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Jennifer Leonhardt: Stressmanagement - mit weniger Druck mehr erreichen

Cover Jennifer Leonhardt: Stressmanagement - mit weniger Druck mehr erreichen. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2012. 166 Seiten. ISBN 978-3-589-24073-9. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

Das Buch präsentiert ein Trainingsprogramm zur besseren Bewältigung von Stress. Die Autorin berücksichtigt die moderne Hirn-, Stress- und Resilienzforschung und bietet Anregungen für ein individuelles Stressmanagement. Dazu gehören das Erkennen eigener Stressmuster, das Wissen um die Möglichkeiten, diese zu durchbrechen sowie die Kenntnis entsprechender Techniken und Übungen. Diese sollen zu mehr Gelassenheit und besserer Leistungsfähigkeit auf drei Ebenen der Stressbewältigung verhelfen: Wahrnehmung und Emotion, Körper und Entspannung sowie mentale Ebene und Resilienz.

Autorin

Die Autorin Jennifer Leonhardt ist Diplomkauffrau, war nach eigenen Angaben zunächst im Human Ressource Management und ist seit einigen Jahren als freiberufliche Beraterin und Trainerin für Stressmanagement, Human Ressources und Veränderungsmanagement tätig.

Aufbau und Inhalt

In sechs Kapiteln stellt Leonhardt in diesem Trainingsbuch Anregungen zum Erkennen und Bewältigen eigener Stressmuster vor und nimmt dabei auch Bezug auf aktuelle Erkenntnisse der Neurobiologie, Stress- und Resilienzforschung:

  1. Einleitung
  2. Regeln verstehen
  3. Anatomie der Gedanken
  4. Diagnose der Stressmuster
  5. Ausgleich schaffen
  6. Resistenz stärken.

Exemplarisch soll hier das Kapitel „Resistenz stärken“ vorgestellt werden. Hier gibt die Autorin Anregungen, wie die LeserInnen eigene Stressversucher („Antreiber“) ausbalancieren können, was unter Resilienz zu verstehen ist und wie die eigene Stressresistenz gefördert werden kann. Eine Einführung in die Meditation soll die LeserInnen beim Ausbau dieser Stressresilienz unterstützen, außerdem erfährt er/sie, wie neue stressreduzierende Gewohnheiten entwickelt und ausgebaut werden können.

Zunächst werden die LeserInnen zu einer Übung eingeladen, die die für sie besonders prägenden Antreiber im Sinne von inneren Motiven oder Regeln, die das eigenen Fühlen, Denken, Handeln beeinflussen und die diesen zugrunde liegenden „Glaubens-Sätze“ deutlich machen. Im nächsten Schritt werden dann die eher als hemmend und einschränkend erlebten Sätze zu positiven „Glaubens-Sätzen“ („Erlaubern“) umformuliert. Dazu stellt die Autorin entsprechende Formularvorlagen und diverse Beispiele zur Verfügung.

Sodann schließt sich eine Einführung in das Thema Resilienz an. Dieser ursprünglich aus der Wertstoffkunde stammende Begriff beschrieb dort; „die Eigenschaft von Materialien, trotz extremer Belastung immer wieder in ihren ursprünglichen Ausgangszustand zurückzukehren“ (137). Der Begriff wurde in den 1950er Jahren vom amerikanischen Psychologen Jack Block in die Psychologie eingeführt und ist mit der Fragestellung verbunden, was Menschen stark oder schwach macht bzw. was manche Menschen fähiger macht, widrige Umstände zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen als andere. Sie schlägt den Bogen von der Resilienzforschung zum Salutogenese-Konzept von Antonovsky (Konzept von Entstehung und Erhaltung von Gesundheit) und nimmt dabei Bezug auf die wichtigsten Studien in diesem Kontext: die Studie Antonovskys mit Frauen, die im Zweiten Weltkrieg in Konzentrationslagern interniert waren und Emmy Werners hawaiianische Langzeitstudien aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Dabei kommt sie zur Schlussfolgerung, dass Resilienz bei vielen Menschen zwar vermutlich angeboren ist, aber dennoch auch bei anderen gezielt ausbaubar und damit erlernbar ist.

