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Eugen Baldas (Hrsg.): Freiwillig. Etwas bewegen!

Cover Eugen Baldas (Hrsg.): Freiwillig. Etwas bewegen! Impulse aus 2001 + 10 = Volunteer! Make a difference! Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2012. 413 Seiten. ISBN 978-3-7841-2103-1. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

Bürgerschaftliches, freiwilliges Engagement liefert wertvolle Beiträge zur Zivilgesellschaft. Darum weiß auch die internationale Gemeinschaft, die daher bereits 2001 das Internationale Jahr der Freiwilligen ausrief. Seit dem hat sich viel getan, wie nicht zu Letzt, dem hier besprochenen Werk zu entnehmen ist. 2011 jährte sich das Internationale Jahr der Freiwilligen 2001 zum zehnten Mal. Deshalb hat der Rat der Europäischen Union jenes Jahr als Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit (EJF) zur Förderung der aktiven Bürgerschaft proklamiert. Europa- und weltweit sollte damit auch zusammen mit dem UN-Jahr 2001+10 das Erreichte in Sachen Freiwilligentätigkeit bilanziert und mit neuem Schwung belebt werden. Das Buch fokussiert – angesichts der „Beheimatung“ der Herausgeber nicht verwunderlich – die jüngeren Aktivitäten, Impulse und Veranstaltungen der Caritas, der katholischen Sozialen Arbeit in Deutschland und Europa. Die katholische Kirche und damit die Caritas, sieht die Wurzeln freiwilligen Engagements in der christlichen Nächstenliebe, die aus dieser Perspektive zugleich ein Ausdruck davon ist. Dass die Caritas dem freiwilligen Engagement einen solch hohen Stellenwert einräumt, wie er bei der Lektüre dieses Titels fortwährend deutlich wird, wird nicht zu Letzt ablesbar, wenn man in Betracht zieht, wie viel Engagement die Caritas allein in Deutschland in den Aufbau von Freiwilligenzentren und deren Vernetzung bereits bisher aufgebracht hat (siehe dazu die Rezension von Karsten Speck u.a. : Freiwilligenagenturen in Deutschland, Wiesbaden 2012).

Herausgeber (und Mit-Autoren)

Dr. Eugen Baldas ist Referatsleiter für Gemeindecaritas und Engagementförderung beim Deutschen Caritasverband in Freiburg und dessen Beauftragter für das EJF. Jorge Nuno Mayer ist Secretary General of Caritas Europa mit Sitz in Brüssel. Prof. Dr. Rainer A. Roth ist emeritierter Professor für Politische Bildung und Didaktik der Sozialkunde der Universität Augsburg.

Aufbau und Inhalt

Wie der Titel bereits erahnen lässt, das Buch ist zweisprachig (deutsch, englisch) verfasst und richtet sich damit (auch) an eine europäische, internationale Leserschaft. Dabei sind die deutschsprachigen Texte entweder übersetzt worden, oder aber um eine pointierte Summary bzw. um ein Abstract ergänzt worden. Bei den englischsprachigen Texten verhält es sich ebenso, hier geben Kurztexte den Inhalt der englischsprachigen Ausführungen prägnant wieder. Der Sammelband ist grob in vier Kapitel untergliedert:

  1. Ziele im Freiwilligenjahr 2011
  2. Überlegungen, Aktivitäten und Ideen zum Freiwilligenjahr 2011
  3. Freiwilligentätigkeit im kirchlich-sozialen Kontext
  4. Entwicklungen und Positionen

Jedes der genannten Kapitel wird mit einer Einführung in das Themenfeld / Kapitel eröffnet. Zudem sind im Kapitel I und IV noch Fotostrecken zu den Veranstaltungen und Aktivitäten, die inhaltlich aufgegriffen werden, nachzuschlagen. Vor dem ersten Kapitel steht eine Einführung der Herausgeber und es ist eine Ansprache von Papst Benedikt XVI wiedergegeben, die er anlässlich des Kongresses „The Holy Father an the European Volunteers“ am 10. und 11. November 2011 gehalten hat, den der Päpstliche Rat Cor Unum als Beitrag des Vatikans zum Europäischen Jahr der Freiwilligen durchführte. Das Verzeichnis der Autoren und Mitwirkenden umfasst 45 Namen, ohne die Übersetzer und Verfasser von Kurztexten und ohne die Mitwirkenden in der Herausgeberschaft. Somit wird deutlich, dass im Rahmen der Besprechung dieses Titels kaum jeder einzelne Beitrag zu referieren und zu würdigen ist. Allein die Praxisbeispiele umfassen 12 Länderberichte. Stattdessen wird hier im Folgenden ein „Überflug“ über die Inhalte versucht, bei dem die Innovationen Erwähnung finden, die dem Rezensenten bei der Gesamtlektüre des Werkes „ins Auge sprangen“ – wohl wissend, dass andere Leser, andere Entdeckungen machen würden.

