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Nadine Marquardt, Verena Schreiber (Hrsg.): Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart

Cover Nadine Marquardt, Verena Schreiber (Hrsg.): Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. transcript (Bielefeld) 2012. 315 Seiten. ISBN 978-3-8376-1968-3. D: 26,80 EUR, A: 30,70 EUR.

Reihe: Sozialtheorie.
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Thema

Wir bezeichnen Vieles im Alltag mit Begriffen, die auch Räume assoziieren oder auch bestimmte Räume sind oder mit denen bestimmte Inhalte konnotiert werden. Wie reflektiert wir dies immer tun, sei dahin gestellt. Fest steht, dass es gegenwärtig eine ganze Reihe von Begriffen gibt, die zwar Räume beschreiben, aber nur in wenigen Fällen wird der Raumbegriff analytisch bedeutsam. Mit dem "spatial turn" können solche Begriffe in den Kultur- und Sozialwissenschaften nunmehr mit raumanalytischen und -theoretischen Überlegungen analysiert werden, ohne dass sie damit eine Bedeutungsveränderung erfahren.

Herausgeberinnen

Nadine Marquardt und Dr. Verna Schreiber sind beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt/Main.

Autorinnen und Autoren

Die Autorinnen und Autoren stammen aus den Bereichen der Kultur- und Sozialwissenschaften, der Geographie, der Geschichte, der Politikwissenschaft, und der Medizin.

Aufbau

Das Buch umfasst nach einer Einleitung 46 Beiträge zu unterschiedlichen Bereichen gesellschaftlichen Lebens und zu gesellschaftlichen Handlungsfeldern, die mit Räumen unmittelbar verbunden sind oder mit denen wir Räume mittelbar assoziieren.

In ihrer Einleitung erklären die beiden Herausgeberinnen zunächst auch den Titel "Ortsregister" Es geht dabei um nichts weniger als um ein "richtiges" Raumverständnis und es geht um die Zusammenschau unterschiedlicher Räume und Orte, die jeweils ihre eigene Geschichte und Dignität haben, die auch ihre eigene Logik der Integration und Ausschließung kennen und die auch auf unterschiedliche und je eigene Weise ihren eigenen Anspruch formulieren, Bewältigung des Alltags zu ermöglichen und relevante Teile einer kulturellen, gesellschaftlichen und sozialräumlichen Praxis zu sein.

Das Ortsregister fragt nach der gesellschaftlichen Relevanz dieser Praxis, also welche Bedeutung haben die einzelnen Bereiche – Räume und Orte – für die Aufrechterhaltung der Gesellschaft.

Anschließend werden Vorschläge für die Lesepraxis gemacht und auf die Beiträge kurz und kursorisch eingegangen.

Ausgewählte Inhalt

Die Rezension wird dem Inhalt nicht gerecht, wenn sie auf alle 46 Beiträge mit ein bis zwei Sätzen eingeht.

Vielmehr werden einige recht typische Räumlichkeiten und Orte ausführlich vorgestellt, die auch bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse beschreiben oder eine bestimmte gesellschaftliche Praxis erfassen und die dann mehr oder weniger auch für andere Orte jeweils stehen können.

Wenn man versucht, Kategorien zu bilden, dann kommt man bei den hier ausgesuchten Räumlichkeiten und Orten vielleicht zu folgender Einteilung der genannten Räumlichkeiten und Orte.

  1. Es gibt Räumlichkeiten und Orte, die sich in der Tat auf geographische, soziale oder politisch definierte Räume beziehen und in denen sich Raumbedingungen als sozialökonomische, sozialkulturelle oder sozialstrukturelle Bedingungen des Handelns manifestieren. Dazu zählen: Banlieue, Gated Community, Kiez, Reservat.
  2. Dann haben wir Räume und Orte, die auf Grund der Eigenart ihrer politischen oder strategischen Bestimmung besondere Räume sind: Borderland, Niemandsland
  3. Es gibt Räume, die eine besonderen Charakter aufweisen, die keine eigentlichen Räume sind, in denen sich aber auch Orte herausbilden, auch spezifische Regionen oder Gebiete bezeichnen können. Dazu gehört sicher der Begriff Outdoor
  4. Wenn wir an Räume denken, die sich auf bestimmte gesellschaftliche Handlungsfelder und Institutionen beziehen, die aber in dem Fall gar keine Assoziationen zum Raum hervorrufen, dann haben wir es mit einem "Raum" zu tun wie Bildungslandschaft
  5. Wir haben Handlungsfelder, die an spezifische konkrete Räume gebunden sind, die aber gleichzeitig mehr meinen, als den Raum selbst, wo Handlungen vollzogen werden. Dazu zählen Finanzparkett, Rechenzentrum, Labor u. ä.