Sie nimmt Bezug auf das Konzept der Sieben Säulen der Resilienz von Reivich und Shatté und führt diese aus:

  • Optimismus: ist ein zentrales Merkmal von Resilienz, denn OptimistInnen „neigen dazu, ihre Probleme als vorübergehend, kontrollierbar und spezifisch für eine bestimmte Situation“ zu interpretieren (140), während sie für gute bzw. positive Ereignisse generelle und andauernde Erklärungen haben (140). Dies fördert faktisch die Stressreduktion.
  • Akzeptanz: ist ein weiterer wichtiger Aspekt von Resilienz, denn resiliente Menschen geben sich mehr Zeit, bestimmte – belastende – Geschehnisse zu verarbeiten; sie unterscheiden zwischen durch sie veränderbaren und nicht veränderbaren Ereignissen und Rahmenbedingungen und konzentrieren sich auf diese, ohne sich im Kampf gegen Windmühlen zu verausgaben.
  • Übernahme von Verantwortung: dabei geht es darum: „die richtige Verantwortung für Vergangenes zu übernehmen“ (143), sowohl für ausgeführte als auch für unterlassene Handlungen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen: „Resiliente Menschen nehmen sich die Zeit, die vergangene Situation zu reflektieren und den eigenen Anteil an der Krise oder dem Misslingen im Vergleich zum Anteil Anderer sachlich abzuwägen. Für diesen Anteil übernehmen sie die Verantwortung.“ (143).
  • Lösungsorientierung: resiliente Menschen sind auch in extremen Krisen lösungsorientiert. Das ergibt sich aus ihrer Grundhaltung, dass Vergangenes nicht mehr änderbar (aber deutbar) ist, und die Gegenwart und die Zukunft positiv gestaltbar sind. Für sie ist eine schwierige Situation: „eher eine Herausforderung als ein Problem und große Herausforderungen zerteilen sie in kleinere, machbare Schritte.“ (144)
  • Verlassen der Opferrolle: resiliente Menschen streben auch in extrem belastbaren Situationen nach Selbstbestimmung und Erhalt bzw, Ausweitung ihrer Handlungsfähigkeit. Ihr Konzept ist die Selbstwirksamkeit.
  • Netzwerkorientierung: im Sinne eines Eingebundenseins in stabile und tragfähige Strukturen.
  • Zukunftsplanung: für resilientere Menschen ist eine umsichtige Zukunftsplanung kennzeichnend, ohne dass sie sich auf diese versteifen, denn sie beziehen mögliche vorhersehbare Veränderungen ein.

Die Autorin beschränkt sich dabei nicht auf die reine Beschreibung der jeweiligen Säule, sondern verbindet sie mit konkreten methodischen Anregungen und Tipps. Ergänzend dazu beschreibt sie eine umsichtige Zukunftsplanung als weiteres relevantes Merkmal resilienter Menschen. Umsichtigkeit in diesem Kontext meint das Definieren realistischer Ziele, verbunden mit der Option auf Umsetzbarkeit, zugleich aber verknüpft mit der Auseinandersetzung mit potentiellen bzw. vorhersehbaren Veränderungen.

Die Autorin hat einen sogenannten StressRadar® entwickelt, der es den LeserInnen/NutzerInnen ermöglichen soll, eine differenzierte Übersicht über ihre Resilienzfaktoren zu erhalten und Stressfallen zu vermeiden lernen. Auf diesen nimmt sie im Kontext ihrer Ausführungen zum Thema Resilienz Bezug und lädt die LeserInnen zu entsprechenden Übungen ein.

Als eine besonders effektive Stressbewältigungstechnik führt die Autorin Meditation ein. Dazu präsentiert sie eine kompakte Einführung in die Geschichte und Funktionsweise unterschiedlicher Meditationsverfahren und akzentuiert anschließend insbesondere die neurobiologische Dimension der Meditation.

Es schließen sich eine Reihe von Vorschlägen an, wie der Leser/die Leserin durch das Annehmen neuer Gewohnheiten höhere Stressresistenz erlangen kann.

Diskussion und Fazit

Leonhardts Buch ist ein durchdachter, anwendungsorientierter Ratgeber für Stressgeplagte. Es ist gut verständlich geschrieben, viele Fotos und Zeichnungen machen die Inhalte gut nachvollziehbar, zahlreiche Tests, Tipps und Übungen regen zur eigenen Reflexion und veränderten Lebenspraxis an. Es ist ansprechend im Zweifarbendruck gestaltet.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 07.10.2013 zu: Jennifer Leonhardt: Stressmanagement - mit weniger Druck mehr erreichen. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2012. ISBN 978-3-589-24073-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14280.php, Datum des Zugriffs 17.09.2019.


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