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Karl F. Meier-Gantenbein, Thomas Späth: Handbuch Bildung, Training und Beratung

Cover Karl F. Meier-Gantenbein, Thomas Späth: Handbuch Bildung, Training und Beratung. Zwölf Konzepte der professionellen Erwachsenenbildung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2012. 2., überarb. und erweiterte Auflage. 398 Seiten. ISBN 978-3-407-36508-8. D: 44,95 EUR, A: 46,50 EUR, CH: 59,90 sFr.

Reihe: Weiterbildung und Qualifikation.
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Thema

Das „Handbuch Bildung, Training und Beratung“ legt seinen Fokus auf erwachsenenbildnerische Konzepte. Das Handbuch präsentiert zwölf unterschiedliche Konzepte und adressiert Trainer/innen der beruflichen Bildung, um ihnen fundierte Grundlagen für die Gestaltung von zielorientierten Trainings, ihrer prozessbegleitenden Rolle als Trainer/in, den erfolgreichen Umgang mit Kunden sowie eigene persönliche Entwicklungen an die Hand zu geben.

Herausgeber

Die Herausgeber Karl F. Meier-Gantenbein und Dr. Thomas Späth können beide nicht nur langjährige berufliche Erfahrungen als Trainer aufweisen, sondern haben sich mit eigenen Unternehmen im Bereich Training, Coaching und Organisationsentwicklung etabliert. Karl F. Meier-Gantenbein ist Geschäftsinhaber von Gantenbein Consulting, Schwerpunkte sind Change Management, Innovationsmanagement sowie Supervision, Teamentwicklung und Coaching. Dr. Thomas Späth ist Geschäftsführer von Dr. Späth & Partner mit den Schwerpunkten Team- und Führungskräfteentwicklung, Problemlösung und Selbstmanagement.

Aufbau und Inhalt

Das Handbuch beginnt mit einer Einleitung von Karl F. Meier-Gantenbein, welcher die Relevanz von Konzepten – in Abgrenzung zu simplen „Kochrezepten“ (16) – für die Bildungsarbeit hervorhebt, „weil sie uns in unserer Arbeit als Trainer, Seminarleiter, Berater oder Coach geholfen haben, unterschiedlichste Situationen im Sinne einer Auftrags- und Kundenorientierung zu managen“ (17).

Anschließend folgen drei weitere einleitende Kapitel. In „Lernen Erwachsene anders?“ werden berufsbegleitendes, kontext- und anwendungsbezogenes Lernen Erwachsener sowie die Berücksichtigung deren jeweiliger Lerngeschichte und Bestreben nach Einflussnahme angerissen. „Nur nicht aus der Rolle fallen“ betont Standing und Methodenkompetenz als zentral für den Erfolg von Trainer/innen, grenzt deren Tätigkeitsprofile von Seminarleiter/innen, (Prozess-)Berater/innen und Coach/innen ab und geht auf Prozessgestaltung und -steuerung ein. In „Die Zutaten sind nicht das Gericht“ wird beschrieben, dass Konzepte einen Hintergrund für Trainer/innen bieten, um „passfähige Produkte immer wieder neu entwickeln und durchführen zu können“ (30). Zudem wird im Vorgriff auf die folgenden Konzepte angegeben, dass alle mit den Prinzipien der humanistischen Psychologie vereinbar seien, jeweils in sich verstehbare Gedankengebäude darstellen, aber auch untereinander kombinierbar seien.

In „Auf den Punkt gebracht“ wird eine kurze Zusammenfassung der nachfolgenden Konzepte gegeben. Alle Kapitel zu den jeweiligen Konzepten sind nach der gleichen Struktur aufgebaut: Zuerst wird kurz die „Einführung und Geschichte“ umrissen, anschließend nach „Was steckt dahinter?“ gefragt, eine Zusammenfassung zu „Ethik und kritische Betrachtungen“ gegeben, „Methodische Ansätze“ vorgestellt sowie „Essenz und Bedeutung“ resümiert.

