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Christoph Schiefele: Die Bedeutung von Alltags- und Spielformaten (sprachlich-kommunikative Fähigkeiten)

Cover Christoph Schiefele: Die Bedeutung von Alltags- und Spielformaten für die Erweiterung sprachlich-kommunikativer Fähigkeiten. Eine empirische Vergleichsstudie über vier Kinder. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2012. 280 Seiten. ISBN 978-3-86226-200-7.

Reihe: Pädagogik - 46.
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Thema

Der Zusammenhang von sprachlichen Kompetenzen und Schulerfolg wurde durch nationale und internationale Vergleichsstudien eindrucksvoll belegt. Die in diesem Zusammenhang konzipierten Sprachfördermaßnahmen, die überwiegend Teilausschnitte kindlicher Sprache in den Vordergrund stellen, bleiben in den einschlägigen Evaluationsstudien jedoch den Nachweis ihrer Effektivität schuldig. Alltags- und Spielhandlungen werden in ihrem Potential für die Sprachförderung in der pädagogischen Praxis noch zu wenig untersucht. Christoph Schiefele stellt daher diese Formate im Sinne der interaktionistischen Spracherwerbstheorie in den Mittelpunkt seiner Vergleichsstudie zur Sprachkompetenz von vier Kindern.

Autor

Christoph Schiefele war Projektmitarbeiter im Projekt zur „Wissenschaftlichen Begleitung zur Implementierung des Orientierungsplans für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten“ sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter im Fachbereich Sprache und Kommunikation an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Derzeit arbeitet er als Lehrkraft an der Fröbelschule Ludwigsburg (Sprachheilschule bzw. Schule für Sprachbehinderte).

Aufbau

Das Buch umfasst 277 Seiten (inklusive Literatur- und Quellenverzeichnis, sowie den Anhang mit exemplarischen Transkriptionen). Die Inhalte verteilen sich auf zwölf Kapitel und den Anhang, der transkribierte Ausschnitte aus Rollen- und Regelspielformate enthält. Schiefele unterteilt das Buch in zwei große Themenbereiche, von denen sich einer mit der theoretischen Grundlegung der Arbeit befasst (etwa 100 Seiten), während der zweite, umfassendere Teil die empirische Vergleichsstudie illustriert (etwa 170 Seiten).

Inhalt

In seiner Einleitung verweist der Autor auf die durch die internationalen Vergleichsstudien aufgezeigten Handlungsbedarfe im Bereich der Unterstützung sprachlicher Fähigkeiten von Kindern. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass das Feld der Sprachbildung und -förderung zum großen Teil noch den Nachweis der Effektivität schuldig bleibt. Als theoretische Grundlegung stellt er die interaktionistische Spracherwerbstheorie im Anschluss an Bruner in den Fokus, der die Bedeutung von Formaten für den Spracherwerb von Kindern betont. Mit Formaten sind wiederkehrende Situationen im Alltag von Familien oder Kindertageseinrichtungen gemeint, die dem Kind Sicherheit und Orientierung geben, sich sprachlich äußern zu können (z.B. Morgenkreis, Rollenspiele, Begrüßung und Verabschiedung etc.). Der Fokus der Unterstützung sprachlicher Fähigkeiten durch pädagogische Fachkräfte muss sich aus der theoretischen Grundlegung also auf den Alltag von Bildungseinrichtungen ausrichten. Die Fragestellungen seiner Promotionsstudie sind zunächst breit angelegt und beziehen sich auf die Bereiche kindlicher Voraussetzungen, die bei der Unterstützung von Kindern mit Schwierigkeiten in sprachlich-kommunikativen Bereichen beachtet werden müssen. Weiterhin geht er der Frage nach, welche interindividuellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich bei der Betrachtung der Spiel- und Sprachfähigkeiten zeigen. Schließlich soll Die Frage beantwortet werden, wie Kinder mit Hilfe von Spiel- und Alltagsformaten bei der Entwicklung sprachlich-kommunikativer Kompetenzen unterstützt werden können.

Im ersten Teil des Buchs zeichnet Christoph Schiefele die Bedeutung von Sprach- und Kommunikationskompetenz in der Frühpädagogik auf. Dabei wird die Bedeutung einer linguistischen, insbesondere pragmatisch-kommunikativen Betrachtung von Spracherwerb in den Vordergrund gerückt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Folgenden in der Spielentwichklung von Kindern, die im engen Zusammenhang zum Spracherwerb steht.

Der zweite Teil des Buchs illustriert die Vorgehensweise des Autors im Rahmen seiner empirischen Erhebung. Zur Beantwortung seiner Fragestellungen schlägt er ein qualitatives Design vor, das mit inhaltsanalytischer Methode vier Fallbeispiele bearbeitet. Nach der Vorstellung der Methode folgt die Darstellung der vier Fallbeispiele, die jeweils umfassende biografische Angaben, Angaben zu den Sprachkompetenzen und zur Förderung in Alltags- und Spielformaten enthalten. Die Beobachtungen des Autors werden mit Beobachtungsbögen strukturiert und im Sinne von zusammenfassenden Synopsen aufbereitet. Die Ergebnisse der Fördermaßnahmen werden im Folgenden aufbereitet und im Hinblick auf den theoretischen Rahmen der Arbeit eingeordnet und reflektiert.

Diskussion und Fazit

Die Bedeutung von Alltags- und Spielformaten für die Erweiterung sprachlich-kommunikativer Kompetenzen – eine empirische Vergleichsstudie über vier Kinder ist zunächst ein Buch, das sich primär an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wendet. Durch die illustrative Darstellung von Fallbeispielen eignet es sich aber ebenso, um die linguistische Perspektive in ihrer Bedeutung für pädagogische Prozesse zu reflektieren. Christoph Schiefele gelingt es sehr eindrucksvoll, den Erfolg einer theoretisch fundierten Förderung von Kindern anhand der Beispiele nachzuweisen. Der methodische Zugang zur Beantwortung der Fragestellung mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse erscheint angesichts der linguistischen Argumentation des Autors zunächst überraschend, liegen doch gesprächsanalytische Verfahren vor, die die pragmatisch-kommunikative Entwicklung von Kindern genauer abbilden können. Der Autor kommt aber zu überzeugenden Ergebnissen, die schlüssig abgeleitet und nachvollziehbar aufbereitet werden.

Auf diesem Hintergrund kann das Buch aufgrund der illustrativen Darstellung der Fallbeispiele für frühpädagogische Fachkräfte mit einem Schwerpunkt in sprachlicher Bildung, Leitungskräften und Fachberaterinnen und Fachberater und Trägervertreterinnen und -vertretern empfohlen werden. Auch für Studierende frühpädagogischer Studiengänge eignet sich das Werk, um sich einen fundierten Überblick über das Thema sprachliche Bildung in Kindertageseinrichtungen zu verschaffen.


Rezension von
Univ.-Prof. Dr. Timm Albers
Universität Paderborn Fakultät für Kulturwissenschaften Institut für Erziehungswissenschaft Arbeitsbereich Inklusive Pädagogik
Homepage www.albers.ph
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Zitiervorschlag
Timm Albers. Rezension vom 16.06.2014 zu: Christoph Schiefele: Die Bedeutung von Alltags- und Spielformaten für die Erweiterung sprachlich-kommunikativer Fähigkeiten. Eine empirische Vergleichsstudie über vier Kinder. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2012. ISBN 978-3-86226-200-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14255.php, Datum des Zugriffs 03.07.2020.


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