Banlieue, Gated Community, Kiez, Reservat

Mélana Germes und Andreas Tijé-Dra setzen sich mit der Banlieue auseinander. Mit Banlieues umschreiben wir in der Regel randstädtische Problemviertel als Großraumsiedlungen. Der Begriff ist stark verbunden mit Randquartieren französischer Großstädte, in denen eine meist ärmere maghrebinische Bevölkerung wohnt. Sie sind das Produkt einer zentralstaatlichen und kommunalen Stadtpolitik und sie sind das Resultat eines Prozesses, an dessen Ende sozialräumliche Segregation zur sozialen Exklusion führt. Um diesen Überlegungen gerecht zu werden, müsste man die historische Besonderheit der Beziehung Frankreichs zu dieser Bevölkerungsgruppe thematisieren.

Dies wird an Erzählungen über die Banlieues deutlich, wie auch die Deutungen zeigen, die andere außerhalb des Quartiers haben oder wie die Zuschreibungen, die zu Bedeutungen bei den anderen werden. Die "fortgeschrittene Marginalität" (Wacquant) durch Bestrafen, Prekarisierung und Diskreditierung führt dann irgendwann in die soziale Exklusion.

Anders ist es bei den Gated Commuities, auf die Georg Glasze eingeht. Siedlungen, die durch Zäune, Mauern und Tore abgegrenzt sind, weisen zwar einen segregierten Charakter auf, aber allerdings ohne deren negative Segregationseffekte. Der Autor weist darauf hin, dass der englische Begriff der community auch den Aspekt von Gemeinschaft, von einem sozialen Zusammenhang meint. Und: Community ist auch Interaktion zwischen Gleichen. In Frankreich kennen wir die villas, die im Paris des 19. Jahrhunderts entstanden. Die Gemeinschaft kümmert sich um die gemeinschaftlichen Aufgaben im Sinne von Sicherheit und auch Abgegrenztheit und Überwachung. Die sozialstaatliche Verfasstheit der europäischen Stadt hat diese Prozesse in Europa z. T. auch verhindert oder doch eingeschränkt.

Der Autor führt noch andere Beispiele aus anderen Ländern an. Diese städtebaulichen Formen sozialer Abschließung darf – so der Autor – nicht schon auf die Spaltung der Gesellschaft hin gedeutet werden. Allerdings weisen die Prozesse sozialräumlicher Abschließung auf Prozesse "sozialer Schließung" (M. Weber) hin, mit der das Phänomen beschrieben wird, dass Klassen und Schichten auf den Bestandsschutz gewonnener Privilegien achten, und wenn man sie mit anderen teilt (teilen muss), sind es keine Privilegien mehr. In der räumlichen Abschließung wird diese soziale Ausschließung schließlich manifest. Außerdem wird die privatrechtliche Organisation eines Wohngebietes als Aneignungsprozess aufgefasst, auf den der Autor auch eingeht.

Gisela Welz beschreibt den Kiez, jenes kleinräumige städtische Wohnquartier mit seiner eigenen Identität – auch mit einer Eigenlogik von Integration und Ausgrenzung.