  • Thomas Späth und Christian Seiter: Konzept 1, Hirnforschung: Gebrauchsanweisung für das menschliche Gehirn, die wichtigsten Erkenntnisse der Hirnforschung“. Nach Grundlegendem zum Lernen aus neurobiologischer Sicht wird u.a. auf mentales Training, Priming und Suggestopädie eingegangen. Kritisch angemerkt wird, dass „viele Forschungsdaten der Neurobiologie aus Tierexperimenten“ (65) stammen und dass die Hirnoptimierung durch Medikamente ethische Fragen aufwirft. Lernen wird als komplexer Vorgang bilanziert, der bspw. nicht nur Struktur und Wiederholungen, sondern auch Emotionen benötigt.
  • Sabine Mara Roth:Konzept 2, Kommunikation: Wie bring ichs rüber? Die Kommunikationsmodelle von Friedemann Schulz von Thun in der Trainingspraxis“. Stimmige Kommunikation wird als Ideal und Ziel herausgestellt und die Bedeutung von Metakommunikation beschrieben. Neben dem bekannten Kommunikationsquadrat werden auch die Methoden Teufelskreis, das innere Team, Werte- und Entwicklungsquadrat sowie das Situationsmodell vorgestellt. Die Grenzen liegen darin, dass Schulz von Thun keine Interventionstechniken biete, jedoch sehr gute Analysemöglichkeiten für Kommunikationsprozesse aufzeige.
  • Jan Gittinger:Konzept 3, Transaktionsanalyse (TA): Gelungene Kommunikation ist kein Zufall. Ethik, Reflexionshintergrund und Methodenkoffer in der Erwachsenenbildung und Beratung“. Grundprämisse der TA nach Eric Berne ist „People are OK!“. Die TA zielt drauf, zwischenmenschliche Kommunikation, Beziehungen und Entwicklungsprozesse zu analysieren, zu verstehen und zu gestalten. Hierzu werden die Modelle der Transaktionen zwischen „Eltern-Ich“, „Kind-Ich“ und „Erwachsenen-Ich“, das Dramadreieck und Scripte erklärt sowie konkrete Übungsbeispiele für Seminare und Trainings benannt. Als Risiken werden sprachliche Defizitorientierungen, mögliches Schubladendenken und logische Brüche der Methode benannt.
  • Almud Maria KranzKonzept 4, Themenzentrierte Interaktion (TZI): Alles im Blick! TZI als Basis für partnerschaftliche Kommunikation in Systemen“. Die zentralen Axiome der TZI nach Ruth Cohn werden präsentiert und im Kontext der humanistischen Psychologie verortet. Ebenfalls werden die zwei Postualte der TZI wiedergegeben: „Übernehmen Sie Verantwortung für sich und Ihr Handeln“ und „Störungen haben Vorrang“ (130). Das Eisbergmodell sowie das das „grafische Grundsymbol der TZI“ (133), ein Dreieck im Kreis, werden präsentiert. Ziel ist, zwischen den Faktoren Ich/Es/Wir/Globe eine dynamische Balance herzustellen. Ein Risiko im Seminar sei, dass Störungen zu viel Raum bekommen können. Ausführliche Einblicke werden anhand von Praxisbeispielen gegeben, so z.B. zu den „sechs Augen der Seminarleitung“ (137).
  • Thomas Späth und Carlos Salgado:Konzept 5, Neurolinguistisches Programmieren: Abenteuerland NLP. NLP im Trainingsalltag“. NLP wird als lernpädagogisches Methodenset mit effizienten „Werkzeugen“ präsentiert, so z.B. zur Steuerung des Rapports (Kontakt zwischen Trainer/in-Teilnehmer/in) durch Pacing und Leading oder durch die B.A.G.E.L.-Methode. Repräsentationssysteme, Sprachmodelle, Metaprogramme und Reframing werden erklärt, auch anhand konkreter Seminarbeispiele. Kritische Diskussionen zum NLP werden aufgegriffen, aber zurückgewiesen, denn „NLP als Instrument manipuliert nicht, die Manipulation erfolgt durch die Menschen!“ (157) Folglich sei die „Einstellung, Ethik und persönliche Kompetenz des Anwenders“ zentral (160).
  • Sabine Maria RothKonzept 6, Gestaltansatz: Vordergründig Hintergründiges. Der Gestaltansatz als Haltung und Anleitung“. Zentrale Begriffe des Gestaltansatzes nach Perls/Goodman wie bspw. Figur und Gestalt werden erklärt sowie auf Hintergründe (Existentialphilosophie und Humanistische Psychologie) verwiesen. Insgesamt ziele der Ansatz auf den „mündigen Menschen“, weshalb es in Trainings zu Schwierigkeiten bei der Vermittlung von „hard facts“ (194) kommen könne. Methodisch sind folgende Fragen zentral: „Was tust du? Was fühlst du? Was möchtest du? Was vermeidest du? Was erwartest du?“ (195).