Im ersten Kapitel finden sich u. a. Ansprachen von Flavia Pansieri, der Präsidentin von United Nations Volunteers und UN-Beauftragte für das UN-Freiwilligenjahr 2001 + 10 (auf der Weltfreiwilligenkonferenz in Singapur Januar 2011) und von Kardinal Robert Sarah, Präsident des päpstlichen Rates Cor Unum. Ferner ein Beitrag des Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes Peter Neher, der die internationale Vernetzung der Caritas betont und auf den Sozialraum als den Ort des freiwilligen Engagements verweist. Sabine Wolf, die Beauftragte für die Umsetzung des Europäischen Freiwilligenjahres beim Deutschen Caritasverband benennt die Schwerpunktsetzungen bei der Caritas in 2011. Der Herausgeber Eugen Baldas beschreibt die Aktivitäten der Caritas und unternimmt einen Ausblick auf die nächste Dekade. Hier macht er interessante Vorschläge. Drei davon sollen hier etwas näher beleuchtet werden, da diese besonders zukunftsweisend erscheinen. Den ersten Vorschlag knüpft Baldas an ein Beispiel des Caritas-Senioren-Begegnungszentrums in Seoul. Dorthin kommen täglich 1000 Senioren. Die 26 Hauptamtlichen werden tagtäglich durch etwa 70 Freiwillige unterstützt. Im Jahr wirken ca. 2000 Freiwillige dort mit. Sein Vorschlag zur zentralen Rolle der Hauptamtlichen, ist der des Freiwilligenmanagements. Der zweite hier aufgegriffene Vorschlag ist der, die auch von der UNO angeregte Öffnung zum freiwilligen Engagement, derart umzusetzen, dass diejenigen, die sonst eher als Adressaten von Engagement gesehen werden, Menschen am Rande, mit Handicaps, ohne festen Wohnsitz, Langzeitarbeitslose und Haftentlassene nun als Gruppen mit Engagementpotential zu sehen sind. Der weitere Vorschlag geht dahin, ähnlich wie in den USA und Spanien bereits vorhanden, auch in Deutschland Online-Engagement-Portale auszubauen.

In einem weiteren Beitrag im zweiten Kapitel greift Eugen Baldas dieses Thema erneut auf und benennt mögliche Aufgaben für Online-Freiwillige: Redaktionelle Arbeiten, Korrekturarbeiten, Anlegen von Dokumentationen, Newsletter verfassen, Übersetzen, Design von Webseiten, Flyern und Prospekten, Beratung in sachen PR und Konzeptentwicklung, Beschaffung von Spenden, Zuarbeiten bei Anträgen bei Stiftungen … .Er fordert ein virtuelles Freiwilligenzentrum! In weiteren Beiträgen in diesem Kapitel geht es u. a. um die sechste Europäische Freiwilligenuniversität, die in 2011 in Basel unter dem Motto „Freiwilligenarbeit zwischen Freiheit und Professionalisierung“ stattfand. Ein hoch interessanter Beitrag ist auch der zum Service Learning, dessen Ansatz auf Harry C. Silcox zurück geht. Die Grundidee ist die, dass Schüler (und Studenten) einen Dienst in und an der Gesellschaft erbringen, den sie mit einer individuellen und gesellschaftsrelevanten Lernerfahrung verknüpfen, die sie mit den Inhalten eines Faches in Verbindung stellen. Dazu braucht es eine Curricular verankerte Reflexionsmöglichkeit der gemachten Dienstleistungserfahrung. Eine Idee, die längst bei der Caritas angekommen ist, da Silcox sein Anliegen und seine Erfahrungen auf einer der vorangegangenen Freiwilligenuniversitäten noch so transportieren konnte, dass sie dort auf fruchtbaren Boden fiel.

