen Bezugsrahmen. Dieses bindet Blank in ein Curriculum ein, zeigt Möglichkeiten im Umgang mit digitalen Medien auf und erprobt ihre Erkenntnisse mit einer Feldstudie. Wer sich ernsthaft – und nicht nur etikettenhaft – mit dem Begriff Empowerment und Ressourcenförderung beschäftigt, ist mit diesem Buch gut beraten. Da es an vielfältige Diskurse anknüpft, sind Vorkenntnisse dazu sicher hilfreich.

Rezension von
Prof. Dr. Andrea Dischler

Es gibt 3 Rezensionen von Andrea Dischler.

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Zitiervorschlag
Andrea Dischler. Rezension vom 05.02.2014 zu: Beate Blank: Die Interdependenz von Ressourcenförderung und Empowerment. Der Ressourcenbegriff der AdressatInnen. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2012. ISBN 978-3-86388-010-1. Reihe: Soziale Arbeit. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14111.php, Datum des Zugriffs 25.02.2024.


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