  • Uwe Reineck: „Konzept 7, Psychodrama: Vorhang auf und Bühne frei! Schönste aller Therapien“. Das Psychodrama nach Moreno wird als lebendige und komplexe Therapie beschrieben, bei der die Gruppendynamik von besonderer Bedeutung ist. Methodisch wird mit Rollentauschs, Doppelgängern, Hilfs-Ichs, Spiegeln, aktionssoziometrischen Standbildern oder Reality Training gearbeitet. I.d.R. werden individuelle Probleme aufgegriffen, was an vielfältigen Praxisbeispielen verdeutlicht wird. Kritisch sei, dass Psychodrama als schwer zu erlernen gilt und dass kaum Weiterentwicklungen stattgefunden haben, die über dessen charismatischen Gründer Moreno hinausgingen.
  • Thomas Späth: „Konzept 8, Handlungslernen: Training by Doing. Die Grundlagen modernen Handlungslernens für Trainer und Pädagogen“. Die Bedeutung des „selber tuns“ (238) für das Lernen wird unter Rückgriff auf Aristoteles, Rousseau, Dewey, Piaget und Hahn veranschaulicht, Handlungslernen und Erlebnispädagogik werden definiert sowie Lernmodelle, Outdoorpädagogik, Seilgärten, City Bound und Reflexionsmethoden skizziert. Als Kritische Punkte werden der Transfer von Kurzzeitmaßnahmen in den Alltag, das „Action Hopping“ und Sicherheitsaspekte beschrieben.
  • Karl F. Meier-Gantenbein:Konzept 9, Konstruktivismus: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Konstruktivistische Prämissen und ihre Bedeutung in der Bildungs- und Beratungsarbeit“. Grundpositionen wie die Subjektivität von Wahrnehmung und Konstruktion von „Wirklichkeit“ werden aufgegriffen sowie auf die Rolle von Trainer/innen als Lernbegleitende im Sinne einer Ermöglichungsdidaktik eingegangen. Als Risiken des Konstruktivismus wird benannt, dass Orientierung verloren gehen kann, Trainer/innen in Beliebigkeit verfallen oder Probleme auf Wahrnehmungsschwierigkeiten von Teilnehmenden reduzieren könnten. Methodische Ansätze, die für konstruktivistische Perspektiven sensibilisieren, sind bspw. die Kunstinterpretation, kognitive Landkarten, verdecktes Coaching und Abstraktionsleiter
  • Karl F. Meier-Gantenbein:Konzept 10, Systemtheorie: Was brauchbar ist, entscheide ich! Der systemische Ansatz als Grundhaltung“. Unter Rückgriff auf Luhmann werden soziale Systeme als Kommunikationssysteme skizziert, in denen ein gemeinsamer Sinnzusammenhang und Bedeutung konstituiert wird. Beziehungen zwischen Systemen und Umwelt, strukturelle Koppelungen, die Beobachtung von Systemen, die wiederum aus der Perspektive der beobachtenden Person und deren Systems erfolgt, sowie die Relevanz von Selbstbeobachtung werden beschrieben. Kritik an systemischen Trainings richte sich auf Trainer/innen, die vor lauter Fragen stellen zum „inhaltslosen Lernkontextbegleiter“ (309) mutieren können, jedoch eröffne das Arbeiten mit Hypothesen einen Ausweg. Als methodische Ansätze werden Feedback, Systemisches Fragen, Paradoxe Interventionen, Aufstellungsarbeit, Rekonstruktion von Kausalfaktoren, Kulturanalyse, Tetralemma-Methode und systemisches Malen vorgestellt.
  • Stephanie Rösner:Konzept 11, Lösungsorientierte Kurztherapie (Solution Focused Brief Therapy – nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg). Lösungen (er)finden, Ressourcen und Stärken nutzbar machen“. Aufbauend auf die Hypnotherapie Ericksons, Grundannahmen aus Familien- und Systemtherapie sowie unter Berücksichtigung sprachphilosophischer Überlegungen wird die Prämisse formuliert, dass zwischen Problem und Lösung keine notwendige Verbindung bestehen muss. Durch Gesprächsführung, Wertschätzung, Beziehungsgestaltung und Intervention mit sogen. „Besuchern“, „Klagenden“ und „Kunden“ soll – anstelle einer Problemorientierung – die Lösungsorientierung und das Finden von Lösungen im Mittelpunkt stehen.
  • E. Noni Höfner:Konzept 12, Der Provokative Stil. Humor und Provokation in Therapie, Coaching und Beratung“. Dieser Ansatz setzt darauf, den Widerstand von Klient/innen durch Provokationen, Pauschalierungen, „idiotische Ratschläge“ (383) oder Unterstellungen zu mobilisieren. Zentral seien konstruktiver Humor, die Fokussierung auf Stärken der Klient/innen sowie Emotionen, denn „wenn man Menschen beeinflussen will, muss der Antrieb zur Veränderung daher ebenfalls aus den Gefühlen kommen“ (374). Von daher ist die Persönlichkeit des „Anwenders“ (379, gemeint ist der Therapeut) bedeutsam, denn schlimmstenfalls kann dieser zu „ernsthaften Verletzungen des Klienten“ (ebd.) beitragen. Kritisch werden kann es, wenn Provokationen als eigennützige Manipulationen verstanden würden. Der provokative Stil sei zwar ziel- und Lösungsorientiert, „aber Ziel und Lösung sind ausschließlich Sache des Klienten“ (386).

