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Christian Pröls: Die Vater-Kind-Beziehung im Kontext von Trennung und Scheidung

Cover Christian Pröls: Die Vater-Kind-Beziehung im Kontext von Trennung und Scheidung. Verlag Dr. Köster (Berlin) 2011. 227 Seiten. ISBN 978-3-89574-782-3. D: 24,80 EUR, A: 25,50 EUR.

Wissenschaftliche Schriftenreihe Psychologie - Band 21.
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Thema

Das Thema könnte wichtiger kaum sein: Es rührt an die Grundlagen von Kultur und Gesellschaft. Wenn in dem unvergleichlichen Tenorauftritt das „Lache Bajazzo“ erklingt, weiß ein Mann, dass seine Partnerin ihm nicht treu ist. Doch er muss gleich auf die Bühne und den Clown spielen. In Pröls Thema muss der Vater auf die Bühne und so tun, als ob seine Partnerin und er den Nachwuchs weiterhin gemeinsam betreuen. Der Grund dafür kann freilich ein anderer sein als in dem italienischen Einakter. Anlass des in Pröls Forschung erörterte Problems sind Ehescheidungen bzw. Trennungen unverheirateter Elternpaare. Da eignet sich der Bajazzo-Vergleich besser: Auf der Bühne soll das Spiel „Ehe“ aufgeführt werden, und obschon sie vielleicht gut eingeübt war, mag der eine oder der andere – oder mögen beide – Schauspieler die Partnerrolle nicht mehr spielen. Also findet die Aufführung nicht statt, und das Publikum wird heimgeschickt. Freilich findet man in dem Buch von Pröls die Theatermetapher nicht, und das muss man ja auch nicht.

Aufbau

Pröls gliedert das Buch wie folgt: Zuerst eine Einleitung (1), dann fünf inhaltliche Kapitel (2-6) gefolgt von einer kurzen zusammenfassenden Übersicht der Ergebnisse und von Verzeichnissen (Literatur, Tabellen, Abbildungen, Skalen).

Die fünf Kapitel haben zum Inhalt:

  • 2. Vaterschaft,
  • 3. Der Beitrag von Vätern zum Leben ihrer Kinder,
  • 4. Vaterschaft und Vater-Kind-Beziehung im Kontext von Trennung und Scheidung, und dann folgen die Berichte über die beiden von Pröls durchgeführten Studien:
  • 5. Studie 1: Die Wahrnehmung des anderen Elternteils und dessen Auswirkung auf die Vater-Kind-Beziehung und schließlich
  • 6. Studie 2: Die Wahrnehmung des väterlichen Erziehungsverhaltens durch Jugendliche und dessen Auswirkung auf deren Entwicklung.

Inhalt

Das Kapitel „Vaterschaft“ bemüht sich zu Beginn um einen Überblick über Veränderungen in der Geschichte. Das fällt – auch mit Hinweisen auf Durkheim aus zweiter Hand (S. 5) – leider dürftig aus und diese „Historie“ hätte besser ganz weggelassen werden sollen. Doch dann gibt Pröls hier einen Überblick über die Väterforschung, der nützlich ist.

Zum „Beitrag von Vätern“ erfährt man etwas über „väterliches Engagement“ und gemeinsames Erziehungsverhalten von Eltern. Das Scheidungskapitel informiert über Statistiken zu Trennung und Scheidung und gibt dann einen höchst informativen Einblick in die einschlägigen Aktivitäten des Gesetzgebers, durch die Rechte und Pflichten getrennt erziehender Väter geregelt werden sollen.

Die Berichte über die beiden Studien erläutern die Bildung von Hypothesen und Stichproben und stellen die Angemessenheit der Erhebungsinstrumente sowie die Ergebnisse vor. Dabei kommen Einsichten heraus, die unmittelbar plausibel sind: Die Kinder gedeihen umso besser, je mehr ihre Eltern einander vor ihnen als positiv darstellen. Pröls stellt auch aus der Sicht seiner Forschungstechnik fest, „dass sowohl der Intercept-Wert des Selbstwertes als auch der der Aggressivität einen Einfluss auf das Wachstum des Erziehungsverhaltens der Väter aus der Sicht der Jugendlichen hatte“ (S. 201).

Fazit

Diese Doktorarbeit liefert einen Beitrag zu einem Thema von großer Bedeutung. Sie hinterlässt dabei den Eindruck eines Theoriemangels, der wohl aber nicht dem Verfasser zur Last zu legen ist. Die Erforschung von Familienbeziehungen war einst Aufgabe der Soziologen. Doch die haben sich von dem Thema weitgehend zurückgezogen. Daher ist es verdienstvoll, wenn ein Psychologe sich damit befasst. Das Buch sollten seine Fachkollegen, Soziologen, Erzieher und im Zivilrecht tätige Juristen anschauen.


Rezension von
Prof. Dr. Horst Jürgen Helle
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie
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Zitiervorschlag
Horst Jürgen Helle. Rezension vom 20.03.2014 zu: Christian Pröls: Die Vater-Kind-Beziehung im Kontext von Trennung und Scheidung. Verlag Dr. Köster (Berlin) 2011. ISBN 978-3-89574-782-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14321.php, Datum des Zugriffs 07.12.2021.


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