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Jochen Oltmer: Globale Migration

Cover Jochen Oltmer: Globale Migration. Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H. Beck (München) 2012. 128 Seiten. ISBN 978-3-406-64092-6. D: 8,95 EUR, A: 9,20 EUR, CH: 14,50 sFr.

Beck'sche Reihe - 2761 - C. H. Beck Wissen.
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Das globale Zukunftsthema Migration

1994 war es, als sich 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem „Manifest der 60“ zu Wort meldeten und ihre „gemeinsame Sorge über die mangelhafte politische Gestaltung der Migration und ihrer Folgen in Deutschland“ zum Ausdruck brachten und darauf hinwiesen. „Deutschlands Zukunft hängt auch von einer Migrations- und Integrationspolitik mit Vernunft und Augenmaß ab“. Der Herausgeber des Manifests, Professor für Neueste Geschichte und Direktor des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück, Klaus J. Bade, und die Mitverfasser wollten damit einen „Anstoß zu einer in Deutschland längst überfälligen Debatte“ geben (Klaus J. Bade, Hrsg., Das Manifest der 60. Deutschland und die Einwanderung, München 1994, 231 S.).

In den fast zwanzig Jahren hat es zahlreiche Studien und Forschungsaktivitäten zur Migrationsthematik gegeben, wie die bei socialnet besprochene Rezension zeigt. In der sich immer interdependenter, entgrenzender und globalisierter entwickelnden (Einen?) Welt haben Wanderungsbewegungen von Menschen aus unterschiedlichen Gründen und Zwängen eine neue Bedeutung von Migration bewirkt. Es sind die vielfältigen wirtschaftlichen, politischen, sozialen, kulturellen und existentiellen Bedingungen, die Migration zu einer globalen Gegenwarts- und Zukunftsherausforderung machen.

Autor

Der am Osnabrücker Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien lehrende und forschende Historiker Jochen Oltmer legt in dem schmalen Bändchen einen knappen Aufriss der komplexen globalen Migrationssituation in der Neuzeit vor. Er verweist dabei insbesondere auf die historischen und aktuellen Prozesse und verdeutlicht, dass die „wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Hintergründe, Rahmenbedingungen und Folgen“ nicht annähernd zu verstehen sind, nimmt man nicht zur Kenntnis, „dass Migration und Integration Ergebnis historischer Prozesse und staatlich verordneter Politik sind“.

Aufbau und Inhalt

In mehreren Themenkreisen behandelt Oltmer die Thematik.

Im ersten Kapitel wird die „Migrationsgeschichte als Menschheitsgeschichte“ mit einem historischen Rückblick skizziert.

Im zweiten geht es um „Bedingungen, Formen und Folgen weltweiter Wanderungen in der Neuzeit“. Der Autor zeigt globale Migrationsmuster auf, wie sie sich durch die Globalisierung herausgebildet haben, benennt die verschiedenen Bestimmungsfaktoren für Migration und setzt sich mit den Kommunikationsformen und Anlässen für Wanderungsbewegungen auseinander (vgl. dazu auch: Jörg Gertel / Sandra Calkins, Hrsg., Nomaden in unserer Welt. Die Vorreiter der Globalisierung: Von Mobilität und Handel, Herrschaft und Widerstand, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12663.php).

Im dritten Kapitel stellt Oltmer die „Erschließung und Verdichtung des globalen Raums durch Migration vom 16. bis zum 19. Jahrhundert“ dar, mit Sklavenhandel, europäischer Raumsuche und Besiedlung, Massenabwanderungen aus Europa und europäische Nordamerikamigration im 19. Jahrhundert

Das vierte Kapitel thematisiert „Arbeits- und Siedlungswanderungen im Zeichen rapider Globalisierung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert“, mit der „Inwertsetzung“ der kolonialen Besitzungen, bis hin zu den Zuwanderungen aus den Kolonialgebieten nach Europa. Im fünften Kapitel werden „Flucht, Vertreibung, Deportation“ als Auswirkungen und Ergebnisse der weltweiten Kriege im 20. Jahrhundert dargestellt, und schließlich im sechsten und letzten Kapitel die „neue Weltordnung und globale Handlungsräume“ diskutiert. Sie zeigen sich in kontrollierten (Arbeits- und Ausbeutungs-)Zuwanderungen in die „Paradiese der Welt“, die sich als Wohlstandsinseln in den ansonsten desolaten und jämmerlichen Not- und Hungerregionen der Erde darstellen. Ein neues Element der Migrationsthematik ergibt sich durch die Umweltmigration, die durch Klimaveränderungen und Hungerkatastrophen bedingt ist (Worldwatch Institute, Hrsg., Zur Lage der Welt 2011. Hunger im Überfluss: Neue Strategien im Kampf gegen Unterernährung und Armut, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11455.php).

Fazit

Die skizzenhaften Darstellungen der Geschichte der Migration in der Neuzeit vermitteln einen Überblick über Ursachen, Bedingungen und Auswirkungen von globalen Migrationsbewegungen und liefern Argumente und Entscheidungshilfen für gesellschaftliches und politisches Handeln. Mögliche Lösungsansätze werden dabei nicht als Rezepte geliefert, sondern als Grundlage für humanes, verantwortungsbewusstes Denken und Handeln angeboten. Die Literaturauswahl zu den Bereichen „Globale Migration und übergreifende Fragen“, „Inter- und transkontinentale Massenintegration im (langen) 19. Jahrhundert“, „Migration und Kolonialismus, postkoloniale Migrationen“, „Migration und Krieg“ und „Beschleunigte Globalisierung und Migration im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert“ bietet eine intensivere Auseinandersetzung an; das Länder-, Regionen- und Orte-Register erleichtert die Handhabe des Büchleins; zur Veranschaulichung werden drei Kartenskizzen angeboten.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 09.11.2012 zu: Jochen Oltmer: Globale Migration. Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H. Beck (München) 2012. ISBN 978-3-406-64092-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14206.php, Datum des Zugriffs 19.09.2019.


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