Auf ein abschließendes Fazit des Sammelbandes wird verzichtet. Im Anhang werden die Autor/inn/en in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt und ihre Trainingsschwerpunkte umrissen, auf den letzten Seiten findet sich ein Stichwortverzeichnis.

Diskussion

Positiv sind am „Handbuch Bildung, Training und Beratung“ mehrere Aspekte: Zahlreiche Praxisbeispiele, Schaubilder und Grafiken, die in einigen Kapiteln zudem explizit auf Trainings- und Seminarsituationen bezogen, sind, veranschaulichen nicht nur die komplexen Inhalte, sondern tragen immens zum Verständnis bei. Zudem sind Beispiele grafisch hervorgehoben, sodass sie auf den ersten Blick direkt erfasst werden können. Das Buch gewinnt hierdurch an Übersichtlichkeit und lädt geradezu zum querlesen, blättern und in die Hand nehmen ein. Anhand der Praxisbeispiele wird zudem sichtbar, dass die Autor/inn/en selber über profunde Erfahrungen als Trainer/innen verfügen. Die Gliederungsstruktur (1. „Einführung und Geschichte“, 2. „Was steckt dahinter?“, 2. „Ethik und kritische Betrachtungen“, 3. „Methodische Ansätze“, 4. „Essenz und Bedeutung“), nach der alle Konzepte präsentiert werden, vereinfacht die Orientierung und trägt zu einem guten, ersten Einblick in die jeweiligen Konzepte bei. Auch die Literaturempfehlungen zum Ende der jeweiligen Kapitel sind hilfreich. Dass systematisch neben der Darstellung des jeweiligen Konzepts auch kritische Betrachtungen genannt werden, ist begrüßenswert, denn diese ist in anderen Publikationen keine Selbstverständlichkeit.