Im dritten Kapitel sind Beiträge mit Praxisbeispielen aus eine Reihe von Ländern zusammengestellt, so aus den Niederlanden, aus Rumänien und Polen, wo auch verdeutlicht wird, wie es erst nach und nach gelingt, in der potkommunistischen Ära, junge Menschen für freiwilliges Engagement zu gewinnen. Weitere Beiträge kommen aus Belgien und ein Beitrag aus Spanien schildert Eindrücke von einer Wanderung auf dem Jakobsweg mit Obdachlosen. Der „bunte Strauß“ wird abgerundet mit Praxisbeispielen aus Südtirol, aus Bosnien und Albanien und mit dem Freiwilligenzentrum in Seoul. Hier erhält der Leser einen Überblick über die Vielfarbigkeit freiwilligen Engagements vor dem jeweiligen Hintergrund der Lage und Geschichte der Länder aus denen die Berichte sind. Allesamt sind dies Berichte aus Caritas- und ihr verbundenen Organisationen, was die Vielfarbigkeit jedoch nicht beschränkt. So verweist der niederländische Beitrag Engagementquoten der Niederländer zwischen 43 und 47 Prozent. Einem Wert, der bei Spenden und Zeitspenden für freiwilliges Engagement nur von den Schweden übertroffen wird. Die Antwort auf die Frage, wer sich in den Niederlanden besonders auf den meist für Engagement gewählten Feldern Sport und Kirche engagiert, liefert der Beitrag auch: aktive Mitglieder einer der christlichen Kirchen mit höherem Bildungsgrad. „Der quantitativ größte Beitrag wird hierbei geleistet von »dem älteren, reformierten Mann«.“

Das vierte Kapitel enthält u. a. die Grundsatzerklärung von Caritas Europe zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der Aktiven Bürgerschaft 2011, einen Beitrag zum Engagement von Firmen für eine solidarische Gesellschaft und Eugen Baldas und Jorge Nuno Mayer, die beiden Mitherausgeber, befassen sich mit Fragen der Nachhaltigkeit zum Europäischen und UN-Jahr der Freiwilligen und stellen sich den Fragen, welche Einsichten bleiben und was sollte sich die Caritas weiter vornehmen? Dabei stellen sie die Formulierung des Deutschen Caritasverbandes, die vom Caritasrat beschlossen wurde, in den Mittelpunkt: „Caritas ohne Ehrenamt ist keine Caritas“.

Fazit

Ein international ausgerichtetes Werk, das mit seinen Praxisbeispielen aus 12 Ländern einen breiten Überblick, aber auch tiefe Einblicke in das freiwillige Engagement und dessen Felder vor allem in Europa gibt. Dabei werden nationale Besonderheiten, ebenso wie die bestehenden und künftig benötigten internationalen Netzwerke ausgeleuchtet. Bei manch als Beitrag aufgenommener und abgedruckter Ansprache fragt sich der Leser, ob diese – gerade neben den so „handfesten“ und an den Realitäten so nahen Praxisberichten – wirklich weiter erhellend sind. Sie zeigen jedoch, auf welchen Ebenen in der (katholischen) Kirche, in Europa und bei der UN Impulsgeber und Unterstützer des freiwilligen Engagements zu finden sind. Daher sind solche Beiträge vielleicht nicht ganz so spannend, erhellend sind sie allemal. Es ist ein wichtiges Buch, da es den Blick auf freiwilliges Engagement erweitert. Es ist vor allem wertvoll, weil hierin die Sozialraumorientierung im Freiwilligenengagement unbedingt betont wird. Und es enthält innovative Beiträge, so die Ideen zu einem virtuellen Freiwilligenzentrum mit bereits vorliegenden konzeptionellen Überlegungen und Aufgabenfeldern, die allesamt praktikabel sind. Lesefreude kam auch auf, bei der grundsätzlichen Idee, diejenigen, die zumeist als Adressaten von Engagement (und professioneller Hilfe) gesehen werden, als potentielle Träger von Engagement zu sehen. Befasst man sich intensiver mit diesem Gedanken, so eröffnen sich vielfältige Szenarien mit Potentialen – für alle Akteure. Sehr professionell ist zudem die Haltung, Hauptamtliche, dort wo viele Engagierte sich tummeln, vor allem in der Rolle als Freiwilligenmanager zu sehen, damit ein effektvolles Nebeneinander von Haupt- und Ehrenamt gelingt.


Rezensent
Prof. Dr. Harmut Bargfrede
lehrt am Studiengang Sozialmanagement der Hochschule Nordhausen u. a. das Vertiefungsgebiet „Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenmanagement und Bürgerstiftungen“


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Zitiervorschlag
Harmut Bargfrede. Rezension vom 11.02.2013 zu: Eugen Baldas (Hrsg.): Freiwillig. Etwas bewegen! Impulse aus 2001 + 10 = Volunteer! Make a difference! Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2012. ISBN 978-3-7841-2103-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14113.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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