Kiez ist keine analytische Kategorie der Raumanalyse, sondern eine soziale, eine sozialhistorische und soziokulturelle Kategorie der Beschreibung eines sozialräumlichen Zusammenhangs, in dem räumliche und soziale Strukturbedingungen des Wohnens und Lebens in dialektischer Weise miteinander verwoben sind. Dies macht die Autorin auch an der Beschreibung Berliner Kieze fest. Inwieweit das Quartiersmanagement des Programms "Soziale Stadt" einen solchen sozialen Quartierszusammenhang entwickeln oder schaffen kann, sei dahingestellt. Wer Kieze kennt, weiß, dass die über Generationen hinweg geschaffene Wohn- und Quartierskultur nicht durch sozialpädagogische Programme entwickelbar ist. Abgesehen davon, dass sich zwischenzeitlich auch eine etablierte Mittelschicht und ein Bildungsbürgertums dieses Begriffs bedient, um ihre Quartiersbeziehungen zu beschreiben, zu strukturieren und abzugrenzen von anderen Kommunikationszusammenhängen. Darauf geht die Autorin auch ein.

Das Reservat beschreibt Michael Flitner in seiner komplexen Bedeutung: als Naturreservat oder als Reservat für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie die Indian Reservations, die homelands oder die townships in Südafrika.

Reservate sollen etwas bewahren, erhalten, beschützen. Das kennen wir von Naturreservaten wie die prominente Serengetie. Der Autor kritisiert allerdings, dass auch in jüngeren Lexika das Reservat als ein "Schutzgebiet für autochthone Bevölkerungsgruppen" bezeichnet wird, die den Resten von Naturvölkern die Möglichkeit gibt, ihre althergebrachte Kultur weiter zu pflegen. Historisch würde dies ohnehin nicht stimmen – so der Autor, der dies an Studien auch belegt. Und auch im nationalsozialistischen Deutschland dachte die SS im Rahmen der "Neuordnung Deutschlands" über ein Judenreservat bei Lublin nach.

Borderland, Niemandsland

Marc Boeckler beschäftigt sich mit Borderlands, Grenzgebiete, in denen sich grenzüberschreitend eine Alltagskultur entwickelt, die weder das eine noch das andere ist, sondern etwas ganz anderes darstellt. Der Autor beschreibt dies am Beispiel des 3.200 km langen Streifens an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Borderlands sind Zonen des Übergangs; sie bilden sich an den politischen und geographischen Grenzen von Staaten, die sich kulturell und sozial doch nicht klar abgrenzen können, weil auch "hin und her gelebt" wird. Sie sind auch Gefährdungszonen des nationalen Raums, die der Autor auch beschreibt. Sie drängen nationale Institutionen an der Grenze zurück. Polizei und Zoll, Staatsorgane allgemein können die Grenze nicht überschreiten. Borderlands schaffen assoziative Vernetzung und verhindern, zumindest erschweren institutionelle Kooperationen. Und dort, wo sich Rechtsysteme treffen, können sie jeweils nur darauf achten, dass sich die Akteure, die sich vernetzen wollen, sich diesen Rechtssystemen jeweils nicht entziehen. Der Autor fasst zusammen: Borderlands sind widerspenstig, widersprüchlich und widernatürlich (49).

Niemandsland nennt Matthew Hannah seinen Beitrag. Mit Niemandsland assoziieren wir in der Regel Zwischenzonen, die aus welchen Gründen auch immer von niemandem bewohnt, belebt oder in irgendeiner anderen Form zugänglich sind. Gleichwohl sind es abgegrenzte Territorien, Gebiete, die auf Grund ihres je spezifischen Zwecks auch Zugangsvoraussetzungen kennen. Die wird beschrieben und begründet. Aber man gehört normalerweise irgendwo hin und die Kehrseite von Niemandsland ist Ortslosigkeit oder – wie H. Arendt dies beschreibt – Staatenlosigkeit. Der Autor geht dann auch auf die Situation des Lagers Guantánomo Bay ein und beschreibt die Situation der "Niemande" dieses Lagers. Aber ist Niemandsland ein öffentlicher Raum, einer, der jedem oder niemandem gehört, ähnlich wie die mittelalterliche Allmende, die allen, und dennoch keinem gehörte?

Der Autor führt ausgegrenzte Jugendliche und Obdachlose an: Aber sind die wirklich im Niemandsland, haben sie nicht Bezug zu den um sie herum handelnden Akteuren, die sie auch in diese Lage bringen oder sie dort lassen? Haben sie nicht dadurch auch eine sozialräumliche Funktion in einer Stadt? Auch Ausgrenzung hat eine Funktion!