Im Vergleich zur Erstauflage ist das Inhaltsverzeichnis übersichtlicher geworfen sowie das Konzept 11, Lösungsorientierte Kurztherapie und 12., Der provokative Stil hinzugekommen. Das Konzept Hirnforschung wurde für die 2. Auflage gekürzt. Leider erfährt man nicht, wer der/die Autor/inn/en der drei einführenden Kapitel (zwischen Einleitung und Konzepten) sind. Es wird lediglich von „wir“ (21, 25) gesprochen sowie der Eindruck erweckt, dass die Autor/inn/en „Das Stadium der Reife“ (25) für sich beanspruchen. Ob sie damit die Leser/innen beeindrucken, sich auf Distanz halten oder aber motivieren möchten, wird nicht klar. Ein weiteres Fragezeichen wirft die Grafik auf S. 23 auf: Während im Text „der Trainer stärker im Bereich der Zielorientierung“ (22) verortet wird, ist er in der Grafik auf der Achse der Prozessorientierung zu finden.

Inhaltlich fallen zum „Handbuch Bildung Training und Beratung“ einige Unstimmigkeiten auf: So wird bspw. nicht genauer geklärt, was ein „Konzept“ eigentlich ist bzw. wie die Autor/inn/en dies definieren, lediglich dessen Funktion als „Bezugsrahmen“ (17) wird hervorgehoben. Kann man bei den vorgestellen Konzepten tatsächlich von „Konzepten“ sprechen? Im Kapitel zum Konstruktivismus differenziert zumindest Meier-Gantenbein selber, „Konstruktivismus ist nicht in erster Linie ein Konzept für die Bildungsarbeit mit Erwachsenen. Konstruktivismus ist eine Weltsicht“ (35). Aber auch beim systemischen Ansatz oder Gestaltansatz wird eher von „Ansatz“ als von Konzept gesprochen. Zu Recht, denn Ansätze enthalten umfassendere allgemeine Begründungen, nehmen holistische Perspektiven ein und beinhalten auch Menschenbilder und Weltsichten. Konzepte hingegen – auch wenn deren Definitionen wissenschaftlich mehrdeutig ausfallen – beziehen sich (vor dem Hintergrund von Theorien/Ansätzen) stärker auf konkrete Planungsentwürfe unter Berücksichtigung von Zielgruppen und Rahmenbedingungen . Enorm hilfreich wäre hier eine Differenzierung zwischen Konzept, Ansatz (oder weiterem), und am Ende des Handbuchs ein vergleichendes Fazit, welches die jeweiligen Konzepte/Ansätze kontrastiert und Bezüge aufzeigt.

Ebenfalls beansprucht das Handbuch, dass sich alle vorgestellten Konzepte mit den Prinzipien der Humanistischen Psychologie in Einklang bringen ließen (29), zur Humanistischen Psychologie selber findet sich leider bloß ein einziger Satz. Als erstes stellt sich die Frage, warum alle der vorgestellten Konzepte mit der Humanistische Psychologie in Einklang zu bringen sein sollen? So bezieht sich bspw. die Hirnforschung eher auf die Neurowissenschaften als auf den Humanismus, und der Deutsche Verband für Neurolinguistisches Programmieren e.V. verortet NLP im „Bereich der Kognitions- und Verhaltenswissenschaften“. Auch zählt E. Noni Höfner ihren Provokativen Stil zur Verhaltenstherapie (374). Als zweites stellen sich die Fragen: Welche Diskrepanzen bestehen hier zur Humanistischen Psychologie, die mit unterschiedlichen Wissenschaftsverständnissen, denen daraus resultierenden Menschenbildern und anschließenden Ansätzen und Interventionskonzepten einhergehen? Auf welche Probleme werden Trainer/innen stoßen, wenn sie versuchen die vorgestellten Konzepte miteinander zu kombinieren? Dass im vorliegenden Handbuch jedoch die Humanistische Psychologie als Bezugspunkt proklamiert wird, verwundert jedoch nicht, da die Verbindung von Humanistischer Psychologie mit wirtschaftswissenschaftlichem Denken die Hoffnung auf nachhaltige Veränderungen von Mitarbeitenden, Führungskräften und Teams weckt.

Das Handbuch adressiert in den einführenden Kapiteln Trainer/innen der betrieblichen Weiterbildung, was sich in den einzelnen Konzepten jedoch nicht unbedingt fortsetzt, z.B. werden im Konzept 12 Beispiele aus Therapiesitzungen in den Vordergrund gestellt. Auch setzt das Handbuch in seinen einleitenden Kapiteln betriebliche Weiterbildung irritierenderweise mit Erwachsenenbildung gleich. Allgemeine Erwachsenenbildung hat jedoch wesentlich mehr zu bieten als Trainings in betrieblichen Unternehmen, so sind bundesweit bspw. über 190.000 VHS-Kursleiter/innen mit Bildung in öffentlicher Verantwortung befasst. Nicht zuletzt verbirgt sich im Begriff der Erwachsenenbildung auch „Bildung“ – und dies umfasst u.a. auch Selbstbildungsprozesse und informelles Lernen jenseits von institutionalisierten Settings und effizienzorientierten Paradigmen wie den im Handbuch erwähnten „return on investment“ oder „economic value added“ (20).

Fazit

Insgesamt bietet das „Handbuch Bildung, Training und Beratung“ für Seminarleiter/innen und Trainer/innen einen kompakten und systematischen Überblick über unterschiedliche Konzepte, die in Bildungskontexten mit Erwachsenen relevant sind. Dass die Lektüre des Handbuchs keine Zusatzausbildung mit umfangreicheren Inhalten ersetzen kann, versteht sich von selbst. Jedoch bietet das Handbuch für „fachfremde“ Berufseinsteiger/innen in Trainings, für Studierende der (Erwachsenen-)Bildung sowie interessierte Weiterbildungspraktiker/innen eine ausgesprochen praxisbezogene Orientierung sowie eine gut verständliche, kurze inhaltliche Einführung.

Was man beim „Handbuch Bildung, Training und Beratung“ nicht erwarten darf, sind kurze „Kochrezepte“(16) bzw. simple Methoden zur Seminarplanung. Ebenfalls ist es aufgrund der eher in den Hintergrund gestellten vergleichenden Diskussion der Konzepte weniger als vertiefender Studientext geeignet, sondern ist vor allem wertvoll für Anregungen und die (Selbst-)Reflexion von Trainer/innen, für deren Orientierung hinsichtlich eigener Fortbildungen und der Entwicklung von individuellen Bezugspunkten.


Rezension von
Dipl.-Päd. Iris Männle
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Zitiervorschlag
Iris Männle. Rezension vom 22.04.2013 zu: Karl F. Meier-Gantenbein, Thomas Späth: Handbuch Bildung, Training und Beratung. Zwölf Konzepte der professionellen Erwachsenenbildung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2012. 2., überarb. und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-407-36508-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14176.php, Datum des Zugriffs 02.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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