Outdoor beschreibt Antje Schlottmann. Outdoor ist zum Markenzeichen einer wetterfesten Kleidung geworden – und "draußen" scheint den Raum zu bezeichnen, wo man sie trägt. Simmel und Levebvre werden bemüht, um das Städtische vom Natürlichen abzugrenzen, denn natürlicher Raum ist Landschaft, Land. Wer in der Stadt einkauft, geht nicht outdoor. Vor den Toren der Stadt und nicht in ihr ist Natur. Es geht um den Naturraum als Freiraum und als Erlebnisraum. Und es ist der Lern- und Erfahrungsraum der Kinder und Jugendlichen, warum ein Dorfkinder anderes über die Natur lernen muss als das Stadtkind.

Drinnen und Draußen bezeichnen also zwei unterschiedliche Erlebnis- und Handlungsräume - ähnlich dem, was das Städtische ausmacht: Privatheit und Öffentlichkeit. Drinnen muss man anders handeln oder sich verhalten als draußen. Und draußen eignet man sich den Raum anders an als drinnen, besetzt ihn anders, gibt ihm eine andere Bedeutung. Das Alles wird von der Autorin beschrieben, an Hand der Literatur dargestellt und analysiert.

Bildungslandschaft beschreibt Anika Duveneck. Landschaften sind charakteristisch geformt, strukturiert, aufgeteilt in Dörfer und Natur, Landschaften haben eine eigene regionale Besonderheit – aber Bildungslandschaften? Die Autorin greift auf einen ministerialen Ansatz zurück, wenn Bildung erfasst wird als eine umfassende Organisation von Bildung aus einer Hand, die sämtliche Formen des Lernens umfasst.

Nun hat die deutsche Pädagogik ohne Schwierigkeiten mit dem Bildungsbegriff. Hier geht es aber auch um konkrete Bildung vor Ort. Was kann auf kommunaler Ebene für Bildung als unmittelbare Lebens- und Integrationserfahrung, als Lernen in konkreten sozialräumlichen Bezügen getan werden? Es geht um community education, um local networks of education, also um eine Basis für Lernen im sozialräumlichen Kontext des Nahraums und durch ihn. Kritisch geht die Autorin mit diesem Ansatz in Gericht, fragt nach den Gefahrenpotentialen eines solchen Ansatzes und nach den ideologischen Tendenzen der Verschleierung der eigentlichen Bildungsmisere der Bildungsinstitutionen.

Finanzparkett, Rechenzentrum, Labor

Andreas Langenohl setzt sich mit dem Finanzparkett auseinander. Parkett ist ein glatter, aber auch hochwertiger Bodenbelag, der die Gebäude der Börse ziert. Und so wie die Börsianer sich in diesem Raum bewegen, brauchen sie in ihrer Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit das Parkett, über das man hinweg gleitet. In diesem Sinne ist das Finanzparkett ein Ort der Sozialität, ein Ort, der verortet, also Vertrauen schafft, Zugehörigkeit erzeugt und Anerkennung produziert. Die Börse ist ein in sich geschlossener Raum, der ein spezifisches Milieu erzeugt, zu dem man nicht einfach zugelassen ist und der seine eigene Logik von Integration und Ausgrenzung kennt. Diese Schließung wird vom Autor an Hand der Geschichte und Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit entlang nachgezeichnet und begründet. Bürgerliche Öffentlichkeit, die zunächst nur an literarischen Diskursen interessiert war, dann aber auch ein "politisch räsonierendes Publikum" (Habermas) meinte, diese bürgerliche Öffentlichkeit umschloss im Zuge der Entwicklung des Handelskapitalismus dann auch die Kontore der Kaufleute, die Kaffeehäuser, in denen Geschäfte gemacht wurden. Hier wird dann noch einmal ein anderer Raumbegriff virulent, der sich nicht auf das konkrete Parkett im Handelsraum der Börse bezieht. Und Max Webers Definition des Marktes als Konstitutivem des Urbanen und als Zirkulations- und Tauschsphäre gewinnt hier auch ihre Konturen.

Sonja Palfner und Gabriele Gramelsberger kümmern sich um das Rechenzentrum. Rechenzentren sind ja nicht einfach Räume. Mit ihnen verbinden wir die Macht der Zahlen, die Herrschaft über Daten und Prozesse – auch Beratungszentren können sie sein, wenn man mit seinem Rechner nicht weiterkommt oder er wieder mal abstürzt. Das Digitale beherrscht die Welt, die Kommunikation und manche Argumentationslinien. Die beiden Autorinnen beschäftigen sich mit dem wissenschaftlichen Rechenzentrum; Forschung ohne Computer geht kaum noch. Das Rechenzentrum wird zum Ort innerhalb eines Gesamtsystems Wissenschaft. Nach einer ausführlichen Beschreibung der Geschichte des Rechners wird seine Nutzung innerhalb der Wissenschaft beschrieben, seine Funktionen bei der Bearbeitung von wissenschaftlichen Theorien und empirischer Forschung – und dies in sehr unterschiedlichen Disziplinen.

Mit dem Labor beschäftigt sich dann auch noch Sonia Palfner. Mit Laboren verbinden wir Räume des Experimentierens, des Erforschens von Zusammenhängen; Labore sind auch Experimentierräume, in die die Außenwelt und ihre Variablen nicht eindringen. Es sind geschlossene in sich strukturierte Systeme mit einer Grenze nach außen und einer Systemumwelt. Max Webers Entzauberung der Welt findet nun in den Laboren statt, wo bedingungslos die Objektivität der naturwissenschaftlichen Erkenntnis nachgewiesen wird. Dies wird an Hand der naturwissenschaftlichen Forschungsgeschichte exemplifiziert, die Bedeutung der Labore in der medizinischen Forschung hervorgehoben. In der sozialwissenschaftlichen Forschung hat die Feldforschung die Laborforschung ein bisschen abgelöst. Sozialwissenschaftliche Laborerkenntnisse sind immer problematisch und schwierig, soziokulturelle Bedingungen des Handelns und seiner Ermöglichung lassen sich in ihrer Komplexität im Labor nicht darstellen, noch weniger erforschen. Insofern gibt es eine Binnen- und eine Außenwelt – unterschiedliche Räume, mit unterschiedlichen Konnotationen besetzt.

Diskussion

Sicher – es ist ein Glossar. Und der Anspruch an ein solches Glossar kann nicht mehr sein, als entsprechende Begriffe zu erklären, vielleicht auch ihre historischen Wurzeln und theoretische Grundlegung zu erörtern. Ein Glossar ordnet und strukturiert nicht, es kategorisiert nicht, es sortiert die Begriffe alphabethisch. Insofern ist das Buch ein Glossar, und die Leseempfehlung ist auch klar: man muss es nicht in einem durchlesen.

Der in der Einleitung formulierte Anspruch, Räumlichkeiten und Orte auszumachen, die entweder unmittelbar oder metaphorisch Bezüge zu Raumeinheiten aufweisen – dieser Anspruch wird in den Beiträgen meist nur rudimentär eingelöst, manchmal auch gar nicht.

Die Kriterien der Auswahl der "Räumlichkeiten und Orte" erschließen sich einem nicht – eine Zufallsauswahl scheint es aber auch nicht zu sein - was dann? Auch wäre eine Kategorisierung zumindest in der Einleitung hilfreich gewesen, um zu verstehen, warum diese Begriffe und nicht etwa andere hier ihren Platz finden. Aber dann wäre es kein Glossar mehr.

Die Beiträge sind unterschiedlich in der Tiefe der Argumentation und in den Begründungen; viele Beiträge weisen tiefgehende und differenzierte analytische und theoretische Begründungszusammenhänge auf, viele sind auch phänomenologisch interessant nach dem Motto: So kann man es auch sehen.

Fazit

Wer sich einen ersten Überblick verschaffen will über das, was wir heute alles mit Raum assoziieren und was mit Raum verbunden ist, ist mit diesem Buch sicher gut bedient.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 15.02.2013 zu: Nadine Marquardt, Verena Schreiber (Hrsg.): Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. transcript (Bielefeld) 2012. ISBN 978-3-8376-1968-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14257.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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